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Das Privatleben Des Herbert Von Karajan

Das Privatleben Des Herbert Von Karajan

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MUSIK
Das Privatleben des Herbert von Karajan
Alle feiern Herbert von Karajan, der im April 100 Jahre alt würde. Seine Witwe Eliette von Karajan war 31 Jahre mit dem Dirigenten-Star verheiratet. Jetzt gibt ihr Buch Auskunft über die Ehe und denMaestro. WELT ONLINE hat sie in ihrer Villa in Salzburg besucht – und einen turbulenten Tag erlebt.
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Herbert von Karajan war einer der berühmtesten Dirigenten des 20. Jahrhunderts.
21. Januar 2008, 09:25 Uhr VON FRIEDRICH POHL
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Foto: obs
 
Der weltberühmte Dirigent
Wenn Eliette von Karajan Gäste empfängt, tut sie dies voller Charme und Liebenswürdigkeit. Kein Wunder, dass sichin ihrem Haus die Weltprominenz so wohl fühlt. Star-Tenor Plácido Domingo, Altkanzler Helmut Schmidt oder Modeschöpfer Karl Lagerfeld – hier sind sie gern zu Gast. Presse empfängt die Französin Eliette in ihren Gemächerneigentlich nie. Die Begrüßung ist dennoch herzlich. Als sie unter den Besuchern allerdings zwei Fotografen erblickt, istihre Laune spontan getrübt: „Oh, darauf bin ich gar nicht vorbereitet.“ Ihr Akzent ist reizend.Dass Eliette in ihrem Hauptwohnsitz Journalisten empfängt, ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass sie geradeein Buch geschrieben hat. Es wird am Mittwoch erscheinen. „Mein Leben an seiner Seite“ handelt von ihrer knapp 31-ährigen Ehe mit Herbert von Karajan, dem unbestritten erfolgreichsten Dirigenten aller Zeiten. Fragen zu ihremPrivatleben hatten die Karajans bisher konsequent abgelehnt. Auch wenn das leicht und unterhaltsam geschriebeneBuch keine Enthüllungen enthält, bereichert es doch das Karajan-Bild um einige Anekdoten. Viele Geheimnissebleiben. Auch Eliettes wahres Alter erfährt man nicht.1989 ist Herbert von Karajan gestorben, am 5. April 2008 würde er 100 Jahre alt werden, weshalb die von ihm sogeprägten Salzburger Osterfestspiele diesmal ganz in seinem Zeichen stehen und die Plattenfirmen seinen Geburtstagmit vielen Wiederveröffentlichungen feiern.Karajan, der große Klassik-Populist, ist wieder da. Ausgerechnet er, dem zu Lebzeiten nachgesagt wurde, seineInterpretationen wären zwar zeitgemäß, aber eben nicht zeitlos. Auf Eliette, seine dritte Ehefrau, die mit ihm diesesJahr goldene Hochzeit gefeiert hätte, stürzen sich die Medien. Die „Bild“ druckte bereits Teile ihres Buches,Fernsehmoderator Reinhold Beckmann flog extra zu ihr nach Salzburg, um sie in seine Sendung zu bekommen, die
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Die Zeit ist reif Im Schlafzimmer von Eliette Karajan"Herbert ist immer noch da"
am Montag ausgestrahlt wird. Eliette sagt kokett: „Ich verstehe manchmal selber nicht, warum auf einmal wieder alleWelt etwas von ihm will.“ Der Grund ist einfach: Offensichtlich kann keiner der aktuellen Dirigentenstars eine ähnlicheAura wie Herbert von Karajan entwickeln.Rund 250 Millionen Euro soll Eliette durch das Vermächtnis ihres Mannes besitzen. Allerdings überzeugt ihr Anwesenin der 4000-Einwohner-Gemeinde Anif bei Salzburg durch schlichte Ausstattung. Einige Jahre nach ihrer Hochzeit1958 war sie, damals ein gefragtes Model, mit Herbert hierher gezogen. Auf einem Grundstück hatte er das etwasrustikal anmutende Bauernhaus bauen lassen. Ganz im Regional-Stil: Holzmöbel, Holzdielen, ein offener Kamin.Den rummelerfahrenen Karajans war privat jede Form von großer Geste unwichtig. Heute liegen im Wohnzimmer neben einem mittelgroßen Fernseher eine TV-Zeitschrift und ein Fotoband mit Bildern von Rock-’n’-Roll-Legende ElvisPresley. Selbst der Swimmingpool ist pragmatisch und ohne viel Schnörkel angelegt. Um sein Rückenleiden zulindern, schwamm Herbert hier nach Konzerten die 25-Meter-Bahn hin und her.Die Fotografen werden ungeduldig. Eliette will erst das Interview geben und sich dann schminken: „Wollen Sie solange schwimmen gehen?“ Die beiden gehen vorerst lieber spazieren.Seit Jahren haben Verlage Eliette um ein Buch über ihren Mann gebeten, erst jetzt sei die Zeit reif gewesen, sagt sie,vor allem um „vieles zu korrigieren, was über mich behauptet wird“. Beispielsweise ihr Ruf als notorischeZuspätkommerin. Den hat Eliette deshalb bekommen, weil sie bei Konzerten immer die Letzte ist und erst kurz vor Beginn noch auf ihren Platz spurtet. Eliettes Erklärung: „Mein Mann wollte mich in seiner Nähe haben. Deshalb bliebich bis zum Konzertbeginn immer in seiner Garderobe.“ Das sei ihr so zur Gewohnheit geworden, dass sie auch heutenoch erst unmittelbar vor Konzertbeginn eintreffe. „Aber ich bin nie zu spät!“Es klingelt. Eine der beiden Haushälterinnen kündigt Besuch an: „Der Herr Berger.“ Es ist Schauspieler Helmut Berger,im Freizeitlook. Mit Sonnenbrille, blondierten Haaren, über die Schulter hängendem Pullover und unvorteilhafterJeans.Er war gerade spazieren und sucht Gesellschaft. Eliette passt seine Anwesenheit nicht. Sie redet auf Berger ein: „Duweißt doch, dann kann ich mich nicht konzentrieren. Willst du nicht schwimmen gehen?“ Berger lehnt ab. Nach einer knappen Viertelstunde hat sie ihn so weit vertröstet, dass er erst zum Mittagessen wiederkommt.Die Fotografen sind vom Spaziergang zurück. Eliette bietet einen späteren Fototermin an. Ohne Erfolg. „Gut, dannmuss ich mich schnell schminken.“ Das Gespräch wird in Eliettes Schlafzimmer in der ersten Etage fortgesetzt. Auf ihrem Bett sitzend macht sie sich zurecht. Ein schlichtes Schlafzimmer. An der Wand hängt eines von Elietteszahlreichen Gemälden, die in den 80er-Jahren die Cover von einigen Karajan-LPs schmückten. Obwohl siepassionierte Malerin ist, gibt sie zu: „Wahrscheinlich sind meine Ambitionen größer als meine Resultate.“ Für andereKünstler setzte sich Eliette verstärkt ein. Beispielsweise der Brite Damien Hirst verdankt einen Teil seiner Popularitätihrer Förderung.Eliettes Schlafzimmer führt zum Balkon. Die Aussicht ist berauschend: eine weite, unbebaute Fläche, dahinter beginnen die Alpen. An diesem sonnigen Januar-Vormittag ist der Fuß des imposanten Untersbergs (1853 Meter) inNebel gehüllt. Eliette sagt, das erinnere sie an Nibelheim in Richard Wagners Oper „Der Ring des Nibelungen“. Nebendem Balkon ist Herberts Sterbezimmer. Hier starb er mittags in Eliettes Armen. Seitdem hat sie an diesem Ortpraktisch nichts verändert. Die Ikonen vom Trödelmarkt sind noch da, alte Familienfotos, eine Bauerntruhe. Nur besonders gute Freunde des Hauses dürfen hier übernachten.Das Zimmer, die Aufnahmen, der Nebel – „Herbert ist immer noch da“, sagt Eliette und bekommt auch fast 20 Jahrenach seinem Tod noch feuchte Augen. Der Moment seines Todes ist auch in ihrem Buch das bemerkenswertesteKapitel. Weil hier der so distanziert wirkende Karajan menschlich wird, der, wie Eliette betont, privat „liebevoll,humorvoll und entspannt“ gewesen sein soll.Die ersten Jahre ohne Herbert waren für Eliette furchtbar. In der Zeit nach den Gedenkveranstaltungen traute sie sichin keine Konzerte mehr, weil sie sofort an ihren Mann hätte denken müssen und in Tränen ausgebrochen wäre. AuchHerberts Aufnahmen habe sie sich lange nicht anhören können. Die einzige Musik, die sie privat überhaupt zuließ, war die des Pianisten Glenn Gould, speziell dessen Interpretation der „Goldberg-Variationen“ von Johann Sebastian Bach.
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