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Die Lust am Fremden herbeischreibenG-8-Gipfel 2007 in Heiligendamm: Die Welt schaut auf Deutschland. Aber die Öffentlichkeit inDeutschland blickt immer weniger auf die Welt. Seit 1989 ist das Interesse an Entwicklungen inanderen Ländern zurückgegangen. Neben dem Ende des Kalten Krieges hat wohl auch dieveränderte Größe Deutschlands dazu beigetragen. In Luxemburg findet naturgemäß sehr viel mehr Auslandsberichterstattung statt als in den USA.Ebenso nachvollziehbar ist, dass die USA eine größere Rolle in der Berichterstattung spielen als der kleine Nachbar. Zehn Prozent aller Auslandsberichte mit internationalem Bezug kommen aus denUSA, wie Dagmar Schmidt und Jürgen Wilke im deutschen Teil einer internationalen Studieermittelt haben. Über andere Regionen wird hingegen abgesehen von einer „ereignisbedingtentemporären Fokussierung“ so gut wie gar nicht berichtet - dazu gehören die afrikanischen Länder südlich der Sahara, aber auch Kanada oder europäische Länder wie Finnland. Dabei gibt es immer Tage, an denen das Ausland einfach spannender ist als das gepflegte Sich-im-Kreis-Drehen der deutschen Innenpolitik. Am Tag nach der Kongresswahl in den USA, am 8. November 2006, hatten Inlandsnachrichten bei spiegel.de gerade mal schlappe 115.350 PageImpressions. Die Seiten mit den Auslandsberichten, allen voran die Nachrichten, Ergebnisse undAnalysen zur Wahl in den USA, wurden hingegen 990.815 Mal aufgerufen – achteinhalb Mal soviel. Doch an einem mehr oder weniger durchschnittlichen Nachrichtentag wie dem 16. April 2007wurden vier Mal so viel Inlandsseiten aufgerufen wie Seiten mit Auslandsberichten. Ein schonvorher „abgefeierter“ 80. Papst-Geburtstag oder ein Selbstmordanschlag in Afghanistan haben danneinfach weniger Zugkraft als die öffentliche Empörung über Äußerungen eines baden-württembergischen Ministerpräsidenten. Deshalb gehe es darum, Auslandsereignisse prägnanter zu präsentieren als die Konkurrenz, sagt der CvD von Spiegel Online, Wolfgang Büchner.Um über das Ausland zu berichten, muss man nicht unbedingt vor Ort sein. Bei planbarenEreignissen wie dem G-8-Gipfel bieten Internet und akademische Experten im Inland ersteAnlaufstellen für die Recherche zu Hintergrundberichten, etwa über die Wirtschaftslage in denLändern der Gipfelteilnehmer. Aber auch wenn eine „breaking news“ aus einem wenig bekanntenLand in den Nachrichten-Alltag hineinplatzt, haben Redaktionen wie freie Journalisten eineVielzahl von Möglichkeiten, um ad hoc den weißen Fleck auf der Weltkarte im Kopf mit farbigenInformationen zu füllen. Für tagesaktuelle Informationen sind die internationalen Nachrichtenagenturen wichtige Ansprechpartner, zur Hintergrund-Recherche werden deren oder andere Datenbanken angezapft.Auslandsnachrichten zu schreiben, ist eine schwierigere Aufgabe als die Berichterstattung aus demeigenen Land. Dies liegt nicht so sehr an der Komplexität der Materie, auch wenn diese mitunter schon bei Namen beginnt wie dem des turkmenischen Präsidenten GurbangulyBerdymuchammedow. Der Grund liegt in der höheren Hürde für die Rezeptionsbereitschaft desPublikums. Eine Auslandsmeldung muss besonders sexy geschrieben sein. Die Nachricht zur Debatte über die Gesundheitsreform darf auch mal etwas langweiliger sein – schließlich hat sie jamöglicherweise direkte Auswirkungen auf den eigenen Geldbeutel.„Ausland muss knallen“, sagte die WDR-Fernsehjournalistin Sonia Mikich im Mai 2002 auf denTutzinger Medientagen und bejahte damit seufzend die der Konferenz als Thema gestellte Frage„Nur Krisen, Kriege, Katastrophen?“ Zu widerlegen wäre ihre verbittert klingende Analyse zur  Nachfrageschwäche einer hintergründigeren Auslandsberichterstattung: „Den Anderen wirdzunehmend ihr Anderssein übelgenommen – das ist die psychologische Wurzel vonFremdenfeindlichkeit und Rassismus.“

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