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Die Urkulturen und das Matriarchat

Die Urkulturen und das Matriarchat

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Die Urkulturen und das Matriarchat
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1 Thesen 
Die Urkulturen und das Matriarchat
„Der Mann genügt sich selbst nicht, er muß Türmchen bauen ..." 
Die Matriarchatsforschung geriet rasch ins Schussfeld konservativerVorurteile, und lange Zeit glaubte man, das Matriarchat sei so eine Arterdschollenhockender Mütterverein gewesen und erst der apollinische,helle männliche Geist habe die Frauen aus ihrer erdgebundenen,dumpfen Welt befreit. In der Phase des entwickelten Matriarchats kennenwir aber mindestens vier städtische Hochkulturen - am Indus, bei denSumerern, in Altägypten und auf Kreta die Minoische Kultur.
Archäologische Funde
Es liegen vor allem Funde aus der Neolith-Zeit und Catal vor.In altsteinzeitlichen Begräbnisstätten hat man häufig Kauri-Muschelngefunden. Sie gleichen "dem Portal, durch das ein Kind die Welt betritt" und scheinen alslebensspendendes Symbol mit einer weiblichen Gottheit assoziiert worden zu sein. Auch die Anordnungder vagina-förmigen Muscheln um die Gestorbenen herum weisen auf das Ziel des Rituals hin, ihnen dieRückkehr durch das Tor des Lebens zu erleichtern. Durch ein männliches Vorurteil sind steinzeitlicheWandmalereien bisher als Jagdszenen interpretiert worden, selbst wenn sie tanzende Frauen darstellten.Doch haben die Göttinnen auch als Herrinnen von Tieren und Pflanzen gegolten, die sie hervorbrachte.Daraus resultieren die häufigen Darstellungen natürlicher Motive. Von den konservativen Archäologensind jedoch weibliche Formen der Anbetung entweder völlig ignoriert oder als bloße männlicheSexualobjekte abgetan worden (frühgeschichtliche Pornos). Fischgrätenmuster sind alsWaffendarstellungen betrachtet worden, doch neueren Forschungen zufolge handelt es sich dabei umPflanzen, Äste und Blätter. Die Beweisstücke für diese über Tausende von Jahren sich erstreckendereligiöse Tradition sind erst nach dem Zweiten Weltkrieg ausgegraben worden und haben noch keinenEingang in unsere Schulbücher gefunden. Das neue Wissen um den tatsächlichen Verlauf unsererkulturellen Evolution stellt eine enorme Herausforderung für das herrschende System dar, und es gibtmassive Bestrebungen, es zu unterdrücken. Überhaupt liegt Informationsunterdrückung in der Dynamikder dominatorischen Gesellschaft und die von Intellektuellen unternommenen Versuche, die Realität einerdominatorischen Weltsicht anzupassen, weisen auf eine weit in die Vorgeschichte zurückreichendeTradition, wie zahlreiche Beispiele aus der Archäologie zeigten. In den frühzeitlichen Funden fällt auf,dass massive Befestigungsanlagen sowie Hieb- und Stichwaffen völlig fehlen. Aus den Grabbeigabengeht hervor, dass Frauen und Männer gleichrangig waren, und viele Anzeichen sprechen für einematrilineare Orientierung, d.h. dass Abstammung und Erbe durch die Mutter weitergegeben worden ist. ImVergleich zu der Fülle von weiblichen Statuetten und Abbildungen wurden in den neolithischen
 
2 Thesen 
Fundstätten sehr wenige Darstellungen von Männern entdeckt. Man führt den Mangel anarchäologischem Material darauf zurück, dass die Kulte für männliche Götter nicht in Tempeln, sondern imFreien stattfanden und somit keine Spuren hinterliessen. Es wurden viele künstlerisch wirklichbeeindruckenden Figürchen, die nur 12 cm hoch sind, gefunden. Manche Figuren tragen keinerleiVerzierung oder Schmuck, was auf ihren Status hindeuten könnte und sind hochgradig individuell in ihrenPosen. Eindeutig identifizierbare Göttinnen mit vielen Verzierungen gibt es in reichlicher Anzahl.Anzeichen für eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilungen finden sich auch in den Grabbeigaben:Frauengräber enthalten oft Kieselsteine zum Glätten der Tonwaren, für deren Produktion sie offenbarzuständig waren, sowie Gefässe und Kultgegenstände, Männergräber hingegen Beile, Keulen undPfeilspitzen. Die matristische Gesellschaftsform findet sich zudem in historischen Zeugnissen spätererKulturen bestätigt, wie Griechenland, Kreta, Kleinasien und bei den Etruskern und den Kelten, bei denensich die Relikte einer mutterrechtlichen Lebensweise lange erhielten.
Ackerbau und Jagt
Nach dem, was uns bisher über das Leben in den Urkulturen beigebracht wurden, jagteder Mann und war damit Haupternährer der Sippe. Die Frau sammelte Beeren undFrüchte und hütete die Kinder (Hausfrau). Nachdem zahllose Skelettfunde mitGrabbeigaben, die der Jagd dienen konnten, stets als männlich eingestuft wurden,erwiesen sich viele erst nach anthropologischer Untersuchung als eindeutig weiblich.Derartige Untersuchungen galten lange als überflüssig. Darüber hinaus ist dieGroßwildjagd von männlichen Archäologen "systematisch überschätzt" worden. DieBeweisführung der Widerlegung, nämlich, dass die pflanzliche Nahrung von größererWichtigkeit war, ist von geradezu genialer Einfachheit: "Wer mehr als fünfzig Prozentseiner Nahrung in Form von Fleisch verzehrt, vergiftet seine Leber." Eine solcheEiweißvergiftung ist auch heute noch bei den Inuit in der Arktis zu beobachten, wenndiese sich zeitweilig nur von Schneehühnern ernährten. Auch hier sind nicht dieMänner Jäger und die Frauen Sammlerinnen. Die Behauptung, bei den Inuit inGrönland oder den Chippewanindianern würden die Männer die gesamtenNahrungsmittel beschaffen wurde widerlegt. In den Primärquellen, auf die sich diese einseitigen Thesenstützen heißt es, dass die Inuitfrauen Lachse, Haie, Vögel und Seehunde jagten und dieChippewanfrauen bis zu zehn Hasen am Tag erlegten. In vielen Gesellschaften jagten Frauen allein oderzusammen mit den Männern. Selbst Frauen, die ein Baby mit sich tragen, sind als jagend belegt !Die ersten Werkzeuge der Menschen hatten offensichtlich nicht zum Töten von Beutetieren undmenschlichen Konkurrenten gedient, sondern die Entwicklung eines leistungsfähigeren Gehirns wirdvielmehr auf die Nahrungsmittelbearbeitung zurückgeführt. Zumindest werden bei den heutigen Primatendie Werkzeuge häufiger von Weibchen als von Männchen benutzt. Bei der Evolution unserer Art scheintalso nicht so sehr der Mann als Jäger, sondern auch die Frau als Sammlerin eine entscheidende Rollegespielt zu haben. Auch in heutigen Sammler- und Jägergesellschaften sind normalerweise Frauen, nichtMänner mit der Nahrungsmittelherstellung betraut. Ebenso wurden Töpferei, Web- und Spinnkunstgleichermaßen von Frauen erfunden. Durch lange Beobachtung haben sich Frauen viel Wissen über ihreneigenen Körper ihre Sexualität, die Menstruation, Schwangerschaft und Geburt angeeignet. Das brachtedie Frauen zu der Erkenntnis, daß zwischen ihrer eigenen Produktivität und derjenigen der ,,Mutter Erde"ein enger Zusammenhang besteht. Diese Feststellung veranlaßte die Frauen auch, in der Natur Pflanzen,Tiere, Wasser Luft und Erde zu beobachten, was dazu führte, daß Frauen den Ackerbau entdeckten. Sieeigneten sich damit die Natur an, ohne sie beherrschen zu wollen. Die Frauen als ,,Produzentinnen vonneuem Leben und Nahrung" hatten daher eine dominante Stellung in der Gesellschaft inne. Sie waren als,,Produzentinnen" von Nachwuchs und Nahrung als ,,Ernährerin" für den Familienverband in erster Linieverantwortlich. Da sie keine Vorratshaltung kannten, mußten sie Nahrung für sich und die Kinderbesorgen. Sie suchten nach Gräsern mit eßbaren Samenkörnern. Die Samenkörner fielen auf die Erde,keimten und entwickelten neue Pflanzen. Durch die aufmerksame Beobachtung und Kultivierung
 
3 Thesen 
entwickelte sich die erste Domestizierung von Pflanzen und Tieren, als grundlegendste undzukunftsweisende aller materiellen Technologien. Damit gewannen die Frau in der Gesellschaft Respekt,den sie nicht mit der Waffe erstritt.Selbst die Erfindung der Schrift hat wahrscheinlich feminine Wurzeln. Zumindest istin Sumer und Indien die Göttin als Erfinderin von Tontäfelchen, Schreibkunst unddes ersten Alphabets angeführt worden, sodass die Anfänge der Schrift vermutlichweit ins Neolithikum zurückreichen und nicht, wie bisher angenommen, um 3.200v.u.Z. anzusiedeln ist. Neue wissenschaftliche Datierungsmethoden wie dieRadiokarbonmethode und die Dendrochronologie haben nachgewiesen, dass dieältesten Schriftkulturen bereits zwischen 5.300 und 4.000 v.u.Z. existierten. Dieerste rudimentäre Form einer linearen Schrift stellt Welterklärungsvorstellungenaus jener Zeit dar.
Frauen“Herrschaft“ ?
Der Begriff Matriarchat wird wie kaum ein anderer so bewußt mißverstanden, nämlich als ‚Herrschaft derMütter, resp. der Frauen über die Männer‘. Mit diesem rhetorischen Schachzug gelingt es immer wieder,die Existenz des Matriarchates als unmöglich erscheinen zu lassen. James Mellaart hat richtig erkannt,daß die Frauen von Çatal eine bedeutendere Rolle als die Männer gespielt haben müssen, doch auch erist dem Vorurteil verhaftet, sie hätten Macht innegehabt im Sinne von Unterdrückung.Selbst das kall-Wort ‚Mann‘ stand ursprünglich für Frau: ‚Im ursprünglichen Altnordischen bedeutete man‚Frau‘(engl. woman). Das Wort für Mann war nicht man sondern wer, aus der Sanskrit-Wurzel vir, wie inwer-wulf, dem Wolfsmann. Bei den skandinavischen und anderen Stämmen Europas wurde mit Man derMond, die Schöpferin aller Wesen, bezeichnet. Selbst im Rom der Kaiserzeit war Man oder Mana dieMutter aller manes oder Ahnengeister.Die Ursprünge des geistigen Lebens scheinen von weiblicher Vorrangstellunggewesen zu sein und mit Ehrfurcht vor dem Leben und dem Glauben an dieWiedergeburt geprägt zu sein. Diese These findet Übereinstimmung mitWissenschaftlern verschiedener Disziplinen. (auch Männern wie Fritjof Capra,Humberto Maturana oder David McClelland)Das traditionelle gesellschaftliche Herrschaftsmodell geht aber fälschlicherWeise von Patriarchaten oder Matriarchaten aus, in denen jeweils eine Hälfteder Menschheit durch die andere beherrscht wird und dass menschlicheBeziehungen zwangsläufig in eine Hackordnung passen müssen, in der esein Oben und ein Unten gibt, doch fehlt jeder Hinweis darauf, dass Männerunterdrückt worden sind. Die These der weiblichen Vorherrschaft, im Sinnevon Macht und Gewalt scheint sich nicht zu bestätigen, sondern derarchäologische Befund deutet auf eine egalitäre Gesellschaft hin, deren Erbfolge matrilinear war. Frauenhatten als Priesterinnen und Oberhäupter der Sippen zwar Führungsrollen inne gehabt. Es gab aberkeinerlei Darstellungen von "edlen Kriegern. Statt dessen bezeugten eine Fülle von NatursymbolenEhrfurcht und Staunen vor der Schönheit des Lebens. Das zentrale religiöse Symbol sei eine gebärendeFrau statt eines sterbenden Gekreuzigten gewesen. Leben und Lebensfreude sei nicht mit Tod undTodesangst, sondern vielmehr mit Verantwortung und Liebe in der Unterschiedlichkeit nicht mit Unter-oder Überlegenheit gleichgesetzt wurde. In dieser Zeitspanne hat die Technologie noch der Verbesserungvon Lebensqualität gedient. Auf dem Gebiet der Nahrungsmittelproduktion sind enorme Fortschritte erzieltworden, ebenso in der Baukunst und Stadtplanung und auch die Künste haben eine Hochblüte erlebt. Dergemeinsame Besitz der wichtigsten Produktionsmittel hat zu einer kooperativen sozialen Organisationgeführt. Frauen und Männer haben gleichermaßen für das Allgemeinwohl gearbeitet. Die überlegeneKörperkraft der Männer ist nicht die Basis gesellschaftlicher Unterdrückung oder organisierter Kriegszüge

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