Welcome to Scribd, the world's digital library. Read, publish, and share books and documents. See more
Download
Standard view
Full view
of .
Save to My Library
Look up keyword
Like this
1Activity
0 of .
Results for:
No results containing your search query
P. 1
liebermann_souveraenittgewinnensi_103

liebermann_souveraenittgewinnensi_103

Ratings: (0)|Views: 164|Likes:

More info:

Published by: Grundeinkommens-Mem Köln on Feb 06, 2011
Copyright:Attribution Non-commercial

Availability:

Read on Scribd mobile: iPhone, iPad and Android.
download as PDF, TXT or read online from Scribd
See more
See less

02/06/2011

pdf

text

original

 
sozial
psychiatrischeinformationen
3/2010 – 40. Jahrgang
ISSN 0171 - 4538
Verlag:
Psychiatrie-Verlag GmbH, Thomas-Mann-Str. 49a,53111 Bonn, Tel. 0228/725 34 0, Fax 0228/725 34 20www.psychiatrie-verlag.de,
 
E-Mail: verlag@psychiatrie.de
Erscheinungsweise:
Januar, April, Juli, Oktober
Abonnement:
 jährlich 36,– Euro einschl. Porto, Ausland 42,– EuroDas Abonnement gilt jeweils für ein Jahr. Es verlängert sich automatisch, wenn es nicht bis zum30.9. des laufenden Jahres schriftlich gekündigt wird.
Bestellungen nimmt der Verlag entgegen.Redaktionsanschrift:
Frau Gabriele Witte, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie –Institutsambulanz, Rohdehof 5,30853 Langenhagen, Tel. 0511/73 00 590, Fax 0511/73 00 518E-Mail: si@psychiatrie.de
Redaktion:Michael Eink,
Hannover
Hermann Elgeti,
Hannover
Helmut Haselbeck,
Bremen
Gunther Kruse,
Langenhagen
Sibylle Prins,
Bielefeld
Renate Schernus,
Bielefeld
Ulla Schmalz,
Düsseldorf 
Ralf Seidel,
Mönchengladbach
Annette Theißing,
Hannover
Peter Weber,
Hildesheim
Dyrk Zedlick,
Glauchau
Sonderdruck
Souveränität gewinnen
Auswirkungen eines bedingungslosenGrundeinkommens
Zusammenfassung
Seit ungefähr sechs Jahren wird über den Vorschlag eines bedingungslosenGrundeinkommens intensiv debattiert. Dabei handelt es sich nicht um ein weiteres sozial- oderarbeitsmarktpolitisches Instrument zur »Bekämpfung« von Arbeitslosigkeit oder Armut. DerVorschlag setzt anders an, leitet die Bereitstellung einer dauerhaften Geldleistung von derWiege bis zur Bahre aus der Stellung der Bürger im Gemeinwesen her und lässt dadurch andereMöglickeiten aufscheinen. Sie wird ohne Gegenleistungsverpflichtung gewährt und bricht mitdem Geist der heute bestehenden Transferleistungen. Statt ein bestimmtes Lebensziel vorzu-schreiben: Erwerbstätigkeit, überlässt sie es dem Einzelnen, seinen Fähigkeiten und Möglichkei-ten gemäß zu leben. Durch diese Anerkennung des Individuums um seiner selbst willen eröff-net ein bedingungsloses Grundeinkommen vielfältige Möglichkeiten. Wie könnte es sich aufSoziale Arbeit und Sozialpsychiatrie auswirken? Eine Antwort darauf skizziert der Beitrag.
Autor: Sascha LiebermannSeiten 21 – 26
 
21sozial
psychiatrische informationen 3/2010
Souveränität gewinnen
Auswirkungen eines bedingungslosenGrundeinkommens
Zusammenfassung
Seit ungefähr sechs Jahren wird über den Vorschlag eines bedin-gungslosen Grundeinkommens intensiv debattiert. Dabei handelt es sich nicht um einweiteres sozial- oder arbeitsmarktpolitisches Instrument zur »Bekämpfung« vonArbeitslosigkeit oder Armut. Der Vorschlag setzt anders an, leitet die Bereitstellungeiner dauerhaften Geldleistung von der Wiege bis zur Bahre aus der Stellung derBürger im Gemeinwesen her und lässt dadurch andere Möglickeiten aufscheinen. Siewird ohne Gegenleistungsverpflichtung gewährt und bricht mit dem Geist der heutebestehenden Transferleistungen. Statt ein bestimmtes Lebensziel vorzuschreiben:Erwerbstätigkeit, überlässt sie es dem Einzelnen, seinen Fähigkeiten und Möglichkei-ten gemäß zu leben. Durch diese Anerkennung des Individuums um seiner selbst willeneröffnet ein bedingungsloses Grundeinkommen vielfältige Möglichkeiten. Wie könntees sich auf Soziale Arbeit und Sozialpsychiatrie auswirken? Eine Antwort daraufskizziert der Beitrag.
Autor: Sascha Liebermann
1
Seit ungefähr sechs Jahren wird über denVorschlag eines bedingungslosen Grundein-kommens (kurz: b
GE
) intensiv debattiert.
2
 Dabei sticht noch immer ins Auge, wie häu-fig die Idee vor allem als ein besseres sozi-al- oder arbeitsmarktpolitisches Instrumentbehandelt wird. Ihre weitreichenden Aus-wirkungen alleine durch die Möglichkei-ten, die sie schüfe, werden kaum ins Augegefasst. Mit der Bedingungslosigkeit desGrundeinkommens ist etwas Bestimmtesgemeint, sie richtet sich gegen ›aktivierendeSozialpolitik‹, den Geist der Bevormundungim Deckmantel emanzipatorisch gemeinterFürsorge.
 Bedingungslos
soll es in dem Sin-ne sein, dass es nicht mehr an eine Gegen-leistung, an eine Bringschuld des Beziehers,gebunden wird. Der Einzelne weiß am bes-ten, wie er sein Leben in die eigenen Händenehmen kann, darauf setzt das b
GE
. Wo erRat und Hilfe benötigt, sucht er sie – ganzwie heute schon, denn wir wissen allzu gut:Keine Therapie kann gelingen, keine The-rapieempfehlung angenommen werden,wo der Patient die Bereitschaft, sie freiwil-lig anzunehmen, nicht hat.
 Bedingt 
ist einb
GE
dennoch, bloß in einem anderen Sinn.Es bedarf eines Gemeinwesens als Solidar-gemeinschaft von Bürgern, das es bereit-stellt. Wenn ich im Weiteren von b
GE
spre-che, dann meine ich damit eine bestimmteAusgestaltung. Es geht um eine Alimentie-rung von der Wiege bis zur Bahre für jedenStaatsbürger und Personen mit dauerhafterAufenthaltsberechtigung (Status- statt Leis-tungsbedingung), Kindern wie Erwachsenengleichermaßen. Eine alleinstehende Personsollte davon auskömmlich leben können.Bestehende bedürftigkeitsgeprüfte Leistun-gen könnten durch ein b
GE
bis zu seinerHöhe ersetzt werden (z. B.
ALG I
und
II
, So-zialhilfe, Rente, Kindergeld usw., aber auchder Steuerfreibetrag). Je höher es wäre, destomehr könnte es weitergehende Leistungenebenfalls ersetzen. Darüber hinaus müsstenbedürftigkeitsgemäße Leistungen weiter-hin bestehen, die der Einzelne mit dem b
GE
 nicht schultern kann (aufwendige Therapie,unterstützende Hilfsgeräte wie elektrischeGehhilfen usw.). Mit keinem anderen Ein-kommen würde es verrechnet, es wird alsonicht angetastet (anders als heute und beider Steuergutschrift nach dem Prinzip einerNegativen Einkommensteuer). Götz W. Wer-ner spricht in diesem Zusammenhang tref-fend von einem Kulturminimum, um deut-lich zu machen, dass es sich nicht um eineSozialleistung oder Sozialversicherung ge-genwärtigen Zuschnitts handelt. Ein solchesGrundeinkommen soll Freiräume schaffenund damit die Chance erhöhen, dass jederseinen Fähigkeiten und Neigungen gemäßinitiativ werden kann. Es geht nicht davonaus, dass Menschen aktiviert werden müs-sen, vielmehr beseitigt es Hemmnisse fürInitiative. Die Auswirkungen eines derartgestalteten b
GE
s wären weitreichend, auchfür Sozialpsychiatrie und Soziale Arbeit,weshalb?Vergegenwärtigen wir uns, wie sich dieWirkungszusammenhänge heutiger Trans-ferleistungen (Arbeitslosengeld, Sozialhilfe,Rente usw.) darstellen, dann fällt der Blicksogleich auf ihre Gewährungsprinzipien.Leistungen erhält nur, wer Ansprüche er-worben hat oder Bedürftigkeit nachweisenkann. Beide Status leiten sich von demsel-ben im gemeinschaftlichen Konsens ver-ankerten Ideal her, das Erwerbstätigkeit alshöchsten Beitrag zum Gemeinwohl bewer-tet. Bedürftigkeit ist diesem Ideal folgend einzu behebender Zustand, sie stellt eine Aus-nahme dar und soll nicht von Dauer sein.
3
 Selbst wer dauerhaft bedürftig ist, wird vondieser Legitimierungsstruktur nicht befreit;er muss seine Erwerbsunfähigkeit nachwei-sen, muss also zeigen, weshalb er dem allge-mein anerkannten Ideal nicht folgen kann.Der gemeinschaftliche Konsens, der diesenormative Bewertung trägt, ist allerdingsnicht so hermetisch, wie es scheinen könn-te. Auch wenn polemisch davon gesprochenwerden kann, dass die Sozialpolitik der letz-ten Jahre den Geist des Arbeitshauses wie-der hat auferstehen lassen, so haben wir eshierbei doch mit einem eminenten Wider-spruch zwischen ihr und den Grundlagenunseres Zusammenlebens zu tun. Zwar ist

You're Reading a Free Preview

Download
/*********** DO NOT ALTER ANYTHING BELOW THIS LINE ! ************/ var s_code=s.t();if(s_code)document.write(s_code)//-->