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ist keine freiwillige Entscheidung, sondernunveränderliches Persönlichkeitsmerkmal.Dazu arbeiten Stiftungen und Menschen-rechtsorganisationen – ich würde mir aberauch mehr Engagement der Botschaftenwünschen. Wir stärken die Gruppen vor Ort,so dass ihr Engagement nachhaltig wirkenkann. Leider ist es häufig so, dassprominente Kämpfer für die Menschenrechteder Lesben und Schwulen ermordet werdenoder das Land verlassen müssen. Diegenerelle Gewalt in Jamaika ist extrem hoch– da müsste die Bundesrepublik und dieEuropäische Union sehr viel aktiver helfen.
mm:
Sizzla hat sich im Februar 2010 mitseinem Interview in Zimbabwe quasiselbstständig ins europäische Karriere-abseits befördert und wird auch von derhiesigen Reggaeszene nicht erst seit diesem Vorfall kritisch beäugt. Viele schätzen ihndennoch weiterhin für seine zahlreichenfriedfertigen Lieder. Was meinen Sie müsstepassieren, damit ein Sänger wie Sizzlawieder rehabilitiert und glaubwürdig wird,oder hat er seine Chancen endgültigverspielt?
Sizzla hat mehrere Angeboteausgeschlagen und Chancenvertan.
vb:
Sizzla hat mehrere Angeboteausgeschlagen und Chancen vertan. Mit dem„Reggae Compassionate Act“ hat manversucht eine Brücke zu bauen. Sizzla hatsich wiederholt davon distanziert undzuletzt – ausgerechnet in Zimbabwe! –betont, dass er die homophoben Lieder ausÜberzeugung singt, weil „die Botschaft daringehört werden müsse“. Andere Künstlerhaben sich glaubwürdiger von ihrenfrüheren Songs verabschiedet. T.O.K. zumBeispiel hat umgedacht, nachdem derBruder eines Bandmitgliedes durch Gewaltums Leben kam. Daraufhin hat T.O.K. denRCA neu unterschrieben und sich nachmeiner Kenntnis bis heute daran gehalten.
mm:
Im Rahmen des verhinderten Auftrittsin Berlin kam es auch zu der gemeinsam vonKünstlermanagement, Veranstalter undLSVD erarbeiteten Idee, Sizzla könne sichmit einer ad hoc unterschriebenen, zwölf-monatigen Kampagne auf Jamaica gegenHomophobie samt Akzeptanzbroschüre und Videostatement einen Auftritt imKesselhaus ermöglichen. Halten Sie das füreine wirksame Erziehungsmaßnahme oderglauben Sie, die Akteure waren sich im Voraus darüber bewusst, dass dieseForderung zu diesem Zeitpunkt zumScheitern verurteilt war?
vb:
Die Idee folgt den Grundsätzen desTäter-Opfer-Ausgleichs und setzt direkt anden Problemen an. Ich finde den Ansatz,dass mehr für die Aufklärung vor Ort inJamaica getan werden müsste, sehr richtig.Ich würde mir wünschen, dass andereKünstler ein solches Engagement zeigen –von Sizzla erwarte ich hier nichts mehr. Ichfand es aber zum Beispiel beeindruckend,dass Shaggy bei seinem großen Benefiz-konzert im Januar in Kingston seinenKollegen Bounty Killer der Bühne verwies,als der mal wieder zum Schwulenbashingansetzte. Das zeigt Zivilcourage und machtauch deutlich, dass nicht „der Reggae“schwulenfeindlich ist, sondern nur einigewenige Interpreten.
mm
: Und Aktionen, wie zum Beispiel derButtersäureanschlag im Wuppertaler U-Club - gerechtfertigt?
vb:
Gewalt ist nie eine Lösung. Ich setze auf Argumente und auf rechtsstaatliche,präventive Mittel.