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Gershom Scholem Interview

Gershom Scholem Interview

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Gershom Scholem Interview
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07/21/2012

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»
.
und
alles
ist
Kabbala«
Gershom Scholem
im
Gespräch
mit
Jörg
Drews
 
DREWS:
Herr Professor Smolem, wenn man als Mitteleuropäer oderauch als Deutscher überhaupt noch etwas weiß vom jüdi-schen religiösen Leben, dann kennt man vielleicht den BegriffThora und man weis vielleicht auch noch, was der Talmudist und bestenfds die Halb. Aber von Kabbala weil3 mansicher
sehr
wenig; das ist ein Begriff mit einer sozusagen*ungenauen*, smystidenu Aura, inhaltlich aber kann mansich nur höchst Vages darunter vorstellen. Kann man über-haupt in kurzen Worten sagen, was die Kabbala ist oder war?
SCHOLEM:
as hebräische Wort Kabbala heißt auf deutsch ~Uberliefe-rungu respektive *Empfangen von Uberlieferung* über-haupt; an sich bedeutet das gar nichts Mystisches oder beson-ders Tiefsinniges, du Wort kann auch ganz gewöhnlich ge-braucht werden,
im
Sinne von ,Ich habe eine Uberlieferungempfangen über das und das*. Aber
irn
Laufe der Entwick-lung hat
das
Wort
im
Mittelalter,
um
1200
etwa, den Sinnangenommen von Oberlieferung über göttliche Dinge, ge-heime Dinge, tiefe Dinge. Kabbala betrifft
ein
Wissen, daseinerseits irgendwie als mystischesWissen nicht mitgeteiltwerden kann, zugleich aber auch ein Wissen darstellt, dasselbst in dem, was
an
ihm
mitteilbar ist, nicht ohne weiteresmitgeteilt werden soll, es sei denn unter Kautelen, wie sieeben die Einweihung in Geheimlehren voraussetzt. Die
jü-
dische Mystik ist im wesentlichen Theosophie, Versenkungin die Geheimnisse der Gottheit und ihres Wirkens in ihrerVerbindung mit der Smöpfung und mit dem Ratsel desDaseins überhaupt. Und ein wichtiges Resultat der neuerenErforschung der Kabbala ist nun gerade, dd3
die
äiteste jüdi-sche Mystik sich nicht etwa
am
Rande, sondern
im
genauestenZentrum des sich ausbildenden rabbinischen, pharisäischenJudentums vollzogen hat.
DREWS:
Eine geheime, eine mystische Tradition gab es ja schon sehrviel früher als
I
200
.
.
SCHOLEM:
a. Wenn wir von kabbalistischen Dingen im Judentum spre-dien, meinen wir die Gesamtheit solcher Uberlieferungen
 
esoterischer
An,
zunädur, also Clberlieferungen über dieBeziehung des Menrdien zu Gott, mystische Erfahrung desMenschen oder mystische Auffassung der Welt
-
die Ge-samtheit solcher Phänomene im Judentum bezeichnen wirim allgemeinen als Kabbalistik. Im exakten, historischenSinne rde ich natürlich Kabbala nur da gebrauchen, duWort oder den Begriff Kabbala, wo es dieses Wort selbstschon gab, nämlich etwa von
1200
n, wo die kabbalistisdienIdeen zuerst
in
der Provence in Südfrankreich und auch imLanguedoc in der Gegend von Narbonne auftraten
.
.
DREWS:
.
und dann in Spanien?SCHOLEM:Und dann in Spanien, auch in Deutschland unter anderemT~tel.Man spricht von *deutscher Kabbala. im Rheinlmdoder vom deutschen Chassidismus. Aber diese Dinge sind imGesamtbegriff des Kabbalistis&en enthalten. Kabbala ist keinSystem
eines
bestimmten Denkanliegens und kein Denk-System, sondern ein Gesamtbegriff, der ganz verschiedeneEntwiddungen umfaßt, sehr verschiedene Denkformen ver-sdiedener Systeme, in denen Juden versucht haben, ihrSelbstverständnis
-
wie man heute sagen würde
-
u for-mulieren, es in Symbolen zu formulieren. Manche habenversucht, diese Symbole dann begrifflich zu entwickeln, wo-r es beträchtliche Beispiele gibt; natürlich Ot sich so etwasin einem Fernsehgespräch so wenig in eine adaquate Darstel-lung bringen wie die Hegelsche Philosophie als Gegenstandr eine solche Vorführung geeignet wäre. Aber historisch istKabbala eben der Deckname und Oberbegriff für alle dieseDinge. No& der späte Chassidismus, von dem in Deutsch-land gewiO durch die Buberschen Schriften sehr viel bekanntist, ist eine Erscheinungsform des kabbalistischen Weltgefühlsund seine Formulierung eine Art populäre Metamorphosedes kabbalistischen Weltbildes, bezogen nicht so sehr auf dasVerhiltnis der Menschen zu Gott
I
uf den Mensdien sel-ber.
.
.
DREWS:
.
.
.
oder auf duVerhältnis des Menschen zur
Welt
.
SCHOLEM:
.
des Menschen zur Welt oder zu sich selber, selbstverständlich. Die Juden waren keine Atheisten, so wenig Ernst Blocein wirklicher Atheist ist. Und wenn die Juden von solcheDingen sprechen, steht Gott immer irgendwo im Hinter-grund dabei. Das würde ich als den Sinn von Kabbalistischesehen; um es noch etwas anders zu sagen, schärfer: Was diKabbalisten als Erscheinung in derGeschihte des jüdischenVolkes und des Judentums als Phänomen auszeichnet, ist imwesentlichen die
symbolisde
Auffassung der Welt, die Auf-fassung des Judentums als eines symbolischen Körpers, indem etwas Unaussprechbares sichtbar wird, nämli& die Ge-samtheit der Welt, die Totalität der göttlichen Offenbarungin der Welt. Die Kabbaiisten versuchten, ihre Welt so zu be-schreiben, dlO sie gleichsam widerspiegelt einen göttlichenLebensprozeß, einen Offenbarungsprozeß, in dem Gott si&der Welt mitteilt. Und dieser Prozeß, der in Gott selber ab-läuft, der spiegelt sich wider
in
seiner Schöpfung. Diese sym-bolische Auffassung der Welt, die die Kabbalisten mit sehrvielen Mystikern anderer Religionen teilen, ist für meinGefühl einer der wesentlichen Aspekte der Kabbala. Und sogilt fürs Judentum, um darauf zu sprechen zu kommen, daßzwei Dinge für einen jüdischen Mystiker wesentlich sind,nämlich eine mystische Auffassung der Offenbarung, derThora, die nimt mehr nur das ist,
was
da budistäblich steht,sondern ein unendlich lebendiges organisches Gefüge vonSymbolen, die die Welt beschreiben, darsteh. Und: Der
jii-
dische Mystiker wird ausgehen von der jüdischen Grundvor-Stellung und Grundidee des Monotheismus und diese Ideedes einen Gottes nun auf seine Weise mystisch verlebendigen,indem er nämlich der Einheit Gottes ein geheimes inneresLeben, ein verborgenes Leben in Gott, das sich in der Weltspiegelt, zuschreibt.Ich m*te in diesem Zusammenhang auf einen widitigenPunkt zu sprechen kommen. Es gibt innerhalb solcher mysti-schen Vorstellungen wie der Kabbala im Judentum ganz ver-schiedene Möglichkeiten. Sie können innerhalb solcher Ge-dankengänge und symbolischen Repräsentationen zum Bei-spiel pantheistische Gedankengänge haben, die die Weltirgendwie in Gott hineinnehmen, und sie können streng

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