jene kein so schlimmes Unglück undkeine so unvorhergesehene Todesarthinweggerafft hatte. Unser Herr aber erklärte, diese Überlegung stimmenicht. Die betreffenden Opfer warenkeine größeren Sünder als die übrigenGaliläer und die Einwohner vonJerusalem. Doch weshalb waren sieumgekommen? Der Grund bestanddarin, daß sie keine Buße getanhatten. Sie hatten ihre Sünden nicht bereut: d.h. „keine Buße tun“; so hatteder Tod sie plötzlich überrascht, alssie noch in schwerer Sünde waren.Um diesen Umstand auszudrückenverwandte Unser Herr das Wort „zuGrunde gehen“ (perire im lateini-schen, apollymi im griechischenText). Die Mediumform von apollymihat die Bedeutung von „untergehen,zugrunde gehen durch fremde, ge-waltsame Einwirkung“. Der morali-sche und theologische Sinn ist stark:ins ewige Verderben stürzen (inaeternam perniciem ruere /Zorell).Die Bestrafung für das Fehlen der Buße kann nicht einfach im Tod desKörpers bestehen, da wir alle sterbenmüssen, sondern zeigt sich darin, daßdie Seelen der Menschen, welche der Tod des Körpers plötzlich überrascht,ins Verderben gehen. Diese Vor-stellung wollte Unser Herr betonen.Die Gottesfürchtigen sollen aus solchschlimmen Todesarten die notwen-dige Lehre entnehmen, daß im Standeder Todsünde zu sterben so viel bedeutet wie in die ewige Verdamm-nis zu gehen. Deshalb ist folgendesnötig: Solange noch Zeit ist, erwecke jedermann Reue, bekehre sich undnehme die Lehre des menschgewor-denen Wortes an.Aber wie konnte Unser Herr wissen, daß die Seelen jener Opfer nicht schlechter waren als die anderer Galiläer und darüber hinaus, daß dieVerunglückten vor dem Tod keineBuße verrichteten und so in ihrenSünden gestorben sind? Ja, er wußtedies, weil er Gottes Sohn ist. Selbstnach der Menschwerdung hörte er nicht auf, Gott zu sein, die göttliche Natur aber kennt alle Seelen invollem Maße.Der Grundsatz, daß der Tod, ohnevorausgehende Reue und das Sterbenim Zustand der Sünde gleichbe-deutend ist mit dem unvermeidlichenGang in die ewige Verdammung, gehtauch aus dem Johannesevangeliumhervor; an dieser Stelle (Joh. 8,21) istUnser Herr streng, denn er konfron-tiert die Juden mit den fürchterlichenFolgen, falls sie ihm hartnäckig denGlauben verweigern.
„Und Jesus sprach abermals zu ihnen: Ich gehehin, und ihr werdet mich suchen, aber in eurer Sünde sterben. Wo ichhingehe, dahin könnt ihr nicht kommen“
. Da nun die Juden denVersuch unternahmen, Christus zuverleumden und Ihm zu unterstellen,Er wolle Selbstmord begehen, erklärteEr ihnen Seine Ausführungen:
„Und er sprach zu ihnen: Ihr seid vonunten, ich bin von oben. Ihr seid vondieser Welt, ich bin nicht von dieser Welt. Darum habe ich euch gesagt: Ihr werdet in eurer Sünde sterben,denn wenn ihr nicht glaubt, daß ich esbin, so werdet ihr in eurer Sünde sterben“
(Jo. 8, 23 f nach Allioli). Mitanderen Worten gesagt: Ihr werdet indie ewige Verdammnis gehen, wennihr meine göttliche Natur verleugnetund nicht für wahr haltet, daß der Ausdruck
„ich bin es (ego, eimi)“,
den Gott aus dem brennendenDornbusch zu Moses gesagt hatte,auch sich meint (vgl. Ex. 3, 14). Einederartige Ermahnung erfolgt auf dieWahrheit, welche Unser Herr amAnfang Seiner Pre-digttätigkeitgeoffenbart hat.
„Der Vater liebt denSohn, und hat alles in seine Hand gegeben. Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben; wer aber demSohne nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der ZornGottes bleibt über ihm“
(Jo. 3, 35 f.Übersetzung nach Al-lioli). Wer nichtglaubt, daß eine der beiden NaturenChristi (substantiell) göttlich ist undso seine Lehren verwirft, der
„wird das ewige Leben nicht sehen“
(wie esden gläubigen Menschen zufällt).Gottes Zorn, „wird auf ihm bleiben“.Eine solche Aus-drucksweise erläutertden Gedanken, daß die Verurteilungdie ewige Verdammnis bedeutet.Dieses Wort Christi gilt nicht nur für die zu Jesu Zeiten lebenden Juden,sondern für alle Menschen aller Zeiten, für Hebräer und Heiden; wer auch immer den Messias bewußtverwirft und ablehnt, ist davon betroffen. Umso mehr gilt dieseWahrheit auch für uns heute, denn dieGleichgültigkeit und der Unglaubehat uns schlimm zugesetzt. Der Ungeist des Abfalls, der Gottes-lästerung und Ruchlosigkeit (Gottlo-sigkeit) macht uns ja zu schaffen.Dazu kommen noch böse Werke aller Art.
Falsche LehrenWie das persönliche Ge-richt, welches jede Seele nachdem Tode des Körpers erwar-tet, betrifft auch das JüngsteGericht den Einzelmenschen
Manche heutzutage weit verbrei-tete Irrlehren aber wollen uns weis-machen, daß jedermann, der seinSeelenheil erlangen will, ein Egoistsei, weil das Endgericht nur kollektivist. Viele Menschen meinen, kollektiv bedeute soviel wie nicht vorhandensein. Obwohl die Modernisten diesenIrrtum nicht direkt aussprechen,wollen sie uns glaubhaft machen, daßunabhängig von den Werken und denverschiedenen Glaubensausrichtungenalle Menschen am Ende das Heilerlangen. Die Hölle sei aus demGrunde leer, weil es dem göttlichenMitleid widerspricht, die ewigeVerdammnis zu verhängen. Der barmherzige Gott habe durch dieMenschwerdung alle Menschen be-reits erlöst. Da nun Gottes Barmher-zigkeit schon auf gewisse Weise jedenMenschen erlöst hat, ist jedermannauf anonyme Weise bereits Christ,selbst wenn er dies nicht weiß.Solcherlei irrige, verwirrende undgottlose Meinungen gedeihen heute,weil niemand mehr über das End-gericht und das persönliche Gerichtspricht. Falsches Stillschweigenübergeht die Wahrheit, daß Unser Herr Jesus Christus am Ende der Zeitdie ewig dauernde Trennung von Er-wählten und Verworfenen vornimmt,denn der wahre Begriff von ChristiGerechtigkeit ist fast verschwunden.Diese Verzerrungen und Entstel-lungen der von Gott geoffenbarten
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Nr. 173 Oktober2009
Rom-Kurier