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Rudolf Rocker -Ausgewählte Texte

Rudolf Rocker -Ausgewählte Texte

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Rudolf RockerAusgewählte Schriften
 
Inhalt:01. Der Nationalismus eine Gefahrenquelle 0302. Das nationale Einheitsphantom 0903. Antisemitismus und Judenpogrome 1304. Sozialdemokratie und Anarchismus 1705. Parlamentarismus und Arbeiterbewegung 2406. Syndikalismus und Staat 4707. Wir und die Marxisten 4908. Krieg und Wirtschaft 5109. Staat und Krieg 5510. Revolutionsmythologie und revolutionäre Wirklichkeit 60
 
 Der Nationalismus – eine Gefahrenquelle
Es gab wohl kaum eine Epoche in der Geschichte der Menschheit, in der ein einmütiges undvorurteilsfreies Zusammenwirken aller Völkergruppen so dringend notwendig gewesen wärewie gerade heute, um den großen Problemen der Zeit zu begegnen, von deren Lösung dasSchicksal aller abhängig ist. Alle Probleme, die sich heute vor uns auftürmen, haben sich zuWeltproblemen ausgewachsen, die man weder umgehen noch durch politische Neutralitätbeseitigen kann. Jeder Versuch einzelner Völker in dieser Richtung muß nur zu neuenTrugschlüssen führen und die Gefahr vergrößern, die uns heute von allen Seiten bedroht. Diemeisten Menschen haben auch bereits eine dunkle Vorstellung von der Unhaltbarkeit derheutigen Zustände, doch nur eine kleine Minderheit hat bis jetzt klar erkannt, daß eine neueund vielleicht die größte Katastrophe, von der die Menschheit je befallen wurde, nur durcheine entschlossene Abkehr von den alten Wegen der Machtpolitik der Staaten und dernationalistischen Verblendung der Völker abgewendet werden kann.Was uns heute Not tut, ist ein ungetrübter und breiterer Ausblick über die gesellschaftlichenNotwendigkeiten der nächsten Zukunft und die klare Erkenntnis, daß die Fragen, zu derenLösung wir heute gezwungen sind, weit über die politischen Abgrenzungen der Staatenhinausgehen und nicht länger im Sinne nationalistischer Begriffe zu lösen sind. Vor demdeutsch-französischen Kriege 1870/71 und der wachsenden Militarisierung Europas waren dienationalistischen Bestrebungen des "Jungen Europa" und der Glaube an die Unantastbarkeitder Souveränität kleiner Staaten noch immerhin verständlich; doch das änderte sich gründlich,als die militärischen Bündnisse der großen Staaten einsetzten, die den ganzen Kontinent infeindliche Lager zerklüfteten und durch ständige Rüstungen die Kriegsgefahr zu einemDauerzustand machten, der nur zu einer sozialen Katastrophe führen konnte und naturgemäßimmer neue Katastrophen zum Gefolge haben muß, so lange die Völker sich nicht selbstdiesem Zustand widersetzen. Sogar diejenigen Völker, die bis zum Ende des erstenWeltkrieges einem fremden Joch unterworfen waren und seit vielen Jahren ihre nationaleUnabhängigkeit erstrebten, die sie nun endlich erreicht hatten, konnten damit nichts gewinnenund gerieten fast alle in eine Lage, die sich für sie wirtschaftlich und politisch nochdrückender gestaltete als ihre frühere. Von den neuen Staaten, die sich nach dem erstenWeltkriege im östlichen Teile Europas entwickelten, hatte nur die Tschechoslowakei einenErfolg zu verzeichnen, die sich aus den früheren österreichischen Provinzen Böhmen,Mähren, Schlesien und einigen kleineren Distrikten zusammensetzte. Die Tschechen warenzwar in diesem neuen Staatswesen die stärkste Volksgruppe, doch bildeten sie noch nicht eineHälfte der fünfzehn Millionen seiner Bevölkerung, während acht Millionen auf Slowaken,Deutsche, Ungarn, Ruthenen und kleinere Volksgruppen entfielen. Wenn das kleine Land sichtrotzdem so rasch emporarbeiten konnte, so hatte es dies hauptsächlich zwei Umständen zuverdanken: Es besaß eine Menge wertvoller Bodenschätze und bildete schon vor seinererrungenen Unabhängigkeit den wichtigsten Industriebezirk Österreichs. Dazu kam noch, daßdie Tschechen auf alte demokratische Überlieferungen zurückblicken konnten und in Masarykeinen geistigen Führer gefunden hatten, der nie von panslawistischen Ideengängen noch vonden Anschauungen der deutschen Philosophie beeinflußt wurde und seine föderalistischenund liberalen Bestrebungen aus westlichen Quellen geschöpft hatte. Er hatte, in der Tat, sehrviel von dem politischen Ideengut Jeffersons aufgenommen und hatte manche Ähnlichkeit mitPi y Margall, dem großen Vorkämpfer des Föderalismus in Spanien. Alle anderen Länderaber, die sich damals ihre nationale Unabhängigkeit errungen hatten, machten sowohl

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