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Horvath PZ

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Manifestationen des Transzendenten in der Badener Siedlung von Balatono ˝ szöd-Temeto ˝ i D˝ ulo ˝ Kultgegenstände
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Manifestationen des Transzendenten in der Badener Siedlungvon Balatono ˝ szöd-Temeto ˝ i Du ˝ lo ˝ – Kultgegenstände
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von Tünde Horváth, Budapest
Badener Kultur; Kultgegenstände; anthropomorphe Kleinplastiken; Hausmodelle; Stempel.Culture de Baden; objets de culte; figurines anthropomorphes; modèles de maisons; estampilles.Baden Culture; Ritual Objects; Small Anthropomorphic Sculptures; House Models; Stamps.Badeni kultúra; kultusztárgyak; antropomorf kisplasztikák; házmodellek; pecsétlo ˝ k.
In der großflächigen Langzeitsiedlung der Badener Kultur von Balatono˝ szöd-Temeto˝ i Du˝ lo˝ wurden mehrere solcher Ge- genstände gefunden, die von der Forschung seit langem als Kultgegenstände angesehen werden. Die genauen Fundum-stände dieser Objekte, ihr kontextueller Zusammenhang mit anderen Befunden und eine sorgfältige Fundbeschreibung lie-fern neue Informationen zum rituellen Leben in der spätkupferzeitlichen Badener Kultur.Le vaste habitat de longue durée de Balatono˝ szöd-Temeto˝ i Du˝ lo˝ appartenant à la culture de Baden a livré plusieurs objetsinterprétés depuis longtemps par les chercheurs comme des objets de culte. Les circonstances exactes de leur découverte,leurs liens contextuels avec d’autres situations ainsi que la description minutieuse des trouvailles livrent de nouvelles in-formations sur la vie rituelle de la culture de Baden à la fin du Chalcolithique.In the large-scale long-term settlement of the Baden Culture of Balatono˝ szöd-Temeto˝ i Du˝ lo˝  , several objects were found which have long been viewed by researchers as ritual objects. The precise finding circumstances of these objects, their con-textual relation with other finds and a careful description of the finds deliver new information on ritual life in the LateCopper Age Baden Culture.A badeni kultúra nagy méretu˝  , hosszú életu˝ településén, Balatono˝ szöd-Temeto˝ i du˝ lo˝ ben több olyan tárgy került elo˝  , ame-lyet a kutatás régóta kultusz-tárgyakként kezel. A leletek pontos elo˝ kerülési körülményei, más jelenségekkel való össze-függés-rendszerük, és gondos leírásuk újabb információkat szolgáltat a késo˝ rézkori badeni kultúra szakrális életéhez.
„Unserer Meinung nach ist das grundlegendste Merkmal der religiösen Erscheinung, des religiösen Erlebnisses nichtsanderes als die Transzendenz. Alle Annäherungen an die Thematik sollten dies berücksichtigen. Wenn man dieVerschwommenheit, das Geheimnisvolle der zentralen Referenz des religiösen Erlebnisses in Betracht zieht, dann wirddessen grundsätzliches Merkmal, nämlich dass es sich immer anderswo befindet, am ehesten von dieser Benennung her-vorgehoben. Dieses Wort drückt es besser aus, als Heilig, Numinos, Göttlich oder Maná. Damit sie innerhalb einer se-paraten Kultur oder in einer separaten Gruppe von Kulturen gründlich untersucht werden kann, ist das wenigste, wasvon dem Forscher zu erwarten ist, das, dass er bereit ist, durch die kulturellen Eigenschaften ihrer Offenbarungen undauch darüber hinaus die Transzendenz zu erkennen.“
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Von 2001 bis 2002 wurde in Balatono ˝ szöd-Temeto ˝ i Du ˝ lo ˝ im Zuge der Bauarbeiten für den Knotenpunkt S-10 der Au-tobahn M7 eine Ausgrabung durchgeführt. Bei dieser Gra-bung ist neben Funden anderer Kulturen und Epochen eine
1
Die Arbeit wurde mit Unterstützung der Bewerbungen No.OTKA F-67577 und PD-73490 angefertigt.
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Issiaka-Prosper Lalèyê in: Ries 2003, 307–312.
großflächige, bedeutende Siedlung der Badener Kultur frei-gelegt worden
3
. Nach dem System von Viera N˘emejcová-
3
Die bisherigen Publikationen, die den Fundort im Allgemeinenerörtern: Horváth 2004b; Belényesy/Horváth 2004; Horváth2006a; Horváth/Svingor/Molnár 2006; 2008; Belényesy-Hor-váth 2007; Horváth im Druck a. Über die gesamte territorialeund chronologische Ausbreitung der Badener Siedlung siehediese Arbeiten.
PZ, 85. Band, S. 79119DOI 10.1515/PZ.2010.006© Walter de Gruyter 2010
 
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Tünde Horváth
Pavúková hat diese markante Langzeitsiedlung ab derPhase IB bis zum Ende der Phase III existiert
4
. In unseremAufsatz stellen wir, unter Betonung der aktuellen For-schungsstandpunkte der letzten Jahre, folgende besondereGegenstände der Badener Siedlung vor: 1. anthropomorpheKleinplastiken; 2. Haus-/Altarmodelle; 3. Stempel; 4. Bein-modelle.
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Sie sind aufgrund religionsgeschichtlicher Erwä-gungen als rituell zu bezeichnen und wurden bei Zeremo-nien verwendet. Im Vordergrund stehen die neuen Typen,die am Fundort aufgetreten sind. Unser Ziel ist es, durch diegenaue Beschreibung der Funde, ihrer Fundumstände unddurch die Analyse ihrer näheren Umgebung einen weiterenBeitrag zur Deutung der Glaubenswelt der Badener Kulturzu liefern. Damit knüpfen wir an die Thematik der Mani-festation des Transzendenten an, die von mir schon inanderen Arbeiten erörtert wurde
6
.Weil der größte Teil derrituellen Gegenstände der Badener Kultur bisher als Streu-funde vorkamen, halten wir die aufgelisteten Details derFunde von Balatono ˝ szöd für besonders wichtig.
4
Die Funde wurden nach dem System von V. N˘emejcová-Pavú-ková typologisch eingeordnet (vgl. N˘emejcová-Pavúková 1981;1991).
5
Das am Fundort freigelegte Fragment einer Tonmaske einesMännergesichts– obwohl es in diesen Themenkreis gehörenwürde– wurde von uns schon in separaten Arbeiten bespro-chen (Horváth 2002; 2002a; 2002b; 2004; ders. im Druck a).
6
Horváth 2004; 2004a; 2006; 2010 im Druck; dies. im Druck.Wir schließen uns der zitierten Meinung von Issiaka-ProsperLalèyê an und meinen, dass das Transzendente in der Siedlungvon Balatono ˝ szöd in den menschlichen und tierischen Opfern,in den Zeremoniengefäßen und in den Zeremoniengegenstän-den erscheint.
1. Anthropomorphe Kleinplastiken
„Atypische“ Badener Figuren
 – Streufund, vom östlichen Teil des Fundorts, unmittelbarerUferbereich, während des Glättens, aus der Umgebung derGrube Nr.955, Badener Kultur, vermutlich frühe Periodeder Badener Kultur
Anthropomorphe Kleinplastik (Abb.1). Ihr Material istgrauschwarz gebrannter Ton, mit Kiessplitt gemagert, auf der Außenseite gelbbraun, mit Polierung, die auf dem größ-ten Teil der Oberfläche abgewetzt ist.Zylindrischer Tongegenstand, am oberen Ende etwas ver-jüngt, beide Enden sind abgerundet, das untere ist leichtkonvex und sohlenartig verbreitert. Das Objekt stelltden vollständigen menschlichen Körper dar. Der Körper istim mittleren Bereich mit den Fingern eingedrückt, was dieTaille imitiert. Oben sind zwei sich annähernde, im Ver-gleich zueinander fast senkrechte Zwicken zu sehen, als obsehr schematisch Kopf und Gesicht der Statuette dargestelltwäre. Höhe: 42 mm, Breite der Sohle: 25 mm, Breite oben:23 mm.Das als Streufund entdeckte Idol gibt einen vollständigenmenschlichen Körper wieder, diese Darstellungsform ist inder Badener Kultur ziemlich selten
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.Die nächsten formalen Analogien sind aus Hlinsko be-kannt. Im Falle der anthropomorphen Statuette aus Objekt152, die in die Proto-Boleráz-Phase eingeordnet werdenkann, wird von Jir ˇ i Pavelc ˇ ík das Erbe der Lengyel-Kultur(d.h. Ludanice-Kultur) betont
8
.
7
Ähnliche Figuren: Ózd-Ko ˝ aljteto ˝ , Kakaslomnic/Velká Lomnica(nach Bondár 1999, Abb.3,3–4).
8
Pavelc ˇ ík 1982, Abb.1–2.Abb.1.Balatono ˝ szöd-Temeto ˝ i Du ˝ lo ˝ , Idol mit vollständigem Körper, Streufund
 
Manifestationen des Transzendenten in der Badener Siedlung von Balatono ˝ szöd-Temeto ˝ i D˝ ulo ˝ Kultgegenstände
81Eine ähnliche Plastik aus Szeghalom kann als eine biszum Äußersten vereinfachte anthropomorphe Darstellungerwähnt werden, die als Fragment eines Schöpfgefäßes oderDeckelgriffs bestimmt wurde
9
.
 – Grube 458, Sektor 58/26, Badener Phase II 
Im Profil teilte sich die Grube in zwei Schichten. In ihrerVerfüllung wurden große Mengen an Keramik (4 kg) gebor-gen, erwähnenswert sind eine vollständige Henkelschale,vier Tonlöffelfragmente, Wirtel sowie drei als Hausmodellbestimmte Bruchstücke. Die Grube wurde vermutlich „mitsakralem Abfall“ verfüllt. Nahe der Grube war kein Objektzu finden, dessen Fundmaterial mit der Grube in Verbin-dung gebracht werden könnte.Anthropomorphe Kleinplastik (Abb.2). Bruchstück vomunteren Teil eines Idols, ovale Form, mit Ritzverzierung undplastischen Applikationen. Die Figur wurde aus feinkörni-gem Ton mit Kalkmagerung angefertigt, mit Kern gebrannt.Das Bruchstück der Statuette stellt den unteren Teil vonHüfte-Gesäß des Körpers dar, von der Taille abwärts. DieVorderseite zeigt eine grobe Oberfläche, im mittleren Be-reich ist sie leicht nach außen gewölbt, auf ihrer Oberflächesind Eindrücke von winzigen pflanzlichen Fasern zu sehen.An ihrem rechten Seitenrand verlaufen zwei tiefere, breitere,schräge Kerben, senkrecht zur oberen Kante ist auch einkürzerer, zum Seitenrand paralleler Streifen zu beobachten.Es kann nicht eindeutig bestimmt werden, ob es sich um einealte, noch während des Gebrauchs entstandene oder um einenachträgliche Beschädigung, eventuell auch Verzierung,handelt. Am unteren Abschnitt des rechten Seitenrands isteine frische Beschädigung zu finden. Am unteren, verjüng-ten Teil kann ein alter Bruch beobachtet werden, dort, woam Idolkörper die Beine angesetzt wären. Über diesem Teilist eine nachlässig geformte, leicht hervortretende plastischeErhebung zu erkennen. Oberhalb des Buckels, auf der Mit-telachse des Körpers, ist ein leicht eingeritztes, dreieckigesGebilde (Dolch?) in stehender Position zu sehen. Falls es tat-sächlich einen Dolch darstellt, sind seine Umrisse und dieKontur seines Griffs ziemlich nachlässig und flüchtig darge-stellt. Es könnte eine aus Metall angefertigte, breitschultrigeDolchvariante von dreieckiger Form darstellen. Die Spitzedes Dolchs reicht bis zum Geschlechtsorgan des Mannes.Die Einritzung wurde in der gleichen Technik ausgeführtwie die Verzierung anderer von dem Fundort bekannter Ge-genstände (Altarmodelle, Gefäße): durch Eindrücken vonPflanzenstängeln in den noch weichen Ton. Im flachen Ab-druck sind auch hier die dünnen inneren Gewebefasern desorganischen Materials zu erkennen. Der obere Teil im Be-reich der Taille ist in einer schrägen Linie abgebrochen. DieRückseite des Idols ist dunkler gebrannt, die Oberflächesorgfältiger geglättet. Im mittleren Bereich, etwa an derStelle, die der Gesäßkerbe entspricht, sitzen zwei miteinan-der verstrichene plastische Hervorhebungen, wobei dieKuppe der oberen Erhebung abgebrochen und auf der unte-
9
Bondár 1999/2000, Abb.2,2.
ren in ihrer Mitte in Längsrichtung eine tiefere, schmaleHöhlung zu sehen ist. Diese hatte vielleicht irgendeiner kon-kreten Funktion gedient, z.B. zur Anbringung an eine ebeneFläche (an eine Wand?). Eine ähnliche Gestaltung ist beieinem Vuc ˇ edoler Idol zu sehen
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. Maße: 79×54×9 mm.Interpretation 1
Männerfigur:
Der über den fehlenden Beinen ansetzende,nachlässig geformte, leicht hervortretende plastische Bu-ckel stellt möglicherweise das Geschlecht der Statuette dar(primäres männliches Geschlechtsmerkmal: Hoden?).Eine formale Analogie des Typs im Sinne dieser Inter-pretation ist in einem Fund von Cernavoda˘-Dealul Sofiazu finden
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. Die Form und Gestaltung des Idols von SatuNou ähneln eher den weiblichen Idolen: Dieser Eindruckwird sowohl von den beiden Brustwölbungen als auchvom Einzelquerband, das zwischen den Brüsten getra-gen wurde, erzeugt. Weitere Darstellungen andersartigermännlicher Idole sind aus den Badener Fundorten Vel’káLomnica/Kakaslomnic, Nemc ˇ in ˇ any, Bogojevo/Gombosbekannt
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.Die Figur des Idols von Cernavoda˘würde auch den weib-lichen Idolen ähneln, sein männliches Geschlechtsorganwurde aber eindeutig durch eine kleine plastische Vor-wölbung dargestellt. Der dreieckige Dolch wird von beidenIdolen in der Mitte des Oberkörpers in der Magen-Bauch-Gegend getragen. Der Dolch ist schematisch eingeritzt, erscheint an einem über die Schulter geworfenen Band befes-tigt zu sein bzw. hängt er dahinter. Das Vorhandensein einesDolches bei den Idoldarstellungen lässt vermuten, dass dieseine sakrale Projektion darstellte (der Dolch erschien alsAttribut) bzw. dass der Dolch als Prestigegegenstand ange-sehen wurde (und sein Besitzer als Hauptdarsteller derKulthandlung, Symbol des Kämpfers
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).Interpretation 2
Hermaphrodit:
Bei dieser Variante ist die Vorderseitedes Idols die dunklere, sorgfältig geglättete Seite. Manweiß nicht, welches anatomische Organ oder welchen Ge-genstand die zwei ineinander verstrichenen Verdickungenverkörpern, es gibt keine Analogie zu dieser Darstellung.Die Rückseite des Idols ist die hellere, gröbere, beschädigteSeite mit der dreieckförmigen Eindrückung.Nach der Interpretation 2 entspricht die Figur des Idolsdem fast vollständigen Idol aus Objekt 709 vom FundortBalatonszemes-Szemesi berek (die Beine fehlen
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), der Fund
10
Kalicz 2002, Abb.20,1.
11
Rumänien, Cernavoda˘III-Kultur (Kalicz 2002, 20 Abb.22,6;Ena˘chescu 2004, 51 Abb.5,2.4). Mit Dolch dargestellte Män-neridole sind bis jetzt aus den Fundorten Satu Nou und ausdem oben beschriebenen Cernavoda˘bekannt (Kalicz 2002, 20Abb.22,5a–b.7).
12
Bondár 1999, 47.
13
Ena˘chescu 2004, 51.
14
Siehe Bondár 2007, Abb.120,3.

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