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DONALD JUDDS SPEZIFISCHE OBJEKTE Selbstbezüglichkeit von Kunstwerken in Judds minimalistischer Kunsttheorie

DONALD JUDDS SPEZIFISCHE OBJEKTE Selbstbezüglichkeit von Kunstwerken in Judds minimalistischer Kunsttheorie

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Minimalistische Kunstwerke erzeugen beim Betrachter oft mehr Unverständnis als ästhetischen Genuss, wirken sie doch oftmals spröde, trocken, distanziert und in einer gewissen Weise unspektakulär. Ein Höllensturz von Rubens reißt den Betrachter unweigerlich mit sich. Ein solches Gemälde, ob man es nun mag oder nicht, wirkt ohne viel Zutun von Seiten des Betrachters. Anders ist es bei Werken der Minimal Art, sie verlangen auf den ersten Blick einen viel höheren Grad an Reflexion. Doch in der Regel ist der Anspruch, den ein solches Werk an den Betrachter stellt, um ein Vielfaches grundlegender als beispielsweise die Ikonographie eines Historienbildes und wirkt gerade deshalb wahrscheinlich so unzugänglich. Den minimalistischen Kunstwerken, oft nur Objekte oder Strukturen genannt, fehlen gewisse Merkmale klassischer Gemälde und Skulpturen. Der Name 'Minimal Art' wird von den meisten ''Minimalisten'' selbst abgelehnt. Donald Judd argumentierte, dass die Begriffe 'Reduktion' und 'Minimalismus' nur auf hergebrachte Merkmale angewendet werden könnten. Da aber die Objekte der Minimal Art gerade eben durch die Reduktion solcher Eigenschaften neue Qualitäten erzeugen würden, gingen diese Begriffe an der Grundintention eher vorbei. In der Minimal Art dreht es sich im Grunde immer um Wahrnehmung und Empfindung. Die interpretatorische Unzugänglichkeit von Judds Kunstwerken hat zu einer weitgehend vom Objekt losgelösten Diskussion und Deutung der Werke geführt. Judds Arbeiten wurden beispielsweise oft mit Theorien von Robert Morris vermischt, um so eine in Wirklichkeit nicht existierende einheitliche minimalistische Theorie zu schaffen. Gegen diese Vermischung hatte sich Judd stets öffentlich zur Wehr gesetzt. Amerikanische minimalistische und auch konzeptualistische Künstler der sechziger Jahre, das sind vor allem Joseph Kosuth, Robert Morris, Sol LeWitt und Donald Judd, kamen oftmals aus dem akademischen Umfeld der Psychologie oder Philosophie und waren dadurch in ihrem Schaffen sichtlich geprägt. Diese Künstler vertraten ihre Positionen öffentlich durch Kritiken, Statements und Essays mit großer Polemik. Gegenstand der Ablehnung war stets die europäische Kunsttradition für die amerikanische Kunst. Sie argumentierten für eine Kunst, die sowohl formal als auch inhaltlich (Judd lehnt auch diese Unterscheidung gänzlich ab) jede Mimesis und jeden Illusionismus ausschließt. „I want a particular, definite object“, schrieb Judd 1969.
Minimalistische Kunstwerke erzeugen beim Betrachter oft mehr Unverständnis als ästhetischen Genuss, wirken sie doch oftmals spröde, trocken, distanziert und in einer gewissen Weise unspektakulär. Ein Höllensturz von Rubens reißt den Betrachter unweigerlich mit sich. Ein solches Gemälde, ob man es nun mag oder nicht, wirkt ohne viel Zutun von Seiten des Betrachters. Anders ist es bei Werken der Minimal Art, sie verlangen auf den ersten Blick einen viel höheren Grad an Reflexion. Doch in der Regel ist der Anspruch, den ein solches Werk an den Betrachter stellt, um ein Vielfaches grundlegender als beispielsweise die Ikonographie eines Historienbildes und wirkt gerade deshalb wahrscheinlich so unzugänglich. Den minimalistischen Kunstwerken, oft nur Objekte oder Strukturen genannt, fehlen gewisse Merkmale klassischer Gemälde und Skulpturen. Der Name 'Minimal Art' wird von den meisten ''Minimalisten'' selbst abgelehnt. Donald Judd argumentierte, dass die Begriffe 'Reduktion' und 'Minimalismus' nur auf hergebrachte Merkmale angewendet werden könnten. Da aber die Objekte der Minimal Art gerade eben durch die Reduktion solcher Eigenschaften neue Qualitäten erzeugen würden, gingen diese Begriffe an der Grundintention eher vorbei. In der Minimal Art dreht es sich im Grunde immer um Wahrnehmung und Empfindung. Die interpretatorische Unzugänglichkeit von Judds Kunstwerken hat zu einer weitgehend vom Objekt losgelösten Diskussion und Deutung der Werke geführt. Judds Arbeiten wurden beispielsweise oft mit Theorien von Robert Morris vermischt, um so eine in Wirklichkeit nicht existierende einheitliche minimalistische Theorie zu schaffen. Gegen diese Vermischung hatte sich Judd stets öffentlich zur Wehr gesetzt. Amerikanische minimalistische und auch konzeptualistische Künstler der sechziger Jahre, das sind vor allem Joseph Kosuth, Robert Morris, Sol LeWitt und Donald Judd, kamen oftmals aus dem akademischen Umfeld der Psychologie oder Philosophie und waren dadurch in ihrem Schaffen sichtlich geprägt. Diese Künstler vertraten ihre Positionen öffentlich durch Kritiken, Statements und Essays mit großer Polemik. Gegenstand der Ablehnung war stets die europäische Kunsttradition für die amerikanische Kunst. Sie argumentierten für eine Kunst, die sowohl formal als auch inhaltlich (Judd lehnt auch diese Unterscheidung gänzlich ab) jede Mimesis und jeden Illusionismus ausschließt. „I want a particular, definite object“, schrieb Judd 1969.

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08/08/2011

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LV-Nr. 541.139, SS 2011SE: Ästhetik Leiter: Ao.Univ.-Prof. Dr.phil. Otto Neumaier Fachbereich für Philosophie an der KGW-FakultätUNIVERSITÄT SALZBURGDONALD JUDDS SPEZIFISCHE OBJEKTESelbstbezüglichkeit von Kunstwerken in Judds minimalistischer KunsttheoriePhilipp DollwetzelMatrikelnr.: 082051808.07.2011(revidierte Fassung vom 29.07.2011)
 
Inhalt
1 Einleitung42 Fragestellung und Methodik63 Publikationen zum Thema74 Judds Theorie der Spezifischen Objekte104.1 Donald Judds Schriften104.2 Donald Judd und die Philosophie114.3 Die Einheit des Kunstwerkes174.4 Kunst ist kognitiv184.5 Form und Inhalt194.6 Die Behauptungen der Kunst204.7 Ablehnung der bildhaften Kunst234.8 Die Selbstbezüglichkeit des Objektes264.9 Zusammenfassung von Judds Ansichten295 Diskussion der objekthaften Reflexitivität325.1 Exkurs: Semiotik325.1.1 Minimal Art und die ästhetische Funktion der Sprache325.1.2 Ikonische Zeichen335.2 Exkurs: Reflexivität in der Sprache355.2.1 Selbstreferentielle Zeichen355.2.2 Autopropositionale Sätze375.3 Das Kriterium der Übertragbarkeit375.4 Erste Annäherung: Spezifische Objekte385.4.1 Definition: Spezifisches Objekt385.4.2 Sind Judds Werke Spezifische Objekte?395.5 Zwei Arten von objekthafter Reflexivität405.5.1 Definition: Idealikonische Objekte415.5.2 Definition: Objekthafte Autopropositionalität425.6 Kritik der objekthaften Reflexivität445.6.1 Idealikonische Objekte445.6.2 Objekthafte Autopropositionalität455.7 Alternative: Referenzloses Objekt?486 Zusammenfassung48
 
7 Literaturverzeichnis517.1 Interviews und Texte von Donald Judd517.2 Literatur (Kurztitel)557.3 Weitere Literaturangaben588 Abbildungsverzeichnis599 Abbildungen62

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