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2009 Michel Warschawski: Normalisierung oder Sanktionen

2009 Michel Warschawski: Normalisierung oder Sanktionen

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NAHOST/516: Normalisierung oder Sanktionen? (Michael Warschawski)
Normalisierung oder Sanktionen?
 Von Michael Warschawski, Alternatives Informationszentrum (AIC), 18. Mai 2009Israel ist kein normaler Staat. Israel ist ein kolonialer Siedlerstaat, der auf den RuinenPalästinas erbaut wurde und durch Enteignung seines einheimischen Volkes. Deshalb weigertsich die arabische Welt - und viele andere Länder in Afrika und Asien - seit Jahrzehnten Israelanzuerkennen und mit ihm normale diplomatische, wirtschaftliche und kulturelleBeziehungen aufzunehmen. Seit den 60er und 70er Jahren war Normalisierung das Hauptzielder israelischen Führern d.h. von seinen arabischen Nachbarn als legitimer Staat akzeptiert zuwerden und normale Beziehungen zu haben. Die anhaltende aggressive Politik gegenüber denarabischen Ländern (1956, 1967, 1970, 1975) machten es für die pro-arabischen Regimeunmöglich, die Beziehungen zu normalisieren, selbst wenn sie ihre Bereitschaft erklärten, dieszu tun, wie Gamal Abdel Nasser 1955 und später 1970 (unter der Vermittlung NahumGoldmanns, dem Vorsitzenden des Jüdischen Weltkongresses).Der ägyptische Präsident Anwar Sadat war der erste arabische Führer, der die Belagerung desStaates Israel durchbrach und zur Normalisierung mit ihm aufrief. Mit einem dramatischenSchritt tat er dies: er flog 1977 nach Israel und wandte sich an die Knesset mit einemeindeutigen Angebot der Normalisierung. Sadats Initiative folgten bald diplomatischeBeziehungen zwischen Ägypten und Israel. Sadats Anerkennung Israels wurde von vielen inder arabischen Welt als Verrat angesehen und im Oktober 1981 wurde er ermordet.Der zweite größere Schritt hinsichtlich Normalisierung war die 'gegenseitige Anerkennung'zwischen der PLO und Israel, was als die Washingtoner/Osloer Prinzipienerklärung(September 1993) bekannt wurde. In hohem Maße war diese Anerkennung sogarweitreichender als die ägyptische, weil das palästinensische Volk das direkte Opfer derzionistischen Kolonisierung war, das jetzt den Staat Israel anerkannte. Dies bereitet den Wegfür weitere Schritte der Normalisierung: 1995 erkannte das haschemitische KönigreichJordanien den Staat Israel an und eröffnete sogar eine Botschaft in Tel Aviv. Ihm folgtenMarokko, Tunesien und einige Golfstaaten mit formellen diplomatischen Beziehungen.Die israelische Reaktion auf diese historische Entwicklung war jedoch für die arabischenLänder äußerst enttäuschend, die sich für den Weg der Normalisierung entschieden hatten:
 
statt eine neue Seite in der regionalen Kooperation aufzuschlagen, die sich auf friedlicheKoexistenz mit den benachbarten Staaten gründet, wählten die verschiedenen israelischenRegierungen systematisch die Verletzung der unterzeichneten Abkommen mit denPalästinensern: die Siedlungsaktivitäten in den besetzten Gebieten wurden mehr. Mandemonstrierte so den totalen Mangel an Vertrauen in den Verhandlungsprozess mit derpalästinensischen Behörde und schlimmer noch, man begann mehrere militärische Angriffegegen den Libanon und last but not least das Massaker im Gazastreifen im Januar 2009.In diesem Sinn war die Anti-Normalisierungskampagne nicht nur ein moralischer Fehler,sondern auch ein politischer Fehlschlag: als kolonial-militaristischer Staat versteht Israel nurDruck. Es wird sein aggressives Verhalten nur beenden, wenn es dazu gezwungen wird. Soeinfach ist das.Die internationale Kampagne von Boykott, Divestment und Sanktionen (BDS) gegen Israelkann einen ausgezeichneten Rahmen bieten, um für Normalisierung mit Israel zu kämpfen.Sein wesentlicher Vorteil liegt darin, dass er Regierungen, Unternehmen und Bürgergleichermaßen betrifft und den Umständen angepasst werden. Vom Abbrechendiplomatischer Beziehungen (wie Venezuela und Bolivien nach dem Gaza-Massaker) bis zuden Divestments US-amerikanischer christlicher Kirchen von israelischenBildungseinrichtungen, durch öffentlichen Boykott von Carmel und Jaffa-Israel-Früchten undGemüse; vom Boykott des israelischen Basketball-Teams (die Wettbewerbe mussten woanders stattfinden und ohne Zuschauer) bis zur Suspendierung der Aufbesserung desAssoziationsabkommen zwischen der EU und Israel, wie es vom EU-Rat entschieden wurde.Der Staat Israel hat sich selbst außerhalb des Internationalen Gesetzes gestellt, auch außerhalbder Gemeinschaft der zivilisierten Länder und als solcher muss er wie ein ausgestoßener Staatbehandelt werden. Dies war jahrzehntelang der Fall, aber heute kann dies nicht mehr ignoriertwerden. Die normalen Beziehungen mit Israel zu boykottieren, ist eine Sache internationaleröffentlichen Wohls, so wie es der Fall mit Südafrika war, bevor das Apartheidregimeaufgehoben wurde. Boykott schließt alle Gebiete ein: das diplomatische, wirtschaftliche,finanzielle, den Sport, die Kultur, den akademischen Bereich. Der akkumulierte Effekt vonverschiedenen BDS-Initiativen wird in Israel schneller bemerkt werden, als skeptischeIndividuen behaupten; denn Israel ist äußerst abhängig von der Welt und seine Bürgergegenüber ihrem allgemeinen Image im Ausland.Im Rahmen der BDS-Kampagne wurde eine Frage laut: "Wie soll man mit Organisationenund Einzelpersonen umgehen, die klar und offen gegen den israelischen Kolonialismus sind.Sollte es Ausnahmen bei der Boykottpolitik geben?" Was dieses Problem betrifft, kann manaus dem südafrikanischen Exil lernen: der Afrikanische Nationalkongress wusste genau, wieman Freunde und befreundete Organisationen vom Rest trennt, ohne es notwendigerweise zueiner Staatspolitik zu machen. Man zog eine pragmatische Herangehensweise vor, die Fall fürFall klärte. Eines ist sicher: es würde falsch sein, der BDS-Kampagne mit einer offenenForderung zu begegnen und ein Statement zu machen: "Nehmt mich aus der Boykottliste."Lasst die Kampagne mit ihren eigenen Mitteln und Wegen entscheiden, entsprechend denBedürfnissen der Kampagne selbst, seiner Einheit und seines internen Zusammenhalts.Auch wenn es von großer Bedeutung ist, eine Allianz und Kooperation mit den progressivenIsraelis zu bilden, die bedingungslos die BDS-Kampagne unterstützen und die eindeutig dieNormalisierung ablehnen, liegt es an der palästinensischen (und arabischen)Nationalbewegung und der BDS-Kampagne zu entscheiden ob und wann öffentlich verkündetwird, wo die Boykottpolitik angewendet wird. Indem ich bei vielen Gelegenheiten anders

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