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256 Pollesch Kommentare

256 Pollesch Kommentare

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Nachtkritik
Nachtkritik

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Categories:Types, Speeches
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04/28/2012

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-Verve den leeren Volksbühnen-Raum mit dottergelbem Großvorhang (Bühne: Bert Neumann), in den immer wieder 80er-Jahre-Hits hineinschallen, stets zu füllen.Zwischendurch stimmt er Lieder zur Gitarre an und fordert zum Mitsingen auf, ebenso wiezum Mitklatschen, Mit-Arm-Schwingen, Mitstöhnen. Was ziemlich komisch ist. Allerdingskann es auch passieren, dass Hinrichs einem die elektrische Zahnbürste ins Gesicht hält... – Interaktivität at its worst. Nachdem er mehrere Jahre, bis 2005, an Castorfs Volksbühne engagiert war und dabei auchin Pollesch-Stücken spielte, fielFabian Hinrichsin den letzten Jahren im Theater vor allemals Protagonist in Laurent Chétouanes eigenwilligen Körper-Sprech-Performances auf. Indessen Regie war er ein Solo-Hamlet, war Büchners Lenz, Hölderlins Empedokles und – auchdas – Goethes Iphigenie.Diesmal ist Platz für eigene NotizenJetzt wirft er Iphigenie-Reclam-Heftchen ins Publikum, während er jene berühmten Zeilendeklamiert: "das Land der Griechen mit der Seele suchend". Hinrichs streckt die Beine zumRiesenschritt und klagt im hohen Ton, vollführt typische Chétouane-Gestik. Denselben Tonmit derselben artifiziellen Betonung legt er jedoch auch für die Pollesch-Sätze an. Und wenner davon spricht, dass wir nichts sind "als Erfahrungen der Körper", dann umgestet er seinenackten Glieder auf Chétouane'sche Weise, reibt an der eigenen Haut, streicht über Bauch undBeine. Hinrichs steht insofern mit seiner ganzen Schauspieler-Biographie auf der Bühne, undPollesch lässt diesmal auch die spezifische Spielweise des Schauspielers mit in sein Theater hinein – was einen ungewohnten Kontrast ergibt, ein reizvolles Experiment.Vielleicht lässt gerade diese Sprechweise, die nicht mehr atemlos und immer an der Grenzezur Hysterie von einem Gedanken zum nächsten springt, dem Zuschauer mehr Gelegenheit,selbst mit Fragen dazwischenzukommen? Zum Beispiel danach, ob Pollesch der interpassiveAnsatz inklusive Dosengelächter tatsächlich zum bejahenswerten Modell gereicht? Und wodas abgelehnte interaktive Theater, diese "widerliche Kunstform der Geselligkeit", inschrecklichster Reinform eigentlich stattfindet? Sind das Spitzen gegen den Authentizitätskultum Jürgen Goschs Tschechow-Arbeiten, wenn es heißt "Nicht dieses russische Gebräu amSamowar, der auch nur innen warm macht. Das ist gar nichts, da drinnen"? Oder zieltPollesch mit seiner Interaktivitätskritik vornehmlich auf den medialenVerblödungszusammenhang um Bohlen und Co.?Wie füllt man ihn?Früher schrieen die Pollesch-Performer in Hochgeschwindigkeit von ihren Sitzsäcken aus alsHeidi-Hoh-Kollektiv gegen "die Interessen der Firma" an. Dann begannen sie hochkomischübers Boulevard-Glatteis zu slapsticken. Und jetzt? Was ist das für ein Theater? Schwer zusagen, möglicherweise ist es weder interaktiv noch interpassiv. Fürs erste hat man jedenfallsLust, darüber nachzudenken. 
Ich schau dir in die Augen, gesellschaftlicher Verblendungszusammenhang!
von René PolleschRegie: René Pollesch, Bühne und Kostüme: Bert Neumann, Dramaturgie: Aenne Quiñones.Mit: Fabian Hinrichs.
 
Kommentare (259)
1. Der neue Pollesch: Chetouane meets Pollesch
chetouane meets pollesch!leo , 14. Januar 2010 - 08:07 Uhr 
2. Der neue Pollesch: Jochen Distelmeyer war da!
Und: the original Jochen Distelmeyer war im Publikum! Rote Hose, pinker Schal! Das genügtals Beweis, dass an diesem Abend gigantisches Theater stattgefunden hat.J. Jünger , 14. Januar 2010 - 08:35 Uhr 
3. Der neue Pollesch: Triumvirat der Großkunst
Ich würde sogar sagen: Es bildete sich ein Triumvirat der Großkunst. Vor Stückbeginn gingHinrichs (im Karohemd) durchs Publikum, begrüßte Distelmeyer und herzte gleichanschließend auch Christoph Schlingensief, der eine Reihe weiter saß. An dieseDreierverbindung müsste man mal ein Kabel anschließen - die Energie könnte sicher mindestens 250 Millionen Hirne ein Jahr lang warm halten!Peter André Älter , 14. Januar 2010 - 08:42 Uhr 
4. Der neue Pollesch: triumphal!
Ein triumphaler Abend ! Hinrichs/Chétouane befreien Pollesch aus der Boulevard-Zwinge.Stimmt , 14. Januar 2010 - 10:05 Uhr 
5. Der neue Pollesch: Theorie falsch verstanden
leider hat pollesch die interpassivitätstheorie komplett falsch verstanden, eigentlicherstaunlich, da er mittels medienaufrüstung seit jahr und tag interpassives theater betreibt.wenn der schauspieler mit dem zuschauer weggeht, ist das übrigens interaktiv, aber egal. dasses keine seele und keine liebe gibt, nun ja, eine binse ist eine binse ist eine binse. fehlt nur noch der übermensch. vielleicht weiss pollesch aber was nach dem tod passiert ? genug jünger hat er ja schon.TRIUMPH !!! , 14. Januar 2010 - 11:00 Uhr 
6. Der neue Pollesch: Titel des Jahres
ich stimme der nachtkritik in vollem umfang zu. bis auf in einem punkt. der titel des jahres2009 war definitiv "Wenn die Schauspieler mal einen freien Abend haben wollen, übernimmtHedley Lamarr"groß , 14. Januar 2010 - 11:50 Uhr 
7. Der neue Pollesch: Auf Aussagenebene nicht zu fassen
@ 5. der schauspieler geht ja mit ihrer abendbegleitung fort. insofern ist das tatsächlichinterpassiv (sie treten ihre lust an der abendgestaltung an ihn ab).aber vielleicht geht es pollesch ja eher um die zersetzung der klaren unterscheidung voninteraktiv (ich muss teilnehmen) und interpassiv (ich deligiere) - um ein drittes zu denken? jedenfalls ist das interaktive spiel von hinrichs bei gleichzeitiger permanenter betonung, dass
 
das interaktive abzulehnen sei, doch ein deutliches zeichen dafür, dass man diesen abend über die aussagenebe allein nicht zu fassen kriegt.ein versuch , 14. Januar 2010 - 12:03 Uhr 
8. Der neue Pollesch: zu Distelmeyer
 jochen d. ist auch nur einer mit gitarre, der mal ins theater geht, vielleicht fand der das gar nicht gut, was da über die seele gesagt wurde? könnte sein, muss nicht. quatsch triumvirat der großkunst, triumvirat der großkunst ist es, weil es in der volksbühne stattgefunden hat und esfunktioniert!!eine unbekannte aus dem publikum , 14. Januar 2010 - 12:09 Uhr 
9. Der neue Pollesch: Immer diese Naserümpferei
Man wird sich ja wohl auch mal auf ein Kunstwerk oder einen Künstler ein- und sich in der Folge durchaus auch mal begeistern lassen dürfen. Immer diese Naserümpferei! Ihr armenStacheligel!Herz ist Triumpf , 14. Januar 2010 - 12:10 Uhr 
10. Der neue Pollesch: körperliche Aktivität delegieren
noch ein Versuch: Fabian Hinrichs demonstriert doch immer wieder, dass es im Theater nichtum Interaktivität gehen kann. Zum Beispiel fordert er zum Mitsingen "und alle!" auf, er zeigtden Zuschauern über die Geste des "heranwinkens" oder "lockens", dass sie die Bühne betreten sollen. Aber keiner traut sich, keiner macht mit. Die Zuschauer delegieren ihrekörperliche Aktivität, ihre körperliche Teilnahme an den Schauspieler. Sie partizipieren über den Geist bzw. über die Imagination, wir sind hier nicht beim mechanisch-rhythmischenMitklatschen im Musikantenstadl. Und wir können uns auch nur über Geist und Sprachekommunikativ über den pluralistischen Sinn dieser Aufführung auseinandersetzen. Mich hatdas neben anderen sofort an Jacques Rancière erinnert, der da sagt, das Theater eröffnetraditionell eine Dramaturgie der Schuld: der Zuschauer werde passiv gemacht und müsseüber die Aufführung zu kollektiver (politischer) Aktivität bewegt werden. Und dass das ebenausbleibt, dass das Theater nicht zwangsläufig eine Befreiung oder politische Revolutionauslöst, das ist zwar traurig, entspricht aber den Tatsachen im Hier und Jetzt. EineTheateraufführung kann die Geschichte nicht wieder-holen, sie kann aber über die Spracheauf das Verweisen, was sich entzogen hat: das Religiöse und das Politische. Aber vielleicht istdas ja gerade das, was uns beruhigt, dieses Entzogene, weil es uns das Denken ausserhalbtotalisierende Sinnsysteme erlaubt. Und dann kann ich vielleicht individuell wieder dranglauben und/oder das leben, diese Liebe leben, ohne dabei dieser großen Erzählung von "der Liebe" zu folgen. Eine Gemeinschaft kann ja immer nur über ihre Ent-Werkung, das heisstüber ihr immer wieder neu hergestelltes Mit-Sein hervorgebracht werden. Es geht um dasnackte Vertrauen, welches immer auch verspielt (siehe Krise des virtuellenFinanzkapitalismus) werden kann. "Schau mir in die Augen, gesellschaftlicher Verblendungszusammenhang!", das verweist ja vielleicht auch nur darauf, dass wir ganz ohneVerblendung auch nicht leben können, weil wir eben keine Kakerlaken oder Hunde sind. Unddass wir das Theater vielleicht genau deswegen brauchen, um zum Beispiel über diesenBegriff der "Verblendung" immer wieder neu nach-denken zu können. Sonst wäre diese Redevon der Verblendung ja auch wieder nur ideologisch. So. Und jetzt gehen wir nicht nachHause, sondern holen uns noch Wein, Bier und Schokolade und fragen uns, ob eine weissemännliche Hete, das ist ein Lude wie du, für beispielsweise die Erfahrungen einer weissenweiblichen Hete sprechen kann, die er als "Nutte wie du" be-zeichnet.Rosa L. , 14. Januar 2010 - 15:14 Uhr 

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