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2010 Boycott from within: Offener Brief israelischer Staatsbürger_innen an Th. Quasthoff

2010 Boycott from within: Offener Brief israelischer Staatsbürger_innen an Th. Quasthoff

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01/12/2011

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Der bekannte deutsche Sänger Professor Thomas Quasthoff will Anfang Februar2011 vier Konzerte in Israel geben. Verschiedene Organisationen und Personenhaben ihn gebeten, sein Engagement abzusagen. Sie schließen sich damit derinternationalen BDS-Bewegung an, die dafür eintritt, Israel so lange zu boykottieren,bis es sich an das Völkerrecht und die Menschenrechte hält.Übersetzt von Ulrike Vestring
OFFENER BRIEF ISRAELISCHER STAATSBÜRGERAN DEN DEUTSCHEN SÄNGER PROF. THOMAS QUASTHOFF
 
27. Dezember 2010Sehr geehrter Herr Professor Quasthoff,
 
wir sind eine Gruppe jüdischer Akademiker und wenden uns an Sie, um den an Siegerichteten offenen Brief des Britischen Komitees für die Universitäten Palästinas(BRICUP) vom 10. 12. 2010 zu unterstützen. Wir schließen uns derpalästinensischen Forderung nach Boykott, Investitionsentzug und Sanktionen gegenIsrael (BDS) an, solange bis sich Israel an das internationale Recht hält und dieMenschenrechte der Palästinenser respektiert. Wir sind besorgt, dass Sie Auftritte inIsrael planen und bitten Sie dringend, diese Engagements abzusagen.BDS ist eine rasch wachsende, gewaltfreie, auf die Menschenrechte gegründeteBewegung unter palästinensischer Führung. Sie wurde von mehr als 170Organisationen der palästinensischen Zivilgesellschaft ins Leben gerufen. Zu ihrenzahlreichen Unterstützern weltweit gehören die Regisseure Mike Leigh und KenLoach, 180 Künstler aus Irland, 500 aus Montreal, auch die internationaleVereinigung der Künstler gegen Apartheid. Unter ihnen sind Juden und Israelis, dienicht mehr hinnehmen wollen, dass Israel ständig versucht, seine Verletzungen derpalästinensischen Menschenrechte hinter einer Fassade der Normalität zuverbergen.
 
In seinem jüngsten Bericht an die Generalversammlung der Vereinten Nationenäußert sich der UN-Sonderberater Richard Falk über die Tendenz der internationalenGemeinschaft, die Übergriffe gegen die unter israelischer Militärkontrolle imWestjordanland und in Ostjerusalem lebenden Palästinenser nicht zur Kenntnis zunehmen. Wegen dieser Übergriffe trägt die israelische Besatzung mehr und mehr dieZüge von Apartheid. Richard Falk weist darauf hin, dass die Palästinenser zumBeispiel von der Benutzung der Straßen ausgeschlossen sind, die den Bewohnernder benachbarten rein jüdischen Siedlungen zur Verfügung stehen.Die Bewegungsfreiheit der Palästinenser zwischen und manchmal sogar innerhalbihrer eigenen Dörfer ist eingeschränkt – durch Militär-Checkpoints, Sperrzäune undeine mehr als acht Meter hohe Betonmauer. Damit ist der Zugang zu angemessenermedizinischer Versorgung und zur Arbeit versperrt. Eigentum an Grund und Bodenwird widerrechtlich entzogen und den wachsenden jüdischen Siedlungenzugeschlagen; die Angriffe gewaltbereiter Siedler gegen palästinensischeOlivenpflanzungen und Moscheen werden systematisch ignoriert.Was Ihr geplantes Gastspiel anlangt, so bedeutet die israelische Apartheidpolitikauch, dass palästinensische Bewunderer Ihrer Kunst, falls sie unter israelischer
 
Besatzung leben, nicht nach Tel Aviv kommen können, um Sie singen zu hören: DasGesetz verbietet es ihnen, Mauern, Zäune und Checkpoints hindern sie daran.Leute, die Ihnen vielleicht einreden, dass Ihr Auftritt in Israel irgendwie die Idee derKoexistenz befördern könnte, kennen die Situation in Israel/Palästina entweder nichtoder ignorieren sie geflissentlich. Sie wollen ihr eigenes Leben auf keinen Falldadurch belasten, dass sie diese Zustände öffentlich anerkennen. Praktisch jedesinternationale Kulturereignis, das in Israel stattfindet – egal ob groß oder klein –, wirdvon der israelischen Öffentlichkeit als Zustimmung zu dieser Realität systematischerrassistischer Unterdrückung angesehen. Es sieht so aus, als erklärte der Künstler:„Ihr braucht nichts zu ändern“.Deshalb, wenn Sie an Ihren Auftritten in Israel festhalten, wird dies als eineausdrückliche Unterstützung für die israelische Politik der Apartheid undUnterdrückung verstanden.
 
Nach einem kürzlich erschienenen Bericht von Amnesty International, Oxfam undanderen angesehenen Menschenrechtsorganisationen muss ständiger und fühlbarerDruck auf Israel ausgeübt werden, damit es die Blockade von Gaza „sofort,bedingungslos und vollständig“ beendet.In jüngster Zeit veröffentlichte offizielle Dokumente beweisen, dass Israel mit derBlockade von Gaza „eine Politik der gewollten Verknappung“ vonGrundnahrungsmitteln verfolgt. Die Lebensmittelmenge, die nach Gaza eingeführtwerden darf, beträgt durchschnittlich weniger als ein Drittel dessen, was notwendigist.1 Sie wird nach mathematischen Formeln so berechnet, dass die Versorgungausreicht, um die Bewohner von Gaza etwa auf einem Niveau kurz vor derMangelernährung am Leben zu erhalten. Solch ein niedriges Niveau bedrohtGesundheit und Wohlergehen von Kindern, Frauen und Männern. 2 Waren, die „derInstandsetzung dienen“, werden nachweislich nicht nach Gaza hineingelassen; sowird auch der Wiederaufbau von Schulen, Krankenhäusern und Wohnungenverhindert.
 
Die BDS-Kampagne, stellt Richard Falk fest, „ist eine Antwort auf Israels Weigerung,seine völkerrechtlichen Verpflichtungen gegenüber dem palästinensischen Volk zuerfüllen.“ Jahrzehnte lang hat die internationale Gemeinschaft bei Israels Versuchenmitgespielt, ein System brutaler Unterdrückung zu schaffen, in dem MillionenMenschen im Westjordanland unter Kriegsrecht und Gaza widerrechtlich unterBlockade gehalten werden, und in dem den 1948 geflohenen Palästinensern das vonden Vereinten Nationen festgestellte Recht auf Rückkehr und Entschädigungverweigert wird.In dieser Situation vermitteln internationale Gastspiele in Israel eine Botschaft des„business as usual“, nämlich dass sich nichts ändern muss, weil die Dinge so wie siesind in Ordnung sind. Vor vier Wochen einigte sich die israelische Regierung auf einGesetz, demzufolge Nichtjuden, die die israelische Staatsbürgerschaft beantragen,einen Eid auf Israel als jüdischen Staat schwören müssen. Letzte Woche erließenDutzende von führenden israelischen Rabbinern einen Aufruf, Häuser oderWohnungen nicht an arabische Bürger Israels (das sind 20 % der Bevölkerung) zuvermieten oder zu verkaufen.
 

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