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Der David "Aufklärung" gegen den Goliath "Pornografie" (Interview mit Prof. Dr. Jakob Pastötter)

Der David "Aufklärung" gegen den Goliath "Pornografie" (Interview mit Prof. Dr. Jakob Pastötter)

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Der Sexualwissenschaftler Prof. (US) Dr. Jakob Pastötter ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung (DGSS). Er lehrt an der American Academy of Clinical Sexologists, Florida, und hat sich insbesondere mit Phänomenen der sexuellen Sozialisation und der Pornografie auseinandergesetzt.
Der Sexualwissenschaftler Prof. (US) Dr. Jakob Pastötter ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung (DGSS). Er lehrt an der American Academy of Clinical Sexologists, Florida, und hat sich insbesondere mit Phänomenen der sexuellen Sozialisation und der Pornografie auseinandergesetzt.

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04/27/2012

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Jakob Pastötter klicksafe-Dossier zum Safer Internet Day 2011
 1 
Sie sprechen davon, dass Pornografie eineSie sprechen davon, dass Pornografie eineSie sprechen davon, dass Pornografie eineSie sprechen davon, dass Pornografie eineMacht ausübt. Was für eine Macht ist das?Macht ausübt. Was für eine Macht ist das?Macht ausübt. Was für eine Macht ist das?Macht ausübt. Was für eine Macht ist das?Die Pornografie definiert auf entscheidendeWeise unsere Vorstellungen von menschlicherSexualität. Das geschieht auf zwei Arten: zumeinen dadurch, dass sie heute v. a. als Film-medium auftritt, zum anderen dadurch, dasssie ein Quasi-Monopol in der Darstellungmenschlichen Sexualverhaltens besitzt.Bilder sind stärker als Worte. Wir Menschensind Augenwesen. Selbst eine rhetorisch aus-gefeilte Rede kommt gegen Bilder nicht an.Das einzige, was unsere Gesellschaft den por-nografischen Bildern entgegensetzt, sind Bro-schüren und Unterricht in der Schule, weil wirseit der Erfindung des wissenschaftlichen Se-xualitätsbegriffs davon ausgehen, dass Sexua-lität sich sprachlich und intellektuell erfassenlässt. Bilder im Internet, insbesondere porno-grafische, füllen die sinnliche Vorstellungs-lücke, die dadurch entsteht: Sie sind wesent-lich anschaulicher und wirkungsmächtiger alsdas bloße Reden oder Schreiben über Sexua-lität. Erst wenn eigene (positive) Erfahrungenmit partnerschaftlicher Sexualität gemacht worden sind, kann es gelingen, die pornografi-schen Sexualitätsvorstellungen in ihrer Domi-nanz einzuordnen.Was verstehen Sie unter einem „QuasiWas verstehen Sie unter einem „QuasiWas verstehen Sie unter einem „QuasiWas verstehen Sie unter einem „Quasi----MonoMonoMonoMonopol in der Darpol in der Darpol in der Darpol in der Darstellung menschlicherstellung menschlicherstellung menschlicherstellung menschlicherSeSeSeSexualixualixualixualität“?tät“?tät“?tät“?Pornografie übt bereits durch ihre schiereMasse eine Definitionsmacht über Sexualitätaus: Es gehört schon einiges dazu, seine indi- viduellen Erfahrungen mit Sexualität höher zubewerten als die 500.000 pornografischenVideoclips und Filme, die mittlerweile auf einer einzigen Internetplattform zur Verfügunggestellt werden. Da steht die sexuelle Aufklä-rung, die Kinder und Jugendliche dazu anlei-ten soll, selbstbestimmte Sexualität zuentwickeln, da wie ein wohlmeinender, aberdoch ohnmächtiger David gegenüber einemmedialen Goliath. Ohne Medienanalyse istdeshalb die Sexualkunde heute nicht mehrdenkbar.Pornografische Filme seien Märchen für EPornografische Filme seien Märchen für EPornografische Filme seien Märchen für EPornografische Filme seien Märchen für Errrr---- wachsene, sagen Sie. Was meinen Sie da wachsene, sagen Sie. Was meinen Sie da wachsene, sagen Sie. Was meinen Sie da wachsene, sagen Sie. Was meinen Sie da----mit?mit?mit?mit?Von ihrer Entwicklungsgeschichte her be-trachtet ist die moderne Pornografie etwasEinmaliges: Sie hat Sexualität zu einem mas-sentauglichen Unterhaltungs- und Konsumgutgemacht. Wenn man sich ihre Struktur näheransieht, erkennt man, dass gerade derenGleichförmigkeit und Simplizität ganz wesent-lich zu ihrer Popularität beigetragen haben.Wie beim Märchen weiß man ganz genau, wasman bekommt. Man kann aber trotzdem niegenug davon bekommen, weil etwas erzählt wird, was es in der realen Welt so nicht gibt.Dargestellt wird ein sexuelles Schlaraffenland,in dem alle Wünsche rund um die Uhr befrie-digt werden und Leistung ausschließlich sexu-elle Leistung ist.
Der David „Aufklärung“ gegen den GoliathDer David „Aufklärung“ gegen den GoliathDer David „Aufklärung“ gegen den GoliathDer David „Aufklärung“ gegen den Goliath„Pornografie“„Pornografie“„Pornografie“„Pornografie“
Interview mit Jakob Pastötter 
 Jakob Pastötter Jakob Pastötter Jakob Pastötter Jakob Pastötter
Der Sexualwissenschaftler Prof.Dr. Jakob Pastötter ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexual-forschung (DGSS). Er lehrt ander American Academy of Clinical Sexologists, Florida, und  hat sich insbesondere mit Phänomenen der sexu-ellen Sozialisation und der Pornografie auseinan-dergesetzt.
 
 
Jakob Pastötter klicksafe-Dossier zum Safer Internet Day 2011
 2 
Andererseits ist es ein urmenschlicherAndererseits ist es ein urmenschlicherAndererseits ist es ein urmenschlicherAndererseits ist es ein urmenschlicher Traum, Traum, Traum, Traum, im Schim Schim Schim Schlaraffenland zu leben. Wolaraffenland zu leben. Wolaraffenland zu leben. Wolaraffenland zu leben. Wosteckt dabeisteckt dabeisteckt dabeisteckt dabei das Problem?das Problem?das Problem?das Problem?Wer Pornografie konsumiert, der sucht ganzgezielt den sexuellen Eskapismus, der ihn derAlltagsrealität enthebt und der ohne Vergan-genheit und Zukunft und ohne eigene An-strengung auskommt. Das entlastet und be-freit von den nicht immer angenehmen undbisweilen auch anstrengenden Gefühlen undKonflikten, die das Eingehen einer intimenBeziehung mit sich bringt. Mit einem Wort:Pornografie befreit von Verantwortung. Unsererealen zwischenmenschlichen Beziehungenzeichnen sich aber gerade durch das Über-nehmen von Verantwortung aus.Im Märchen steckt immer eine Moral. In derIm Märchen steckt immer eine Moral. In derIm Märchen steckt immer eine Moral. In derIm Märchen steckt immer eine Moral. In derPornografie auch?Pornografie auch?Pornografie auch?Pornografie auch?Der entscheidende Unterschied zwischen Mär-chen für Kinder und Pornografie als Märchenfür Erwachsene ist natürlich, dass Pornografiepsychologisch völlig banal ist. Richtiger wärees deshalb wohl, von „pseudodokumentari-schen Unterhaltungsfilmen zur individuellensexuellen Luststeigerung“ zu sprechen. Dasmachen die Clips / Filme zuallererst, nämlichSexualität zur audiovisuellen Konsumware zutransformieren.Inwiefern beeinflusst die Allgegenwart vonInwiefern beeinflusst die Allgegenwart vonInwiefern beeinflusst die Allgegenwart vonInwiefern beeinflusst die Allgegenwart vonPornografie die Paarbeziehung von jungenPornografie die Paarbeziehung von jungenPornografie die Paarbeziehung von jungenPornografie die Paarbeziehung von jungenMenschen, aber auch von Erwachsenen?Menschen, aber auch von Erwachsenen?Menschen, aber auch von Erwachsenen?Menschen, aber auch von Erwachsenen?Ob wir das den Medien zugestehen odernicht: Sie beeinflussen unsere Vorstellungendavon, was „normal“ ist. Dieser so genannteNormalisierungseffekt ist umso stärker, je häu-figer bestimmte Verhaltensmuster rezipiert werden. Für die Paarbeziehung funktioniertPornografie wie eine Art mediale „Schwieger-mutter“, die in die Sexualität mit hineinredet.Besonders problematisch ist, dass das Konsu-mieren von Pornografie in der Regel durchpositives sexuelles Erleben verstärkt wird,sprich durch die angenehmen Lustgefühle undden Orgasmus. In der Folge wünscht sich derKonsument, die dadurch wie beim „Paw-low’schen Hund“ gelernten Skripte in derpartnerschaftlichen Sexualität zu wiederholen.Aber das funktioniert nicht.Warum nicht?Warum nicht?Warum nicht?Warum nicht?Die fast labormäßige Konditionierung, diedurch das Betrachten von Pornografie beigleichzeitiger Masturbation stattfindet, bereitetnicht auf die komplexen, da von vielen Vari-ablen bestimmten, Situationen in der realenPaarbeziehung vor. Selbstaussagen von Jugendlichen und Erwachsenen, die häu-fig Pornografie konsumieren, zeigen, dass diesexuelle Frustrationstoleranz deutlich abge-nommen hat. Wo Pornografie allgegenwärtigist, werden die an ihr erlernten sexuellenSkripts zur wichtigen Messlatte für eine befrie-digende und erfüllte Partnerschaft – nicht nurin sexueller Hinsicht.Beeinflusst der Konsum von PornografieBeeinflusst der Konsum von PornografieBeeinflusst der Konsum von PornografieBeeinflusst der Konsum von Pornografieununununserserserser Sozialverhalten?Sozialverhalten?Sozialverhalten?Sozialverhalten?Pornografie suggeriert über die sexuelle Aktionhinaus, dass die Welt voll ist mit Menschen,die eventuell die eigenen Neigungen und Inte-ressen eher teilen als der reale Partner, unddass dafür keinerlei Sozialkompetenz nötig ist:Es reicht einfach nur, nichts dagegen zu ha-ben. Auch das Akzeptieren von Grenzenkommt in „Pornotopia“ nicht vor, da es für jede Idee – und sei sie noch so ausgefallen – jemanden gibt, der bereit ist, sie in die Tatumzusetzen. Damit redet Pornografie letztlichsozialer Isolierung das Wort.Pornografie wendet sich in erster Linie anPornografie wendet sich in erster Linie anPornografie wendet sich in erster Linie anPornografie wendet sich in erster Linie anerwachsene Männer. Welche Problemeerwachsene Männer. Welche Problemeerwachsene Männer. Welche Problemeerwachsene Männer. Welche Problemeergeben sich, wenn junge Menschen Pornoergeben sich, wenn junge Menschen Pornoergeben sich, wenn junge Menschen Pornoergeben sich, wenn junge Menschen Porno----filme sehen?filme sehen?filme sehen?filme sehen?Menschen, die als Erwachsene mit dem Kon-sum von Pornografie beginnen, haben bereitseine eigene sexuelle Geschichte, zu der mehr-heitlich die partnerschaftliche Sexualität ge-hört. Solche Erfahrungen können sie mit por-nografischen Bildern vergleichen. Junge Men-schen haben diese Möglichkeit aber nochnicht. Hier sind es die Bilder, die später durcheigene sexuelle Erlebnisse korrigiert werdenmüssen. Das kann aber nicht völlig problemlos

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