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othar König glaubte, er habe das al-les hinter sich gelassen. Die Schnüf-feleien, die Telefonspionage, dieVerleumdungen. Alles eben, was für ihndie DDR ausmachte. Und nicht die Bun-desrepublik. König schluckt. „Ich habemich geirrt. Nichts hat sich geändert.“Der 57-Jährige arbeitet als Jugendpfar-rer in Jena, betreut junge Leute auf derStraße. Die Thüringer Polizei lobt seinentschiedenes Eintreten gegen Rechtsex-tremismus. König wird selten laut: RauchtPfeife, trägt Vollbart, das Atmen fällt ihmwegen seines Gewichts schwer. Doch nunbricht es aus ihm heraus: „Das sind SED-Methoden! Mein Glaube an den Rechts-staat ist erschüttert!“Durch einen Zufall hat König erfahren,dass die sächsische Polizei gegen ihn er-mittelt. Der Theologe wird verdächtigt,Mitglied einer „kriminellen Vereinigung“zu sein, eines linken Schlägertrupps, derin Sachsen Rechtsradikale jagt.Der Geistliche war im Februar mit sei-ner Gemeinde, Gewerkschaftern unddem Jenaer Oberbürgermeister in Dres-den, um gegen einen Aufmarsch vonRechtsextremen zu demonstrieren. DieFahnder glauben, der Hundert-Kilo-Mann könnte Mitglied einer „Antifa-Sportgruppe“ sein, die sich in Dresdendurch gezieltes Vorgehen und ihre Fitnessvorgetan haben soll. „Absurd“, sagt Kö-nig. Der Pfarrer erwägt, gegen Sachsen juristisch vorzugehen.Im Rest der Republik könnte man überden Fall König wohl schnell zur Tages-ordnung übergehen. Eine bedauerlicheVerirrung übereifriger Polizisten, wie sieauch in einem Rechtsstaat schon mal pas-sieren kann. Aber in Sachsen? Dort sinddie Ermittlungen gegen den Jenaer Pfar-rer bislang kaum aufgefallen, weil sienicht die Ausnahme, sondern eher die Re-gel zu sein scheinen.Wie kein anderes Bundesland hat Sachsen über Jahre hinweg eine Serie un-glaublicher Verletzungen rechtsstaatli-cher Prinzipien produziert. Im Südostender Republik gelten offenbar auch zweiJahrzehnte nach dem Untergang derDDR eigene Regeln. Immer wieder wer-den eklatante Fälle staatlichen Machtmiss-brauchs und polizeilicher Willkür be-kannt, ohne dass sich die Verhältnissegrundlegend bessern würden.Der Freistaat, diagnostiziert der Berli-ner Geschichtsprofessor Wolfgang Wip-permann, sei das „rechtskonservativsteund unfreieste Bundesland der Republik“.Gänzlich ironiefrei beklagt der Wissen-schaftler die Ignoranz gegenüber Bürger-rechten: „In Sachsen geschehen Dinge,die könnte sich George Orwell nicht ein-mal vorstellen.“Ihr eigenartiges Rechtsverständnis de-monstrierte die sächsische Polizei zuletztvor wenigen Monaten in der „Handy-Af-färe“. Die Beamten hatten nach Aus-schreitungen bei einer Demonstration am19. Februar in Dresden die Daten vonüber 250000 Mobilfunkanschlüssen abge-schöpft, insgesamt mehr als eine MillionDatensätze. Telefonnummern, Uhrzeitund Dauer der Anrufe, den Standort derGesprächsteilnehmer, Daten von De-monstranten, Abgeordneten, Anwälten,Journalisten und Unbeteiligten.Ziel der Operation war es, ebenjenerlinken kriminellen Vereinigung auf dieSpur zu kommen, in der die Ermittlerauch den Pfarrer König vermuten. Sogroß der öffentliche Aufschrei war, so un-gerührt reagierte die schwarz-gelbe Lan-desregierung. Missmutig opferte sie denDresdner Polizeipräsidenten.Kurz darauf, in der vergangenen Wo-che, wurde die nächste Ungeheuerlichkeitbekannt. Auch in einem anderen Fall hat-ten die Beamten in großem Umfang
 
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SACHSEN
Die Härte des Systems
Die Affäre um riesige Mengen abgeschöpfter Handy-Daten zeigt das seltsame Verhältnis derDresdner Landesregierung zum Rechtsstaat. Der Fall ist vorläufiger Höhepunkt einer ganzenReihe juristischer Absonderlichkeiten, die wohl in keinem anderen Bundesland vorstellbar wäre.
   B   E   R   N   D   N   O   W   O   T   N   Y   /   A   C   T   I   O   N   P   R   E   S   S
Christdemokraten Biedenkopf 1999, Milbradt, Tillich:
Ignoranz gegenüber Bürgerrechten
   L   A   U   R   E   N   C   E   C   H   A   P   E   R   O   N   S   E   Y   B   O   L   D   T   P   R   E   S   S
 
Handy-Daten erhoben. In dem bislangvergeblichen Versuch, einen 2009 vermut-lich von Linksextremen verübten Brand-anschlag auf eine Bundeswehrkaserne inDresden aufzuklären, sammelten sie so-gar 1,1 Millionen Datensätze.In Sachsen herrsche „bestenfalls eineHalb-Demokratie“, kritisiert Antje Her-menau, die grüne Oppositionschefin imDresdner Landtag. Die Regierung pflegeein „verqueres Verhältnis“ zu den Bür-gern. Sie glaube, der Staat müsse vor denMenschen geschützt werden.Dass dabei regelmäßig gegen denGrundsatz der Verhältnismäßigkeit ver-stoßen wird, nimmt die Regierung offen-bar in Kauf. So rückten im Februar Elite-polizisten bei Einbruch der Dunkelheitim „Haus der Begegnung“ im NordenDresdens an. Mit einer Kettensäge ver-schafften sie sich Zutritt zu dem Gebäude.120 Beamte durchsuchten die Räume ei-nes Jugendvereins, eines Rechtsanwalts,von Politikern der Linkspartei. Sie nah-men etwa ein Dutzend Personen fest, be-schlagnahmten Computer und Handys.Der Durchsuchungsbefehl klang ful-minant. Die Polizei ermittle gegen eine„kriminelle Vereinigung“, Paragraf 129Strafgesetzbuch. Mitglieder eines linkenSchlägertrupps nützten das Haus, umStraftaten zu koordinieren. Am Endewirkte der Einsatz, als wollte der StaatMenschenhändler, Autoschieber und Isla-misten auf einmal bezwingen.Der offenkundige Anlass für den Zu-griff war dann doch schlichter. Anti-Nazi-Demonstranten hatten Steine gegen Rei-sebusse geworfen, in denen Rechte zu einem Aufmarsch nach Dresden gereistwaren. Zwar saß in den Bussen währenddes Angriffs niemand außer den unver-sehrt gebliebenen Fahrern, doch der Vor-fall genügte der Staatsanwaltschaft offen-bar, die Razzia anzuordnen. Die Täterhätten mögliche Verletzungen der Fahrerin Kauf genommen, so die Begründungder Justiz.Die Staatsanwaltschaft behauptet, dieVerdächtigen könnten noch weitere Straf-taten begangen haben, will aber nicht sa-gen, welche.Mit aberwitzigem Aufwand verfolgendie sächsischen Behörden knapp zweiDutzend Verdächtige, die die Polizei in-tern als „Antifa-Sportgruppe“ bezeichnetund die sie für wiederholte Angriffe auf Rechtsextreme in Sachsen verantwortlichmacht. Doch trotz abgehörter Telefone,Hausdurchsuchungen und DNA-Testswurde bislang gegen keinen der Beschul-digten Anklage erhoben.Die angebliche Bedrohung durch linkeSchläger scheint im Freistaat zum Frei-brief geworden zu sein, sämtliche Vor-stöße der Polizei zu rechtfertigen. DieGrüne Hermenau glaubt, hier werde ver-sucht, die Bundesrepublik von vor 1968wiederaufleben zu lassen.So ist auch die Handy-Affäre Teil einesKleinkriegs sächsischer Polizisten undStaatsanwälte, die um ihre Ehre kämpfen.In all den Jahren, in denen jeweils imFebruar rechte und linke Gruppen amJahrestag der Dresdner Bombennachtaufeinandertrafen, sahen die zum Schutzder rechtsextremen Demonstranten ausdem gesamten Bundesgebiet abgeordne-ten Polizeieinheiten schlecht aus. DasKatz-und-Maus-Spiel gewannen Linkeund aufgebrachte Bürger, die rechte Auf-märsche in der Stadt nicht dulden moch-ten. Die Stimmung bei Polizei und Straf-verfolgern wurde zunehmend gereizt, zu-mal die öffentliche Meinung stets gegensie war. Die Ermittlungen gegen die omi-nöse kriminelle Vereinigung sollte endlichEntlastung bringen.2009 hatten Autonome in Dresden eineGruppe Rechtsradikaler verprügelt, vondenen sie mit Flaschen beworfen wordenwaren. Fünf Monate später verletzten lin-ke Schläger einen Rechtsextremen schwer.Die Polizei vermutet, dass es sich nichtum die Taten Einzelner gehandelt hat, son-dern um die einer organisierten Bande.Anhaltspunkte für den Verdacht scheintes kaum zu geben. In den Akten heißt esnur, die Angreifer seien gezielt und ko-ordiniert vorgegangen. Dennoch eröffne-te die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungs-verfahren nach Paragraf 129. Schwerere juristische Geschütze lassen sich kaumauffahren. Wird Paragraf 129 bemüht, ha-ben die Ermittler freie Bahn, und dieGrundrechte müssen sich kleiner machen.Die Existenz einer „kriminellen Vereini-gung“ zu beschwören sei eine Verlockungfür die Fahnder, glaubt Ulrich Stein, Straf-rechtsprofessor an der Universität Müns-ter. Sie bekämen dadurch Mittel in dieHand, die ihnen andernfalls verwehrtblieben.Manche Linke werden verfolgt, weilsie in einem Bus zu einer Demonstrationgereist sind, in dem die Fahnder späterPfefferspraydosen fanden. Andere, weilsie am Telefon von Verdächtigen nach ei-ner leeren Videokassette gefragt wurden.
Doch wenn es darum geht, echte odervermeintliche Gegner zu bekämpfen, darf 
 
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Hausdurchsuchung bei Ex-Minister Schommer
Protest gegen Nazi-Demo in Dresden:
Offenbar 
Deutschland
Rotlichtaffäre „Sachsensumpf“
   S   V   E   N   D   O   E   R   I   N   G   /   A   G   E   N   T   U   R   F   O   C   U   S   /   D   E   R   S   P   I   E   G   E   L
Regierungskritiker Nolle
   O   V   E   L   A   N   D   G   R   A   F   /   D   R   E   S   D   N   E   R   M   O   R   G   E   N   P   O   S   T   J    Ö   R   G   T   E   R   V   E   H   N   /   L   E   I   P   Z   I   G   E   R   V   O   L   K   S   Z   E   I   T   U   N   G
Affären-Land Sachsen:
Eklatante Fälle staatlichen Machtmissbrauchs und polizeilicher Willkür 

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Der Spiegel Artikel in Text-Form und die PDF: http://linksunten.indymedia.org/de/no...