3onsprinzip prägt der Dienst auch in Zeiten vieler Nachahmer die Vorstellung von Microblog-
ging, wovon u.a. die mittlerweile im Sprachgebrauch etablierten Begriffe „Tweet“ und „twi
t-
tern“ zeugen (engl. „(to) twitter“ = zwi
tschern).
Neben limitierter Beitragslänge verfügt der Dienst mit dem „Following“
-Mechanismus überein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu anderen Social Software-Applikationen. Auf Twit-ter entsteht aus den von Nutzern veröffentlichten Nachrichten zunächst einmal ein unstruktu-rierter Echtzeit-Nachrichtenstrom. Erst dadurch, dass er anderen Nutzern folgt und derenNachrichten somit abonniert, erstellt sich der Nutzer einen personalisierten Ausschnitt diesesNachrichtenstroms, der fortan auf seiner Startseite in chronologisch absteigender Reihenfol-ge angezeigt wird. Während Verknüpfungen von Nutzern auf Plattformen wie Facebook undXing von beiden Seiten zu bestätigen sind, weist der auf Twitter durch das Following entste-hende Graph der sozialen Beziehungen auch einseitig gerichtete Kanten auf (Nutzer A folgtNutzer B, aber Nutzer B folgt nicht A).Heute auf der Plattform selbstverständliche Funktionen wie die Referenzierung anderer Nut-zer durch @<Nutzer>, das erneute Veröffentlichen interessanter Beiträge der eigenen abon-
nierten Kanäle („Retweeten“) sowie das Anreichern von Tweets mit durch ein „#“
-Zeichen
gekennzeichneten Schlagworten („Hashtag“, z.B. „#mkwi2010“) entwickelten sich nutzerg
e-trieben auf Basis einfacher Text-Codes und wurden erst später in die Benutzeroberflächedes Dienstes integriert (Java et al. 2007).Neben der nutzergetriebenen Anpassung des Dienstes verfügt Twitter mit seiner offenenSchnittstelle über eine weitere Quelle für stetige funktionale Weiterentwicklung. Die offeneTwitter-API ist Basis für zehntausende Drittanwendungen, welche die Kernapplikation uminnovative Spezialanwendungen erweitern. Zu nennen sind hier insbesondere Anwendungenfür Mobilgeräte, die heute für einen großen Teil der weltweit gesendeten Tweets verantwort-lich sind. Twitter als Dienst gelangt somit zu ubiquitärer Verbreitung; eine Benutzung ist un-abhängig von Raum und Zeit von nahezu jedem Endgerät aus möglich.2.2
Typische Nutzungsformen
Während das Unternehmen Twitter beim Start seiner Plattform mit der Fra
ge „What are youdoing?“ den Versuch unternommen hatte, die Nutzungsart vorzugeben, hat sich schne
ll ge-zeigt, dass, ganz im Sinne der Nutzeraneignung, nur eine Minderheit der Postings dieserKategorie folgt (Java et al. 2007). Entsprechend lautet das Motto von Twitter heute allge-
meiner „What’s happening?“. Mit
tlerweile existieren erste Studien zur Nutzung des Dienstes,die das Kommunikationsverhalten auf der Plattform näher untersuchen. Einer aktuellen Stu-die zufolge, stellten sich als häufigste Kommunikationskategorien die
Auskunft über sich selbst
(41%: „bin müde“),
Zufälliges und Gedanken
(25%: „Blauer Himmel im Winter“) und
Meinungsäußerungen
(24%, „Super Spiel gestern“)
heraus, während echter, nutzenorientier-