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Bruce Und Cathy

Bruce Und Cathy

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Published by Phil Humor
Bruce Bourker ging über die Straße. Er war diesen Weg schon oft gegangen, seine Füße fanden den Weg von allein. Er hatte Zeit seine Gedanken schweifen zu lassen, aber wohin? Wohin sollte er sie senden? Seine Gedanken könnten die Zukunft modellieren – unnütz. Seine Zukunft war vergeben, verplant. Von ihm selbst. Es war eine gesicherte Zukunft. Gepolstert, abgeschirmt gegen mögliche Unbill so gut es eben geht – alles das, was Geld an Schutz bieten kann, hatte er aufgeboten, um sich abzuschirmen gegen Eventualitäten und das Schicksal. Es sollte ihn nicht unvorbereitet treffen. Und nun dieses: Harmlos, gleichgültig näherte sich ihm etwas, was es nicht geben konnte – das Bild, was er vor Jahren verbannt hatte, die Frauengestalt, die ihm alles genommen und alles gegeben hatte – sie kam ihm entgegen. Bruce blieb stehen mitten auf der Straße. Cathy ging an ihm vorüber. Ihre Schulter berührte fast seinen Anzug, doch sie beachtete ihn nicht. Sie hatte Kopfhörer auf. „Cathy“, sagte er. Sie ging weiter. Er folgte ihr. Er berührte sie an der Schulter. Sie nahm ihre Kopfhörer ab und blickte ihn an. „Sie stören mich gerade bei meiner Prüfungsvorbereitung für mein Medizin-Studium. Wissen Sie, dass es gefährlich ist, Menschen herauszureißen aus ihren meditativen Mnemotechnikübungen? Ganz gefährliche Neuronenverbindungen können spontan zerreißen und nie wieder zusammenwachsen. Das ist kaum zu verantworten.“
Bruce betrachtete sie ausführlich und ging dabei etwas um sie herum. „Unglaublich, du bist Cathy – tadellos erhalten – du siehst genauso aus wie vor 20 Jahren. Wie machst du das?“
Cathy ging einen Schritt zurück von ihm. „Vor zwanzig Jahren sah ich mir gar nicht ähnlich. Das Embryonenhafte und meine jetzige Größe machen einen Vergleich äußerst schwierig. Es muss eine Verwechslung sein. Darf ich jetzt ungestört weitergehen oder muss ich hier noch länger stehen bleiben am Straßenrand, um irgendeine aberwitzige und irrelevante Verwechslung aufzuklären?“
Bruce sog die Luft tief ein und beugte seinen Kopf ihr entgegen. „Unglaublich, dieser Geruch. Ganz meine Cathy. Deine Stimme ist ein wenig anders. Rauer, aggressiver. Ist dir etwas Arges widerfahren? Schlimme Geschehnisse, an denen ich Schuld habe?“
Cathy drehte sich von ihm weg. Sie stand nun vor einer Schaufensterscheibe. In der Scheibe spiegelten sie sich und sie sah den gespiegelten Bruce an. „Eine unheimliche Anmache ist dieses, schauderhaft. Könnten Sie sich jetzt bitte entfernen. Sie sind uralt, ich habe keinerlei Interesse an Ihnen. Sie könnten mein Vater sein.“
Bruce Bourker ging über die Straße. Er war diesen Weg schon oft gegangen, seine Füße fanden den Weg von allein. Er hatte Zeit seine Gedanken schweifen zu lassen, aber wohin? Wohin sollte er sie senden? Seine Gedanken könnten die Zukunft modellieren – unnütz. Seine Zukunft war vergeben, verplant. Von ihm selbst. Es war eine gesicherte Zukunft. Gepolstert, abgeschirmt gegen mögliche Unbill so gut es eben geht – alles das, was Geld an Schutz bieten kann, hatte er aufgeboten, um sich abzuschirmen gegen Eventualitäten und das Schicksal. Es sollte ihn nicht unvorbereitet treffen. Und nun dieses: Harmlos, gleichgültig näherte sich ihm etwas, was es nicht geben konnte – das Bild, was er vor Jahren verbannt hatte, die Frauengestalt, die ihm alles genommen und alles gegeben hatte – sie kam ihm entgegen. Bruce blieb stehen mitten auf der Straße. Cathy ging an ihm vorüber. Ihre Schulter berührte fast seinen Anzug, doch sie beachtete ihn nicht. Sie hatte Kopfhörer auf. „Cathy“, sagte er. Sie ging weiter. Er folgte ihr. Er berührte sie an der Schulter. Sie nahm ihre Kopfhörer ab und blickte ihn an. „Sie stören mich gerade bei meiner Prüfungsvorbereitung für mein Medizin-Studium. Wissen Sie, dass es gefährlich ist, Menschen herauszureißen aus ihren meditativen Mnemotechnikübungen? Ganz gefährliche Neuronenverbindungen können spontan zerreißen und nie wieder zusammenwachsen. Das ist kaum zu verantworten.“
Bruce betrachtete sie ausführlich und ging dabei etwas um sie herum. „Unglaublich, du bist Cathy – tadellos erhalten – du siehst genauso aus wie vor 20 Jahren. Wie machst du das?“
Cathy ging einen Schritt zurück von ihm. „Vor zwanzig Jahren sah ich mir gar nicht ähnlich. Das Embryonenhafte und meine jetzige Größe machen einen Vergleich äußerst schwierig. Es muss eine Verwechslung sein. Darf ich jetzt ungestört weitergehen oder muss ich hier noch länger stehen bleiben am Straßenrand, um irgendeine aberwitzige und irrelevante Verwechslung aufzuklären?“
Bruce sog die Luft tief ein und beugte seinen Kopf ihr entgegen. „Unglaublich, dieser Geruch. Ganz meine Cathy. Deine Stimme ist ein wenig anders. Rauer, aggressiver. Ist dir etwas Arges widerfahren? Schlimme Geschehnisse, an denen ich Schuld habe?“
Cathy drehte sich von ihm weg. Sie stand nun vor einer Schaufensterscheibe. In der Scheibe spiegelten sie sich und sie sah den gespiegelten Bruce an. „Eine unheimliche Anmache ist dieses, schauderhaft. Könnten Sie sich jetzt bitte entfernen. Sie sind uralt, ich habe keinerlei Interesse an Ihnen. Sie könnten mein Vater sein.“

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Published by: Phil Humor on Oct 17, 2010
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10/27/2010

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Bruce Bourker ging über die Straße. Er war diesen Weg schon oftgegangen, seine Füße fanden den Weg von allein. Er hatte Zeit seineGedanken schweifen zu lassen, aber wohin? Wohin sollte er sie senden?Seine Gedanken könnten die Zukunft modellieren – unnütz. Seine Zukunftwar vergeben, verplant. Von ihm selbst. Es war eine gesicherte Zukunft.Gepolstert, abgeschirmt gegen mögliche Unbill so gut es eben geht – allesdas, was Geld an Schutz bieten kann, hatte er aufgeboten, um sichabzuschirmen gegen Eventualitäten und das Schicksal. Es sollte ihn nichtunvorbereitet treffen. Und nun dieses: Harmlos, gleichgültig näherte sichihm etwas, was es nicht geben konnte – das Bild, was er vor Jahrenverbannt hatte, die Frauengestalt, die ihm alles genommen und allesgegeben hatte – sie kam ihm entgegen. Bruce blieb stehen mitten auf der Straße. Cathy ging an ihm vorüber. Ihre Schulter berührte fast seinenAnzug, doch sie beachtete ihn nicht. Sie hatte Kopfhörer auf. „Cathy“,
 
sagte er. Sie ging weiter. Er folgte ihr. Er berührte sie an der Schulter. Sienahm ihre Kopfhörer ab und blickte ihn an. „Sie stören mich gerade beimeiner Prüfungsvorbereitung für mein Medizin-Studium. Wissen Sie, dasses gehrlich ist, Menschen herauszureen aus ihren meditativenMnemotechnikübungen? Ganz gefährliche Neuronenverbindungen könnenspontan zerreißen und nie wieder zusammenwachsen. Das ist kaum zuverantworten.“Bruce betrachtete sie ausführlich und ging dabei etwas um sie herum.„Unglaublich, du bist Cathy – tadellos erhalten – du siehst genauso auswie vor 20 Jahren. Wie machst du das?“Cathy ging einen Schritt zurück von ihm. „Vor zwanzig Jahren sah ich mir gar nicht ähnlich. Das Embryonenhafte und meine jetzige Größe macheneinen Vergleich äußerst schwierig. Es muss eine Verwechslung sein. Darf ich jetzt ungestört weitergehen oder muss ich hier noch länger stehen bleiben am Straßenrand, um irgendeine aberwitzige und irrelevanteVerwechslung aufzuklären?“Bruce sog die Luft tief ein und beugte seinen Kopf ihr entgegen.„Unglaublich, dieser Geruch. Ganz meine Cathy. Deine Stimme ist einwenig anders. Rauer, aggressiver. Ist dir etwas Arges widerfahren?Schlimme Geschehnisse, an denen ich Schuld habe?“Cathy drehte sich von ihm weg. Sie stand nun vor eineSchaufensterscheibe. In der Scheibe spiegelten sie sich und sie sah dengespiegelten Bruce an. Eine unheimliche Anmache ist dieses,schauderhaft. Könnten Sie sich jetzt bitte entfernen. Sie sind uralt, ich habekeinerlei Interesse an Ihnen. Sie könnten mein Vater sein.“Sie stupste Bruce mit ihrem Zeigefinger gegen die Brust und ließ ihnrückwärts gehen. Ich habe hier mein Pfefferspray in meineUmhängetasche. Das war es, mein Herr. Wenden Sie sich und gehen Sie brav ihren korrupten Geschäften nach. Denn das sind Sie doch, wenn iches mir so betrachte: ein biederer Geschäftsmann mit Aktenköfferchen – die perfekte Verkleidung r die Korruption, die unseren Staat zersetzt,zerfrisst, wie eine hungrige Larve.“Bruce lehnte sich gegen die Schaufensterscheibe und wischte sich über dieStirn. „Äußerlich Cathy und innerlich ein Dämon. Was ist geschehen?Wieso steht die Zeit still? Ich hatte dich verbannt! Deinen Anblick konnteich nicht länger ertragen. In meinem Inneren hat die Erinnerung an dichgetet berserkerhaft, vernichtet, was an gesundem Verstand noch
 
übriggeblieben war – ich verkrafte deinen Anblick nicht! Ein gebrochenesHerz, eine gebrochene Seele – das hast du hinterlassen – und das wohlmehr als einmal. Bist du wie ein Schmetterling weiter geflogen zum Nächsten, hast ihn zerstört, dein grausames Werk verrichtet? Ach Cathy,ich habe dich geliebt.“Bruce hatte Tränen in den Augen. Cathy reichte ihm ein Papiertaschentuch.„Sie ziehen alle Register! Erst der Trick mit dem vermeintlichenWiedererkennen, dann der heulende Manager. Abgefahren! Allmählichfinde ich Sie interessant. Hat Ihre Masche Erfolg? In meinem Psychologie-Seminar könnte ich eine Seminararbeit verfassen zu diesem Thema. Daswird ziemlich authentisch. Da befrage ich noch andere Freaks. – Wollenwir uns dort vor das Café setzen? Dieses freie Tischchen sieht doch sehr einladend aus.“Cathy drängte Bruce in Richtung des Tischchens. Bruce ließ sich auf demStuhl niedersinken, den Cathy ihm entgegen schob. „Wir nehmen zweimalEis. Für mich Ananas und Aprikose. Für den Herren Waldmeister undWalnuss“, rief Cathy zu einer der Kellnerinnen. Diese nickte undverschwand im Café. Bruce räusperte sich. „Ich komme allmählich wieder zu Sinnen. Verzeihen Sie. Es muss eine unglaubliche Verwechslung sein.Aber Ihre Ähnlichkeit hat mich so unvermittelt getroffen, dass ich perplex bin. Verwirrt in allerhöchstem Ausmaß. Kommt mir nicht ungelegen. Esist, als erwache ich aus einem Traum, in dem ich umherwandere alsZombie. Gesteuert von Notwendigkeiten, aber nicht aus eigenem frischemImpuls. Ich bin Ihnen eine Erklärung schuldig.“Cathy hob abwehrend die Hand. „Nicht so schnell. Hier darf man nichtvoreilig sein. Verweilen wir noch ein bisschen im Stadium der angeblichentotalen Verwirrtheit. Genial, welche schauspielerischen Fähigkeiten siezuwege bringen, die Männer, wenn es um das Eine geht. Wie wandelbar und flexibel. Aus dem biederen Geschäftsmann wird ein charmanter,verwirrter Mann, der seiner einzigen, großen, verflossenen Liebe jählingsgegenübersteht und mental zusammenbricht! Na, wenn das nicht filmreif ist! Bewerben Sie sich in Hollywood. Dahin zöge es mich auch, wennmich mein Medizin-Studium hier nicht festnageln würde. Das, was manmöchte und das was man sollte. Leider überschneiden sich diese beidenDinge so selten. Was fasziniert Sie denn an mir so nur mal aus psychologischem Fachinteresse gefragt? Ich bin nicht außergewöhnlichhübsch. Aber für Hollywood hätte es eventuell doch gereicht – denn ichhabe Charakter. Jede Menge davon. Meine Mutter sagt, ich sei eine

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