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Schenker KunstAlsDichtesWissen2007

Schenker KunstAlsDichtesWissen2007

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09/05/2010

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Chsoph SchkKus als dchsWssDas Foschugs-pojk KusÖfflchkZüch
 
Kunst als dichtes Wissen
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Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über das Forschungsprojekt
 Kunst Öffent-lichkeit Zürich
und stellt es in einen theoretischen Rahmen. Er stellt das
 Leitbild
unddie
Organisation Kunst im öffentlichen Raum Zürich
vor, die in Zusammenarbeit mitder Stadt Zürich entwickelt worden sind. Ebenso wird die methodische Eigenheitdes Projekts dargestellt, nämlich über die Bestimmung von Faktoren inhaltlicheBezugsfelder für öffentliche Kunst zu öffnen und damit ihre gesellschaftliche Rele- vanz zu stärken. Die eine Klammer des Beitrags führt zur These, dass die Kunst desÖffentlichen – parallel zu vergleichbaren Phänomenen in den Wissenschaften – Anlass sein kann, das Konzept Kunst grundlegend neu zu denken. Die abschlies-sende Erörterung der künstlerischen Forschung und ihrer Bedeutung für die Wis-sensgesellschaft bildet die andere Klammer.
Ein wissenschaftssoziologischer und kunsttheoretischer Aspekt
Die Wissenschaftsforscherin Helga Nowotny stellt die Ausbreitung eines neuenModus der Wissensproduktion fest, der die traditionelle, disziplinär gebundeneund lineare Form der Innovation überlagert.
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Diese Veränderung ist mit der schnellfortschreitenden Vervielfältigung der Wissenserzeugung verknüpft, und ihreUrsachen und Effekte sind mannigfach. Den Hintergrund des neuen Organisati-onsprinzips bilden einerseits die Globalisierung des Wissenschafts- und For-schungsbetriebs, andrerseits die Ausweitung des Bildungsniveaus und damit diezunehmende Verteilung von Wissen innerhalb der Gesellschaft. Zum Hintergrundgehören aber auch die Steigerung der Komplexität der für die Gesellschaft rele- vanten Probleme, die starke Zunahme des Problemdrucks sowie der Umstand,dass für primäre Forschung vermehrt konkrete und ganz unterschiedliche Anwen-dungskontexte – und weniger wissenschaftsinterne, verallgemeinerte Situationen– eine Rolle spielen.Diese Perspektive lässt sich über den Bereich der Wissenschaften hinaus auchauf das System der Kunst anwenden. Die rasante Vervielfältigung von Neuem in derKunst kann darauf zurückgeführt werden, dass immer mehr und ganz unterschied-liche Mittel der Produktion und des Markts innerhalb und ausserhalb des Kunstsys-tems aktiviert werden. Kunst greift immer selbstverständlicher und immer häufiger– oder immer wieder anders – in andere Wissens-, Kompetenz- und Handlungsfelderhinein, und ihre Landkarte schliesst nicht mehr nur die westlichen postindustriel-len Länder mit ein. Zu dieser Bereichserweiterung – in allen ihren Aspekten – ge-sellt sich die Steigerung der Geschwindigkeit, in der sich Neues anzeigt. HelgaNowotny spricht von einer eigentlichen «Wissensexplosion», die von den unzähli-gen Wissenschaftlern ausgelöst wird, die, über die Welt verstreut, in einem enggeknüpften Netz von Forschungsstätten miteinander verbunden sind. In vergleich-barer Weise entsteht ebenso im Kunstsystem immer schneller Neues. Die Folge
 Anmerkungen ab Seite 418
 
Christoph Schenker
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dieses raschen Voranschreitens ist eine immer kürzer werdende Halbwertszeit nichtnur des Marktwerts von Kunstwerken, sondern auch ihrer künstlerischen Relevanzund gesellschaftlichen Aktualität.Die Fülle an Wissen und Innovationen in Kunst und Wissenschaft, über wel-che die höchstentwickelten Gesellschaften heute verfügen, vermag der einzelneWissenschaftler und Künstler weder zu überblicken noch zu beherrschen. Die diszi-plinäre Spezialisierung und Organisation waren der herkömmliche Versuch, überKlassifikation und Hierarchie Ordnung in die rasch anwachsende Flut des Wissensund der Innovationen zu bringen und damit überschaubare Bereiche zu bilden. Sieentsprechen den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Differenzie-rungs- und Spezialisierungsleistungen der modernen Gesellschaft. Diese funktio-nale Differenzierung zeigt sich etwa in den institutionellen Spezialisierungen vonUniversitäten, Kunstakademien und Fachhochschulen, in der Unterscheidung vonGrundlagenforschung, angewandter Forschung und Entwicklung marktfähigerProdukte sowie, um ein letztes Beispiel anzuführen, in der Unterscheidung vonWissenschaftlern, Künstlern, Intellektuellen,
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Kennern
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und Laienexperten.
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In-nerhalb des Kunstsystems zeigt sich die Differenzierung beispielsweise in derUnterscheidung von Kunst «intra muros» und Kunst «extra muros»
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sowie in derUnterteilung der Kunst nach Material, Technik, Medium, räumlicher und zeitlicher Ausdehnung, Funktion und Kontext, sie äussert sich aber auch in der sozialen undkulturellen Hierarchie – gemäss Bildungskapital, Informationskapital und ökono-mischem Kapital – innerhalb der «Kunstweltgemeinschaft»
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und des Apparats ihrerInstitutionen. Der Künstler heute ist in Bezug auf das ideale Ganze der Gegenwarts-kunst einerseits – gleichsam in der Weise von «Mikrologien»
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arbeitend – auf einimmer enger werdendes Feld spezialisiert. Andrerseits aber entwickelt er seine Prob-lemstellungen und Interessenbereiche, innerhalb derer er etwas erfolgreich zu leis-ten versucht, über die herkömmlichen Grenzen hinaus und nicht mehr entlang dentraditionellen Klassifikationen nach Medien, Disziplinen und Diskursgenres, nachFunktionen, Gebrauchsarten und Prinzipien, Sujets oder Stilen.
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In Wissenschaftund Kunst erodieren im Kleinen wie im Grossen die gewohnten Kategorisierungenzunehmend, ihre Grenzen werden unklar, weich und durchlässig. Selbst die bisherfeststehenden gesellschaftlichen Kategorien wie Staat, Markt, Kultur und Wissen-schaft sind unscharfe und verschwommene Kategorien geworden.Die neue Form der Wissenserzeugung, der «Modus 2», wie ihn Helga Nowot-ny im Unterschied zum herkömmlichen «Modus 1» nennt, wird durch Elementecharakterisiert, die in hohem Grade ebenso Kunstprojekte im Raum der Öffentlich-keit kennzeichnen. Es sind dies die Transdisziplinarität als privilegierte Form derWissensproduktion und, mit ihr zusammenhängend, die ortsspezifische Produk-tion von Wissen, d.h. die Produktion von Wissen für einen konkreten Anwendungs-kontext. Der neue Modus findet sich vornehmlich bei Unternehmungen, die nicht-hierarchisch organisiert sind und deren personelle Zusammensetzung heterogen

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