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XIX. Deutscher Bankentag

XIX. Deutscher Bankentag

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07/29/2011

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Börsen-Zeitung, 30.3.2011
Die deutsche Wirtschaft präsentiertsich sogut wielange nicht mehr. Mitdem unerwartet kräftigen Auf-schwung des Jahres 2010 hat sichDeutschland als wachstumsstärkste Volkswirtschaft unter den führen-den Industrienationen platziert. Auch wenn die Dynamik in diesemJahr nachlassen wird, dürfte dasWirtschaftswachstum mit 2,5% er-neut über dem langfristigen Trendder deutschen Volkswirtschaft lie-gen. Die Stimmungsindikatoren je-denfalls zeigen, dass trotz zahlrei-cher Unsicherheitsfaktoren Unter-nehmen und Konsumenten weiterstarkes Vertrauen in die wirtschaftli-che Entwicklung haben. Von diesem positiven Umfeld pro-fitieren auch die Banken: In den ver-gangenen Monaten konnten sie dieRisikovorsorge für das Geschäft mitinländischenFirmen-undPrivatkun-dendeutlichverringern.DieserRück-gang war der wesentliche Grund fürdie verbesserte Ertragssituation indenzurückliegendenQuartalen,denndas Wachstum der Zins- und Provisi-onsergebnisse blieb trotz des Auf-schwungs schwach. Dies ist zum ei-nen dem niedrigen Zinsniveau ge-schuldetundreflektiertzumanderen,dass das Kreditgeschäft wegen dergutenLiquiditätssituation der Unter-nehmen nur sehr verhalten zulegt.Die Banken nehmen also am wirt-schaftlichenAufschwungteil,gleich- wohlfälltauf,dassdiedeutscheBan-kenbranche selbst in diesem günsti-gen Umfeld deutlich hinter anderenBranchen zurückbleibt. Zwar hat siedie schlechten Jahre2008 und 2009 hintersich gelassen, dennochistihreProfitabilitätver-glichenmitanderen ein-heimischen Branchen2010 gering ausgefallen– von einem Vergleichmit der Bankenbrancheanderer Länder ganz zuschweigen.Die deutsche Volks- wirtschaft bleibt mithindurch eine bemerkens- werte Asymmetrie ge-kennzeichnet. Einerseits weistsieeinegroßeZahlauchmittel-ständischer Unternehmen auf, diesich nicht nur erfolgreich auf denWeltmärkten behaupten, sondern in vielen Fällen sogar Weltmarktführersind. Andererseits gibt es nur eineglobal erfolgreiche deutsche Bank.
Strukturelle Defizite
Die Ertragsschwäche der deut-schenKreditwirtschaftliegtnichtpri-mär an den Belastungen durch neueRegulierungen. Sie ist vielmehr Er-gebnis der schon vielfach und von vielen monierten strukturellen Defi-zite des Sektors. Seit Jahren lastenÜberkapazitäten sowie die fehlendeGewinnorientierungwichtigerMarkt-teilnehmer auf der Branche.Die jüngste Finanzmarktregulie-rung verschärft das Problem nocheinmalerheblich.AlleindieBelastun-gen aus Bankenabgabe, absehbarerReform der Einlagensicherung undnotwendigen Investitionen in einerobustere Marktinfrastruktur dro-hen ein gutes Viertel der Nach-Steuer-Gewinne aufzufressen, diedasdeutsche Bankensystem in gutenJahren erwirtschaften konnte. Diepotenziellen Belastungen aus einer weiterhin diskutierten zusätzlichenFinanzaktivitäts- oder -transaktions-steuer sind dabei noch nicht berück-sichtigt.
Mangelnde Profitabilität
Die mangelnde Profitabilität deshiesigen Bankensektors schränkt dieFähigkeit des Sektors ein, Finanzie-rungsmittel für die Volkswirtschaftbereitzustellen, und stellt damit einProblem für die gesamte Wirtschaftund Bevölkerung dar. Dies gilt umsomehr, wenn die Banken gleichzeitignoch zusätzliches Eigenkapital bil-den müssen, um die neuen regulato-rischen Anforderungen an die Kapi-talausstattung zu erfüllen. NiemandkanneinInteressedaranhaben,dassder Wachstumsmotor wegen man-gelnder Kapitalzufuhr ins Stotterngerät.Einestarke Wirtschaft brauchtstarkeBankenundumgekehrt:We-der kann die Bankbranche langfris-tig und nachhaltig erfolgreich sein, wenn die Wirtschaft nicht floriert,noch kann die Wirtschaft sich ohneeingesundesundprofitablesBanken-system positiv entwickeln. Eine ge-sunde Wirtschaft und ein gesundesBankensystem bedingen einanderund verstärken sich gegenseitig.Gerade die deutsche Wirtschaft istauf Banken angewiesen, die im glo-balen Wettbewerb mithalten kön-nen. Nur starke, international kon-kurrenzfähige Banken sind in derLage, die vielfältigen Bedürfnisseder Unternehmen im Finanzie-rungs-, Anlage- und Zahlungsver-kehrsgeschäft zu erfüllen. Besonders wichtigistesdabei,dieinternationa-len Aktivitäten der deutschen, ge-rade auch mittelständischen Unter-nehmen zu begleiten und abzusi-chern,nichtzuletztdurchdengeziel-ten Einsatz von Derivaten und ande-ren Produkten des Investment Ban-king.AngesichtsderhohenKreditlas-tigkeitderdeutschenWirtschaftmüs-sen die Banken auch weiterhin inderLage sein,trotzerhöhterKapital-anforderungenKrediteimnotwendi-genUmfangzurVerfügungzustellen.
Was bleibt zu tun?
Was also ist zu tun? Erstens: DieStrukturschwächen des deutschenBankensystemsmüssenendlichüber- wunden werden. Manches ist hier –etwa unter dem Druck der Beihilfe-auflagen der Europäischen Kommis-sion – bereits in Bewegung gekom-men.GleichwohlhältsichdieBereit-schaft zur Veränderung noch immerin Grenzen. Je länger wir aber mitdiesen Veränderungen warten, destohöher werden die Kosten für Wirt-schaftundSteuerzahleramEndesein.Zweitens: Parallel zur Strukturre-form des Bankensystems gilt es, dieKapitalmärkteinDeutschlandweiter-zuentwickeln. Als Folge der verän-derten regulatorischen Rahmenbe-dingungenwerdenKreditefürUnter-nehmen künftig nicht nur teurer,sondern auch knapper werden. Denimmer noch stark kreditabhängigenUnternehmen in Deutschland mussdaher daran gelegen sein, dass sichdieKapitalmarktfinanzierunghierzu-lande weiter verbreitet. Dazu mussnicht nur das Desinteresse der Deut-schen an der Anlageklasse Aktien,sondern auch die nach wie vor rela-tiv geringe Neigung von Unterneh-men überwunden werden, sich derEigenkapitalaufnahme durch Aktienoder der Fremdfinanzierung überUnternehmensanleihen zu bedie-nen. Leistungsstarke heimische In- vestmentbanken, die die Unterneh-men bei der Emission von AktienundAnleihenbegleitenkönnen,sinddaher im Interesse der deutschenWirtschaft insgesamt.
Mit Augenmaß vorgehen
Drittens: Alle Regulierungsmaß-nahmen müssen mit Augenmaß vor-genommen werden und dürfen dieLeistungsfähigkeit der Banken nichtübermäßig strapazieren. NationaleSondermaßnahmen, die die deut-sche Kreditwirtschaft über die inter-national vereinbarten regulatori-schen Änderungen hinaus belasten,müssen vermieden werden.Deutschlands Wirtschaft ist stark.Damit das so bleibt, muss zu einemstarkenindustriellenSektoraucheinstarkes Bankensystem kommen.
XIX. Deutscher Bankentag
ski – Welche Rollen können und werden Politik, Banken und Wirt-schaft in Zukunft einnehmen? WasbleibtzutunfüreinstabilesFinanz-system?StößtdiePolitikmitderFi-nanzmarktkrise und der drücken-den Last der Staatsschulden anihre Grenzen? Können Banken Ka-pitalgeber, Dienstleister und Wirt-schaftsbürger zugleich sein – oderist das die Quadratur des Kreises?Überdiese Fragenwollen dieRe-präsentanten der privaten BankenmitihrenGästenausPolitik,Gesell-schaft und Wirtschaft auf dem XIX.Deutschen Bankentag diskutieren,der am Mittwochabend in Berlinmit einem festlichen Empfang be-ginnt. Der Donnerstag ist der ei-gentliche Konferenztag. Unter denRednern und Diskutanten im Kon-zerthaus am Gendarmenmarkt wirdnebenderCremedesKreditge- werbesvielProminenzausderPoli-tik,bishin zu BundespräsidentundBundeskanzlerin, sowie aus der in-ternationalenWährungspolitikver-treten sein.Das Familientreffen des privatenTeils der Kreditwirtschaft findet inder Regel alle fünf Jahre statt. DerBundesverband deutscher Banken(BdB) als Veranstalter repräsen-tiert elf Mitgliedsverbände undmehr als 210 miteinander im Wett-bewerb stehende private Banken verschiedenster Größen und ge-schäftlicher Ausrichtungen: vonder Regionalbank bis zum GlobalPlayer, von der Universalbank biszumSpezialinstitut,vonderAktien-bank bis zu den Privatbankiers, von der Filialbank bis zur Direkt-bank sowie Pfandbrief- bzw.Hypothekenbanken und Auslands-banken.
(Börsen-Zeitung, 30.3.2011)
Eine starke Wirtschaft brauchtein starkes Bankensystem
Von Dr. Josef Ackermann
B1An einem Strang ziehen für einenerfolgreichen Finanzstandort
Von Andreas Schmitz
B2Privatbankiers sind heute(mehr denn je!) erforderlich
Von Dr. Hans-Walter Peters
B2Neue Finanzaufsicht inEuropa – der Weg in den Übergang
Von Jochen Sanio
B3Auslandsbanken sind integralerBestandteil des Finanzplatzes
Von Stefan Winterund Joachim von Schorlemer
B 4Private Regionalbanken habenausgezeichnete Perspektiven
Von Prof. Dr. Thomas A. Lange
B5
Von
Josef Ackermann
Vorstandsvorsitzenderder Deutschen Bank AG
„Nationale Sonder-maßnahmen, diedie deutsche Kredit-wirtschaft über dieinternational verein-barten regulatori-schen Änderungenhinaus belasten,müssen vermiedenwerden.“
Banking 2.0: Den Social Medianäher als der Filiale
Von Roland Boekhout
B5Mit werteorientiertemManagement Vertrauenzurückgewinnen
Von Dr. Wolf Schumacher
B6Die Krise hat die Qualitätder Vermögensverwalteroffengelegt
Von Björn H. Robens
B 7Grußwort: Die drei Säulender Kreditwirtschafthaben sich gut bewährt
Von Heinrich Haasis
B 8Grußwort: Banken tragenzum wirtschaftlichenWohlergehen bei
Von Uwe Fröhlich
B8
Eine starke Wirtschaft braucht ein starkes Bankensystem
DieBankbranche kann langfristig und nachhaltig nurerfolgreich sein, wenn dieWirtschaft floriert– Beidebedingen einander, treibensich gegenseitig voran
Aus dem InhaltBankentag
Familientreffen der Privaten
Mittwoch, 30. März 2011
Sonderbeilage
Börsen-Zeitung Nr. 62
B1
 
 
Börsen-Zeitung, 30.3.2011
Die internationale Finanzmarktkrisehat überdeutlich werden lassen,dass das bisherige Regelwerk der Fi-nanzwirtschaft Lücken hatte. Insbe-sondere, da es auf die internationale VernetztheitderFinanzmärktekeineinternationalen regulatorischen Ant- worten gab. Doch wirbrauchen weltweit ein-heitliche Regeln für alleMarktteilnehmer, umglobale Krisen mög-lichst zu vermeiden. DerGrat zwischen Regulie-rung und Strangulie-rung ist dabei sehrschmal. Die privatenBanken in Deutschlandhaben von Anfang andasKonzeptderG20un-terstützt, dass es in Zu-kunftweltweitkeinenFi-nanzmarktakteur, keinProdukt und keinen Finanzmarktohne angemessene Regulierung undhinreichende Aufsicht geben soll.Eine andere, eine bessere Regulie-rungfürmehrSicherheitundStabili-tät an den Finanzmärkten war undist das Ziel.
Auf Fehler selbst reagiert
In der Vergangenheit wurden viele Fehler gemacht – die privatenBanken in Deutschland haben auf diese Fehler bereits selbst reagiert.Ein Blick in die Zahlenwerke derdeutschen Banken macht dies deut-lich: Sie haben ihre Bilanzsummenkonsolidiert, ihre KapitalpositionenaufgebautundihreRefinanzierungs-undLiquiditätsquellenqualitativver-bessert. Sie haben ihre Risikomana-gementsysteme unter die Lupe ge-nommen – etwa bei ihren internenRisikomodellen nachgearbeitet unddie sogenannten Value-at-Risk-An-sätze verbessert. Und sie haben ihre Vergütungssysteme stärker am lang-fristigen Unternehmenserfolg ausge-richtet.Das waren wichtige Meilensteine,die die Banken gesetzt haben, umein besseres Frühwarnsystem aufzu-bauen und Krisen möglichst zu ver-meiden. Der Gesetzgeber hat eben-falls auf beeindruckende Art undWeise Handlungsfähigkeit gezeigt.Er hat zudem in nie gekannter Ge-schwindigkeit Rahmenbedingungengeschaffen, die helfen sollen, solchdramatischen Entwicklungen auf den Finanzmärkten, wie wir sie seit2008 erlebt haben, wirksam zu be-gegnen.Dabei haben sich zwei Schwer-punkte herausgebildet, die gute An-sätze für erfolgversprechende neueRegeln darstellen: zum einen dieÜberarbeitung der Eigenkapital-und Liquiditätsanforderungen undzum anderen die Einführung einesgeordneten Verfahrens zur Sanie-rung, Reorganisation und gegebe-nenfalls Restrukturierung von Insti-tuten zum Erhalt der Finanzmarkt-stabilität. Und das in einer engen Verbindung mit einem Restrukturie-rungsfonds,dermittelseinerSonder-abgabe von Kreditinstituten finan-ziert wird.Eine der zentralen Lehren aus derKriseist, dass Banken mehr Eigenka-pitalbrauchen.Daherweisendiekünf-tigen Regeln für die Kapital- undLiquiditätsausstattung internationaltätiger Banken – kurz BaselIII – indie richtige Richtung. Wir tragen siemit, wenn sie auch sehr herausfor-derndundnichtinjedemPunktsinn- voll sind. Die geplante LeverageRatio beispielsweise könnte be- währte risikobasierte Vorschriftenaushebeln. Wichtige Details wie dieLiquiditätsvorschriftenundaufinter-nationaler Ebene die Behandlung„systemrelevanter Risiken und Insti-tute“ sind derzeit noch offen.Schon heute haben sich die priva-ten Banken in Deutschland mit einerdeutlich besseren Kapitalausstat-tung und mit tragfähigen Geschäfts-modellenaufdiekommendenEigen-kapitalregelneingestellt undkönnenBaselIII umsetzen. Doch sie habenes nicht allein in der Hand. Erfolgkann BaselIII nur haben, wenn es weltweit gleichzeitig eingeführt wird.DabeimussdieWeiterentwick-lung der entsprechenden europäi-schen Richtlinie – kurz CRDIV – in-ternational koordiniert erfolgen.Denn es entsteht kein Mehr an Si-cherheit, wenn international ver-bindliche Regeln fehlen. BaselIII wird nur zu mehr Stabilität führen, wenn sich alle Länder an die Regelnhalten und sie umsetzen. Die USA sind davon noch weit entfernt, dortist BaselII noch nicht mal in Kraft.Krisen in der Zukunft zu verhin-dern, ist nur ein wichtiger Aspekt, wenn es darum geht, den Finanz-markt stabiler zu machen. Es wirdimmer Banken geben, die sich amMarkt nicht halten können. Dannmuss es möglich sein, diese so abzu- wickeln,dass sie nicht den gesamtenFinanzmarkt ins Wanken bringen.EinweitererSchwerpunktderaktuel-len Gesetzgebung zielt deshalb da-rauf ab, die Sanierung, Reorganisa-tion und Restrukturierung von Ban-ken neu zu gestalten. Der bisherigeRechtsrahmen reichte nicht aus, umKreditinstitute zu sanieren oder ab-zuwickeln, die vermeintlich „too bigto fail“ oder „too connected to fail“sind. Um es noch einmal klar zu sa-gen: Hier geht es nicht darum, ein-zelne Banken zu retten, sondern dieFinanzmarktstabilität in Deutsch-land und weltweit zu erhalten.Die privaten Banken sind aus-drücklich für das Gesetz, das Anfang2011 in Kraft getreten ist. Mit demRegelwerk wird man in Deutschlandkünftig früher und wirksamer auf Krisensituationen reagieren könnenals bisher. Nicht zuletzt auch durchden Restrukturierungsfonds, vondem alle Finanzmarktakteure profi-tieren. Nicht nur die Kreditinstitute.Weilniemandweiß,wokünftigeKri-sen entstehen und wer sie verur-sacht,müssendeshalbnichtnurBan-ken, sondern auch Hedgefonds und Versicherungsunternehmen in einensolchen Fonds einzahlen. Das sollteunbedingt in der nächsten Ausbau-stufederRestrukturierungsvorschrif-ten, nämlich auf EU-Ebene, berück-sichtigt werden.
Abgestimmt verfahren
 Auch hierbei kommt es auf ein in-ternational abgestimmtes Vorgehenan.Besonderswichtig ist,dassnatio-nale Bankenabgaben in der EU nureuropäisch koordiniert eingeführt werden. Sonst droht ein Flickentep-pich nationaler Abwicklungsfonds.Denn schon heute bestimmt einKnopfdruckam Computer, über wel-chen Finanzplatz das jeweilige Ge-schäft abgewickelt werden soll. Allzu leicht wäre es möglich, die Ab-gabenzuumgehen.Wettbewerbsver-zerrungen und Regulierungsarbi-trage zwischen den nationalen Ban-kenmärkten wären die Folgen. AlleRegulierungsvorhabenstellenden Gesetzgeber vor die große He-rausforderung, Kreditinstituten so vielSpielraumzulassen,dasssieUn-ternehmenderRealwirtschaftausrei-chend mit Krediten versorgen kön-nen. Die nationale Gesetzgebung inDeutschland legt gerade den priva-ten Banken erhebliche zusätzlicheLasten auf. Denn Deutschland über-erfüllt als Vorreiter und Musterschü-ler viele internationale Vorgaben.Das schlägt ins Kontor.So würde etwa die Kumulation von angekündigter Finanzmarkt-steuer, Bankenabgabe und höherenZahlungen in die Einlagensicherungzu einer Mehrbelastung des Jahres-überschusses der Kreditbanken ummehr als das Doppelte führen. Zu-sätzlich werden die Banken durchhöhereKostenfürKapital-undLiqui-ditätsbeschaffung sowie durch stei-genden Verwaltungsaufwand belas-tet. Die Wettbewerbsfähigkeit derdeutschen Banken gerät so immerstärker unter Druck. Ein Blick in an-dere Länder zeigt, dass es auch an-ders ginge. Dort werden die Bankenzwar ebenso durch internationale Vorgaben belastet, im Gegenzugdann aber national etwas entlastet.Die Briten sind da ein gutes Beispiel.Sie relativieren die Abgabenlast fürihren Finanzplatz durch eine Absen-kung des Körperschaftsteuersatzes.Die deutsche Kreditwirtschaft hatihre Belastungsgrenze erreicht. Re-gulierung in Maßen ist gut – dochdas Maß ist inzwischen voll. Wennalle geplanten Maßnahmen greifen, werden Gewinne nicht nur er-schwert, sondern zum Großteil auf-gezehrt. Direktzahlungen privaterBanken inklusive Steuern und neuergeplanter Belastungen könnten dieErträge bis zu 70% belasten. Oben-drauf käme noch BaselIII. Bankenkämen aus diesem Dilemma nur he-raus, wenn sie Risiko minimierenunddieBilanzsummeanpassen.Kre-dite müssten teurer werden oder würden gar nicht erst vergeben. Daskann nicht Sinn der Sache sein.
Es geht nur gemeinsam
Die deutsche Wirtschaft brauchtstarke deutsche Banken als Partner.Das weiß auch die Politik. Sie mussden Finanzstandort Deutschlandebensowirksamwiemaßvollregulie-ren; das heißt, ihn nicht durch über-zogene Regulierung zu schwächen.Deutschland hat schon heute nichtden Finanzplatz, den es bei seinerWirtschaftskraft an sich braucht. Da-bei sind es die privaten Banken mitihrer Expertise für internationaleMärkte, die das stark exportorien-tierte „Geschäftsmodell Deutsch-land“ maßgeblich finanzieren.Politik, Aufsichtsbehörden undMarktteilnehmer sind aufgerufen,gemeinsamweiterdafürzuarbeiten,dass der WirtschaftsstandortDeutschland erfolgreich bleibt undder Finanzstandort Deutschland da-mit Schritt hält. Nur so lässt sich dieZukunft gewinnen. Jeder muss sei-ner Verantwortung nachkommen.Es geht nur gemeinsam. 
Börsen-Zeitung, 30.3.2011
 Vor 421 Jahren, als die Brüder Hansund Paul Berenberg ihre Firma alsTuchhandel in Hamburg gründeten,gabesnochkeineBanken.InErman-gelung eines Bankwesens nahmendie Handeltreibenden damals selbstdie Finanzierung ihrer Waren in dieHand. Im Laufe der Zeit gewannenimmer mehr Kaufleute die Erkennt-nis,dasssichmitBankiersgeschäftenebenfalls gut Geld verdienen lässt. Auch Cornelius Berenberg erkanntedies frühzeitig und mehrte sein imHandel erworbenes Vermögen be-reits in der zweiten lfte des17. Jahrhunderts durch die Über-nahmevonGeldgeschäftenundbetä-tigte sich zunehmend als Bankier.Die Ursprünge der ersten Bankenlagen also vielfach in der Kombina-tion aus Waren- und Geldgeschäf-ten, die Banken waren regional,klein und unabhängig.Die fortschreitende Industrialisie-rung sorgte später für rasch steigen-denKapitalbedarf.Mittedes19.Jahr-hunderts begannen die Bankiersdaher mit der Gründung von Aktien-banken. Unser Haus mit seiner stark internationalen Ausrichtung gehörtebeispielsweise zu den Gründungsak-tionären der heute größten Banken-gruppen Skandinaviens, SvenskaHandelsbanken und Den DanskeLandmandsbank, sowie der Hong-kong and Shanghai Banking Corpo-rationHSBC,aberauchzudenGrün-dern von Unternehmen wie Hapagund Norddeutscher Lloyd.
Vom Ende keine Rede
Gab es Anfang des 20. Jahrhun-derts noch weitüber 1000 unabhän-gige Privatbankiers in Deutschland,so wies die Bundesbankstatistik 1960 noch 209 Institute aus, 1998stellte sie die Zählung ein – Begrün-dung: Ihre Zahl sei zu klein gewor-den. Legt man strenge Maßstäbe anund betrachtet die von persönlichhaftenden Gesellschaftern geführtenund in unabhängigem Familien-bzw. Unternehmerbesitz befindli-chen, überregional tätigen Institute,also die Privatbankiers von bundes- weiter Bedeutung, dann kommtman heute auf eine Handvoll. Doch vom Ende kann keine Rede sein. ImGegenteil.Wenngleich die Institute formalzwar im Wettbewerb miteinanderstehen – de facto habensie alle jeweils rechtüberschaubareMarktan-teile, sodass man sich weniger als Wettbewer-ber sieht, sondern weiß,dass der Markt groß ge-nug für alle ist. Zudemsind die Geschäftsaus-richtungen sehr ver-schieden. Und: die Pri- vatbankiers konnten von der Krise profitierenallein die BerenbergBank hat im vergange-nen Jahr netto über3 Mrd. Euro neue Gelder von ihrenKunden anvertraut bekommen unddas zweitbeste Ergebnis ihrer über400-jährigen Geschichte erzielt.Der große Vorteil des Privatban-kiers ist es, dass er nicht alles ma-chen muss. Er kann – und muss! –sich auf die Felder konzentrieren, indenen er ein besonderes Know-howhat, seinen Kunden einen echtenMehrwert bieten kann und eineWahrnehmung im Markt genießt.War dies vor wenigen Jahrzehntenoft noch das Firmenkreditgeschäft,soistdasAushängeschildallerPrivat-banken heute das Geschäft mit vermögenden Privatkunden. Warumist das die Done der Privat-banken?
Langfristiger Horizont
Es gibt eine Reihe von Faktoren,dieeinimPrivateBankinggutaufge-stelltes Haus kennzeichnen. Die Er-fahrung zeigt, dass sich Privatban-kenmitihremlangfristigen Horizonthierbei leichter tun als große Häu-ser, deren Management den Fokuseher auf kurzfristige Quartalszahlenlegen muss.Neutralität – Der Kunde muss vonseinerBank eine umfassende, indivi-duelle und neutrale Beratung erwar-tenkönnen.DieBankmussProblem-löser und Dienstleister für den Kun-den sein. Wenn sie im Endeffekt nuralsVerkäufereigenerFondsundPro-dukte agiert, wird sie dem AnspruchdesKundennichtgerecht.AlsPrivat-bank haben wir nicht nur die Mög-lichkeit,aus der Fülle alleram Marktangebotenen Finanzprodukte dasfür den Kunden in seiner jeweiligenSituation geeignete Produkt ohneRücksicht auf den Anbieter auszu- wählen – wir tun es auch.Risikobetrachtung – An der Spitzeeiner Privatbank stehen persönlichhaftende Gesellschafter, die als Un-ternehmermitihremeigenenVermö-genhaften.DiesschärftdenBlickfürdas Risiko. „Vermögen bewahrenund mehren“ unser Leitspruchzeigt, dass die langfristige SicherungdesVermögensanersterStellesteht.Unabhängigkeit Die persönlichhaftenden Gesellschafter könnensämtliche Entscheidungen schnellund abschließend treffen. Diese Kul-tur sowie flache Hierarchien schaf-fen enorme Wettbewerbsvorteile.Kundennähe Erst durch eineenge Zusammenarbeit entwickeltsich eine tiefe Verbundenheit zwi-schen Kunde und Bank; hieraus er- wächsteinVerständnisfürdieindivi-duellen Belange und Erfordernisse.Nur wer die persönliche und ge-schäftliche Situation des Kunden,sein Umfeld und seine Zukunfts-pläne kennt, kann aus der Fülle derMöglichkeiten ein maßgeschneider-tes Konzept entstehen lassen. Zu-demhatderKundenichtnureineBe-ziehung zu seinem Berater; er kenntundtrifftauchdieMitgliederderGe-schäftsleitung, die ebenfalls einenGroßteil ihrer Zeit für die Beratung von Kunden einsetzen.Kontinuität – Es ist kein Geheim-nis, dass eine wirklich umfassende Vermögensberatungnurdurchkonti-nuierliche Betreuung zu gewährleis-tenist.Ichvergleichedasgernmitei-nemgutenRotwein,dermitdenJah-renauch immerbesser wirdund sich voll entfaltet. Eine Vermögensbera-tungistjaeinesehrkomplexeDienst-leistung, vielfältige Besonderheitenmüssen berücksichtigt werden. Fort- währende Beraterwechsel hingegensorgen für Verdruss bei den Kunden.Unternehmenskultur – Das Beson-dere an einer Privatbank ist ihreüber lange Zeit gewachsene Firmen-kultur. Unsere Bank gibt es seit über400 Jahren. Da entsteht ein gemein-samerGeist,eineausgeprägteUnter-nehmenskultur.Mitarbeiter – Die Mitarbeiter sinddas Aushängeschild, durch sie erlebtder Kunde seine Bank. Die Mitarbei-ter müssen nicht nur fachlich exzel-lent sein, sie müssen auch über Per-sönlichkeit verfügen und sich – imRahmender Firmenphilosophie – alseigenständig und verantwortlichagierende Berater verstehen. Eineübertriebene Angestelltenmentalität würde ebenso verheerend wirken wie eine Umsatzbeteiligung, diezum Verkaufen hoch provisionierterProdukte verführte. Eine individu-elle, leistungsorientierte Vergütungund die Vermittlung der über dieJahrhunderte entstandenen Wertvor-
Fortsetzung Seite B3
Von
Hans-Walter Peters
Sprecher derpersönlich haftendenGesellschafter derBerenberg Bank
Von
Andreas Schmitz
Präsident desBundesverbandesdeutscher Bankenund Vorstandssprechervon HSBC Trinkaus
Privatbankiers sind heute(mehr denn je!) erforderlich
Traditionprägtdie Identität– AgiertwirdinderGegenwart
An einem Strang ziehen für einen erfolgreichen Finanzstandort
RegulierunginMaßenistgut,dochdasMaßistinzwischenvoll KonsequenzenkönnennichtSinnderSachesein
B2
Börsen-Zeitung Nr. 62
Sonderbeilage
Mittwoch, 30. März 2011
 
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Börsen-Zeitung, 30.3.2011
Die Veränderung der Welt, so glaubtder bekannte französische Soziologe Alain Touraine, vollziehe sich nichtnur durch Erschaffung und Fort-schritt, sondern zuallererst und füralle Zeit durch Zersetzung undKrise. Wer als Aufseher die Weltfi-nanzkrise durchlebt hat, wird ihmkaum widersprechen wollen. Als mitdem Zusammenbruch des Bankhau-ses Lehman im September 2008 dieKrise in ihrer vollen Wucht aus-brach,zeigtesich,dassdieAufsichts-systeme weltweit nicht gerüstet waren – trotz all der internationalen Aufsichtsstandards, die man in den vorangegangenen Jahrzehnten ge-schaffen hatte.
Dauerhaft Stabilität schaffen
DieKriseeröffnetnundenRegula-toren die Möglichkeit, unzurei-chende Strukturen grundlegend zureformieren. Ziel muss es sein, dasinternationaleFinanzsystemvorwei-teren schrecklichen Ereignissen die-ser Art zu bewahren. Dazu muss dieReregulierung des internationalenFinanzsystems ein großer Wurf wer-den, ein überzeugender Neuanfang,der dauerhafte Stabilität schafft unddamit das Misstrauen, das noch im-mer die Märkte beherrscht, aus derWelt räumt. Auf nationaler Ebene lassen sichregulatorische Reformen verhältnis-mäßig schnell bewerkstelligen. Sohat denn auch der deutsche Gesetz-geberunverzüglichreagiertundkon-sequent gehandelt. Doch der Groß-teil der Finanzmarktregulierung wirdschon lange nicht mehr in den natio-nalen Parlamenten kreiert, sondernin internationalen Komitees, dieRegeln mit globalem Geltungsan-spruchaufstellen:im FinancialStabi-lityBoard(FSB),demobersteninter-nationalen Koordinierungsgremium,und in den globalen Standardsetzer-gremien der einzelnen Finanzsekto-ren wie dem Baseler Ausschuss fürBankenaufsicht. Aus den globalenRegimes, die in diesen Komitees ent- wickelt werden, leitet die Europäi-sche Union für ihre Mitgliedstaaten verbindliche Rechtsnormen ab.Diese Normen haben in ihrer Ge-samtheit über die vergangenen dreiJahrzehnte zu einer tiefgreifendenHarmonisierung der nationalen Auf-sichtsregeln geführt.Die EU-Kommission hat die GunstderschwerenStundege-nutzt und einen lang ge-hegten Plan in die Tatumgesetzt: Die Schaf-fung einer neuen euro-päische Aufsichtsstruk-tur.Dabei hat sieeinho-hes Tempo an den Taggelegt. Doch bei allemTatendrang: Ob der ein-geschlagene Weg zumErfolgführt,bleibt abzu- warten. In der Anfangs-phase dürfte ein gewis-sesMaßanSkepsisange-bracht sein, denn die EUhat eine hoch komplizierte Mi-schung angerührt: aus neuen euro-päischen Institutionen, auseinemin-tensivierten grenzüberschreitendenInformationsaustausch und aus ver-stärkter Koordination zwischen na-tionalen Behörden. Damit soll dieHandlungsfähigkeit der Finanzauf-sicht so gestärkt werden, dass diegroßen grenzüberschreitend tätigenFinanzunternehmen einer besserenKontrolle unterworfen sind. Hierzubedarf es allerdings des guten Wil-lens aller Beteiligten; Verordnungenallein reichen dafür nicht aus.Egal, was man von dem neuen Re-gulierungspaket hält, niemand wirdbestreiten können, dass zu Jahresbe-ginn ein neues Aufsichtszeitalter inder EU angebrochen ist. Drei neueeuropäische Aufsichtsbehörden (Eu-ropeanSupervisoryAuthorities–ESA)und der Europäische Ausschuss fürSystemrisiken (European SystemicRisk Board – ESRB) haben ihre Ar-beit aufgenommen. Mit den EU-Ver-ordnungen zur Errichtung der ESA und des ESRB wird die Aufsicht inEuropa grundlegend verändert.Die Europäische Bankenaufsichts-behörde(EBA),dieEuropäischeAuf-sichtsbehördefürdas Versicherungs- wesenunddiebetrieblicheAltersver-sorgung (EIOPA) und die Europäi-scheWertpapier-undMarktaufsichts-behörde(ESMA)diehierverwende-ten Akronyme sind allesamt aus denenglischen Bezeichnungen abgeleitet– lösen als „Authorities“ mit eigenerRechtspersönlichkeitdiedreibisheri-gen Ausschüsse der nationalen Auf-sichtsbehörden ab.
Unabhängigkeit erkämpfen
Nach Art. 1 der EBA-Verordnungsoll die neue Institution bei derWahrnehmungihrerAufgabenunab-hängig und objektiv und im alleini-genInteressederEuropäischenUnionhandeln,Gleiches gilt für EIOPA undESMA. Das ist zunächst nicht mehrals ein schöner Programmsatz. Pa-pieristbekanntlichgeduldig.InWirk-lichkeit werden die ESA ihre Unab-hängigkeit in der täglichen Praxiserkämpfen und bewahren müssen – vorallemgegenüberderEU-Kommis-sion.DerwirdmankaumUnrechttun, wenn man ihr ein großes Interessedaran unterstellt, starken Einflussauf die Arbeit der ESA zu nehmen.Die besondere Stellung der Kom-mission resultiert nicht nur aus denRechten, die ihr in den ESA-Verord-nungen zugewiesen worden sind,sondern auch daraus, dass sie einendicken Batzen – 40% – zum Haus-halt der neuen Behörden beisteuert.Der Unabhängigkeitder ESA wäreesbesser bekommen, wenn man derenFinanzierung in voller Höhe den na-tionalen Aufsichtsbehörden aufer-legt hätte, die in den obersten Ent-scheidungsgremien der ESA versam-melt sind, den „Boards of Supervi-sors“. Leider fehlte es dafür auf Sei-ten etlicher Länder an der nötigenZahlungsbereitschaft.Selbst auf der Grundlage der60%-Quote, die jetzt von den natio-nalen Behörden zu tragen ist, er- weist sich die Beitragsfrage als drän-gendesProblem. Dies istauf den gel-tenden Verteilungsschlüssel zurück-zuführen: Der jeweilige Budgetan-teil der nationalen Aufsichtsbehör-den berechnet sich nach der Stim-mengewichtung des Vertrags vonNizza. Die Höhe des Beitrags hat so-mit nichts mit der Größe des jeweili-gen Finanzmarktes zu tun, sondernberuht auf einem zu anderen Zwe-cken politisch festgelegten Faktor,der sich grob an der Bevölkerungs-zahl orientiert. Die Frage des Bei-tragsschlüssels birgt deshalb für dieESA ein hohes Konfliktpotenzial und wirdeinDauerbrennerindenInstitu-tionen sein. Es muss somit eine Lö-sung gefunden werden, die den fi-nanzschwachen Mitgliederrn hilft.Die kann jedoch nicht darin beste-hen, dass die EU-Kommission dieESA-Haushalte zu 100% finanziert.Denn auch bei den ESA gilt der Satz:Wer die Musik bezahlt, kann bestim-men, was gespielt wird.Das „politische Gewicht“, das sichaus dem Abstimmungsprozedre er-gibt, ist für die BaFin von großemInteresse:DiewesentlichendieRegu-lierung betreffenden Entscheidungender Boards of Supervisors werdenmitqualifizierterMehrheitundStim-mengewichtung getroffen; bei allenanderen Entscheidungen gibt es nachden ESA-Verordnungen keine Stim-mengewichtung,undesreichtdieein-fache Mehrheit. Was bedeutet, dassin diesen Fällen ein beachtliches Un-gleichgewicht besteht zwischen derGröße eines nationalen Finanzmark-tes und der Bedeutung des entspre-chenden Landes in den ESA, undzwar gerade auch zulasten Deutsch-lands. Diese Benachteiligung darf nicht noch weiter verstärkt werden.Wenn nämlich Entscheidungenauf der Grundlage des Prinzips „onecountry, one vote“ getroffen wer-den, wiegt die Stimme der BaFin ge-nauso schwer wie die der maltesi-schen Aufsichtsbehörde (zu der, ne-benbei bemerkt, sehr freundschaftli-che Beziehungen bestehen). Dabeigeht es nicht um Nebensächlichkei-ten: So wurden aktuell bei den Wah-len der Vorsitzenden und der Exeku-tivdirektoren der ESA die Stimmennicht gewichtet. Gleiches gilt bei Ab-stimmungen in der EBA über wich-tige Einzelheiten des anstehendenBankenstresstests Fragen, derenBeantwortung über das Wohl undWehe der bedeutendsten deutschenBanken entscheidet!
Machtverschiebung
Nun könnte, wer sich mit den Zu-ständigkeiten der ESA beschäftigt,zu der Einschätzung kommen, dassetwaige deutsche Abstimmungsnie-derlagen in den meisten Fällen keinBeinbruch wären. Schließlich ändertdas neue europäische Recht nichtsan der Zuständigkeit der BaFin fürdie Aufsicht über die deutschen Fi-nanzunternehmen; direkte Eingriffs-befugnissegegenüber denUnterneh-menwurden denESAnurinAusnah-mefällen zuerkannt. Doch wer sodenkt, verkennt völlig die Machtver-schiebung, die eingetreten ist: DieBaFin wird sich künftig bis in Detail-fragen hinein den allgemeinen euro-päischen Vorgaben beugen müssen.Heute weiß niemand, was aus die-sen Neuerungen entstehen wird ,–doch die deutschen Finanzunterneh-men werden sie ganz schnell zu spü-renbekommen. In deraufsichtlichenPraxis wird kaum etwas so bleiben, wie es einmal war.Denn was den aufsichtlichen Ord-nungsrahmen anbelangt, haben dieEU-Aufsichtsbehörden weitreichendeKompetenzen erhalten. So haben dieESA Regulierungs- und Durchfüh-rungsstandards zu entwickeln, wel-chedieRegelungender imnormalenEU-Gesetzgebungsverfahren ergan-genenRichtlinien weiterkonkretisie-ren (Art. 10 ff. bzw. Art. 15 der ESA- Verordnungen). Die Standards wer-den verbindliches Aufsichtsrecht, wenn die EU-Kommission die ESA-Entwürfe annimmt (hier zeigt sich wieder der große Machtzuwachs derKommission). Die BaFin muss dieStandards dann unmittelbar anwen-den, und die Unternehmen müssensie unmittelbar beachten. Einer Im-plementierung in das nationaleRecht, etwa in das deutsche Kredit- wesengesetz, bedarf es nicht mehr;derdeutsche Gesetzgeber isthier einfür alle Mal aus dem Spiel gedrängt.Die BaFin muss deshalb die aller-größten Anstrengungen unterneh-men, sich in den ESA die Meinungs-führerschaft zu erarbeiten, um deut-sche Positionen zum Tragen zu brin-gen. Nur die verwegensten Optimis-ten können glauben, dass es der
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stellungen eines Unternehmens animmerneueGenerationenvonMitar-beitern tragen dazu bei, eine Kulturder Beratung und Dienstleistung auf hohem Niveau zu sichern.Wachstum – Zukäufe und Fusio-nen sind im Bankensektor keineSeltenheit. Gerade im Geschäft mit vermögenden Privatkunden ist hier jedoch Vorsicht geboten. Bei Beren-berg setzen wir auf organischesWachstum. Wir bauen lieber auseigener Kraft neue Standorte auf,anstattüberJahreKräftefürdieInte-gration ganzer Banken zu binden.WieschonvorhundertJahrenagie-ren die Privatbankiers auch heute alsBerater. Sie schaffen Netzwerke und Verbindungen zwischen Unterneh-mern,SpezialistenundBeratern ver-schiedener Ausrichtung. Sie helfenbei der Vermögensanlage und son-dieren Finanzierungsmöglichkeiten.SiebringenKäuferundVerkäufervonUnternehmen, Investoren und Kapi-tal suchende Firmen zusammen.Seit jeher sind sie im intensivenund persönlichen Kontakt mit ihrenKunden. Daraus resultiert ihr Selbst- verständnis als Dienstleister. Sie„kümmern“ sich um ihre Mandan-ten, sie sehen deren Interessen alsihre eigenen. Befriedigen sie derenBedürfnisse, geht es auch ihnen gut.Einfach, aber in Großkonzernennicht umsetzbar.Darausresultiertauchdie hoheAf-finität von Unternehmern zu Privat-bankiers. Unternehmer stehen im-mer vor der Aufgabe, Familie undFirma auf verschiedensten Ebenenin Einklang zu bringen. Dies mussauch die Bankberatung nachvollzie-hen. Die Betrachtung von Unterneh-men und Inhaber als Einheit lässtsich am ehesten vom Privatbankierdarstellen Bereichsgrenzen undSpartendenken lassen sichhier näm-lich am leichtesten überwinden. Wirhaben diesen Ansatz sogar in einereigenen Dienstleistung beschrieben:Das Berenberg Unternehmer Officesetzt genau an dieser Schnittstellean. Das ist wichtig, zumal das Unter-nehmen meist den Kern des Famili-envermögens bildet. Moderne Bera-tungskonzepte müssen bei der Anla-geentscheidung des liquiden Vermö-gens den Finanzierungsbedarf unddas operative Risiko des Unterneh-mers einbeziehen.Und auch an den Kapitalmärkten,bei Börsengängen und Unterneh-menstransaktionen sind die Privat-bankiers heute gefragte Akteure.WirhabendieseBereicheindenletz-ten Jahren ausgebaut. Damit errei-chen wir eine Diversifikation für un-serHausundfürdie Kunden eineEr- weiterung unserer Dienstleistung.Immer getreu dem Motto, dass wiruns nur dort engagieren, wo wir derfestenÜberzeugungsind,zudenbes-ten zu gehören und unseren KundenMehrwerte bieten zu können.Privatbankiers leben von und mitder Tradition – sie beschäftigen sichabernicht inersterLiniemit derVer-gangenheit, sondern agieren in derGegenwart und gestalten die Zu-kunft. Trotzdem spürt man in derPrivatbank die Tradition auf Schrittund Tritt. Sie prägt die Identität undbildet einen Spannungsbogen mitdem engagierten und modernen Agierenin unseremWirtschaftsleben.
Von
Jochen Sanio
Präsident der Bundes-anstalt für Finanz-dienstleistungsaufsicht(BaFin
)
Privatbankiers...
„Die BaFin muss des-halb die allergröß-ten Anstrengungenunternehmen, sichin den ESA die Mei-nungsführerschaftzu erarbeiten...“„Egal, was man vondem neuen Regulie-rungspaket hält, nie-mand wird bestrei-ten können, dass zuJahresbeginn einneues Aufsichtszeit-alter in der EU ange-brochen ist.“
NeueFinanzaufsichtinEuropaderWegindenÜbergan
Esmuss vermiedenwerden, dass EuropeanSupervisory Authoritiespraxisferne Regelungen aushecken, diedasFinanzsystem unnötig belasten, stattes zu stärken
Mittwoch, 30. März 2011
Sonderbeilage
Börsen-Zeitung Nr. 62
B3

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