Zusammenfassung
Die hier vorgelegte Analyse geht davon aus, dass eine dauerhafte Verregelung des Nahost-Konflikts, die das Existenzrecht Israels ebenso sichert wie die Selbstbestimmung der Paläs-tinenser, einen Dialog der Kulturen erfordert, der die Reflexion des „Westens“ über seineVerwicklung in diesen Konflikt und seine Mitverantwortung für ihn einschließt. Der Re-port bietet aus dieser Perspektive eine zusammengefasste Geschichte des Verhältnisseszwischen den USA, Israel (bzw. dem Zionismus) und dem Nahost-Konflikt, einschließlicheines (nochmals komprimierten) Blicks auf die Innenseite der US-Außenpolitik (Kon-gress, Lobbys, Öffentlichkeit). Auf diese Weise lassen sich bestimmte verbreitete politischeGlaubenssätze widerlegen und zugleich zentrale Widersprüche in der Außenpolitik dergroßen Demokratie USA gegenüber der Region dokumentieren.Dass den USA eine besondere Bedeutung für die Entwicklung und Gestaltung desNahost-Konflikts zukommt, versteht sich von selbst. Die Grundlage dafür bieten der Su-permachtstatus der USA und die „special relationship“ zwischen den Vereinigten Staatenund Israel. Die engen Beziehungen lassen sich freilich nicht nur mit dem sicherheitspoliti-schen Nutzen für beide Seiten erklären; die Partnerschaft ruht auch auf einer sehr günsti-gen Repräsentation der israelischen Interessen im politischen System der USA. Dazu ge-hört allerdings weit mehr als der politische und materielle Einfluss der jüdischen Wähler-schaft und Lobby, mindestens genauso wichtig sind emotionale Bindungen und politisch-kulturelle Affinitäten. Israel kann durchgehend auf hohe Sympathiewerte in den USArechnen, und zwar nicht nur, weil es die erste Demokratie im Nahen Osten ist, sondernvor allem auch wegen des Holocaust. Unabhängig davon spiegeln sich in der israelischenVorgeschichte und in der zionistischen Programmatik einige zentrale Aspekte des ameri-kanischen Selbstverständnisses.Zwei gegensätzliche Tendenzen prägen die Vorgeschichte, d.h. das Verhältnis zwischenden USA und dem Zionismus bis zur Staatsgründung Israels. Die eine, insbesondere vonUS-Diplomaten und Experten im State Department vertreten, stand dem zionistischenVorhaben skeptisch bis kritisch gegenüber. Sie schätzte das Konfliktpotenzial als sehrhoch ein, befürchtete eine Missachtung des Selbstbestimmungsrechts der Araber und da-mit auch einen Glaubwürdigkeitsverlust der amerikanischen Außenpolitik. Charak-teristisch für diese Position ist etwa der Bericht der von Präsident Wilson selbst einge-setzten King-Crane Kommission vom August 1919. Dort heißt es, die neun Zehntel dernicht-jüdischen Einwohner in Palästina mit einer unbegrenzten jüdischen Einwanderungzu konfrontieren komme einer massiven Verletzung ihrer Rechte gleich und damit auchder Prinzipien, die der amerikanische Präsident selbst verkündet hatte. Die Kommissionempfiehlt schließlich: „the project for making Palestine distinctly a Jewish commonwealthshould be given up.“ Noch gegenüber dem Teilungsplan der Vereinten Nationen formu-lierten die zuständigen Fachleute im Außenministerium grundsätzliche Bedenken.Die andere Tendenz, die von den US-Präsidenten Wilson und Truman, vom US-Kon-gress und von der Öffentlichkeit vertreten wurde, stand der Gründung eines jüdischen„Commonwealth“ bzw. Staates deutlich positiver gegenüber. Sicher spielten dabei auchRücksichten auf jüdische Wählerstimmen und der Lobbyismus der Zionist Organization