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Die Ethnogenese der Germanen und der Germanenbegriff des Caesar

Die Ethnogenese der Germanen und der Germanenbegriff des Caesar

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Published by Martin Henking
Es geht darum, wie Caius Iulius Caesar die Germanen erfand und wie Tacitus diesen Begriff ausbaut in seiner Germania
Es geht darum, wie Caius Iulius Caesar die Germanen erfand und wie Tacitus diesen Begriff ausbaut in seiner Germania

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Published by: Martin Henking on Jan 29, 2011
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01/30/2011

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Die Ethnogenese der Germanen
 
1. Einleitung:
In diesem Text beschäftige ich mit der Frage, ob man von einer Ethnogenese der Germanen sprechen kann und ob Caesar im Rahmen seiner Feldzüge im heutigenFrankreich, Schweiz und Belgien die Germanen erfunden hat. Wenn ja, wozu tat er das? Können wir von einer indigenen Ethnogenese der Germanen sprechen?
1.1. einige Grundbegriffe:
Zuerst möchte ich einige Grundbegriffe definieren, die dann im weiteren Verlauf desTextes benutzt werden sollen. Was versteht man in der Ethnologie unter Ethnie?Dieser Begriff kommt aus dem Griechischen von Ethnos = Volk. Dies ist "eineMenschengruppe mit gemeinsamer Abstammung, Stammesüberlieferung und Wir-Bewusstsein. .Der Begriff Ethnie entspricht am ehesten dem deutschen Terminus'Stamm'. . Die Eigenweltlichkeit wird durch Identifikation mit Gruppenmitgliedern undNegation der Fremdethnien konstituiert" (vgl. Hirschberg, 1988, 134). D.h., dass sichdiese Gruppe durch eine Wir-Gefühl und eine Abgrenzung zu Ausstehendenauszeichnet. Unter Ethnogenese versteht man die "Entstehung und Ursprung einesEthnos. ... Danach ist das Produkt eines ethnogenischen Prozesses eine neue,vorher nicht dagewesene Ethnie" (vgl. Hirschberg 1988, 128-129). Eine sehr wichtigemethodische Unterscheidung ist die folgende: emisch-etisch, womit gemeint ist "einBegriffspaar, das die Interpretation soziokultureller Phänomene von 'innen' her (nachden Kategorien der Handelnden) oder von 'außen' her (nach den Kategorien deswissenschaftlichen Beobachters) bezeichnen soll" (vgl. Hirschberg 116). Bei denrömischen Autoren, wie Caesar und Tacitus, gab es keinen Versuch die fremdenGesellschaften aus emischer Perspektive zu verstehen, d.h., mit deren Augen zusehen (vgl. Lund 1990, 19-35). Ein wichtiger Begriff in der antiken Ethnologie war der Barbarenbegriff: hierunter verstand man alle diejenigen Ethnien, die außerhalb der römisch-griechischen Welt lebten und auf einer niedrigeren Evolutionsstufe standenals die Römer und Griechen. Damit sind die sogenannten primitiven Stämme der 
 
 Antike gemeint. Sie bildeten den Gegensatz zu den kulturell und sozial weiter entwickelten Römern und Griechen. Hierbei muss zwischen zwei Wertungen desBarbarenbegriffs unterschieden werden: der negative Barbarenbegriff sieht dieBarbaren (und die Germanen sind ein Beispiel für Barbaren) fast als Tiere an, die jähzornig, unberechenbar, grausam und wild sind. Die andere Wertung geht davonaus, dass die Barbaren noch in einer Zeit lebten, als sie noch nicht verdorben warenvon den negativen Einflüssen der sogenannten Zivilisation. Laut dieser Ansichtbedeutet die Höherentwicklung einer Kultur letztendlich den Anfang vom Niedergangund deswegen konnten die Gallier zum Beispiel, wie wir im Folgenden sehenwerden, auch von Caesar besiegt werden, im Gegensatz zu den Germanen (vgl.Lund 1990, 3-19). Unter Nation, aus dem lateinischen Wort natio (Geburt, Abkunft)wurden in der Antike die Bewohner einer Stadt, Region oder eines Gebietsverstanden, die miteinander durch ihre gemeinsame Herkunft und ihren Ursprungverbunden waren. Hierbei kann sich um einen Teil eines Volkes, ein Volk oder einenVölkerverbund handeln, die letztendlich im Laufe der Geschichte die Bildung eineseigenen Staates erreicht hat. Hierbei liegt dann eine zentralisierte politischeOrganisation, heterogene Bevölkerungen, eine sozial geschichtete und wirtschaftlichspezialisierte Gesellschaft vor. Die Mitglieder einer Nation sind die Bewohner einesbestimmten Territoriums (vgl. Hirschberg 336). Unter dem Begriff Volk versteht maneine historisch gewachsene menschliche Gemeinschaft, "die eine ähnlichegenetische Abstammung (Endogamie, Inzesttabu), gleiche Sprache, ähnlicheLebensgewohnheiten (Sitten) und ein Zusammengehörigkeitsbewusstsein verbindet.Ein Volk ist lebendes, offenes System höherer Ordnung, das aus den Untersystemen'Population' (Abstammungsgemeinschaft), 'materielle Kultur', und 'psychosozialer Komplex' zusammengesetzt ist. Das Zusammengehörigkeitsbewusstsein wird ausGemeinschaft in Tradition und Schicksal gebildet" (vgl. Hirschberg, 1988 508). Unter Ethnizität versteht man in der Ethnologie die kulturelle Identität einer Gemeinschaftgegenüber dem Rest der Gesellschaft oder allgemein gegenüber denNichtmitgliedern, d.h., den Fremden. Ethnizität ist jedoch ein dynamischer Begriff unddamit auch veränderbar im Laufe der Geschichte. Es handelt sich um keine festenEigenschaften und Einstellungen, sondern um dynamische Elemente, wie zumBeispiel die Sprache, die eine Ethnie spricht (vgl. Hirschberg 1988, 126-127 undWernhart und Zips 2008, 91-94, 99-110)
 
2.1 Das Germanenbild des Caesar
Der römische Politiker und Militär Gaius Julius Caesar (100 bis 44 vor Christus)beschäftigte sich in seinem "Gallischen Krieg" (auf lateinisch "COMMENTARIORUMLIBRI VII DE BELLO GALLICO") auch mit den Germanen. Wie in antikenhistoriographischen Texten üblich, baute auch Caesar in seinen Bericht von der Eroberung Galliens ethnographische Exkurse ein, die dazu dienten, das Geschehenzu unterbrechen, den Leser zu informieren und zu unterhalten (vgl. Trüdinger 1918,146, 166-170,). Er erklärte, dass die Gallier links des Rheines wohnen würden, alsolinksrheinisch wären und die Germanen, auf lateinisch Germani, rechts des Rheinesihre Wohnsitze hatten (vgl. "Der Gallische Krieg", ab hier abgekürzt GK I, 2,3, I,27,4,I,28,4 und IV, 16,3-4, ). Auf dem linken Ufer war das römische Herrschaftsgebiet undauf dem rechten Rheinufer lebten die Germanen, die frei von römischer Herrschaftwaren (Lund 1998, 86-97). In den folgenden Abschnitten des Gallischen Krieges hatCaesar ethnographische Exkurse, die sich mit den Germanen beschäftigen,eingebaut:GK IV, 1-3 (zu den Sueben), GK IV, 10 (zur Völkerverteilung der Germanen an Maas und Rhein) und GK VI, 21-24 (zu den Germanen insgesamt). Inden Kapitel GK IV, 1-3 behandelt Caesar die rechtsrheinischen Sueben, die vonCaesar als Idealtyp der Germanen angesehen werden (vgl. Lund 1990, 60-75). Er stellt sie als die idealen Krieger dar, die nicht sesshaft sind, bzw. ihre Felder jeweilsnur ein Jahr bestellen dürfen ehe sie weiterziehen müssen. Dies soll dazu dienen,dass sie nicht verweichlichen (vgl. IV, 1, 7 und VI, 22,3-4). Die Sueben essen keinGetreide, nur Fleisch und trinken Milch (GK IV, 1, 8) Die Sueben setzen sich aus 100Gauen zusammen und jeder dieser Gaue stellt jährlich 1000 Krieger für den Kampf.(vgl. GK IV, 1,4). Ihre ganze Lebensweise dient dem Krieg, denn bereits die Knabenwerden abgehärtet, müssen Strapazen und Anstrengungen ertragen und sollen sichdes Geschlechtsverkehrs mit Frauen bis zum 20.Lebensjahr enthalten, damit ihreKraft erhalten bleibt (vgl. GK IV,1, 3-10). Caesar stellt den König der Sueben, Ariovist, als typischen Barbar dar, denn er ist unberechenbar, jähzornig undgefährlich (vgl. GK I, 33, 3-4). In den Kapiteln GK VI, 11-24 stellt Caesar dieGermanen den Galliern gegenüber, wobei er unter anderem bemerkt, dass dieGallier sich kulturell durch römischen Einfluss weiter entwickelt hätten und dieGermanen im Gegensatz dazu noch auf einer niedrigeren Kulturstufe stünden unddaher den Erstgenannten überlegen waren (vgl. GK VI, 24, 4-6). Die Sitten der 

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