Armin Pfahl-Traughber (Hrsg.): Jahrbuch für Extremismus- und Terrorismusforschung 2009/2010, S. 516 – 548.
Hilfe der Al-Qaida Terroranschläge durchzuführen. Kann eine solcheterroristische Strategie überhaupt funktionieren?Die neue Strategie, in dezentralen, autonomen Zellen gegen denWesten zu agieren, resultiert u.a. aus der Theorie des globalenislamistischen Widerstands von Abu Musab al-Suri. In seinem 1600Seiten umfassenden Buch “The Global Islamic Resistance Call” begründet er seine neue Strategie eines individuell geführtenTerrorismus aufgrund der sich wandelnde Sicherheitslage nach der Niederlage gegen die USA in Afghanistan, die dazu führte, dass der jihadi-salafistischen Bewegung in der alten hierarchischenOrganisationsform, die er
tanzim
nennt, eine Zerschlagung drohte. Al-Suri versucht mit seinem Buch, eine theoretische Grundlage zu geben,durch die die Bewegung eine neue Organisationstruktur annehmensoll, die er als
nizam, la tanzim
(System, nicht geheime, hierarchischeOrganisation) bezeichnet. In seinem Buch entwickelt er einorganisatorisches und ein ideologisches System, mit dem eineUmstrukturierung zu einer dezentralen Bewegung vollzogen werdenkann, um sich vor den Angriffen der USA und seiner westlichenVerbündeten einigermaßen verteidigen zu können.
Gleichzeitigkonzipiert al-Suri ein operationelles System für dezentral-agierendeTerrorzellen, die zukünftig selbstständig Anschläge gegen den Westendurchführen sollen.Durch die Veröffentlichung des Buches im Jahre 2004 wurde er zueinem der bedeutendsten Strategen der Al-Qaida-Bewegung. Soschreiben Paul Cruickshank und Mohannad Hage Ali in ihrem Aufsatzfür die Fachzeitschrift Studies on Conflict and Terrorism: „Dieterroristischen Anschläge von Bali, Casablanca, Istanbul, Madrid undLondon wurden alle initiiert von exakt der Gruppe von kleinen, lokal-rekrutierten Zellen, nach denen Sethmariam [al-Suri] aufgerufen hat.”
Aber hier stellt sich nun die Frage, ob die Terroranschläge der vergangenen Jahre wirklich meistens in dezentral-agierenden Zellenorganisiert wurden. Hat Abu Musab al-Suri wirklich so viel Einflussauf die jihadi-salafistischen Attentäter von London oder Madridgehabt?
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Vgl. nähere Informationen zum organisatorischen und ideologischen System von Abu Musab al-Suri; Dirk Baehr: Kontinuität und Wandel in der Ideologie des
Jihadi-Salafismus
– Eine ideentheoretische Analyse der Schriften von Abu Mus’ab Al-Suri, Abu Mohammad Al-Maqdisi und Abu Bakr Naji, Bonn 2009.
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Paul Cruichshank/ Mohannad Hage Ali: Abu Musab Al-Suri: Architect of the new al-Qaeda, in: Studies inConflict and Terrorism 30 (2007), Issue 1, S. 1 - 14, hier S. 9.
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