Welcome to Scribd, the world's digital library. Read, publish, and share books and documents. See more
Download
Standard view
Full view
of .
Look up keyword or section
Like this
2Activity

Table Of Contents

0 of .
Results for:
No results containing your search query
P. 1
Brugger, Karl - Tatunca Nara - Die Chronik Von Akakor

Brugger, Karl - Tatunca Nara - Die Chronik Von Akakor

Ratings: (0)|Views: 112 |Likes:
Published by Hugin von Greim

More info:

Published by: Hugin von Greim on Jan 27, 2011
Copyright:Attribution Non-commercial

Availability:

Read on Scribd mobile: iPhone, iPad and Android.
download as PDF, TXT or read online from Scribd
See more
See less

11/17/2012

pdf

text

original

 
EINFUHRUNGAmazonien beginnt in Santa Maria de Belem, 120 Kilometer von der Küste desAtlantischen Ozeans entfernt. Im Jahre 1616, als 200 von Franzisco CastelloBranco angeführte Portugiesen im Namen Seiner Majestät des Königs vonPortugal und Spanien diesen Boden betraten, beschrieb ihr Chronist den Ortals ein Stück Land voller riesiger Bäume, freundlich und einladend. Heuteist Belem eine moderne Stadt mit 633000 Einwohnern, Wolkenkratzern undVerkehrsstauungen - der Ausgangspunkt der weißen Zivilisation für dieEroberung der amazonischen Urwälder. Über 400 Jahre hat die Stadt aber auchdie Spuren ihrer heroischen und mystischen Vergangenheit bewahrt. Halbverfallene Paläste im Kolonialstil, kachelverkleidete Häuser mitriesigen Eisenportalen zeugen von der berüchtigten Gummizeit, als dieEntdeckung des Vulkanisierungsprozesses Belem auf das Niveau europäischerMetropolen emporhob. Aus dieser Zeit stammt auch die zweistöckigeMarkthalle am Hafen, wo es einfach alles zu kaufen gibt: Fische vomAmazonas und aus dem Ozean, duftende tropische Früchte, Heilkräuter,Wurzeln, Knollen und Blumen, Krokodilzähne für die Liebe und Rosenkränzeaus gebranntem Ton.Santa Maria de Belem ist eine Stadt der Gegensätze. Im Zentrum breitelärmende Geschäftsstraßen, kaum zwei Schiffsstunden flußaufwärts, amgegenüberliegenden Ufer des Amazonas, die Dschungelwelt der InselMarajo. Auf ihr lebte eines der großen Kulturvölker, die Amazonien zuerobern versuchten. Nach der herkömmlichen Geschichtsschreibung erreichtendie Marajoaras die Insel um 1100 n. Chr., auf dem Höhepunkt ihrerZivilisation. Bei der Ankunft der europäischen Entdecker war das Volk schonwieder untergegangen. Das einzige Zeugnis, das es zurückließ, ist seineherrliche Keramik, stilisierte Figuren mit deutlichen Ausdrücken desSchmerzes, der Freude, des Traums. Sie scheinen eine Geschichte erzählen zuwollen. Aber welche?Bis zur Insel Maraj6 ist der Amazonas ein verwirrendes Labyrinth vonKanälen, Seitenflüssen und Lagunen.Der ganze Fluß hat eine Entfernung von mehr als sechstausend Kilometernzurückgelegt. Er beginnt in Peru, stürzt sich über kolumbianischeStromschnellen und wechselt das Land und den Namen. Vom Apurimac zumUcayali und Maranon; vom Maranon zum Solimoes, schon in Brasilien, fließter durch eine weite Tiefebene: 2,6 Zentimeter Gefälle auf jeden Kilometer.Vor der Insel Marajo ist der Amazonas der wasserreichste Strom derWelt.Von Belem nach Santarem, der nächsten größeren Siedlung, sind es drei Tagemit einem großen Motorboot, dem einzigen Beförderungsmittel in Amazonien.Vielleicht ist es unmöglich, den großen Strom zu verstehen,ohne auf diesen Booten gelebt zu haben. In verschiedenen Größen und Formenverkörpern sie die amazonische Konzeption von Zeit, Leben und Entfernung.150 Kilometer pro Tag und nicht pro Stunde flußabwärts. Es isteine Zeit, in der man auf diesen Booten ißt, trinkt, träumt und liebt.Santarem liegt auf der rechten Seite des Amazonas an der Mündung desTapajos. Seine 350000 Einwohner erleben Tage der Hoffnung. Die Stadt istEndpunkt der Transamazonica, das Ziel der Goldsucher, Schmugglerund Abenteurer. Hier lebte auch eine der ältesten ZivilisationenAmazoniens, das Volk der Tapajos. Es ist wahrscheinlich der größte Stammder Urwaldindianer gewesen. Der zeitgenossische GeschichtsschreiberHeriarte behauptete, hätte bis zu 50000 Pfeilschützen aufstellen können.Selbst wenn diese Schätzung übertrieben ist, waren die Tapa zahlreichgenug, um achtzig Jahre lang die Sklavenmärkte der Portugiesen zuversorgen.Heute sind von dem ehemals stolzen Stamm nur noch archäologische Überrestegeblieben. Und der Fluß, dem sie den Namen gaben.Von Santarem nach Manaus ziehen Flüsse vorbei, Städte und Legenden der WeltAmazoniens. An der Mündung des Nhamunda behauptete der spanische Abenteurer
 
Francisco Orellana, die legendären Amazonen bekämpft zu haben. An seinemrechten Ufer in der Nähe der Siedlung Faro liegt der Iacy-See,der Spiegel des Mondes. Bei Volimor so jedenfalls berichtet die Legende,stiegen die Amazonen aus den umliegenden Bergen zum See hinab, wo sie vonihren Geliebten erwartet wurden. Sie tauchten im »Spiegel des Mondes« nachseltsamen Steinen, die sich im Wasser kneten ließen wie Brot, an Land aberhart waren wie Diamanten. Die Amazonen nannten sie Muiraquita undbeschenkten damit ihre Geliebten. Die Wissenschaftler bezeichnen die Steineals archäologische Wunder. Sie sind hart wie Diamanten und künstlichgeformt, obwohl die Tapajos nachweislich keinerlei Werkzeug besaßen, umsolches Material zu bearbeiten.Der eigentliche Rio Amazonas beginnt, wenn der Rio Solimoes den schwarzenWassern des Rio Negro begegnet und sich die beiden mächtigen Strömemiteinander verbinden. Zwanzig Bootsminuten entfernt liegt Manaus, umgebenvon einer grünen Welt und ohne Straßenverbindung zur Küste. Hierlernte ich Tatunca Nara kennen.Es war am 3. März 1971. Der Offizier M., Kommandant der brasilianischenDschungeltruppe in Manaus, hatte mir das Treffen vermittelt. In der BarGracias a Deus - Gott sei Dank - stand ich zum ersten Mal dem weißenIndianerhäuptling gegenüber.Er war groß gewachsen, hatte dunkles, langes Haar und ein fein gezeichnetesGesicht. Seine braunen Augen spiegelten den Mestizen, zusammengekniffen undvoller Mißtrauen. Tatunca Nara trug einen verwaschenen Tropenanzug, einGeschenkder Offiziere, wie er mir später erklärte. Auffallend war nur der breiteLedergürtel mit einer Schnalle aus Silber.Die ersten Minuten unserer Unterhaltung waren mühsam. Eher widerwilligbeschrieb Tatunca Nara in gebrochenem Deutsch seine Eindrücke von der Stadtder Weißen mit den unzähligen Menschen, dem Hasten und Rennen auf denStraßen, den hohen Häusern und dem unerträglichen Lärm. Erst als er seineVerschlossenheit überwunden und sein anfängliches Mißtrauen unterdrückthatte, erzählte er mir die außergewöhnlichste Geschichte, die ich jemalsgehört habe. Tatunca Nara berichtete von dem Stamm der Ugha Mongulala,einem vor 15000 Jahren von Göttern ausgewählten Volk. Er schilderte zweidie Erde verwüstende große Katastrophen, die Beherrschung dessüdamerikanischen Kontinents durch einen Göttersohn, den er Lhasa nannte,und dessen Verbindung zu den Ägyptern, die Entstehung des Stammes derInkas, die Ankunft der Goten und ein Bündnis mit zweitausend deutschenSoldaten. Er sprach von riesigen Steinstädten und von unterirdischenWohnstätten der göttlichen Vorfahren. Und er sagte, daß alle dieseEreignisse in einer Chronik niedergeschrieben seien - derChronik von Akakor.Der längste Teil seiner Geschichte handelte von den Kämpfen gegen dieWeißen, gegen Spanier und Portugiesen, gegen Gummisucher, Siedler,Abenteurer und peruanische Soldaten. Sie trieben die Ugha Mongulala, alsdessen Fürst er sich ausgab, immer weiter in die Berge der Anden zurück undveranlaßten sie sogar, sich in den unterirdischen Wohnstätten zuverstecken. Der drohende Untergang seines Volkes war auch der Grund,weshalb er zu Weißen gekommen war: Er wollte seine ärgsten Feinde Hilfebitten. Schon vor mir hatte Tatunca Nara vielen brasilianischen Beamten desIndianerschutzdienstes, seine Geschichte offenbart. Aber ohne Erfolg.Das war jedenfalls seine Geschichte. Sollte ich sie glauben oder sieverwerfen? In der schwülen Hitze der.»Gott sei Dank« tat sich vor mir eine fremde Welt auf, eine Welt, die, wennes sie gab, auch die Legenden der Maya und Inkas zur Wirklichkeit werdenließ.Zum zweiten und dritten Mal traf ich Tatunca Nara in meinem klimatisiertenHotelzimmer. Wieder beschrieb er über Stunden in einem endlosen Monolog,nur unterbrochen vom Wechseln des Tonbandes, die Geschichte Ugha Mongulala,der Verbündeten Auserwählten Stämme vom Jahre Null bis zum Jahre 11453,also von 10 v.Chr. bis zum Jahr 1972 in der Zeitrechnung der weißenZivilisation. Aber meine erste Begeisterung war verflog Die
 
Geschichte schien mir zu außergewöhnlich: noch eine Legende aus dem Urwald,entstanden in der tropischen Hitze und unter dem mystischen Einflußundurchdringlicher Wälder. Dann war Tatunca Nara am Ende seines Berichts.Und ich hatte zwölf bespielte Tonbänder mit einem phantastischen Märchen.Spuren der Realität nahm die Erzählung Tatunca Nara erst an, als ich erneutmit dem mir befreundeten Offiz. M. zusammentraf. Er gehörte der »ZweitenAbteilung< war also Mitglied des Geheimdienstes. M. kannte TatuncaNara seit vier Jahren und bestätigte mir zumindest d Ende seinerabenteuerlichen Geschichte. Er hatte zwei brasilianischen Offizieren beieinem Flugzeugabsturz der Provinz Acre das Leben gerettet und sie in dieZivilisation zuruckgebracht. Unter den Indianerstämmen der Yanumani und derKaxinawa wurde Tatunca Nara wie ein Häuptling verehrt, obwohl er nicht zuihnen gehörte.Das waren Tatsachen, dokumentiert in den Archiven des brasilianischenGeheimdienstes. Ich entschloß mich, Tatunca Naras Geschichte zu überprüfen.Meine Nachforschungen in Rio de Janeiro, Brasilia, Manaus und Rio Brancoergaben erstaunliche Ergebnisse. In den Archiven der weißen Zivilisationist die Geschichte Tatunca Naras seit 1968 dokumentiert. Indiesem Jahr taucht zum ersten Mal die Gestalt eines weißhäutigenIndianerhäuptlings auf, der zwölf im Bundesstaat Acre verunglücktenbrasilianischen Offizieren das Leben rettet. Er befreit sie aus derGefangenschaft der Haischa-Indianer und begleitet sie nach Manaus. AufFürsprache der Offiziere erhältTatunca Nara ein brasilianisches Arbeitsbuch mit der Nummer I 918 8oo undeinen brasilianischen Personalausweis mit der Nummer V-4333. NachZeugenaussagen spricht der geheimnisvolle Indianerhäuptlinggebrochen Deutsch, versteht nur wenige Worte Portugiesisch, beherrschtjedoch mehrere Indianersprachen aus den Gebieten am Oberlauf des Amazonas.Wenige Wochen nach seiner Ankunft verschwindet Tatunca Naraplötzlich aus Manaus, ohne Spuren zu hinterlassen.Im Jahre 1969 kommt es in der peruanischen Grenzprovinz Madre de Dios zuschweren Kämpfen zwischen wilden Indianerstämmen und weißen Siedlern. Madrede Dios ist ein gottverlassenes Elendsgebiet am Osthangder Anden. Die alte Geschichte Amazoniens wiederholt sich:Aufstand der Unterdrückten gegen die Unterdrücker. Sieg der ewigsiegreichen Weißen. Der Anführer der Indianer, ein imaginärerkommunistischer Guerillaführer, der nach peruanischen Zeitungsberichtenunter dem Namen Tatunca - Große Wasserschlange - bekannt ist, flieht nachder Niederlage auf brasilianisches Gebiet. Um eine Fortsetzung derÜberfälle zu verhindern, stellt die peruanische Regierung einenAuslieferungsantrag an Brasilien.Aus unerfindlichen Gründen lehnen d je brasilianischen Behörden eineMitarbeit ab.In den Jahren 1970 und 1971 gehen die Kämpfe in der Grenzprovinz Madre deDios zu Ende. Die wilden Indianerstämme fliehen in die schwer zugänglichenWälder im Quellgebiet des Rio Yaku. Tatunca Nara bleibt spurlosverschwunden. Peru sperrt die Grenze nach Brasilien und beginnt mit dersystematischen Erschließung des Urwaldes. Nach Augenzeugenberichtenerfahren die peruanischen Indianer das gleiche Schicksal wie ihrebrasilianischen Brüder. Sie werden ermordet oder sterben an den Krankheitender weißen Zivilisation.1972 ist das Schicksalsjahr von Tatunca Nara. Er kehrt in die weißeZivilisation zurück und knüpft in der brasilianischen Stadt Rio BrancoBeziehungen zum katholischen Bischof Grotti. Gemeinsam betteln sie in denKirchen der Hauptstadt von Acre um Lebensmittel für die Indianer am RioYaku. Da bis zu diesem Zeitpunkt die Provinz Acre als »indianerfrei« gilt,erhält auch der Bischof von staatlicher Seite keine Unterstützung. DreiMonate später verunglückt Monsignore Grotti bei einem mysteriösenFlugzeugabsturz tödlich.Aber Tatunca Nara gibt nicht auf. Mit Hilfe der zwölf Offiziere, denen erdas Leben gerettet hat, nimmt er Kontakt mit dem brasilianischenGeheimdienst auf und versucht, ihn von seiner wahren Identität zuüberzeugen.

Activity (2)

You've already reviewed this. Edit your review.
1 thousand reads
1 hundred reads

You're Reading a Free Preview

Download
/*********** DO NOT ALTER ANYTHING BELOW THIS LINE ! ************/ var s_code=s.t();if(s_code)document.write(s_code)//-->