Description
DR. MURAD WILFRIED HOFMANN, geboren
1931 in Aschaffenburg, ist ein 1980 zum Islam übergetretener deutscher Diplomat, der vor seiner Pensionierung im Jahre 1994 in Bern, Paris, Wien, Belgrad sowie jeweils mehrfach in Algier, Bonn und Brüssel eingesetzt worden war. 1983 - 1987 war der Autor Informationsdirektor der NATO in
Brüssel. 1987 - 1990 Botschafter in Algier und 1990 - 1994 Botschafter in Marokko.
Zuvor hatte er das Studium des deutschen Rechts in München mit Promotion und Assessorexamen, das Studium des amerikanischen Rechts am Union College (Schenectady, N.Y.) und an der Harvard Law School (Cambridge, Mass.) mit dem Magister-examen (LL.M.) abgeschlossen.
Zu diesem Buch:
Denkwürdige (vom Autoren denn auch durchdachte) Ereignisse, darunter aufregende Lektüre, führten ihn in einem Jahre währenden Prozeß zur Annahme des Islam. Vor allem aber seine Erlebnisse seither - wie die Pilgerfahrten nach Mekka - vertieften sein intellektuelles und affektives Verständnis für diese auch in Europa neuaufblühende Religion . Dieses „Tagebuch" ist jedoch mehr als Nachzeichnung einer durchreflektierten Konversion , es ist eine erlebte Islam-Kunde - entwickelt in der geistigen Auseinandersetzung eines europäischen Akademikers als Muslim mit den Werte und Glaubensvorstellungen der heutigen westlichen Gesellschaft .
Vom Autor bisher erschienen:
- Ein philosophischer Weg zum Islam , 3.Aufl., München 1997.
- Zur Rolle der islamischen Philosophie , Köln 1984.
- Der Islam als Alternative, 3. Aufl., München 1995
- Islam 2000, Kairo 1995, Beltoville, MD (USA), 2. Aufl. 1997
- Reise nach Mekka, München 1996
ISBN 3-926575-57-3
Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen!
"Die Werke derjenigen, die ungläubig sind
und vom Weg Allahs abhalten, macht Er zunichte.
Denjenigen aber, die gläubig sind und gute Werke tun
und an das glauben,
was auf Muhammad herabgesandt worden ist
- und es ist ja die Wahrheit von ihrem Herrn -,
denen tilgt Er ihre schlechten Taten
und stellt ihre gute Lage wieder her.
Dies (ist deshalb so), weil jene, die ungläubig sind,
dem Trügerischen folgen, und weil diejenigen, die gläubig sind,
der Wahrheit ihres Herrn folgen. So beschreibt Allah den Menschen ihre Lage."
(Sura Muhammad/47, Verse l bis 3)
Einleitung
«Wer eine Sache nicht kennt,
steht ihr alsbald feindlich gegenüber."
('Ali Ibn Abi Talib)
Statt zu sagen, worum es bei diesem 'Tagebuch" geht, fällt es mir leichter zu sagen, was es nicht ist. Es handelt sich nicht um psychodramatische "Bekenntnisse" eines Konvertiten. Nicht um das Bedürfnis, Nichtanalysierbares -nämlich die kognitiven und affektiven Beweggründe eines Religionswechsels - doch zu sezieren. Dieses "Tagebuch" ist auch kein biographisches Protokoll, kein persönliches Logbuch, auch wenn darin konkrete Begebenheiten - wie in Mekka und AI-Madina - getreulich festgehalten sind. Vielmehr widerspiegelt dieses Buch einen geistigen Prozeß auf dem Wege zur Annahme des Islam, wie er von wenigen Schlüsselerlebnissen genährt wurde. Dabei wird deutlich, welche Rolle die vorgefundene Affinität zu den ästhetischen, zivilisatorischen und philosophischen Komponenten einer religiösen Hochkultur spielen können.
Man beneidet Diplomaten darum, immer wieder aufs neue gezwungen zu sein, sich fremde Kulturen zu erschließen; auch wenn sie letztlich doch meist Zaungäste bleiben. Sich eine fremde Kultur unter Identifizierung mit ihrer religiösen Basis anzuverwandeln ist ein viel weiterreichendes intellektuelles und emotionelles Abenteuer.
Dabei kann nicht ausbleiben, daß der Konvertit bis zu einem Grade in seinem eigenen Lande zum Fremden wird, es also "mit neuen Augen" betrachtet und darüber mit sich selbst in einen Dialog eintritt. Davon, ja davon handelt dieses Buch.
Rabat, im Sommer 1991 Murad Wilfried Hofmann