editorial
Liebe Leser,
mit dem Besuch von Mariela Castro hatte die diesjährige CSD-Paradeihren kleinen Aufreger, der auf
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zu einer kontroversen Leser-debatte führte. Ausgangspunkt war die Frage, ob die Tochter des kubani-schen Staatspräsidenten die Demonstration als Gast von Schirmherr Cor-ny Littmann anführen solle oder nicht.
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war der Meinung, sie soll-te nicht, da sie mit dem kubanischen Sozialismus ein System verteidigt,das keine Presse-, Meinungs- und Demonstrationsfreiheit kennt. CornyLittmann hielt dagegen: Mariela Castro setze sich wie keine andere in Kuba für die Rechte Homo-sexueller ein. Was wiegt schwerer?
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hat sich mit dem Gast aus Havanna über dessen Engagement unterhalten und veröffent-licht das Interview in dieser Ausgabe (Seite 15, in voller Länge auf
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). Denn dass MarielaCastro mit ihrem Einsatz eine wertvolle Arbeit für Homosexuelle leistet, ist unbestritten. In Ham-burg machte Fidels Nichte dann vom deutschen Demonstrationsrecht munter Gebrauch und fordertemit einem selbst beschrifteten T-Shirt Freiheit für fünf in den USA einsitzende Kubaner, die in einemumstrittenen Spionageprozess zu langen Haftstrafen verurteilt wurden. Hierzulande sind derartigeMeinungsäußerungen schließlich kein Problem.Menschenrechte sind eine heikle Angelegenheit, weil hier moralischer Anspruch und politischeRealität aufeinanderprallen. Ihre Einhaltung hat aber weltweit der Maßstab zu sein – nicht umsonstgründen die Vereinten Nationen auf einer entsprechenden Charta, auch wenn hier die sexuelle Iden-tität nicht benannt wird. Für die politische Praxis hat sich der offen schwule Bundesaußenministernun etwas Neues einfallen lassen: Er wird seinen Partner künftig nicht mehr in Länder mitnehmen,in denen Homosexualität strafrechtlich verfolgt wird. „Wir wollen den Gedanken der Toleranz in derWelt befördern. Aber wir wollen auch nicht das Gegenteil erreichen, indem wir uns unüberlegt ver-halten“, argumentiert Guido Westerwelle. Man kann das auch anders ausdrücken: Vor den weltweit75 Ländern, in denen Homosexuelle verfolgt und teils mit dem Tode bedroht werden, wird künftigoffiziell gekuscht. Offenbar ist es wichtiger, Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Gastgeber zu neh-men, als diese offensiv darauf hinzuweisen, dass Menschenrechte unteilbar sind – für Homos wiefür Heteros.Viel Spaß beim Lesen!Stefan MielchenChefredakteur
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