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PERSONAL
· Heft 03/2011
SchwErpunkt: mitarbEitEr FührEn
„Inhaltlich starke Führungskräfte ma-chen bei uns Karriere. Insbesonderedann, wenn sie ihre Inhalte gut kom-munizieren.“ Diese oder ähnlicheAussagen hört man im Beratungsum-feld seit einiger Zeit öfter. Hierarchieund Status sind zwar weiterhin rele-vant, aber im Vergleich zu Inhaltenund Themen spielen sie eine immerweniger wichtige Rolle. Bosch-Chef Franz Fehrenbach hat diesen Trendjüngst auf den Punkt gebracht: „Frü-her ging es um die Besetzung vonPosten, heute geht es vor allem umdie Besetzung von Themen.“ Unddiese Themen müssen von Führungs-kräften kommen, die andere damitmotivieren und leiten. Im Begriff „Führungskraft“ steckt nicht umsonstdas Wort „Kraft“. Ganz im Gegensatzzum Vorgesetzten, der einem „vorge-setzt“ wird.Mit der Themenorientierung in derFührungsarbeit eng verbunden ist derMarketing- und Kommunikationsas-pekt: Wie führe ich so, dass meineZiele von anderen als erstrebenswertempfunden werden. Entscheidendsind persönliche Werte und Ziele derMitarbeiter, die adressiert werdenmüssen. Galten vor Jahren noch Rati-onalität und Effizienz als die Erfolgs-faktoren im Führungsalltag, zeigt sichheute, dass auch die Ansprache undAkzeptanz von Emotionen für guteFührung entscheidend sind.So weit, so weich. Aber wie steht esum den Zusammenhang von themen-zentrierter Führung und harten Un-ternehmenskennzahlen? Diese Fragemuss beantworten können, wer dieDebatte aus einem unternehmeri-schen Blickwinkel heraus führen will.Also wurden 111 Führungskräfte so-wie 44 Personaler dazu befragt. Diesewaren im Schnitt 43,1 Jahre alt undverfügten über 17,9 Jahre Berufser-fahrung. Die Führungskräfte selbstverfügten durchschnittlich über 12,8Jahre Führungserfahrung. Bezogenauf das Geschlecht ergab sich folgen-de Verteilung: 63,9 Prozent Männerund 36,1 Prozent Frauen. Die Umfra-ge – eine Kooperation von Kienbaumund Scholz & Friends – überprüfte imKern die These „Hierarchie war ges-tern. Bessere Führung ist Führungüber Themen und Ideen“. Die Ergeb-nisse wurden im vergangenen Monatveröffentlicht.
Das harte ThemaFührungskommunikation
Auffällig ist, wie stark die Korrela-tionen zwischen themenzentrierterFührung und Unternehmensrenditesowie Umsatzwachstum sind. DieZusammenhänge werden konsistentüber alle Kriterien hinweg belegt.
Erste These:
Bessere Führung ist Füh-rung über Themen und Ideen.• In Unternehmen, in denen starküber Themen und Ideen geführtwird, schätzen 59,5 Prozent der Be-fragten das Umsatzwachstum alsüberdurchschnittlich ein. Wird we-niger über Themen und Ideen ge-führt, sind es nur 36,4 Prozent.• In Unternehmen, in denen starküber Themen und Ideen geführtwird, schätzen 60,7 Prozent der Be-fragten die Rendite als überdurch-schnittlich ein. Wird weniger überThemen und Ideen geführt, so sindes nur 47 Prozent.
Zweite These:
Hierarchie war gestern.• In Unternehmen, in denen wenigüber Hierarchien geführt wird,schätzen 56 Prozent der Befragtendas Umsatzwachstum als überdurch-schnittlich ein. Wird stärker über Hi-erarchien geführt, so sind es nur 43,8Prozent.• In Unternehmen, in denen wenig
Stichwörter in diesem eitrag
 
Führung 
Hierarchie 
Themenzentrierung
Eberhard Hübbe,Mitglied der Ge-schäftsleitung und Partner, Kien-baum Manage-ment Consultants,Gummersbach
 
 eberhard.huebbe@kienbaum.de
Frank Pieper,Leiter Beratung Management-kommunikation,Scholz & Friends Group, Berlin
 
 frank.pieper@s-f.com
Unternehmerisch erfolgreich sind Führungskräfte mit themen-zentrierter Führung. Dabei ist ein Rückgriff auf die Erkenntnisseder Öffent lichkeitsarbeit nützlich.
Hierarchie war gestern
 
PERSONAL · Heft 03/2011
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über Hierarchien geführtwird, schätzen 58,7 Pro-zent der Befragten dieUnternehmensrenditeals überdurchschnittlichein. Wird stärker überHierarchien geführt, sosind es nur 51,3 Prozent.Die gleiche Tendenz zeigtsich bei allen Skalen, dieder themenzentriertenFührung untergeordnetsind: Ausstrahlungskraft,inspirierende Motivie-rung, individuelle Wert-schätzung und intellektu-elle Stimulierung. Nichtdurchgängig signifikantallerdings sind die Zusam-menhänge zwischen intel-lektueller Stimulierungund Unternehmenserfolg.Aber in der Tendenz istauch hier ein Zusammen-hang erkennbar.Bildet man Subgruppenüber die Faktoren Erfah-rung und Geschlecht, zei-gen sich folgende Ergeb-nisse:• Starke Zusammenhängezwischen Führungsver-halten und unternehme-rischem Erfolg zeigensich vor allem bei Befrag-ten mit großer Berufs-erfahrung.• Starke Zusammenhängezwischen Führungsver-halten und unternehme-rischem Erfolg zeigensich vor allem in der Sub-stichprobe der Männer.Männer schätzen dieRendite höher ein, wennsie gleichzeitig die intel-lektuelle Stimulation alsstark einschätzen. BeiFrauen ist dieser Zusam-menhang in der Tendenzumgekehrt.Aus den Ergebnissen derStudie lässt sich ablei-ten, dass Führung überThemen und Ideen mitdem Unternehmens-erfolg Hand in Handgeht, während bei hi-erarchischer Führungumgekehrte Ergebnissebeobachtet werden. Da-von zumindest sind diemeisten Führungskräfteüberzeugt. Für die wei-chen personenbezoge-nen Erfolgskennziffernwie Leistungsbereitschaftoder Mitarbeiteriden-tifikation ist das keineÜberraschung. Doch derZusammenhang ist auchstark in Bezug auf dieharten Währungen vonFirmen: die Unterneh-mensrendite und das Um-satzwachstum.Um die Frage zu beant-worten, wie man Unter-nehmen themenzentriertführt, lohnt sich ein Aus-flug in die Öffentlichkeits-arbeit (PR), und zwar inein PR-Spezialgebiet: dasAgenda-Setting. DieserAnsatz beschäftigt sich mitder Frage, wie ein Thema auf die öffentliche Agenda kommt und dann von einerbreiten Masse diskutiertwird. Ziel des Themenset-zers ist es, ein Thema imBewusstsein der Zielgrup-pe relevanter zu machen.Diese PR-Mechanik kannauch auf die Führungsar-beit übertragen werden.Allerdings darf Agenda-Setting im Führungs-kontext nicht als reineBeeinflussungstechnikeiner öffentlichen Wahr-nehmung missverstandenwerden, sondern muss mitden Werten der Führungs-person übereinstimmen.Denn: Die impliziten, nichtreflektierten Vorgänge imGehirn steuern unser Ver-halten massiv und damitauch die Art und Weise,wie wir von anderen wahr-genommen werden. Passtein Thema nicht zum un-bewussten Verhalten derFührungskraft, hat es kei-ne Kraft. Echtheit ist alsobeim Setzen von ThemenTrumpf.
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