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 © 2008 - NRhZ-Online - Neue Rheinische Zeitungbzw. gekennzeichnete AutorInnen / InstitutionenBeitrag des Online-Flyers Nr. 149 vom 04.06.2008.Werner Rügemer entlarvt PPP als gefährliche Mogelpackung
Ein modernes Lügenmärchen
Von Ulla LessmannNachdem „richtige“ Privatisierungen öffentlichen Eigentums und Cross-Border-Leasing-Geschäfte zu Recht insGerede gekommen sind, gilt als neue Heilsbringerin gegen staatlichen „Investitionsstau“ angesichts maroderKommunalfinanzen die „Public-Private-Partnership“ (PPP, deutsch: ÖPP für Öffentlich-Private Partnerschaft), in der„privates“ Kapital dem armen Staat den Bau von Schulen, Krankenhäusern, Gefängnissen, U-Bahnen oderMessehallen abnimmt und das fertige Produkt dann langfristig an die öffentliche Hand vermietet.
Ausplünderung öffentlicher Kassen
 Was auf den ersten Blick vernünftig klingt, ist, so Werner Rügemer, Kölner Privatisierungs- und Korruptionsexperte(eine sinnvolle fachliche Kombination), ein kaum glaubliches Projekt zur Ausplünderung öffentlicher Kassen, das zumehr öffentlicher Verschuldung, höherer Arbeitslosigkeit und schleichendem Demokratieschwund führt. VonPartnerschaft kann zudem überhaupt keine Rede sein.Rügemer beginnt seine Studie in England, wo sich in der „City of London“ die weltweit führenden Finanzjongleure,die „Heuschrecken“, auf Tony Blair als glühenden PPP-Verfechter verlassen durften und wo man die katastrophalenFolgen von PPP am Beispiel der Londoner Metro besichtigen kann. Die Prinzipen von PPP sind absoluteGeheimhaltung (Politiker bekommen die mehrere tausend Seiten schweren Verträge, über die sie entscheiden, niezu sehen), horrende Honorare für ein Heer von Beratern und Anwälten, miese Qualität der Produkte, für die die„Privaten“ nie haften, Steuerverluste für den Staat, Ausserkraftsetzen von Mieterrechten der Kommunen, maximalerGewinn bei minimalstem Einsatz von Kapital, Privatisierung der Justiz.
Abgeordnete und Ratsmitglieder werden übergangen
 Rügemer: „In Wirklichkeit stellt PPP eine neue Form der Wertschöpfung für die Privaten dar. Kein PPP-Vertrag, derbisher in Deutschland abgeschlossen wurde, wurde in seiner vollständigen und rechtsgültigen Form vor derEntscheidung den Mitgliedern des Bundestages, der Landes-, Stadt- und Landkreisräte vorgelegt und der Diskussionim politischen Beschlussgremium zugänglich gemacht.
 
Korruptionsexperte Werner Rügemer - entlarvt mafiöse StrukturenFoto: www.aender-mich.deDer Staat geht langfristige Verpflichtungen ein, die nicht nur den Bürgern, sondern auch den Parlamentenverheimlicht werden.“ Zahlreiche Beispiele aus Deutschland („Toll Collect“ als berühmtestes), Porträts derwichtigsten globalen Akteure und die detaillierte Analyse des Prozedere bei PPP-Projekten sind für ökonomischeLaien verständlich, häufig mit süffisanter Ironie geschrieben: „Nichts ist dem Staatskritiker undPrivatsierungsbefürworter zu dämlich, um für seine Sache zu werben.“
 
Das macht die Lektüre trotz des sperrigen Themas überaus kurzweilig. Rügemer lässt uns auch nicht völligresigniert zurück: „Unter dem PPP-Reglement herrschen Geheimhaltung, Vorsicht, Katzbuckelei, Schönrednerei,Unehrlichkeit, Angst und Schweigen, aber auch erste Ausbruchsversuche haben begonnen.“ Letzteren verdankt derAutor unter anderem Einblicke in die Strukturen der Beratermafia und Berichte über den Umgang der „Investoren“ mitgewählten Gremien.
Pflichtlektüre für Stadträte 
Dieses Buch müsste zur Pflichtlektüre von Stadträten werden, damit sie lernen, dass PPP („ein faktenresistentesGlaubensbekenntnis“) nicht nur ein skrupelloses Täuschungsmanöver ist, sondern auch, dass der vielgeschmähteStaat die meisten Projekte preiswerter, qualitätsvoller und, verblüffend für alle Ideologen, effektiver verwirklichenkönnte!

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