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Lustknaben und Knabenschänder

Lustknaben und Knabenschänder

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Lustknaben und Knabenschänder im Kontext von 1Kor 6,9
Lustknaben und Knabenschänder im Kontext von 1Kor 6,9

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Lustknaben und KnabenschänderHermann HartfeldBrühl 2010
„Lustknaben undKnabenschänder“: 1Kor. 6,9 imKontext der Umwelt“
Einleitende Gedanken
Die Knabenliebe soll nach Raoul Schrott im alten Griechentum weitverbreitet gewesen sein. Gaius Valerius Catullus, ein römischer Dichterdes 1. Jh. v. Chr. hat die Lustknaben der Reichen und Mächtigen derAntike in seinen Gedichten erwähnt und es soll sie Kontinenteübergreifend gegeben haben
1
. Während im antiken Griechenland dieKnabenliebe eher en vogue war, galt sie in Rom als anstößig, meintBettina Eva Stump, sie wurde ihrer Meinung nach dennoch praktiziert,besonders von der Oberschicht
2
. Eine wahre Fundgrube über diepädophilen Neigungen stellt die Biographie Tiberius dar, die vomrömischen Schriftsteller und Verwaltungsbeamten Sueton geschriebenwurde, der im 2.Jh. durch die Kaiserbiographien verfasst hatte. Erbeschreibt, wie Tiberius sich mit seinen "Elritzen" vergnügte, kleinen Jungs, die ihm zwischen den Beinen durchschwammen
3
. Seine "spintriae"(eigentlich: Bordellmünzen), wie Sueton die Lustknaben nennt, ließ er sichaus allen Provinzen des Imperiums schicken
4
.
Friedrich Nitzsche schreibt zu diesem Thema:
 „Die erotische Beziehung der Männer zu den Jünglingenwar in einem unserem Versndnis unzunglichenGrade die notwendige, einzige Voraussetzung allemännlichen Erziehung [...]; aller Idealismus der Kraft der griechischen Natur warf sich auf jenes Verhältnis, und wahrscheinlich sind junge Leute niemals wieder soaufmerksam, so liebevoll, so durchaus in Hinsicht auf ihr Bestes (virtus) behandelt worden wie im sechsten und fünften Jahrhundert - also gemäß dem schönen SprucheHölderlins »denn liebend gibt der Sterbliche vomBesten«
5
.
1
Raoul Schrott:
Die Erfindung der Poesie. Gedichte aus den ersten viertausend Jahren
.Deutscher Taschenbuch Verlag, München, S. 160ff.
2
Vgl. Bettina Eva Stump:
Prostitution in der römischen Antike
, Akademie Verlag SBN I.3-05-003459-9, S.62ff.
3
Elritzen sind schwimmaktive und friedliche Schwarmfische.
4
Vgl. C. Suetonius Tranquillus,
5
Friedrich Nietzsche,
Menschliches, Allzumenschliches
, 2. Band §259.
1
 
Lustknaben und KnabenschänderHermann HartfeldBrühl 2010
Wie auch immer der kulturelle Hintergrund der hellenistischen Weltgewesen sein könnte, eines ist sicher, dass Lustknaben in dieser Umweltvorhanden waren. Aristoteles (384-322 v.Chr.) schreibt zu diesem Themasogar über die kausalen Faktoren der Knabenliebe: Sie seien eine „Folgevon Gewöhnung, (wie) z.B. das Ausrupfen der Haare oder das Kauen vonNägeln oder sogar von Kohle und Erde. Und dazu Päderastie. Denn diessind Dinge, die bei manchen aus der
Naturanlage
, bei manchen aber ausder
Gewöhnung
stammen, bei letzteren...
die von früher Kindheit...missbraucht worden sind
".
6
Die Lustknaben im Kontext von 1Kor,6,9
Valeria Hinck engagiert sich auf der Internetseite „Zwischenraum“und in der Organisation Homosexuelle und Kirche (HuK). Sie untersucht inihrem Buch „Streitfall Liebe“ auch den Text von 1Kor 6,9 und führt inKürze aus:
 „Auf Homosexualität beziehen sich die beiden Ausdrücke"Lustknaben" und "Knabenschänder". Erstere sind diebereits erwähnten "malakoi" (wörtlich "Weichlinge"), inheutigem Deutsch also am ehesten "Strichjungen". DieBezeichnung für die zweite Gruppe lautet "arsenokoitai",was so viel bedeutet wie: "die mit Männern schlafen", zuchst ein sehr allgemein klingender Ausdruck. DieNennung in einem Atemzug mit den malakoi, alsoProstituierten, lässt dabei aber vor allem an ihre Kundendenken. Dies kommt auch in der eingeengtenÜbersetzung "Knabenschänder" zum Ausdruck. Eineähnliche Einbettung in eine Welt promiskuitiv gelebter Homosexualit findet sich übrigens auch in der Textstelle des Timotheus Briefs“ 
.
Ich möchte an dieser Stelle mit Valeria Hinck keine Diskussionführen, aber ihr Recht geben, dass der deutsche Begriff 
Knabenschänder 
tatsächlich eine sehr eingeengte Übersetzung von
αρσενοκοιται
ist, dazu noch im heutigen deutschen kulturellen Kontextmissverständlich
.
Denn er insinuiert Männer, die Knaben
schänden
bzw.zur
Befriedigung ihrer Wollust 
missbrauchen
. Es ist nicht auszuschließen,
6
Aristoteles,
Nikomachische Ethik 
7.6.1148b. Vgl.WORT UND ANTWORT. Zeitschrift für Fragen des Glaubens. Themenheft Homosexualität. 39. Jahrgang, Heft 2 - April/Juni 1998Herausgegeben von der Dominikanerprovinz Köln. Mainz:.Matthias-Grünewald-Verlag.1998.
7
Valeria Hinck.
Streitfall Liebe - Biblische Plädoyers wider die Ausgrenzunghomosexueller Menschen
. Neuer Verlag: pro Literatur Verlag 2007. Sie bietet die ersteAusgabe in PDF-Format zum Herunterladen an und das Zitat stammt aus dieser Ausgabe,S. 19.
2
 
Lustknaben und KnabenschänderHermann HartfeldBrühl 2010
dass Paulus im Kontext von 1Kor 6,9 die homosexuellen Männer meinte,die mit Knaben Geschlechtsverkehr unterhielten, aber an
Knabenschändung
 
wie bei dem heutigen Wortgebrauch von
Kinderschändern
dachte doch in der Antike niemand. Aus diesem Grundsollte die deutsche Übersetzung von
αρσενοκοιται
neu überdacht undpräziser definiert werden. Das schon einmal vorweg.Zurück zum Lasterkatalog aus 1Kor. 6,9, aus dem uns zwei Begriffeinteressieren, nämlich:
μαλακοι
und
αρσενοκοιται
. Beide griechischenWorte sind von Wissenschaftlern im Kontext der hellenistischen Kulturausreichend dokumentiert und erforscht worden. Ob nun die Übersetzungdes Begriffs
μαλακος
mit Wollüstling zulässig ist, kommt auf dieKonnotation, d.h. auf den Begriffsinhalt an. Die Stuttgarter Zeitungbeschrieb 1995 den Wollüstling als eine Konkurrenz zu Frauen:
 „Die göttliche Ausstrahlung seines Brustkorbs, kräftig,geölt, apollinisch strahlend, bewahrt immerhindiesen Wollüstling vor der Verachtung der Frauen, dieihr schwaches Geschlecht nur zu gut in solcher Stellungkennen“.
8
Walter Bauer hat in seinem „Wörterbuch zum Neuen Testament“
μαλακοι
mit Lustknaben übersetzt und erläutert: Es gehe um
„Männerund Jünglinge, die sich missbrauchen ließen“
9
. Das Verb „ließen“konnotiert bei Bauer Freiwilligkeit und Zwangslosigkeit. Archibald T.Robertson (1863-1934) war auch ein exzellenter Kenner des griechischenNeuen Testaments und gab
μαλακος
als männliche Person wieder, die
durch
hochgradig entgegengesetzte sexuelle Empfindung
charakterisiert wird; laut ihm ist der
μαλακος
ein
effeminierter 
(
weibisch gewordener 
) Mann.
Da wir in der FEG Zürich einen quasieffeminierten Christen hatten, war er nach seinen Worten bei„homosexuellen Spielen“ stets der unterlegene passive Homosexuelle, dersich für den Analverkehr zu Verfügung stellte.Die griechischen Philosophen verwendeten den Begriff 
μαλακος
eher sparsam. Aristoteles hält den
μαλακος
für einen “
unbeherrschten
8
 
Vgl. auch Johannes Saltzwedel: “
Ein zackiger Flaneur 
“.
DER SPIEGEL 12/1995
(Online).
9
Walter Bauer.
Wörterbuch zum Neuen Testament 
. Berlin § New York: de Gruyter 1988.Sp. 991.
10
A.T. Robertson,
Word Pictures in the New Testament 
, Bd. 4, S. 119; Vgl. C.K. Barrett,
 ACommentary on the First Epistle to the Corinthians,
der (S. 140) ebenfalls sagt, beideBegriffe implizierten passive und aktive männliche Homosexualität.
3

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