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Natürlich stammen alle Einkom-men aus menschlicher Arbeit,auch wenn uns vieles von derNatur geschenkt wird: Licht, Luft,Wasser, Boden und die darin ent-haltenen Schätze. Der Fortbe-stand dieser Grundlagen des Le-bens und Wirtschaftens allerMenschen ist durch unser gegen-wärtiges Wirtschaften bedroht.Wie können diese Lebensgrund-lagen, das Geschenk der Natur,geschützt und erhalten werden?Wie kann jeder einzelne Menschin gleicher Weise und kostenfreian diesem Geschenk teilhaben?Wie kann ausschließlich mensch-licher Bedarf anstelle des Rendi-tezwangs die Triebfeder für Wirt-schaftswachstum werden?
Ein „Ressourcen-gestütztes“Grundeinkommen für jedenMenschen zeigt Lösungsansätzefür diese komplexe Aufgabe.
Das Naturgeschenk „Grund undBoden“ ist größtenteils nichtmehr allgemein verfügbar son-dern Privateigentum. Daherkommen immer weniger Men-schen in den Genuss dieses Ge-schenks. Da Boden direkt oderindirekt die Grundlage allen Le-bens ist, wächst bei wachsenderBevölkerung auch die Nachfragenach geeignetem Boden in gün-stiger Lage. Wir bezahlen daherfür die Nutzung steigende Prei-se, die nur den Eigentümern zu-gute kommen.
Boden und Einkommen
Boden ist nicht durch menschli-che Arbeit vermehrbar. Die Preis-steigerung kann also nicht durchAusweitung des Angebots ge-bremst werden. Das NaturgutBoden ist daher nicht einfachmarktfähig, sondern das bedeu-tendste Monopolgut.Aufgrund dieser Erkenntnis hates immer wieder Reformbe-wegungen gegeben, die dasgleiche Anrecht aller Menschenam Boden reklamierten. DerUS-Amerikaner Henry George(1839-1897) war ein führen-der Kopf dieser Bewegung im19. Jahrhundert. Sein Plan wares, die Bodenrenten, also jeneEinkommen, die an die privatenEigentümer des Bodens nurkraft Eigentümerstatus fließen,mit einer Steuer abzuschöpfen.Als „single tax“ hätten die Ein-nahmen damals für die Finanzie-rung des gesamten Staatswesensausreichen können.Die Bodenrente als leistungslo-ses Einkommen wird bei Ver-
INITIATIVE FÜRNATÜRLICHE WIRTSCHAFTSORDNUNG
STANDPUNKT 3
Alwine Schreiber-Martens
Ein Grundeinkommen für alle –aus Abgaben für die Nutzungder Naturressourcen
„Immer weniger Menschen produzieren in immer weniger Zeitimmer mehr Güter.“ schreibt Jeremy Rifkin in seinem Buch „DasEnde der Arbeit und ihre Zukunft“
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. Die traditionelle Erwerbsarbeitscheint in Zukunft immer weniger direkte Einkommensquelle derMenschen zu sein. Es gilt daher, über Einkommensquellen undEinkommensverteilung neu nachzudenken.
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Jeremy Rifkin: „Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft“, erschienen 2004 bei Campus
© Eugen Kment, www.eugenartig.com
 
pachtungen besonders deutlich.Die Bauern müssen einen Teildes Ertrags für die Bodenpachtaufbringen. Bei städtischem Bo-den haben die Bodenrentennoch mehr Gewicht: Die Kostender Baugrundstücke liegenheutzutage fast bei einem Drit-tel der gesamten Immobilien-preise. Ihr Anteil allein an denMieten beträgt um die 20 bis25 Prozent!Eine Auszahlung der abge-schöpften Bodenrente direkt andie Bürger wurde im 19. Jahr-hundert noch nicht diskutiert.Diese Idee kam zum ersten MalAnfang des 20. Jahrhundertsdurch den Sozial- und Geldre-former Silvio Gesell (1862-1930)ins Gespräch. Sein Gedanke wares, die Einnahmen aus der Bo-denrente speziell den Mütternzukommen zu lassen, um ihrefinanzielle Sicherheit und Un-abhängigkeit zu stärken. Überseine Zeit hinaus denkend for-derte Gesell sogar, diese Zahlungweltweit allen Müttern – unddamit auch allen Kindern – zu-kommen zu lassen, unabhängigvon Herkunft und Hautfarbe.Nach seiner Sicht hat jeder indie Welt Geborene einen glei-chen Anspruch auf Nutzung al-ler Güter der Natur! Im Prinzipkann man dieses „Müttergeld“schon als eine Art Basis- oderGrundeinkommen ansehen, dadie Zahlungen indirekt allenBürgern in ihrer Jugendzeit zu-gute kommen.
Gleiche Teilhabe allerMenschen am Boden
Nach Gesells Vorstellungen sollteder Boden, wie zur Zeit der All-mende und vor Einführung desRömischen Rechts, wieder in einallen gehörendes Gemeinschafts-gut zurück verwandelt werden.Gesell hatte dazu den im Grundegenialen Plan entwickelt, dassunabhängige Ämter den Bodenmittels verzinslicher Staatspapie-re zurückkaufen und die Boden-flächen zeitbegrenzt den Meist-bietenden gegen Pacht zur pri-vaten Nutzung überlassen.Eine Steuer zur Abschöpfungder Bodenrenten ähnlich wieHenry George schlägt FritzAndres
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vor. Dazu soll die gegen-wärtige Grundsteuer in eine Bo-den
wert
steuer umgewandeltwerden. Die gegenwärtige Steu-er belastet Boden und Bauwerk.Die Änderung – zunächst auf-kommensneutral – stellt dasBauwerk frei und entlastet da-mit menschliche Arbeit, wäh-rend der Boden und damit Na-turgebrauch entsprechend mehrbelastet wird. Die Effekte dieserUmwandlung sind sehr vielfäl-tig: Ungenutzter Boden undBaulücken werden mobilisiertund der von der Planung vorge-gebenen Nutzung zugeführt.Die höhere Steuerlast machtnämlich das Liegenlassen desBodens weniger attraktiv. DieBelastung hält die Eigentümerzu flächensparender Nutzungan. Je nach Höhe kann die Steu-er Planungswertgewinne, d.h.Wertsteigerungen aufgrund ver-änderter Raumordnung bzw.Bauleitplanung, abschöpfen.Dies mindert das Interesse derEigentümer an der Beeinflus-sung der Planung und ist außer-dem ein Gebot der Gerechtig-keit. Die Steuererhebung wirdwesentlich vereinfacht, Steuer-hinterziehung oder Steuerfluchterschwert! Diese Steuer ist eineder wenigen, die den Besteue-rungsgegenstand durch die Be-lastung nicht einschränkt, son-dern seine Verfügbarkeit er-höht. In Dänemark wurde 1922diese Umwandlung durchge-führt, und sie hat hervorragendebodenpolitische Wirkung! InEngland gibt es Bestrebungen,eine solche LVT (Land Value Tax)
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einzuführen.Beide Modelle, das Gesell’schedes Rückkaufs verbunden mit(Erb-)Pacht gegen Meistgebotwie auch das der Bodenwert-steuer, sind kombinierbar undin kleinen Schritten realisierbar.Sie ermöglichen auf friedlichemWege das Abschöpfen der Bo-denrenten. Die gleichmäßigeRückverteilung pro Kopf sicherteinen Einkommenszufluss für jeden Menschen. Nach Berech-nungen von Helmut Creutz kannz.B. bereits eine 5%-ige Besteue-rung des Werts allein des bebau-ten Bodens, des Baulandes undder ausgebauten Verkehrsflä-chen in Deutschland eine Ein-nahme von 100 Mrd. Euro proJahr ergeben, also pro Kopf derBevölkerung (80 Mio. Einwoh-ner) 1250 Euro pro Jahr, also ca.100 Euro ‚Grund‘einkommenaus Boden pro Kopf und Monat.Diese Schätzung ist wohl ge-merkt sehr vorsichtig!
Bodenschätze, Wasser, Luft
Bei allen nicht vermehrbarenNaturgütern ist es wie beim Bo-den: Immer wenn nämlich einknappes Gut durch menschlicheArbeit nicht vermehrbar ist, ent-steht die Möglichkeit einerKnappheits- oder Monopolren-te: ein ökonomischer Vorteil er-gibt sich allein aufgrund desEigentums oder der kostenfreienNutzung, ohne eigene Leistung.Gleiche Teilhabe aller Menschenan diesen natürlichen Knapp-heitsrenten ermöglicht sozialeGerechtigkeit und nachhaltigesWirtschaften.Beim Wasser wird die Aktualitätüberdeutlich: Mit weltweit zu-nehmender Knappheit an Trink-wasser wächst das Interessekaufkräftiger Investoren an derPrivatisierung von Wasserrech-ten, also an der privaten Aneig-nung der steigenden Knapp-heitsrenten. Gleichzeitig wächstdie Notwendigkeit, das kostbareund knappe Gut zu schützenund doch allen zugänglich zumachen.
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siehe Heft Nr. 257 Schriftenreihe „Fragen der Freiheit“ des Seminars für Freiheitliche Ordnung,Badstr. 35, D-73087 Bad Boll, http://www.sffo.de
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http://www.labourland.org.
 
STANDPUNKT 3
Bei der Luft erkennen wir inzwi-schen klar die begrenzte Auf-nahmekapazität der Atmosphä-re für CO
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. Die weltweite Klima-veränderung erfordert eine dra-stische Verringerung der Emis-sionen. Dafür wurden im Kyoto-Protokoll sogenannte Emissions-rechte vereinbart. Sie wurdenzum größten Teil an die bisheri-gen (Groß-)Verbraucher der Res-sourcen „verschenkt“ – im Er-gebnis eine nahezu kostenfreieWeiter-Nutzung eines Umwelt-gutes nach dem „Eroberungs-stand“ von 1990. Nur so vieleZertifikate, um wie viele derAusstoß verringert werden soll,werden gehandelt. Inzwischenentwickelt sich ein Markt fürdiese Rechte, und der Preis istvon anfangs fünf Euro pro Ton-ne CO
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bereits deutlich gestie-gen. Der ökonomische Gegen-wert des Gutes „Recht auf CO
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-Emission“ fließt kostenlos zumgrößten Teil indirekt an diejeni-gen Menschen, die mit ihremLebensstil die höchsten Emissio-nen an klimaschädlichen Gasenproduzieren.Gibt es funktionstüchtige undwirksame Vorschläge, um dieAbschöpfung der Knappheits-renten über den Boden hinausauch auf andere Umweltgüterauszuweiten? Die Struktur einessolchen Vorschlags kann manfolgendermaßen skizzieren:Auf der umweltpolitischen
Pla-nungsebene
wird für ein Um-weltgut aus ökologischen Grün-den eine Nutzungsbegrenzungvereinbart. Dabei wird entwederdie Menge (vgl. Kyoto-Proto-koll), die genutzt werden darf,oder ein Preis (ähnlich Ökosteu-er) für die Nutzung festgelegt.Im ersten Fall werden die Nut-zungsanteile dann meistbietendan die Interessenten versteigert.In beiden Fällen wird das Um-weltgut durch die laufend anfal-lenden Entgelte (Preise) ge-schützt. Gleichzeitig sorgt der(hohe oder steigende) Preis da-für, dass das Umweltgut in derWeise bzw. dort genützt wird,wo seine Nicht-Verfügbarkeitbesonders teuer wäre oder seinNutzen besonders groß ist. Diesist die
Allokationsebene
, aufder die Effizienz bzw. der Preis„regelt“, wo oder wie das Gutgenutzt wird bzw. wer es nutzt.Die pro Kopf gleiche Ausschüt-tung der Gesamtsumme der Ab-gaben garantiert dann auf der
Verteilungsebene
, dass für jedenMenschen eine „durchschnitt-liche“ Nutzung des Umweltgu-tes kostenfrei ist. Genau die ent-sprechende Durchschnittssummewird nämlich im Ergebnis an je-den einzelnen ausgezahlt! Sokann unabhängig von der Höheder Abgabe jeder im Durch-schnitt „mithalten“.Kontinuierlich steigende Abga-ben für den Gebrauch von Um-weltgütern führen zu entspre-chenden Änderungen in denGüterpreisen. Dies hat Auswir-kungen auf das (Kauf-)Verhal-ten der Einzelnen, ohne dass eseines „gläsernen Verbrauchers“bedarf. Gleichzeitig wird deut-lich, dass die Menschen, derenLebensstil die Naturressourcenüberdurchschnittlich schont, einechtes zusätzliches Nettoein-kommen erzielen. Es ist ein Ein-kommen aufgrund der Leistungdes besonders schonenden Um-gangs mit den unvermehrbarenUmweltgütern.
Diese Leistung zum Erhalt derLebensgrundlagen der Mensch-heit wird im 21. Jahrhundertbesonders notwendig sein!
Erst die genannte Verwendung,nämlich die direkte Rückvertei-lung gleichmäßig pro Kopf, er-möglicht überhaupt die politi-sche Durchsetzung. Andernfallswerden durch steigende Um-weltabgaben oder Mengenbe-grenzungen eine wachsendeAnzahl von Menschen von derNutzung der Umweltgüter ten-denziell ausgeschlossen. Dannentstehen massive Verteilungs-konflikte, und unsere natürli-chen Lebensgrundlagen werdenbeschleunigt zerstört werden.
Weitere Auswirkungen dergleichmäßigen Rückverteilung
Haushalte mit Kindern werdenzu den Netto-Gewinnern gehö-ren, denn Kinder sind im All-gemeinen unterdurchschnittli-che Nutzer von Umweltgütern.Durch die überproportionaleSteigerung der niedrigeren Ein-kommen werden Nachfrage undKonjunktur belebt. Dies steigertin der Tendenz die Nachfragenach menschlicher Arbeitskraft,ohne dabei den Schutz der Na-turgüter zu behindern. Wirt-schaftswachstum entsteht alsonur soweit und nur dort, wo tat-sächlich Bedarf ist. Die Menschenverfügen nämlich über mehrKaufkraft (Geld)! Gleichzeitig
© Eugen Kment, www.eugenartig.com
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