1 Einleitung 1
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INLEITUNG
Der konservative Wohlfahrtsstaat in Deutschland steht seit einigen Jahrzehnten vorbedeutenden Herausforderungen aufgrund von Veränderungen in der Arbeits- undKonsumwelt, den Geschlechterverhältnissen und damit verbunden der Pluralisierungvon Familienstrukturen und Wertvorstellungen sowie der Veränderung der Bevölke-rungsstruktur und Lebenserwartung, dem sog. demographischen Wandel. Die Prakti-kabilität der bestehenden wohlfahrtsstaatlichen Arrangements wird zunehmend in Fra-ge gestellt (Esping-Andersen 2004: 191). Mit Reformen im Gesundheits- und Bil-dungswesen, in der Arbeitsmarktpolitik und im sozialen Sicherungssystem versuchenPolitikerInnen diesem Wandel gerecht zu werden. Dabei entsteht ein Diskurs über den„richtigen“ Weg zur Modernisierung des deutschen Sozialstaats. Insbesondere nachder Implementierung der Hartz-Reformen entstand ein großer Streit um die mangelndesoziale Gerechtigkeit, vor allem der Hartz IV-Gesetze mit dem Arbeitslosengeld II. Kri-tikerInnen aller Couleur bedienen sich gerne des Arguments fehlender Gerechtigkeitohne explizit und präzise zu erläutern, welche Aspekte nach welchen Kriterien bewertetwerden. Dies mag zum Einen daran liegen, dass es – insbesondere von PolitikerInnen – nicht gewollt ist, eine konkrete und angreifbare Rechtfertigung zu liefern. So könnensich mit dem pauschalen Argument der (mangelnden) sozialen Gerechtigkeit alle Bür-gerInnen in ihrer je spezifischen Situation angesprochen fühlen. Auf der anderen Seiteist es tatsächlich sehr schwierig, allgemein akzeptable und nachvollziehbare Bewer-tungsmaßstäbe für die Gerechtigkeit konkreter sozialer Politikmaßnahmen zu entwi-ckeln und zu formulieren (Golly 2006: Vorwort).In der aktuellen öffentlichen Debatte werden Alternativen zu dem als ungerechtempfundenen Sozialstaatsmodell in Deutschland mit Fokus auf die soziale Sicherungdiskutiert: So präsentierte der thüringische Ministerpräsident Althaus im Sommer 2006das Konzept des „Solidarischen Bürgergeldes“, um die Diskussionen zu „Hartz IV“ zubeenden und u.a. die Finanzierungsprobleme des sozialen Sicherungssystems zu lö-sen. Im Herbst 2007 wurde von den baden-württembergischen Grünen ein Antrag zum„Grünen Grundeinkommen“ auf der Bundesdelegiertenkonferenz in Nürnberg eingeb-racht. Beide Modellvorschläge gehören zu der Idee des „(bedingungslosen) Grundein-kommens“, Existenz- bzw. Bürgergeldes, die besagt, dass alle Menschen monatlicheinen bestimmten Geldbetrag (meistens mindestens in Höhe des Existenzminimums)ohne jegliche Gegenleistung vom Staat erhalten. Zentrale Bestandteile des Vorschlagssind die individuelle Auszahlung an alle Mitglieder des Gemeinwesens ohne Bedürftig-keitsprüfung und Gegenleistung. Mit anderen Worten: Die Grundidee ist, das Gros derheutigen steuer- und beitragsfinanzierten Sozialleistungen durch eine für alle BürgerIn-nen identische und an keine Bedingung geknüpfte Transferleistung des Staates zuersetzen.Die Diskussion zu der Idee des Grundeinkommens ist jedoch nicht neu: Bereits inden späten 60er Jahren wurde innerhalb Europas und Nordamerikas über diese Idee