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Spiegel: Gottlose Trendsetter

Spiegel: Gottlose Trendsetter

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Worin unterscheiden sich Ungläubige von Gläubigen? Atheisten sind gebildeter, toleranter und wissen mehr über den Gott, an den sie selbst nicht glauben.

Worin unterscheiden sich Ungläubige von Gläubigen? Atheisten sind gebildeter, toleranter und wissen mehr über den Gott, an den sie selbst nicht glauben.

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11/09/2012

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Ungläubiger Osten
Konfessionslosein Prozent
1980 1986 1991 1994 2000 2004 2008 2010
6,59111213161816,5
 
16,5656971727467
West-deutscheOstdeutsche
Quelle: Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften
das Wachstum ein- und stattdessen dasgewünschte Produkt herzustellen“, erläu-tert der Forscher. Anders als bei Getreidekomme am Ende kein minderwertigerBrennstoff, sondern hochreiner Kraftstoffohne Schwefel und Benzol heraus. Ro-bertson: „Sie können unser Produkt di-rekt in Ihr Auto tanken.“In Hightech-Bioreaktoren verrichtendie Laboralgen nun ihren Dienst. Stetigperlt Kohlendioxid durch die grün schim-mernden Paneele, die an Sonnenkollek-toren erinnern. Rund 140000 Liter Bio-sprit jährlich will Robertson später einmalauf einem Hektar Land gewinnen –40-mal so viel wie aus Energiemais. Etwa500 Hektar Wüstenland in New Mexicohat sich Joule gesichert, um eine erstekommerzielle Anlage zu errichten.Doch werden die Laborgeschöpfe aufdem freien Feld wirklich so gut funktio-nieren wie im Labor? Berechnungen zu-folge dürften manche Algenanlagenmehr Dünger und Energie pro Hektarverbrauchen als der Getreideanbau. Unddie Mikroalgen kommen mit dem Koh-lendioxid der Luft nicht aus. Forscherschätzen, dass eine kommerzielle Algen-spritanlage etwa 10000 Kubikmeter CO2pro Tag brauchte. Ob und wie das Gasin dieser Menge beispielsweise aus denAbgasen großer Kohlekraftwerke gewon-nen und zu den Algenfarmen gebrachtwerden kann, ist unklar.
Zudem könnte der Landverbrauchenorm ausfallen. Im Fachblatt „Science“rechneten Forscher der niederländischenWageningen-Universität unlängst vor, dasstheoretisch die Fläche Portugals voller Al-genbecken gestellt werden müsste, um denheutigen Treibstoffbedarf Europas zu de-cken. Ein „Sprung in der Mikroalgen-Tech-nologie“ sei notwendig, um die Produk-tivität mindestens zu verdreifachen, mahn-ten die Experten.
Pyle und Robertson versprechen die-sen Fortschritt. Sie beharren darauf, dasssich mit Algentechnologie künftig einsignifikanter Teil des Energiebedarfsdecken lasse. „Unfruchtbares Land mithoher Sonneneinstrahlung gibt es zwei-fellos genug auf der Erde“, sagt Robert-son. Einen großen Vorteil sieht er auchdarin, dass Algensprit problemlos in diePipelines und Raffinerien der Ölindustrieeingespeist werden könnte. Für Autosoder Flugzeuge würde sich nichts ändern.Dass die Umstellung auf Algenspritaber noch eine Weile dauern wird, räu-men selbst die Pioniere ein. Zuweilensind es ganz profane Dinge, die der grü-nen Revolution noch im Wege stehen.Den Züchtern der Firma Sapphire etwaspielen zehnbeinige Gourmets übel mit.„Shrimps finden, dass Algen gutes Futtersind“, erzählt Firmenchef Pyle, „wennwir nicht aufpassen, verwandelt sich un-sere Algenzucht ganz schnell in eineShrimps-Farm.“
P� B�
B
arry Kosmin ist ein Marktforscherder etwas anderen Art. Die vonihm untersuchten Kunden konsu-mieren bei Firmen, die Namen wie Life-church.tv oder World Overcomers Chris-tian Church™tragen. Der Soziologe ana-lysiert die von US-Kirchen angebotenenSouvenirshops, Fernsehsendungen undGottesdienstleistungen.Vor allem aber erforscht Kosmin jeneGruppe von Kunden, die sich im Konsum-streik befinden und keine religiösen Pro-dukte nachfragen: die Ungläubigen. „DieKonfessionslosen sind das am schnellstenwachsende Segment auf dem Markt derWeltanschauungen“, sagt Kosmin. „In denvergangenen 20 Jahren hat sich ihre Zahlin den USA auf 15 Prozent verdoppelt.“Der Leiter des „Institute for the Studyof Secularism in Society and Culture“ amTrinity College in Hartford, Connecticut,gehört zu den wenigen Wissenschaftlern,die sich dem Studium des Säkularismusverschrieben haben. Dazu gehören Grup-pierungen wie Atheisten, Agnostiker, Hu-manisten und religiös Indifferente.Weltweit kommen Religionslose mit ei-nem Anteil von rund 15 Prozent (1 Mil-liarde) bereits an dritter Stelle nach Chris-ten (rund 2,3 Milliarden) und Muslimen(etwa 1,6 Milliarden). Dennoch ist überdie Gottlosen erstaunlich wenig bekannt:Wer sind sie, was glauben sie?„Manchmal komme ich mir vor wieChristoph Kolumbus auf der Expeditionzu einem unbekannten Kontinent“, sagtKosmin. „Viele meinen zum Beispiel, dassdie Bevölkerung der USA immer religiö-ser wird; aber das ist eine optische Täu-schung. Viele Evangelikale sind einfachpolitischer und lauter geworden.“
Und zwar wohl auch deshalb, weil derReligionsmarkt schrumpft. In den USAverlieren die Kirchen jedes Jahr bis zueine Million Mitglieder. In Europa ist dieVerweltlichung noch weiter fortgeschritten,in Frankreich liegt der Anteil der Religi-onslosen, die weder an Gott noch an eine
  30/2011
106
GESELLSCHAFT
Gottlose Trendsetter
Worin unterscheiden sich Ungläubige von Gläubigen?Atheisten sind gebildeter, toleranter undwissen mehr über den Gott, an den sie selbst nicht glauben.
   R   O   L   F   Z    Ö   L   L   N   E   R    /   E   P   D
Evangelische Kirche in Brandenburg:
Leitkultur der Konfessionslosen

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