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TagesAnzeiger06_02_1978p45u46

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Wallis Kritisches oberwallis
Wallis Kritisches oberwallis

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11/09/2011

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Seite 45
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Ungeliebte
Opposition
Das
«Kritische Oberwallis» /
Von
Marcel Schwander
«Kritisches Oberwallis» (abgekürzt:
K.
0.)
heisst eine Bewegung, die voreinem Jahrzehnt
in
Brig
von
Studenten
und
Schülern gegründet wordenwar
und
eine eigene Zeitung herausgibt. Sie umfasst
nur
einige DutzendMitglieder, doch
in
der letzten Zeit
ist
sie
zur wichtigsten Oppositionspartei
im
deutschsprachigen Wallis geworden.
Dass
die Oppositionspolitik
im
skandalträchtigen Alpenkanton mit der absoluten CVP-Mehrheit gefährlich seinkann, erfuhr
K.
O.-GrÜnder Stefan Niklaus: er wurde bei einer beruflichenAnstellung
«aus
politischen Gründen» abgelehnt,
obwohl
er der einzigeBewerber war.'
Im Heim «La Castalie» in der WaIliserOrtschaft
Monthey
werden körperlichund geistig schwer behinderte Kindergepflegt: neben Mongoloiden und an
dem
Invaliden
vor
allem zerebral gelähmte kleine Patienten, von denenzahlreiche ihr Bettchen nie verlassenkönnen und
kaum
eine Aus,sichtauf Eingliederung in das'Leben
der
«Gesunden» haben: ein kleines Mädchenaus
GLis
zum'Beispiel, Opfer einesVerkehrsunfalls,
da:s
nie
mehrdas
volle Bewusstsein erlangt
hat
und
nur
noch schwach auf HeIligkeit reagiert.Andere können in den Familien nichtmehr gepflegt werden, weil ihre Behandlung besondere Kenntnisse verlangt. Allerdings'
hat
auch das Kinderheim Schwierigkeiten, geeignetes
undgut
ausgebildetes Personal zu erhalten. So sind die rund vierzig deutschsprachigen Zöglinge gegenüber ihrenfranzösischsprachigen Schicksalsgenossen benachtei:ligt: seit langem fehltdem Heim ein deutschsprachiger Fach
mann
für die psychologische Betreuung.Im November vergangenen Jahresatmete die Heimleiterin
Simone
Rei
chenbach
endlich auf,
da
sie, wie sieglaubte, den richtigen Mann gefundenhatte: den 28jährigen
Stefan
Niklaus
aus Brig.
Im
März
hatte
er
sein Psychologiestudium
an
der
UniversitätFreiburg mit dem Lizentiat in Arbeits-,Sozial-und Experimentalpsychologieabgeschlossen, wobei
er
sich be-sondersmit den Theorien des in Genf wirkenden Neuenburger Psychologen
Jean
Piaget befasst hatte. Ein sympathischer junger Mann, mit einem offenenLachen, das den kleinen InvalidenVertrauen gab.Nach eingehender Prüfung
war
Simone Reichenbach, die
über hundert
Angestellten vorsteht, von den fachli
cheJ;h
und
'menschlichen Qualitäten-des
I
Bewerbers überzeugt: sie teilte"ihmmit, dass sie ihn dem Walliser Staats
rat
zur
Nominierung vorschlagen
wer·
de, was bisher
stets nur
eine Formsa-,che gewesen war. Stefan Niklaus
hatte
\sie
zwardarauf
aufmerksam gemacht,dass
er
in der oppositionellen Politischen Gruppierung des OberwaIlis mit-mache, doch die Heimleiterin
war
I
überzeugt: Wenn es um das Wohl derbehinderten Kinder geht, spielt Partei-politik keine Rolle.'Stefan Niklaus, ausgebildeter Psychologe,
hat
nun als Arbeitsloser täglich im
Stockalperschloss
zu Brig zumStempeln anzutreten, während in Monthey vierzig schwerbehinderte Kinderohne psychologische Betreuung bleiben. Die besorgte Heimleiterin erhieltinSitten Auskunft über die Motive:
Ni-
klaus wird
«aus
politischen Gründen»nicht angestellt.
Eine Zeitungskontroverse
und
einePetition
Niklaus gehört zu den Gründern derJugendbewegung
<<Kritisches
Oberwallis»
(K.
0.), die besoriders gegenüber
der
Kantonsregierung zu
Sitten
recht
 
efan Niklaus bekam
auf
die Bew€rbung für die Hal'btagsstelle in Monthey vom kantonal,en Personal
amt
kurz·en Bescheid: «Wir teilen Ihnen mit,dass Ihre Stellenbewerbung für denobgenannten Posten nicht
berückskh-
tigt werden konnte.
Wir
bitten
um
Kenntnisnahme
...
»
Als sich Niklaus -der einzige Bewerber -nach denGründen erkundigte, bekam er, diesmal vom Staatskanzler, die Antwort:«Wir verzichten,Ihnen die Beweggründe und Erwägungen mitzuteilen, welche gegen die'Berücksichtigung ihrerKandidatur gesprochen haben.Die Ernennung,eines Beamten ist nämlich ein einseitiger Hoheitsakt,
der
den
Staatsrat
nicht verpflichtet, seine getroffene
Wahl
zu rechtfertigen.»
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j-
a
Der Skandal
um
die Tiefbaufirma Savro ist nach Ansicht des "KritischenOberwallis» nur
die
Spitze des Eisbergs: die Einparteienherrschaft erschwert dle,Kontrolle.Die "Matze", ein mittelalt'3rlichesSymbol tür den Widerstand gegen dieUnterdrückung, ziert jede Nummerder K.O.-Zeitung.
kritisch ist. Der
«Walliser VOlksfreund»
applaudierte: Ein «Mann
sokher
Geisteshaltung» wie Niklaus komme nicht in
Frage
als Erzieher behinderter Kinder,von Kindern also, die auf Erziehungsfunktion von Schule und Familie doppelt angewiesen seien. Der «Walliser
Bote»
stellte dagegen fest: «Einem
Staatsrat
'an den Karren zu fahren, stellt im Land am Rotten (Rhone) nichteinen Bestandteil
der
politischen Auseinandersetzung dar, sondern eineblanke Majestätsbeleidigung. Handeltes sich also bei der Nichtwahl desPsychologen Stefal). Niklaus
um
ein politisches ,Revanche-Foul'? Alles
deutet
darauf
hin,»
Unid
weiter: «Wer politischunbequem und aufsässig ist,
wer
eswagt, di.e.Herren Magistraten aus dem Busch
zu
klopfen,dem
hängt
man denBrotkorb weg; so einfach machen sichunsere
Staatsräte
die Sache mit derDemokratie ...»
2500
protestierten gegen
Berufsv~rbot
Bald jedoch musste die Redaktioneinen Rüffel veröffentlichen: National
rat
Paul Biderbost,
Mitglied des Verwaltungsrats der Zeitun
g,
verwahrte
sich gegen den «einseitigen Bericht»und die ganze Linie
der
Zeitung,«dieseit geraumer Zeit nicht zurückhält miteinseitiger und daher ungerechter Kritik,
ja
sogar mit Verdächtigungen zumBeispiel gegen unsere Regierung».Das CVP,Blatt müsse in christlichdemokra tischem Geist wirken: «Für sachliche
und
aufbauende Kritik ist von diesemsicheren Ausgangspunkt.aus für jedenPresseschaffenden auch immer Platz,nicht
aber
für Systemveränderungnach Art der Ultralinken.»Allerdings konntenauch
staatstreue
WaIliser nicht ganz begreifen,
warumim
freien WaIliser Wildwesten nach totalitärem Rezept «Dissidenten» geschaffen werden mussten. An einemeinzigen Samstagnachmittag unterzeichneten.
tausend
.Personen eine
Pe-.tition.
Vergeblich
warnte der
regie-

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