/  3
 
“Stalingrad-Volgograd. Mémoire” – Fotoausstellung von Maurice Schobinger“Stalingrad-Volgograd. Mémoire” heisst die Fotoausstellung von MauriceSchobinger, die bis 12. August 2010 in der grossen Halle im Hauptbahnhof Zürichgezeigt wird (und danach bis 31. August an der ETH Zürich auf dem Hönggerberg).Die Ausstellung verbindet Bilder des Schweizer Fotografen Maurice Schobinger ausdem heutigen Wolgograd mit Tagebucheinträgen der jungen russischen LehrerinSerafima Woronina aus dem belagerten Stalingrad von 1942.
Von Jürg Vollmer / maiak.infoDer Fotograf Maurice Schobinger bietet in “Stalingrad Volgograd Mémoire” Einblicke in dieverwundete Seele von Wolgograd in Süd-Russland. Mit seinen Fotografien verbindetSchobinger die Vergangenheit von Stalingrad mit dem Leben in der wieder aufgebautenStadt, die seit 1961 Wolgograd heisst.Die Schlacht von Stalingrad gilt als symbolischer Wendepunkt des Zweiten Weltkrieges.Nach der Einkesselung von 230000 Soldaten der Wehrmacht im November 1942 durch
′ 
 die Rote Armee ergaben sich die letzten deutschen Einheiten im Februar 1943. Imvollständig zerstörten Stalingrad blieben 169000 gefallene deutsche Soldaten und eine
′ 
 Million getötete russische Zivilisten und Soldaten auf dem Schlachtfeld zurück.
“Stalingrad-Volgograd. Mémoire” – die Ausstellung
Die Fotografien des Schweizers Maurice Schobinger werden begleitet vom bisherunveröffentlichten Tagebuch der jungen russischen Lehrerin Serafima Woronina aus dembelagerten Stalingrad von 1942. Ihre Tagebucheinträge machen die Geschichte der Stadtund ihrer Bewohner auf einmalige und ergreifende Weise lebendig.Die Fotoausstellung wurde bereits im Zentralmuseum für den Zweiten Weltkrieg in Moskauund im Staatlichen Panorama-Museum in Wolgograd gezeigt, wo sie insgesamt 50000
′ 
 Russen besuchten.Im Hauptbahnhof Zürich wird “Stalingrad-Volgograd. Mémoire” mit 50 Fotografien vonMaurice Schobinger und den Tagebuch-Ausschnitten von Serafima Woronina in einemspeziell konzipierten Stahl-Kubus präsentiert.
“Stalingrad-Volgograd. Mémoire” – die Fotos von Maurice Schobinger
 
Seit Jahren plante Maurice Schobinger ein Fotoprojekt zum Gedenken an den ZweitenWeltkrieg in Russland. Seine Grossmutter wurde als Kind von Auslandschweizern inMoskau geboren, nach der Oktoberrevolution 1917 musste die Familie in die Schweizzurückkehren.Ihre Verbundenheit mit der russischen Sprache und Kultur blieben jedoch erhalten: “Ich binmit der dramatischen Geschichte der Bevölkerung Stalingrads aufgewachsen. DieEreignisse um die Befreiung der eingeschlossenen Stadt haben für mich eine besondereBedeutung erlangt”, erklärt Maurice Schobinger.Die in “Stalingrad-Volgograd. Mémoire” gezeigten Fotografien entstanden während fünfReisen nach Wolgograd zwischen 2008 und Anfang 2010. Die in sich ruhendenFotografien von Maurice Schobinger wirken zeitlos in ihrer Aussage, dass sich in Russlandüber Generationen hinweg ein kollektives Gedächtnis an die Schlacht von Stalingradgebildet hat.Interessant ist deshalb die unterschiedliche Rezeption von “Stalingrad-Volgograd.Mémoire” durch Russen und Schweizer: Während Schweizer Ausstellungsbesucher dieFotografien mit Respekt aber doch eher mit Distanz betrachten, lösen die Bilder beiRussen starke Emotionen aus. So konnte sich eine junge russische Studentin imHauptbahnhof Zürich kaum von den Fotografien lösen und musste sich, den Tränen nahe,auf eine nahe Ruhebank setzen.
“Stalingrad-Volgograd. Mémoire” – das Tagebuch von Serafima Woronina
Der Zufall wollte es, dass Maurice Schobinger während seiner Reisen nach Russland daswiedergefundene Tagebuch einer jungen Lehrerin aus der Schlacht von Stalingradentdeckte. Serafima Woronina dokumentierte während dreier Herbstmonate 1942 denHorror des Kriegsalltags und bat in ihrem Tagebuch nachfolgende Generationen inständig,dieses Leid nie zu vergessen.Serafima Woronina wohnte neben der riesigen Stahlfabrik “Roter Oktober”, die sich überfünf Kilometer am Ufer der Wolga entlang erstreckte. Während des Krieges belieferte dieStahlfabrik die Rote Armee mit Waffen und wurde darum von der Wehrmacht total zerstört.Die junge Lehrerin Serafima Woronina musste für ihr Überleben im Stahlwerk arbeiten undbeschrieb in ihrem Tagebuch das Sterben, die Grausamkeit der Bombardierungen, denHunger und die ständige Angst. Unermüdlich dokumentierte sie auch kleineVorkommnisse, von denen das Überleben oder oft das Sterben abhingen. Ende Oktober1942 verstummte sie abrupt, Serafima Woronina wurde wie viele andere bei denBombardierungen von Stalingrad getötet.

Share & Embed

More from this user

Add a Comment

Characters: ...