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Bibliothekarisches Blitzlicht Nr. 3

Bibliothekarisches Blitzlicht Nr. 3

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Published by Christof Wahner
eine neue Lesart von Bücherregalen in Bibliotheken - dieses Mal mit einem feministischen Happy End
eine neue Lesart von Bücherregalen in Bibliotheken - dieses Mal mit einem feministischen Happy End

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Published by: Christof Wahner on Apr 05, 2011
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04/13/2011

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Bibliothekarisches Blitzlicht Nr. 3
© Christof Wahner 2011
Vorwort:
In dieser Art von Text geht es um eine neue Lesart von Bücherregalen in Bibliotheken wiez.B. der Badischen Landesbibliothek, die fortlaufend nummeriert sind, ohne räumliche Kategorisierung.Nun stellt sich bei solcher Zufälligkeit die Frage, ob sich nicht doch tiefere Gründe dahinter verbergen,wenn z.B. ein Buch mit dem Titel "Beruf Pferdewirt" direkt neben einem anderen Buch mit dem Titel"Der Sinn des Lebens" steht. Die Titel bzw. Untertitel der ausgewählten Bücher sind hervorgehoben.Nehmen wir einmal eine Landschaft, beispielsweise am Wannsee, an einem sommerlichen Vormittag.Der Hausierer geht um. Er ist weitläufig bekannt. Jetzt wird auch Peter Handke dieser Gestalt gewahr,die am Wannsee, im Wannsee und um den Wannsee herum ihr Unwesen treibt, während in der gleich-namigen idyllischen Berliner Vorstadt Wannsee die Hochzeit, ein Drama in drei Akten ihren Lauf nimmt.----------Stanislaw Wyspianski heiratet. Bislang hielt er es aber streng geheim, wen er heiraten will. Zielsicher beschreitet er nun das Standesamt, unbeirrt von der ebenso unerwarteten wie hinderlichen Tatsache,dass zwei Zeugen Jehovas ihm eine umfangreiche Informationsbroschüre mit dem verheißungsvollenTitel "Bildung, Qualifikation und Arbeit in Japan" schmackhaft machen wollen. Bald stellt sich heraus,dass Stanislaw Wyspianski noch viel zielsicherer ist als der Standesbeamte Michael Hebig, der gleich-zeitig Experte für Existenzgründungsberatung ist und aus diesem Grund einige steuerliche, rechtlicheund wirtschaftliche Gestaltungshinweise zur Unternehmensgründung gibt, weil eine Familiengründungja schließlich nichts anderes als eine Unternehmensgründung bedeutet. Natürlich geht es dabei auchum ertragsteuerliche Verlustkompensationsstrategien in Krisenunternehmen, denn eine Ehe sollte jaschließlich in guten wie auch in schlechten Zeiten über eine solide strategische Orientierung verfügen.Als der Standesbeamte dann aber auf den Themenkomplex Europäische Integration und Grundgesetzabschweift und einen Festvortrag über Maastricht und die Folgen für das deutsche Verfassungsrechtzum Besten gibt, wird es für Stanislaw Wyspianski dann doch endgültig zuviel, so dass er sich nun mitunerbittlicher Vehemenz in den Kampf um Dominanz hinein steigert, bis dann diese ganze skurrile An-gelegenheit in der hermeneutischen Fallanalyse einer polizeilichen Beschuldigtenvernehmung endet.----------Nach diesem unerwartet herben ersten Akt im Standesamt, der gleich mehrere Stunden gedauert hat,schaut Stanislaw Wyspianski hektisch auf seine weiße Digitaluhr mit ihrer rosaroten Zifferndarstellung.Plötzlich kommt ihm ein Gedanke, den er nun laut ausspricht, um sich eine bessere Vorstellung vondiesem Gedanken zu machen: "Der Mensch ist der Weg der Kirche." Weil die standesamtliche Heiratgescheitert war, kam für ihn jetzt nur noch eine kirchliche Trauung in Frage. Als er die nächstliegendekatholische Kirche betritt, spricht soeben der Pfarrer in seiner äußerst leidenschaftlichen Predigt vomVerismo auf der deutschsprachigen Opernbühne und davon, dass es auf der Lebensbühne insgesamtum die Hinwendung zur Gegenwart und zum Alltag, zur Volkssprache und zur unteren sozialen Schichtgeht. Als Stanislaw Wyspianski sich nun zur Seite wendet, erblickt er – ganz im Sinne einer skurrilenSituationskomik – den besagten Hausierer, der immer noch von Peter Handke schaulustig beäugt wirdund sich im situativen Kontext als Opfer eines falsch verstandenen Verismo fühlen darf. Der Hausierer lallt gewohnheitsmäßig sämtliche Gedichte von Michelangelo vor sich hin, die er im zarten Jugendalter einmal auswendig gelernt hatte. Der kontinuierlich vor sich hin plätschernde Vortrag der Michelangelo-Gedichte darf nur mit allergrößtem Zugeständnis als Opernauftritt gelten, überschattet aber dessen un-geachtet zusammen mit einigen zu Boden purzelnden Bierflaschen jeden Gedanken an eine kirchliche

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