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Gefangenen Info #356

Gefangenen Info #356

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 gefangenen info
unsere solidarität gegen ihre repression
 juli 2010
nr. 356
 
preis brd: 2 €
preis ausland: 2,70 €
www.gefangenen.info
Stuttgart-Stammheim:Prozess endet mit HaftstrafenSpanien / Baskenland:Solidaritätskampagne für MarinaKnast und Kapitalismus [1]:Knast - ein protables Geschäft
 
Liebe Leserinnen und Leser,mittlerweile wurden im Stuttgarter §129b-Prozess die letzten Urteile gefällt.Während die ersten Urteile gegen Mustafa Atalay, Ilhan Demirtas und HasanSubasi bereits im letzten Jahr gefällt worden waren, verkündete der Senatam 15. Juli nach ganzen 168 Verandlungstagen die Urteile gegen Ahmet DüzgünYüksel und Devrim Güler. Sowohl die Urteile als auch der gelaufene Aktionstagfür die Freiheit der §129b-Gefangenen haben uns dazu bewogen, dieses The-ma zum Schwerpunkt dieses Ausgabe zu machen. Den von uns angekündigtenSchwerpunkt zu den Gefangenenkollektiven werden wir deswegen vorerst auf-schieben und die Entwicklungen diesbezüglich in unseren kommenden Ausga-ben veröffentlichen.An dieser Stelle möchten wir uns dafür entschuldigen, dass wir diesmal meh-rere Briefe von Gefangenen wegen Platzproblemen nicht abdrucken konnten.Wir werden das nachholen, wollen im Vorwort aber kurz auf zwei Briefeeingehen. Faruk Ereren schrieb uns am 30. Juni zur Richtigstellung, dass er„wegen des Militärputsches in der Türkei am 12. September 1980 verhaftet“worden sei. Er schreibt weiter: „Ich bin zwar zu 9 Jahren Haft verurteilt wor-den, aber war ‚nur‘ 6 Jahre und 8 Monate weggesperrt. Außerdem wurde ichweitere fünfmal von der Polizei festgenommen und bin dabei mehrere Malegefoltert worden (...)“. Bezüglich des Verfahrens gegen das GI, wo das Beru-fungsverfahren wahrscheinlich in diesem Quartal stattfinden wird, schriebNurhan Erdem: „Über das Urteil gegen das „Gefangenen Info“ habe ich Artikelund eure Prozesserklärung gelesen. Wir wissen, warum so ein Bericht überdas §129b-Verfahren vom letzten Jahr für das Gericht soviel „Unruhen“ verur-sacht, dass ihr dafür verurteilt worden seid. Ziel der Justiz dabei ist, dadurchdie Solidarität mit den Gefangenen zu brechen und zerstören. Das werden sieaber niemals erreichen, denn wir werden immer ein Teil von den Kämpfendraußen sein! Eure Arbeit wird weiter Früchte tragen. Seit 20 Jahren hat dasInfo viele Repressionsschläge in Form von Angriffen durch Justiz, Polizei undGeheimdienste überstanden. Auch zukünftig wird Eure konsequente Haltungallen Schlägen widerstehen.“ Wir danken Nurhan für diese aufmunterndenWorte und senden kämpferische Grüße in die Knäste.In der JVA Leipzig kam es zeitweise zur Beschlagnahmung von drei GefangenenInfos. In der kommenden Ausgabe werden wir auch dazu näher eingehen.Mit dieser Ausgabe starten wir eine weitere Textreihe, die uns seit längeremauf den Nägeln brennt. Es geht dabei um den Themenkomplex „Knast und Ka-pitalismus“. Wir haben deswegen einen Auftaktbeitrag des Netzwerks Freiheitfür alle politischen Gefangenen abgedruckt, dem weitere folgen werden. Imübrigen haben einige Redaktionsmitglieder einige Erfahrungen von Anti-Knast-Aktionen aus Mailand dokumentiert, die ebenfalls gut in dieses Thema passenund deshalb in der selben Rubrik gelandet sind.Unser In- und Auslandteil enthält weitestgehend Berichte und Informationenüber Repressionsschläge, wie z.B. die Razzien in mehreren Info- und Buchlädenin Berlin und München. Wir schließen uns den Worten der Betroffenen an undrufen hiermit zur Solidarität mit dem Buchladen Schwarze Risse, dem OH21 undM99 in Berlin und dem Kafe Marat in München auf.Und abschließend wieder unser Aufruf, den Gefangenen zu schreiben. Wiein jeder zweiten GI-Ausgabe ist auch in dieser wieder eine aktuelle Liste derpoltischen Gefangenen in der BRD aufgelistet, denen ihr Postkarten, Briefe undInformationen schicken könnt.Solidarität muss praktisch werden!Die Redaktion
Das Gefangenen Info ist aus dem Angehörigen Info hervorgegangen, welches im Hungerstreik der politischen Gefangenen 1989 als Hungerstreik Info entstand.
HerausgeberInnen:
Netzwerk Freiheit für alle politischen Gefangenen und FreundInnen.
V.i.S.d.P.:
Wolfgang Lettow c/o Gefangenen Info, Stadtteilladen Lunte e.V., Weisestraße 53, 12049 BerlinNichtredaktionelle Texte spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wider. Beiträge der Redaktion sind entsprechend gekennzeichnet.
Bestellungen (Inland):
Einzelpreis: 2€. Ein Jahresabonnement kostet 25,20€ (Förderabo 28,00€), Buchläden, Infoläden und sonstige Weiterverkäufer erhalten bei Bestel-lungen ab 3 Stück 30% Rabatt. Bei Bestellungen erhalten Sie eine Rechnung, die anschließend auf das Konto des Gefangenen Info zu überweisen ist.
Bestellungen (Ausland):
Einzelpreis: 2,70€. Ein Jahresabonnement kostet 28,40€ (Förderabo 31,20€), Buchläden, Infoläden und sonstige Weiterverkäufer erhalten beiBestellungen ab 3 Stück 30% Rabatt. Bei Bestellungen erhalten Sie eine Rechnung, die anschließend auf das Konto des Gefangenen Info zu überweisen ist.
Anschrift:
Gefangenen Info, c/o Stadtteilladen, Lunte e.V., Weisestraße 53, 12049 Berlin, Redaktion: redaktion@gefangenen.info, Vertrieb: vertrieb@gefangenen.info
Bankverbindung:
Gefangenen Info, Konto-Nr.10382200, Bankleitzahl: 20010020, Postbank Hamburg
Eigentumsvorbehalt:
Nach diesem Eigentumsvorbehalt ist die Zeitung solange Eigentum der/des AbsenderIn, bis es den Gefangenen ausgehändigt worden ist. „Zur-Habe-Nahme“ ist keine Aushändigung im Sinne des Vorbehalts. Wird das Info den Gefangenen nicht persönlich ausgehändigt, ist es der/dem AbsenderIn mit dem Grundder Nichtaushändigung zurückzuschicken.
e-mail: redaktion@gefangenen.info homepage: www.gefangenen.info2
gefangenen info
 juli 2010
 
vorwort
inhalt dieser ausgabe
344567889101111121213141516171819Seite 3
„Es ist notwendig, gemeinsam gegen dierepressive Entwicklung vorzugehen.“
SchwerpunktZwischen Radios und Terror„Wir lachen ihnen ins Gesicht...“„Wir werden Sie weiter befragen,auch wenn das für Sie eine Qual ist“Bericht Aktionstag gegen den §129bInlandZum Anti-Knast-AktionstagVerhaftung kurdischer JugendlicherRazzien wegen Interim und RadikalZur Lage der AbschiebehäftlingeInternationalSolidaritätskampagne für MarinaDurch die GefängnismauernKampagne für Marco CamenischKnastkämpfe in NordirlandVerhaftung von TAYAD-Angehörigen*Rechtsstaat - hahaha!*DossierKnast und Kapitalismus (1)Vor Mailands KnasttorenFeuilletonAus einem Graffiti-WorkshopRezension: „Der Tag des Spatzen“GefangeneBriefe aus den KnästenGefangenenadressen
 
 juli 2010
gefangenen info
3
 
seite 3 
schwerpunkt
inland
international
dossier
gefangene
feuilleton
kurzmeldungen
Wir haben zum Ende des Stammheimer Pro-zesses ein Interview mit zwei VertreterInnendes Netzwerks Freiheit für alle politischenGefangenen - Stuttgart über ihre Erfahrungenund Perspektiven der Soli-Arbeit geführt.
Gefangenen Info: Die zwei Gefangenen wur-den nach knapp 2 ½ Jahren Verfahrensdauer verurteilt. Könnt ihr uns etwas über die Urteilesagen und wie diese einzuschätzen sind?
Rosa: Zwischen der Anklageerhebung undder Verurteilung lagen 168 Prozesstage auf eine Dauer von knapp 2 ½ Jahren verteilt.Nicht übersetzte Akten, einen verurteiltenDoppelagenten als Hauptbelastungszeugen,Folterer im Zeugenstand und Ungereimt-heiten am laufenden Band prägten dabei dieVerhandlung.Schließlich wurde dann Devrim zu 4 Jahrenund 10 Monaten als Regionsverantwortlicher der Organisation verurteilt. In der Strafewurde eine ausstehende Bewährungsstrafemiteinberechnet. Ahmet wurde als Gebiets-verantwortlicher zu 5 Jahren und 4 Monatenverurteilt. Die Verteidigung wird gegen dasUrteil in Revision gehen. Da beide einen tür-kischen Pass besitzen, sind sie mit diesemUrteil akut von der Abschiebung bedroht. Wasdas für sie bedeutet ist klar: Repression, Fol-ter, Haft bis zu ihrem Tod.Richard: Konnte das Urteil gegen die indem Verfahren ursprünglich mitangeklagtenMustafa Atalay, Ilhan Demirtas und HasanSubasi nur durch Einlassungen und einemausgehandelten Deal gefällt werden, wurdemit diesem Urteilsspruch nun das erste re-guläre Urteil mit Hilfe des §129b gegen einelinke Organisation gefällt. Die Tragweite desGanzen ist natürlich kaum abschätzbar. Wir können aber davon ausgehen, dass sich kom-mende §129b Verfahren auf den Stammhei-mer Prozess berufen werden. 
GI: Zum Ende hat Ahmet ja noch eine sehr ausführliche Erklärung abgegeben. Ihr hattet auch darauf mobilisiert. Wieviele Leute warendenn da und warum habt ihr gerade auf die-sen Tag mobilisiert?
Richard: Mit der Verurteilung und dem Endedes Prozesses ist den Gefangenen letztlichauch die letzte Öffentlichkeit – bis auf dasBriefe schreiben – entzogen. Daher wolltenwir ihnen ein letztes Mal noch die größt mög-liche Öffentlichkeit bieten, die dafür zu mo-bilisieren ist, um ihnen damit auch Gehör zuverschaffen. Mit 70 Personen an einem Werk-tag, darunter welche aus Berlin, Düsseldorf,Freiburg, Magdeburg, München, Paris undStuttgart, ist uns das auch ganz gut gelungen.Rosa: Wir wollten zum Abschluss des Verfah-rens nochmal ein Zeichen der Solidarität andie Gefangenen senden und gleichzeitig denTag dafür nutzen, die Inhalte und insbeson-dere die Tragweite und die Bedeutung des§129b zu transportieren.Leider konnte Ahmet seine doch sehr um-fangreiche Erklärung an diesem Tag nicht be-enden. Wir planen aber, seine Erklärung zuveröffentlichen.
GI: Könnt ihr ein kurzes Resümee eurer Ar-beit ziehen? Insbesondere was die Solidarität angeht?
Rosa: Ein endgültiges Resümee können undwollen wir momentan natürlich noch nichtziehen. Wir werden uns nach dem Ende desProzesses Zeit nehmen, um den Verlauf desGanzen nochmal Revue passieren zu lassenund daraus unser Resümee zu ziehen.Allgemein kann gesagt werden, dass es beieinem Prozess, der sich über 2 Jahre ziehtund der an 168 Prozesstagen verhandeltwurde, schwierig ist am Ball zu bleiben undimmer die richtige Antwort auf die Situation zunden. Insbesondere wenn es sich um einenPräzedenzfall handelt, die Informations- undDatenut derart unüberschaubar ist, dassselbst die Anwälte uns manchmal nicht wei-terhelfen konnten. In einem solchen Prozessüber einen so langen Zeitraum gibt es dannnatürlich immer auf und abs. Wir musstenfeststellen, dass es uns über lange Streckenkaum gelungen ist den Prozess aus der Isola-tion herauszubringen und ihn an eine breitere- linksradikale - Öffentlichkeit zu bringen. Erstnach gut zwei Jahren Arbeit beschäftigen sich
„Es ist notwendig, gemeinsam gegendie repressive Entwicklung vorzugehen.“
www.no129.info
einige Gruppen mit der Thematik und wollendazu arbeiten. Das sehen wir denitiv als et-was sehr positives an.Richard: Im Gesamten müssen wir aber lei-der auch sagen, dass die Solidarität in keinemVerhältnis zu dem Ausmaß der Repressionund zu dem Ausmaß der Konsequenzen, diedieser §129b haben wird, steht.So denken wir, dass die Justiz mit dem §129bund den nun geschaffenen Präzedenzfällensich ein sehr wirkungsvolles Mittel geschaffenhat zur Verfolgung der migrantischen Linken – und das ohne größeren Widerstand und ab-seits der Öffentlichkeit. Auch die Bedeutungfür die hiesige Linke darf nicht unterschätztwerden, da der §129b eben auch Potentialzur Kriminalisierung jeglicher internationa-listischen Arbeit birgt.
GI: Wie wollt ihr in Zukunft weitermachen?
Richard: Die Prozesse in Düsseldorf einer-seits gegen Faruk Ereren und andererseitsgegen Nurhan Erdem, Ahmet Istanbullu undCengiz Oban laufen weiter. Es gab diesesJahr bereits weitere zwei Verhaftungen mitdem Vorwurf der Mitgliedschaft in der DHKP-C. In diesem Zusammenhang wurde SadiNaci Özpolat in Frankreich verhaftet und An-fang Juli nach Deutschland überstellt.Im Mai diesen Jahres wurde eine Person mitdem Vorwurf der Mitgliedschaft in der tamili-schen Organisation LTTE (Liberation TigersTamil Eelam) verhaftet. Diese Beispiele zei-gen, dass die Anwendung des §129b sichweiter ausdehnen wird, dementsprechendsetzen wir unsere Arbeit natürlich fort – ver-suchen weiterhin darüber zu informieren undWiderstand dagegen zu organisieren.Rosa: Dazu sind Devrim und Ahmet, wie auchFaruk von der Abschiebung bedroht. Wir wer-den auch dagegen vorgehen und versuchendiese Abschiebungen zu verhindern.Richard: Wir wollen mit unserer Arbeit vor allem auch eine Nachhaltigkeit erreichen, eserreichen, dass möglichst viele kontinuierlichgegen die repressive Entwicklung vorgehen.Der Aktionstag am 19.6. und die Delegationzur Erklärung von Ahmet waren Schritte in dierichtige Richtung. Verschiedene Städte habensich zum Thema verhalten und sich damitauch mit der Thematik auseinandergesetzt.Bei der momentanen Situation der deutschenLinken ist es unserer Meinung nach unbedingtnotwendig, dass sich verschiedene Organisa-tionen zusammentun und gemeinsam gegendiese Entwicklung vorgehen. Gerade ange-sichts dessen, dass die Repression im Kampf gegen die revolutionäre Linke geschlossenzusammensteht, müssen wir umso geschlos-sener und gemeinsam agieren.Rosa: Das zu Prozessbeginn gegründete Ko-mitee gegen §§129 haben wir mittlerweile zur Stuttgarter Sektion des Netzwerks Freiheit für alle politischen Gefangenen weiterentwickelt.Es ermöglicht uns, den von uns formuliertenAnsprüchen besser gerecht zu werden, exib-ler zu sein, überregional und bundesweit ef-fektiver und organisierter zu arbeiten und unsnicht auf die §§129-Prozesse beschränken zumüssen.In Stuttgart haben wir zusammen mit türkisch/kurdischen und deutschen Organisationendie Stuttgarter Plattform „Weg mit den §§129!Gegen die Kriminalisierung von MigrantInnen“gegründet. Wir sehen das als ein Mittel an,um uns zukünftig gemeinsam gegen die An-griffe, denen wir ausgesetzt sind, wehren zukönnen. An diesen Ansätzen werden wir wei-terarbeiten.
Fotos vom 19. Juni - Aktionstag in Stuttgart

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