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Orthodoxe Kirchen1

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04/05/2011

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Orthodoxe Kirchen/Theologie
Katholizität/Katholizismus
Ökumene
PatrologieI. EinführungDie Erforschung der Orthodoxie, erst im 20. Jh. Kräftig gefördert, istverschiedene Wege gegangen. Zunächst, wie in der liberalen, Theologie alsheidnisches, dem Geist des Urchristentums fremdes Brauchtum abgetan,wurde die Orthodoxie in der Folgezeit zunehmend ins Streitfeld derkonfessionsrundlichen Bestimmung des Christentums gezogen. Um dieOrthodoxie als geschichtliches und geistiges Phänomen einordnen underfassen zu können, suchte man nach einem Formelprinzip, wobei dasmeditative und kultische Element als wesensbestimmend hervorgehobenwurde. Die Orthodoxie musste demnach ihre eigenen Glaubensquellen sowieihre eigene Lehre über die einzelnen im Westen entwickelten Loci theologiciaufweisen. Es war dann unvermeidlich, dass die Orthodoxie dem kath. bzw.protestantischen Verdikt unterzogen wurde. Obwohl in den gegenwärtigenHandbüchern für Konfessionskunde das Bild der Orthodoxie erheblichobjektiver hervortritt (Algermissen,
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1969; Ivanka u.a. 1971; Heyer 1977), istdoch auch ihr Ansatz recht fragwürdig. Auch das postulierte Formelprinzip einer„politischen Orthodoxie(Beck 1980) setzt, wenn auch unbeabsichtigt, imGrunde westliche Werturteile voraus. Die neuere Forschung hat sich hingegenbemüht, die Eigenart der Orthodoxie in Offenheit gegenüber ihrem eigenenSelbstverständnis zu erfassen (vor allem Heiler 1971, Benz 1952, Pelikan 1977,Sartorius 1981).Zum Durchbruch der orthodoxen Kirche und Theologie haben die orthodoxenTheologen selbst wesentlich beigetragen. Ihre Begegnung mit dem Westennach dem 1. Weltkrieg (vor allem im Rahmen der ökumenischen Bewegung)provozierte die Frage nach der Eigenart der Orthodoxie nach ihrem von allenwestlichen Einflüssen vergangener Jahrhunderte gereinigtem, genuinen Bild(Erster all-orthodoxer Theologenkongress, Athen, 1936). Man glaubte, diesemDesiderat mit einer neo-patristischen Synthese entgegenkommen zu müssen,indem man die Aktualisierung des Ethos der Kirchenväter im Anschluss an das
 
gegenwärtige theol. Denken forderte. Darunter verstand man im Grunde eineReihe zentraler Konstanten, die wie ein roter Faden die gesamte theol.,liturgische, asketische und verfassungsmäßige Entwicklung im Ostendurchziehen, vor allem den trinitarischen Ansatz, den Apophatismus, denTheandrismus, das biblische Ethos, den liturgischen Realismus und dassynodale System. Im Zuge dieses neugewonnenen Selbstverständnisses undim Anschluss an die stark geförderten patristischen Studien(Patriarchatsstiftung für patristische Studien in Thessaloniki), an dieLiturgieforschung (jährliche liturgische Woche im Institut St. Serge, Paris), andas erneuerte biblische Studium (Erste orthodoxe Bibelkonferenz, Athen 1972)und an die verbreitete asketische Literatur (Philokalie, Zuwachs desMönchtums) streben die orthodoxen Theologen danach, die Orthodoxie alsgeistiges Ganzes ins Auge zu fassen, ihre Entwicklung und Ausprägung alseinheitlichen Prozess zu erklären und ihre organische und ungebrocheneKontinuität mit der alten, ungeteilten Kirche zu beweisen. Diese Forderung wirddamit begründet, dass man im Osten einer Denk- und Lebenshaltungbegegnet, die keine einschneidenden geschichtlichen und theol. Risse erfahrenhat. Mit diesem Anspruch wollen die orthodoxen Theologen diekonfessionalistische Einengung des Christentums überwinden und lebendigesZeugnis vom gemeinsamen christl. Glauben ablegen. Dieses Selbstverständnisbedingt zugleich eine tiefe Erneuerung ihrer eigenen Theologie (Zweiter all-orthodoxer Theologenkongress Athen 1976).Will man den Weg der orthodoxen Kirche und Theologie in knappen Zügenskizzieren, ist zunächst das Ethos der patristischen Synthese, d.h. ihre geistigeWesensart, deutlich hervorzuheben, somit die Orthodoxie als einheitlichesGanzes zu erfassen.II. Zum geschichtlichen Werdegang der Orthodoxie1. Die Vielfalt der Orthodoxie. Die orthodoxe Kirche ist die Gemeinschaft vonlokalen, selbständigen, „autokephalen“ Kirchen, die, geschichtlich gesehen,aus der alten gr. Ostkirche gewachsen sind. Ihre Gemeinschaft wirdmanifestiert durch den einen Glauben, den die Kirche durch ihre sieben
 
ökumenischen Konzilien formuliert hat, durch die Feier der gleichen Liturgieund durch die gleiche Verfassung, das sog. synodale System. Neben den altenvier Patriarchaten von Konstantinopel, Alexandrien, Antiochien und Jerusalem(diese Rangordnung wurde endgültig durch den 36. Kanon des 6.Ökumenischen Konzils festgelegt) stehen die jüngeren Patriarchate vonRussland, Serbien, Rumänien, Bulgarien und die autonomen Kirchen vonZypern, Griechenland, Polen, Albanien, Georgien, der Tschechoslowakei,Finnlands und des Hl. Berges Sinai. Dazu kommen die Missionskirchen vonChina, Japan, Alaska, Korea, Kenia, Ghana. Mit dem Zuwachs der gr.-orthodoxen Gemeinden im Westen entstanden große, von Konstantinopelabhängige Erzbistümer, so in Nord- und Südamerika, Australien, Neuseelandsowie mehrere Metropolien in Westeuropa. Die sog. orientalischen Kirchen (dienestorianische, jakobitische, koptische, äthiopische, armenische und dieMalabarkirche) sowie die kath. orientalischen Kirchen (Unierten) stellen indogmatischer, liturgischer und kirchenrechtlicher Hinsicht einen Sonderfall„östlichen Christentums“ dar und können daher nicht Gegenstand unseresThemas sein. Unter den orthodoxen Kirchen genießt das ÖkumenischePatriarchat von Konstantinopel einen Ehrenprimat, da ihm, über seinekirchengeschichtliche Relevanz hinaus, nach kanonischem Recht dieletztinstanzliche Anerkennung einer autokephalen Ortskirche vorbehalten ist.Angesichts ihrer weltweiten Präsenz darf die Orthodoxie heute nicht mehr alsder östliche Teil der Christenheit, sondern vielmehr als die geschichtlicheKontinuität, als Zeugin und Vertreterin des Glaubens, des Ethos und desLebens der „östlichen“ Christenheit angesprochen werden.2. Zur Bestimmung der zeitlichen Grenzen der Orthodoxie sollen folgendeSachverhalte beachtet werden:a. Die Eigenart der orthodoxen Kirche kann nicht aus einzelnen geschichtlichenEreignissen (so bedeutsam sie auch immer sein gen) herausdestilliertwerden, da sie einen Lebens- und Denkprozess repräsentiert, der von gewissenKonstanten geistiger Natur bestimmt wird.b. Es gibt keine „normative“ Zeit in der Geschichte der orthodoxen Kirche, wiez.B. die patristische oder die Zeit der sieben ökumenischen Konzilien, so dass

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