mowo-news august-2010
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einem Landrat, einem Landtagsabgeord-neten und dem heimischen Bürgermeisternicht ein einziges Mal. Erst bei der folgen-den Diskussion kommen Kritiker zu Wort und das böse U-Wort fällt.
Eine durchwachsene Zwischenbilanz
Tage zuvor wurde in der Fuldaer Zeitungin einem Bericht die Vorteile des Pilotpro-jektes in Hofbieber beschrieben. Mit Brut-to 7,2 MBit/s surfen die 47 Probanten desFeldversuchs durch das weltweite Netz.Keine Frage, eine deutliche Steigerung,denn bis dato wurde nur mit maximal384Kbit/s, meist aber noch weniger,gesurft. Sie funktioniert also, die DigitaleDividende (DD). Der hessische Wirt-schaftsminister Dieter Posch (FDP) prä-sentierte in dem Bericht über 90% zufrie-dene Nutzer. Nur am Rande liest man, dass6,5% der Teilnehmer technische Proble-me mit ihren Radios und Fernsehgerätenbekommen haben. Technische Problemevon Nicht-Nutzern der Digitalen Dividen-de wurden nicht erfasst.
2,6 Millionen Haushalte müssen mit technischen Problemen rechnen
Wenn man nun diese 6,5% auf die Gesamt-bevölkerung Deutschlands hochrechnet,kommt man auf stattliche 2,6 Mio. Haus-halte, die sich in Zukunft mit technischenProblemen auseinander setzen müssen.Wohlgemerkt: Diese Probleme entstehennur durch die neue Funkstrahlung der digi-talen Dividende, denn eigentlich sind dieGeräte ja in Ordnung. An sich ist das alleinschon ein Skandal.Es geht aber noch weiter: Rundfunkhäu-ser, Fernsehanstalten, Festpielhäuser, Büh-nen, Theater, Kinos, Kirchen, Vereine, alle,die zum Beispiel Funkmikrofone benut-zen, müssen Ihre Technik umstellen. EinMilliarden-Schaden droht. Ein Problem,das seit langem bekannt ist. Schon 2008schrieb das Magazin Connect, dass laut den Verbänden ungefähr 700.000 Funk-mikrofone und andere drahtlose Produk-tionsmittel betroffen sind. Diese müssendurch neue, für einen anderen Frequenz-bereich geeignete Geräte ersetzt werden.Dadurch entstehen den Verbänden zufol-ge Kosten in Höhe von deutlich mehr alseiner Milliarde Euro.
Milliarden-Schäden, die der Steuerzah-ler zahlen muss
Holk Freytag, Intendant der Bad Hersfel-der Festspiele äußerte sich gegenüberdem HR, dass er allein in Bad Hersfeld mit Kosten in Höhe von bis zu 500.000 Eurorechnet. Laut HR-Bericht soll die „alte“Technik per Steuererklärung abgeschrie-ben werden. Der Steuerzahler zahlt alsodie Digitale Dividende. Und der Verursa-cher erhält die Dividende. Ist das gerecht?
Ausgleichsfond geplant
Während der Werbeveranstaltung in Hof-bieber am 10.Mai stellte Markus Hofmann,Sprecher der Bürgerwelle Rhön, die Frage,ob es einen finanziellen Ausgleich gebenwerde durch Schäden, die durch die Ein-führung der Digitalen Dividende entste-hen. Der Referatsleiter Technologiepolitikdes hessischen WirtschaftsministeriumsGeorg Matzner erklärte, es werden wohlMittel aus den Frequenzversteigerungs-Erlösen dafür bereit gestellt und ein Aus-gleichsfond entstehen. Genauer wollte ersich nicht äußern. Verständlich, denn daskommt doch einem Offenbarungseidgleich. Technisch hochwertige Instrumen-te und Gerätschaften, die durchaus nochneuwertig sind, müssen verschrottet wer-den, weil eine neue Technik eingeführt wird. Und der Schaden wird durch den Ver-steigerungserlös bestritten. Wurden fürdie Versteigerung der UMTS-Funklizen-zen satte 50 Milliarden Euro eingenom-men, werden nur 4,4 Milliarden Euro fürdie Lizenzen der Nachfolgetechnik LTE-eingenommen. Das wird kaum reichen,die entstandenen technischen Schädenauszugleichen.
Massive Störungen in Endgeräten
Bertram Bittel, Direktor Technik und Pro-duktion des SWR sagte in einem Interviewin der Juni-Ausgabe der Zeitschrift Info-sat: „Die Bundesnetzagentur ist gefordert,ein störungsfreies Nebeneinander vonMobilfunk- und Rundfunk-Diensten zugewährleisten. Weder sind die notwendi-gen Maßnahmen zur Störungsvermei-dung hinreichend beschrieben, noch sinddie Zusagen des Bundes, die Kosten für dieRäumung dieser Frequenzbereiche denbisherigen Frequenznutzern zu erstatten,bisher erfüllt“.Es wurden teilweise massive Stöungender Endgeräte, das heißt bei Digital-Receivern, TV-Geräten oder Kabelmo-dems gemessen“, unterstreicht MauriceBöler, Pressesprecher von Kabel BW in dergleichen Ausgabe.
Auch der BUND ist skeptisch
„Dass es im technischen Bereich zu uner-wünschten Interferenzen kommen wird,steht hingegen außer Frage. Da der Fre-quenzbereich relativ nah an TV-typischenFrequenzen angesiedelt ist, sind Störun-gen unvermeidbar“, so der BUND Expertefür Mobilfunk Bernd Rainer Müller. Esscheint, als ob Deutschland zum großenFeldversuch startet, obwohl sich das euro-päische Ausland derzeit noch zurückhält,weil man dort um die technischen Schwie-rigkeiten weiß. Der britische ReguliererOfcom rechnet ebenfalls mit Störungenund macht zur Auflage, den betroffenenHaushalten Störsender zuzusenden. Auf Kosten der Verursacher. In Deutschlandwird es wohl der Steuerzahler richten.
Derzeit keine Studien zu Gesundheit
Da es keine wissenschaftliche Studiengibt, sind Wirkungen auf Mensch undNatur völlig unbekannt. „Die Aussage derLTE-Lobby, dass dieser Standard völligunbedenklich sei, ist eine reine Vermu-tung und durch nichts belegt“, so BerndRainer Müller in der Infosat. LTE-Handysund Datenmodems stören den Empfangdes terristischen Rundfunks und in gerin-gen Maße auch die von digitalem Kabel-fernsehen. Die Studien des Instituts fürRundfunktechnik (IRT) haben das bestä-tigt. Mit LTE kommt einiges auf uns zu,sagen nicht nur Technik-Kritiker. Das lässt Schlimmes befürchten.
DIGITALE DIVIDENDE
Ein Großteil der Mikrofonierung und Monitoring bei Gesanganlagen und Studiotechnik muss verschrottet werden. Der Steuerzahler wird‘s schon richten.
Foto: cb / Pixelio
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