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2011-08-20_MEP

2011-08-20_MEP

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12/13/2012

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4 194270 402001 6 0 0 3 3
Samstag, 20. August 2011
| Bahnhofstraße 4, 49716 Meppen66. Jg., Nr. 194 | Einzelpreis 2,00 www.noz.de/meppener-tagespost
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IM EMSLAND SEITE 8
Samstag24/11 °C24/13 °CSonntagMontag23/15 °C24/15 °CDienstagMittwoch22/16 °C
FERNSEHEN
SEITEN 28 UND 29
Polizeiruf 110: Cassandras Warnung
Pflichttermin für alle Krimi-Fans: Do-minik Graf setzt den neuen Polizeiruf-Ermittler Matthias Brandt in Szene.
ARD, Sonntag, 20.15 Uhr
BÖRSE
SEITE 6
DAX
5 480,00 (– 122,80)
TecDAX
690,41 (+ 3,87)
Dow Jones
10 817,65 (– 172,93)
Nasdaq
2 341,84 (– 38,59)
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1,4385 $ (+ 0,16 Cent)
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INSTITU TFÜRDUALESTUDIENGÄNGE
BETRIEBSWIRTSCHAFT
(Bachelor o fArts )
 WIR TSCHAF TSINFORMATIK
(Bachelor of Science)
 WIRTSCHAFTSINGENIEURWESEN
h lofEngineering)
O b imHand werk,
imkaufmännischenoder technischenBereich:DieAusbildungschancensindinallenBranchengut.
d pa/tm n
EMSLAND.DieChancefüreinenAus bil-dungsplatz habensic hdeu t-lichver bessert.Wersichnochnich tdarum bemü h t ha t, soll te sic h je tzt andieArbeitsagenturenwendenundsichdann bewerben,be- werben,bewer ben,sag te Thilo Pahl,Ausbildungsex-pertebeimDeutsc henIn-dustrie-undHandels kam-mertag (DIHK ). „Viele gu teAngebo tesindzumTeilschon vomMarkt.Deshalbsolltemanjetztunbeding takti v werden.“
 D ie W irtsc hafts k risesei ü berw u nde n, er k lärtePah l. Nac h de nne ueste nZa h lendesDI HKs i ndb isEndeAp r il bere its 1 13 355 neue Ausbil-d ungs verträgebe iden Indus- trie- undHa ndels kammern regist r iertworde n. Das seie n ru nd elfProze nt mehr a ls im Vorja h r. „ D ie usb i ldungs-cha ncensindin a llenB ran-chenglänzend “, sag te Pa hl. „Besondersg u tsindsie i nder Indus trieb ranc he unddavoral lembei de r Au tomo bilin-dust r ieundbei m Maschinen- ba u.“S iepro fitiere beso ndersstar k vom Aufsc hwu ng.
 Finde n Be werber vo r Or t trotzdergutenLagekei nen A  usbild ungs platzini hrem Wu nschberuf,lohneess ich ü ber de n eigenenTelle rrandzu schaue n. „D ie A  ussich tena uf ei nen usbi ldungspla tzsindwegen de r Ko njun k tur besondersg ut inalle nsta r k ind ustrie ll ge p rägten Regio- nen“,e rklä r tePa hl. I nsgesamtseidieLagee ntspannt:„D ie C hance nsind w irklic h g u t“,sagte Pahl.„Daschre ibts ichd ie Be werb u ngg leich leich ter.“
Gu teC hancen füre inenAus b i ldungsp la t z
Unbeding tjetztaktivwerden
Bei den C hancen
r einenAusbildungsplatzsindgu t.Daschreibt sich dieBe werbungleichleichter.
 Be r u f s wa h l20 12
 VERLAGSBEILAGE/SAMSTAG,20.AUGUS T20 1 1
dpa
OSLO.
Trauer auf derInsel Utøya: Vier Wochennach den Anschlägen inNorwegen haben die Hin-terbliebenen erstmals amOrt des Massakers ihrer To-ten gedacht. Der norwegi-sche Attentäter AndersBehring Breivik bleibt un-terdessen vier weitere Wo-chen in Einzelhaft. Das hatein Gericht in Oslo gesternentschieden.
Seite 3
Norwegen: Familiender Opfer auf Utøya
EINBLICKE
Kinoprogramm, Serviceund Veranstaltungen inunserer Region.
Seite 18
TERMINE
pm
NORDHORN.
Vermutlichaus Eifersucht hat ein 19-Jäh-riger am Donnerstagabendin Nordhorn einen 15-Jähri-gen niedergestochen. DasOpfer trug mehrere schwereStichverletzungen davon und wurde in die Nordhoner Eu-regio-Klinik eingeliefert. Es besteht keine Lebensgefahr.Nach den bisherigen Fest-stellungen der Polizei hatteder 19-jährige Nordhornergegen 21.50 Uhr an der Woh-nungstür des 15-Jährigen ge-klingelt und diesen wegen ei-ner Beziehung zu seiner 17- jährigen Freundin zur Redegestellt. Plötzlich zog der19-Jährige ein Küchenmes-ser und stach mehrfach auf den 15-Jährigen ein.Der Täter flüchtete in un- bekannte Richtung. Kurznach der Tat stellte er sichder Polizei. Er wurde vorläu-fig festgenommen und befin-det sich in Gewahrsam. DieErmittlungen der Polizeidauern derzeit an.
19-Jähriger sticht auf 15-Jährigen ein
 bk
SALZBERGEN.
 An ei-ner derzeit unheilbarenMuskelkrankheit leiden Adrian und Florian Vogtaus der Gemeinde Salzber-gen. Ihre Eltern Jessicaund Frank Vogt tun allesfür die beiden fünf und sie- ben Jahre alten Jungen, diein absehbarer Zeit auf Roll-stühle angewiesen sind.Die Eheleute hoffen auf Unterstützung aus der Be- völkerung. Ein Spenden-konto wurde bereits einge-richtet.
Seite 9
Geschwisterschwer erkrankt
KREIS EMSLAND
 
Vor 100 Jahren Raub der Mona Lisa im Louvre
Reportage
 
 Dominik Graf: Irrwege imdeutschen Kino
Im Gespräch
Lesen Sie im
Wochenende!
In einem Gespräch mit un-serer Zeitung sagte Gerichts-präsident Andreas Voßkuhle: „Die Zahl der Verfassungsbe-schwerden ist in den vergan-genen Jahren deutlich gestie-gen. Die beiden Senate desGerichts sind inzwischen nurnoch mit äußerster Mühe inder Lage, alle Verfahren ineinem angemessenen Zeit-raum zu bewältigen.“ Im ver-gangenen Jahr hatten dieKarlsruher Richter knapp6500 Verfassungsbeschwer-den zu entscheiden. Zusätz-lich wurden mehr als 2500Eingaben durch die Verwal-tung abschließend bearbei-tet. Wenn sich nichts ändere,drohe dem Bundesverfas-sungsgericht ein ähnlichesSchicksal wie dem Europäi-schen Gerichtshof für Men-schenrechte, warnte Voß-kuhle. „Dort stehen die Rich-ter mittlerweile vor einemBestand von mehr als 150 000unerledigten Verfahren.“ Esgelte, „das Verfassungsge-richt vor der Funktionsunfä-higkeit zu bewahren“, forder-te er. „Zu späte Gerechtigkeitist keine Gerechtigkeit.“ DieRichter sehen jetzt den Ge-setzgeber am Zug.Zur Entlastung schlägt dasGericht vor, die Bearbeitungoffensichtlich aussichtsloser Anträge von einer Gebührabhängig zu machen. Mit die-ser „Mutwillensgebühr“ wür-den Querulanten abge-schreckt, die mitunter bis zu500 Verfassungsbeschwer-den erheben. Die Mutwil-lensgebühr soll nach den Worten Voßkuhles bis zu5000 Euro betragen und ge-staffelt nach den Vermögens- verhältnissen des Beschwer-deführers erhoben werden.Den Plänen zufolge soll einRechtspfleger entscheiden,ob eine Gebühr zu verhängenist. Will der Beschwerdefüh-rer diese nicht zahlen, kanner eine richterliche Entschei-dung darüber beantragen. Voßkuhle betonte, mitdem Karlsruher Vorschlagsolle „der Charakter des Bun-desverfassungsgerichts alsBürgergericht bewahrt blei- ben“. Die Alternativen zurMutwillensgebühr wären weitaus drastischer. „Einen Anwaltszwang, allgemeineGerichtskosten oder ein frei-es Annahmeverfahren wie bei Klagen vor dem oberstenGerichtshof der USA wollen wir vermeiden“, erklärte er.Bisher ist eine Verfassungs- beschwerde in Karlsruhegrundsätzlich kostenlos.Der Gerichtspräsident ver- wies darauf, dass miss- bräuchliche Verfassungsbe-schwerden auch aus Sichtdes Steuerzahlers ein Ärger-nis seien. „Grob geschätzt lie-gen die durchschnittlichenBearbeitungskosten einer Verfassungsbeschwerde beietwa 5000 Euro.“ Was die „Dauerkunden“ an gerichtli-chen Ressourcen verbrauch-ten, fehle dann bei der Bear- beitung ernsthafter Anträge.
Präsident Voßkuhle warnt vor Verfahrensstau – „Zu viele Verfassungsbeschwerden“
Gebühr soll oberstes Gericht entlasten
OSNABRÜCK. Der Präsidentdes Bundesverfassungsge-richts sieht die Funktionsfä-higkeit des Gerichts in Ge-fahr. Eine neue Gebühr fürnotorische Beschwerdefüh-rer soll das Gericht entlas-ten.
Von Sven Rebehn
Andreas Voßkuhle
Foto: dpa
an kann gut verste-hen, dass Verfas-sungsgerichtspräsident An-dreas Voßkuhle mit einerGebühr notorische Klägerbremsen will. Denn wennsich die Karlsruher Juristenmit von vornherein sinnlo-sen Verfahren befassenmüssen, bleibt ihnen weni-ger Zeit, sich dem berech-tigten Schutz der Grund-rechte zu widmen. Verfah-ren ziehen sich unnötig indie Länge. Dabei hängt dasVertrauen in den Rechts-staat nicht allein davon ab,
M
ob jemand recht bekommt,sondern auch davon, wanner recht bekommt.Ob eine sogenannte Mut-willensgebühr tatsächlichQuerulanten abschreckt,muss sich aber erst zeigen.Es wäre nicht der erste Ver-such, die Klageflut einzu-dämmen. Schon vor Jahr-zehnten ächzten die obers-ten deutschen Juristenüber die hohe Zahl vonVerfassungsbeschwerden.„Wenn man uns nicht hilft,saufen wir ab“, stöhnte be-reits 1992 der damaligeVerfassungsgerichtspräsi-dent Roman Herzog. Mehr-fach wurde daher das An-nahmeverfahren geändert.Eine Missbrauchsgebührgibt es schon jetzt – doch inder Praxis hat das Verfas-sungsgericht nur seltendavon Gebrauch gemacht.Durchgreifend geholfen hatauch sie bisher nicht.Gefordert sind zugleichdie Rechtsanwälte. Von ih-nen kann man verlangen,dass sie sich gründlich mitder Zulässigkeit einer Be-schwerde beschäftigen, be-vor sie sich an Karlsruhewenden.
Ein weiterer Versuch
Von Christof Haverkamp
KOMMENTAR
c.haverkamp@noz.de
Geschafft: Nach sechs Jahren ist der Blitz im Kasten
Blitze, Blitze, Blitze:
Ein heftigesGewitter zog am Donnerstagabendüber die Region hinweg. GrößereSchäden hinterließ es nicht, dafüraber ein faszinierendes Blitzschau-spiel. Sechs Jahre lang hatte der39-jährige Hobbyfotograf MarcoSchütz auf diesen Moment gewar-tet. Dann war er plötzlich da: DerBlitz schlug in den Fernmeldeturmauf dem Schinkelberg in Osnabrückein. Diesen Moment wollte Schützteilen und lud das Foto auf derFacebook-Seite von noz.de hoch.Dort stieß das Bild auf große Reso-nanz, und daher hat es heute auchden Weg in die Zeitung gefunden.
noz.de auf Facebook unter
www.facebook.com/neueoz
stwo
FRANKFURT.
 Auch zum Wochenschluss konnte dieTalfahrt deutscher Aktiennicht gestoppt werden. DerDeutsche Aktienindex (DAX) beendete den Tag mit einem Abschlag von 123 Punkten(2,2 Prozent) auf 5480 Punk-te. Zuvor hatte der Aktien-index bei 5345 Punkten einneues Jahrestief markiert. Im Wochenverlauf verlor der In-dex fast neun Prozent an Wert. Seit Monatsbeginnsummieren sich die Verlusteauf 25 Prozent.Zwischendurch hatte derMarkt fast ins Plus gedreht,eine Reaktion auf einen posi-tiven Start an der Wall Street.Doch anschließend beweg-ten sich die Kurse wieder ab- wärts. Die stärksten Verlustefuhren Allianz, Lufthansaund BASF ein. Hier standen vor allem die anhaltendeSchuldenkrise in der EU undKonjunktursorgen in denUSA im Vordergrund.Der Dow Jones stand zum Wochenschluss gestern Abend in New York bei10 817,65 Zählern, das ent-spricht einem Minus von172,93 Punkten.
Seite 7 
DAX  weiter unter Druck 
Wirtschaft im freienFall?
Mehr aufwww.noz.de/euro
ten
OSNABRÜCK.
Entwick-lungsminister Dirk Niebel(FDP) fordert nach den Rück-trittsforderungen aus denUSA und der EU weitereMaßnahmen gegen den syri-schen Diktator Baschar al- Assad. In einem Interviewmit unserer Zeitung erklärteNiebel, neben diesem Signalmüsse verstärkter Druck auf  Assads Regime wirken, das2000 Aufständische tötenließ. Die Bundesregierungsetze sich auf europäischerEbene für eine Ausweitung von Sanktionen ein – auchauf den Energiebereich.
Seite 4
 Niebel will Druck auf Syrien erhöhen
Minister fordert weitere Sanktionen
Interview mitunserer Zeitung
hab
HAMELN.
Kanzlerin An-gela Merkel hat sich für eine verschärfte Haushaltskont-rolle der Euro-Länder durchdie EU-Kommission ausge-sprochen. Das sagte sie auf einem CDU-Landesparteitagin Hameln. Merkel plädiertedafür, dass die EU-Kommis-sion künftig die Haushalts-planentwürfe aller 17 Staatender Euro-Zone auf die Ein-haltung von Stabilitätskrite-rien überprüft. „Wenn Europa dann fest-stellt, dass Haushalte nichtden Kriterien des Stabilitäts-und Wachstumspaktes ent-sprechen, müssen diese nati-onalen Haushalte überarbei-tet werden“, sagte die CDU-Politikerin gestern.
Seite 5 
Zur Stabilisierung des Euro
Merkel für Etatkontrolledurch EU-Kommission
dpa/dapd
TEL AVIV/BRÜS-SEL.
Auf die schwersten Ter-rorangriffe in Israel seit dreiJahren haben Israelis und Pa-lästinenser mit einer neuen Welle der Gewalt reagiert.Nachdem am Donnerstagacht Israelis im Süden desLandes durch Extremistengetötet und 31 verletzt wor-den waren, starben gesternnach palästinensischen An-gaben acht Menschen bei is-raelischen Luftangriffen auf den Gazastreifen. Auch fünf ägyptische Grenzbeamte ka-men ums Leben.Die EU-AußenbeauftragteCatherine Ashton verurteiltedie Anschlagsserie und zeigtesich „sehr besorgt“ über dieTerrorakte.
Seite 3
Israelis und Palästinenser töten weiter
 Welle der Gewalterschüttert Nahen Osten
 
in fünfjähriger Jungehat in Köln seinen be-trunkenen Vater als Ver-kehrssünder entlarvt. DasKind saß mit im Auto, alsder 45-Jährige eine Rad-fahrerin anfuhr. Anschlie-ßend fuhr der Mann weiter,ohne sich um die Verletztezu kümmern, wie gesternein Polizeisprecher berich-tete. Danach verursachteder 45-Jährige noch zwei weitere leichte Unfälle. Alsspäter die von Zeugen ge-rufenen Polizeibeamten vor der Wohnungstüre desMannes standen, gab die-ser sich ahnungslos. SeinSohn wusste aber sofortBescheid: „Ich weiß, war-um Ihr da seid – bestimmt wegen dem Unfall eben!“Nun ist sein Vater den Füh-rerschein los.
E
AUCH DAS NOCH
2
POLITIK
SAMSTAG,20. AUGUST 2011
KNA 
KÖLN.
Bundesge-sundheitsminister DanielBahr (FDP) hat Verbesse-rungen für pflegende Ange-hörige angekündigt. DerFDP-Politiker sagte gesternim Deutschlandfunk, vieleFamilien seien überfordertund bräuchten Unterstüt-zung. Die Betroffenen wünschten sich bessere In-formationen, Möglichkei-ten für eine Auszeit und ei-ne bezahlbare legale Be-schäftigung von Pflege-kräften. Dafür müssten Re-gelungen getroffen wer-den. Derzeit seien die An-reize für die ambulantePflege zu gering, so Bahr.
Bahr: Familien beiPflege überfordert
KOMPAKT
dpa
FRANKFURT.
Ein mut-maßlicher Helfer und Sym-pathisant des Terrornetz- werkes Al-Kaida hat vordem Frankfurter Oberlan-desgericht die Vorwürfe weitgehend eingeräumt.Der 26 Jahre alte Studentaus Offenbach gestand, seit2005 im Internet zu Vertre-tern des Netzwerkes Kon-takt geknüpft und Propa-gandamaterial im Internet verbreitet zu haben. Heuteaber habe er nichts mehrmit Al-Kaida zu tun. Den Vorwurf, er habe gezieltSprengstoffanschläge auf US-Kasernen und Politikergeplant, bestritt der Ange-klagte.
Al-Kaida-Helfer legtGeständnis ab
dpa
MÜNCHEN.
Die Vorsit-zende der IsraelitischenKultusgemeinde Münchenund Oberbayern, CharlotteKnobloch, hat die neuerli-chen Ermittlungen gegenden vorbestraften NeonaziMartin Wiese begrüßt. „Der Verdacht der Volks- verhetzung liegt nahe, beieinem verurteilten Neona-zi, der in sieben JahrenHaft offenbar nichts be-reut, geschweige denn sei-ne Gesinnung veränderthat“, erklärte Knoblochgestern in München. Wiese verfolge rechtsextremisti-sche Wahnvorstellungen.
Knobloch begrüßtNeonazi-Ermittlung
dpa
BERLIN.
Für das ge-plante bundesweite Sam-meln von Wertstoffmüllsollen aus Sicht des Bun-desumweltministeriumskeine Extra-Tonnen aufge-stellt werden. Eine speziel-le Wertstofftonne sei „Un-sinn“, sagte Abteilungslei-ter Thomas Rummler ges-tern in Berlin. „Einfachersoll es werden, und es sollzum Schluss auch kosten-günstiger werden.“ DerBundesverband der Deut-schen Entsorgungs-, Was-ser- und Rohstoffwirt-schaft (BDE) will die gelbeTonne weiterentwickeln.
Ministerium gegenWertstofftonne
In den Fonds, der zum 1.Januar 2013 geplant ist und vom Bundeslandwirtschafts-ministerium und Bundes-umweltministerium initiiert wurde, sollen bis 2015 jähr-lich 35 Millionen Euro flie-ßen. Wald- und Forstwirt-schaft leisten nach Aussagedes Bundeslandwirtschafts-ministeriums einen wichti-gen Beitrag zum Schutz desKlimas. Um 100 MillionenTonnen CO
2
entlaste der Wald als Nutz- und Natur-raum die Atmosphäre jähr-lich.Mit dem Waldklimafondssoll insbesondere die Anpas-sung der Wälder an den Kli-mawandel unterstützt wer-den. So sollen nach Aussage von Experten unter anderemdie vielerorts rein aus Fich-ten bestehenden Waldstückein Mischbestände umgewan-delt werden. „Fichtenbestän-de werden in Fichten-Bu-chen-Bestände umgebaut“,sagte Christoph Rullmann,Geschäftsführer der Schutz-gemeinschaft deutscher Wald (SDW). Ziel dieserMaßnahme sei es, dass dierecht wetterresistente Buche weiter den Waldbestand si-chere, selbst wenn die Fichteim schlimmsten Fall ausfalle.Sowohl SDW als auch derBund für Umwelt und Natur-schutz (BUND) loben zwarprinzipiell die finanzielle Un-terstützung. Gerade ange-sichts der ehrgeizigen Klima-ziele der Bundesregierungmüsse dem Schutz des Wal-des eine hohe Bedeutung bei-gemessen werden. Dennocherscheint den Naturschüt-zern die vorgesehene Summeals zu niedrig. Allein für die vorrangigumzubauenden Waldbestän-de sind nach Einschätzungdes BUND 200 Millionen Eu-ro jährlich notwendig. SelbstLandwirtschaftsministerinIlse Aigner habe zu Beginnnoch 50 Millionen Euro ge-fordert, teilte der BUND mit. „Wünschenswert wäre nochmehr“, sagte auch Rullmann.Dennoch sei mit dem Wald-klimafonds ein erster Anfanggeschaffen.
dapd
BERLIN. Eichen undFichten leiden als die mitam stärksten verbreitetenWaldbaumarten in Deutsch-land stark unter dem Klima-wandel. Damit könnten 38Prozent des deutschen Wal-des in naher Zukunft in ih-rem Bestand bedroht sein.Mit dem Entwurf zum Bun-deshaushalt 2012 hat dieBundesregierung die finan-zielle Grundlage für einenWaldklimafonds getroffen.
Klimafonds solldeutsche Wälder retten
Vor allem Fichten und Eichen sind bedroht
Projekt Zukunft Bilden
Lesetipp für Azubiser Wald ist wichtig,und das nicht nur, weiler – das passende Wettervorausgesetzt – zum Wan-dern einlädt. Der Wald haterstens ökologische Be-deutung. Er ist Lebens-raum zahlreicher Artenund reinigt die Luft, auchfür den Menschen. DerWald hat zweitens energe-tische Bedeutung, dennsein Holz lässt sich nutzen,um Energie und Wärme zuerzeugen – und das CO
2
-neutral. Drittens hat derWald wirtschaftliche Be-deutung und bietet 1,3 Mil-lionen Menschen inDeutschland Arbeit. Undnicht zuletzt hat er sozio-kulturelle Bedeutung, denner dient der Erholung oderfindet sich als Motiv in Bü-chern, Gemälden und Fil-men.Es dürfte eine Mischungall dieser Gründe sein, die
D
die UNESCO im Juni dazubewogen hat, die Buchen-wälder Deutschlands zumWeltkulturerbe zu erklären.Auch wenn sich der Titelnur auf eine Baumart be-zieht, lässt sich darauseine grundsätzliche Ver-pflichtung ablesen: DerWald ist absolut schüt-zenswert, und das ebenaus mehr als einem Grund.Die Einrichtung einesWaldklimafonds ist alsonur konsequent, wenn-gleich die vorgesehenen 35Millionen Euro bei Weitemnicht reichen werden.Den Wald zu bewirt-schaften, schließt dasnicht aus. Das aber mussmit Maß geschehen: Holzenergetisch zu nutzen istbeispielsweise nachhalti-ger, als es unter hohemEnergieaufwand zu Papierzu verarbeiten – zumal es ja Recyclingpapier gibt.
Absolut schützenswert
Von Constantin Binder 
KOMMENTAR
c.binder@noz.de
Norwegen hat in der Nordsee ein riesiges neues Ölfeld entdeckt!
Karikatur: Klaus Stuttmann
dpa
BERLIN.
Gute Nachrich-ten für Union und FDP: DieKoalitionsparteien haben im ARD-Deutschlandtrend zumersten Mal seit Wochen spür- bar zugelegt. Die FDP verbes-sert sich danach von vier auf fünf Prozent, die CDU/CSU von 32 auf 34 Prozent. Verlie-rer bei der Sonntagsfragesind die Grünen, wie die jüngste Umfrage von Infra-test dimap für das ARD-Mor-genmagazin ergab.Die Grünen müssen da-nach zwei Prozentpunkte ab-geben und liegen jetzt bei 21Prozent. Die SPD kommt auf 27 Prozent, die Linke auf 7 Prozent. Beide Parteien ge- ben damit je einen Prozent-punkt im Vergleich zumDeutschlandtrend vom 4. Au-gust ab. Rot-Grün kommt so-mit auf 48 Prozent, die Regie-rungskoalition hat insgesamt39 Prozent der Bürger hintersich.Rund 55 Prozent der Bür-ger haben der Umfrage zufol-ge in der Finanzkrise wenig Vertrauen in Bundeskanzle-rin Angela Merkel (CDU). Sieglauben nicht, dass die deut-sche Regierung die Entwick-lung einer neuen umfassen-den Wirtschafts- und Finanz-krise verhindern kann. 20Prozent haben sogar gar kein Vertrauen in die Kanzlerin inFragen der Finanzpolitik.
Umfrage: FDPund Union legen leicht zu
dpa
BERLIN.
Die Beteiligung von Bundeswehrsoldaten ander Auswahl von Bombenzie-len in Libyen wird möglicher- weise zum Fall für das Bun-desverfassungsgericht. DerGrünen-Abgeordnete Hans-Christian Ströbele beharrtegestern darauf, dass der Bun-destag der Entsendung vonelf Soldaten der Luftwaffe indie NATO-Einsatzführunghätte zustimmen müssen. „Lenkt die Bundesregierungnicht ein, müsste gegebenen-falls erneut das Bundesver-fassungsgericht die Rechtsla-ge klarstellen“, erklärte er. Am Donnerstag war be-kannt geworden, dass diedeutschen Soldaten zur Ver-stärkung für den Libyen-Ein-satz in NATO-Stäbe in Italienentsendet wurden. Verteidi-gungsminister Thomas deMaizière wies die verfas-sungsrechtlichen BedenkenStröbeles bereits zurück. DieMitarbeit in NATO-Stäbenund die Bereitstellung vonInfrastruktur für den Einsatzseien selbstverständlich. Das bedürfe auch keines Bundes-tagsmandats. „Andernfallskönnen wir aus der NATOaustreten“, sagte der CDU-Politiker.Ströbele argumentiert da-gegen, dass die Soldatennicht einfach in den Stäben belassen wurden, sondern ei-gens für den Libyen-Einsatznach Italien geschickt wur-den. Er sprach von einem „Ad-hoc-Einsatz der Bundes- wehr zu konkreten Kriegs-zwecken“. Die SPD hat wieMinister de Maizière keine verfassungsrechtlichen Be-denken.
Ströbele droht mit Verfassungsklage
Deutsche Soldaten suchen Ziele in Libyen
dpa
BERLIN.
Patienten kön-nen sich bei der Suche nacheinem Arzt nun auch auf ei-nem Internet-Portal des Er-satzkassenverbandes vdekinformieren – und die Medi-ziner und deren Praxis be- werten. Auf der Internetseite www.vdek-arztlotse.de fin-den sich schon 150 000 Be- wertungen von Patientenüber Service, Organisationund Freundlichkeit des Pra-xis-Personals. Bewertet wirdnach Schulnoten.Daneben gebe es die Mög-lichkeit, seine Eindrücke undErfahrungen frei zu formu-lieren, sagte der vdek-Vor-standsvorsitzende ThomasBallast gestern in Berlin. Esgeht dabei aber nicht um eine Art Ärzte-TÜV oder Inter-net-Pranger, bei dem Laiendie medizinische Behand-lung beurteilen. Deshalb soll-ten der Arztlotse und die Be- wertungen auch nicht dazudienen, auf die ärztliche Ver-gütung Einfluss zu nehmen, betonte Ballast.Für die Bewertung einesMediziners ist – anders als bei einem kürzlich vorgestell-ten Arzt-Navigator der AOK und der Barmer GEK, beidem für eine Veröffentli-chung erst zehn Beurteilun-gen zusammenkommenmüssen – keine Mindestzahl von Bewertungen vorgese-hen. „Schmähkritik“ an dem behandelnden Arzt ist nichtzugelassen und wird von ei-nem Team ausgebildeter Mit-arbeiter ausgefiltert. Nutzermüssen sich nicht registrie-ren und auch nicht bei einerErsatzkasse versichert sein.Bei dem Internetportalgreift der Ersatzkassenver- band auf die Daten der ge-meinnützigen Stiftung Ge-sundheit zurück, die bereitsseit 1997 Informationen zur Arztsuche anbietet. Der In-ternet-Lotse enthält ein voll-ständiges, sehr detailliertes Verzeichnis der niedergelas-senen Ärzte in Deutschlandmit 240 000 Adress- undsonstigen Daten. So kannman sich darüber informie-ren, ob ein Mediziner Abend-sprechstunden anbietet,Hausbesuche macht und obdie Praxis auch für Rollstuhl-fahrer erreichbar ist.Die Patientenbeauftragtedes Berliner Senats, KarinStötzner, lobte die Möglich-keit zur individuellen Arzt-Beurteilung. „Das hat es bis-her noch nicht gegeben.“ DerHausärzteverband kritisier-te, der neue Arztlotse sugge-riere eine medizinischeÜberversorgung. „Wir habenaber einen Mangel an Haus-ärzten“, sagte der Verbands- vorsitzende Ulrich Weigeldt.Die AOK-Krankenkassensind unterdessen offensicht-lich von mehreren Tausend Apotheken bundesweit fürMedikamente zur Kasse ge- beten worden, die gar nichtauf dem Markt sind. „Die AOK prüft derzeit die Vorfäl-le und wird entsprechend diezuständigen Staatsanwalt-schaften einschalten“, sagteein Sprecher des AOK-Bun-desverbandes in Berlin. Al-lein im Juni seien 30 000 Fäl-le bekannt geworden, in de-nen Rezepte mit einem nichtauf dem Markt befindlichenMedikament bedruckt undabgerechnet wurden.
Pfad durch den Dschungel der Ärzteportale
„Arztlotse“ im Internet soll Patienten helfen – AOK prüft Rezept-Schummelei in Apotheken
 „Das hat esbisher nochnicht gegeben“ 
Karin Stötzner, BerlinerPatientenbeauftragte
dpa
DÜSSELDORF.
Nach derHacker-Attacke auf das Po-lizeiortungssystem „Patras“haben die Ordnungshüteram Donnerstagabend zumGegenschlag ausgeholt:Rund 100 Polizisten durch-suchten in den Bundeslän-dern Nordrhein-Westfalen,Bayern, Rheinland-Pfalz,Niedersachsen und Sachsen Wohnungen. Den Beschul-digten wird vorgeworfen, derHacker-Gruppe „No-Name-Crew“ anzugehören und ge-zielt Sicherheitslücken in IT-Systemen aufgespürt zu ha- ben, um die Kontrolle überSysteme zu erlangen. Fest-nahmen habe es nicht gege- ben. Nach der Verhaftung ei-nes 23-Jährigen Mitte Juli seies gelungen, sieben weitere Verdächtige zu ermitteln. Sieseien zwischen 15 und 29 Jah-re alt, teilte das Landeskrimi-nalamt Nordrhein-Westfalenmit. Datenträger seien si-chergestellt worden. EinGroßteil der Verdächtigenhabe sich aussagebereit ge-zeigt. Sie hätten die Zugehö-rigkeit zur „No Name Crew“gestanden und Entschlüsse-lungsdaten herausgegeben.
Polizei-Razzia nachHacker-Angriff 
Die Zahl der indeutschen Kran-kenhäusern be-handelten Pati-enten hat im ver-gangenen Jahrerstmals die 18-Millionen-Markeüberschritten.Gegenüber demJahr 2009 seidies ein Anstieg von 1,2 Prozent,teilte das Statisti-sche Bundesamtgestern auf derGrundlage vor-läufiger Ergeb-nisse der Kran-kenhausstatistikmit.Nach Angabendes StatistischenBundesamtes verfügten die2065 Kranken-häuser inDeutschland2010 über etwa503 000 Betten. Annähernd jedeszweite davonstand in einemöffentlichenHaus. Der Anteilder Betten inKrankenhäusern von privaten Trä-gern nimmt aber weiter zu. Die Auslastung allerBetten lag mit77,4 Prozentleicht unter Vor- jahresniveau. ImSchnitt lagen diePatienten dem-nach 7,9 Tage inder Klinik, das istetwas wenigerals im Vorjahr.Um die Betreu-ung der Patien-ten kümmertensich den Anga- ben zufolge rund827 000 Vollkräf-te. 134 000 davonzählten zumärztlichenDienst, was einPlus von 2,1 Pro-zent gegenüber2009 bedeutet.Im nichtärztli-chen Dienst wa-ren mit 693 000Menschen 2,4Prozent mehr alsim Jahr zuvor be-schäftigt. Alleinim Pflegedienst waren demnachetwa 305 000Menschen tätig,das sind 1000mehr als 2009.Die Patienten-schutzorganisa-tion DeutscheHospiz Stiftungführt die Zunah-me der behan-delten Patientenauf die gestiege-ne Zahl der Be-handlungen proPatient zurück. „Zwischen Pfle-geheim, Kran-kenhaus und da-heim werden diePatienten bis zufünfmal hin undher geschoben“,hieß es.
Mehr als 18 Millionen Patienten
• 11,1 Millionen Hektar,ein Drittel der Landesflä-che, sind in Deutschland Wald. Darin wachsenrund sieben MilliardenBäume.• 44 Prozent der Waldflä-che gehören rund zweiMillionen privaten Besit-zern, 30 Prozent sind imBesitz der Bundesländer,20 Prozent stehen im Ei-gentum der Städte undKommunen.• Häufigste Baumartensind die Nadelbäume(Fichten 28 Prozent, Kie-fern 24 Prozent). Buchenmachen 15 Prozent aus,Eichen zehn Prozent.• Deutschland verfügt mit3,4 Milliarden Kubikme-tern über die höchstenHolzvorräte in Europa.• 1,3 Millionen Menschenarbeiten in Deutschlandin der Forst- und Holz- wirtschaft.
dapd 
Zahlen-Wald
 
20. August1946
– Das Gesetz über die Auflösung der Deutschen Wehrmacht wird vom Alli-ierten Kontrollrat unter-zeichnet.
1991
– Nachdem im Zu-sammenhang mit demPutschversuch in der Sow- jetunion auch in die estni-sche Republik sowjetischeTruppen einmarschiert waren, erklärt Estland sei-ne Unabhängigkeit.
21. August1911
– Aus dem Louvre inParis wird das Werk „MonaLisa“ von Leonardo da Vin-ci gestohlen.
1961
– Der kubanische Wirtschaftsminister Er-nesto „Che“ Guevara bittet Argentinien um diplomati-sche Hilfe im Konflikt mitden USA.
HISTORISCH
Das Moskauer Blatt Nova- ja Gazeta meint zumPutsch gegen Gorbat-schow vor 20 Jahren:
 „Russland hat sich seit dem August-Putsch gegen Gor- batschow gründlich verän-dert. Vor 20 Jahren schei-terte der Staatsstreich, weildas Volk an sich glaubte.Heute starrt dasselbe Volk,älter geworden, auf die im-mer gleichen tanzendenFeiglinge im Fernsehen.Die Illusionen sind zerflos-sen. Erfolgreich wird unseingeredet, dass Demokra-tie gefährlich sei für das Volk. Man vertraue ja ei-nem Affen auch keineHandgranate an. Immernoch halten wir die CIA oder Gorbatschow für den wahren Schuldigen. Immernoch sind wir stolz auf Sta-lin. Solange sich dies nichtändert, ist der Putsch von1991 noch kein Fall alleinfür Geschichtsbücher.
PRESSESCHAU
EINBLICKE
SAMSTAG,20. AUGUST 2011
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o sieht ein Sieger aus –gebräunt, gelassen, ein bisschen gönnerhaft . „GrüßGott“, sagt Grünen-Super-star Winfried Kretsch-mann. Es klingt fremd –der Schwabe in Berlin istunsicher, als er vor die Bun-despressekonferenz tritt.Nicht dass ihm „der Kittel brennt“, wie der Württem- berger sagt. Aber vorsichtigist er schon, weil „jedes Wort auf die Goldwaage ge-legt wird“. Blass sitzt Rena-te Künast, die Spitzenkan-didatin der Grünen bei derBerliner Wahl am 18. Sep-tember, daneben. „VonKretschmann lernen heißtsiegen lernen“, werden sichdie Grünen gedacht haben,als sie den Termin mit demStuttgarter Ministerpräsi-denten vereinbarten. InUmfragen ist Künast von30 auf 20 Prozent abge-stürzt. „Kratzbürste“ Kü-nast scheint selbst Ber-linern zu schnoddrig zusein. „Gute Umfragen beflü-geln, schlechte ignoriertman“, weiß Kretschmann. „Jetzt wollen wir hier nicht von Schlappen reden.“Man müsse aber schonselbstbewusst auftreten.Für Künast kein Problem. „Ich bin aus der Fischer-Schule“, schmettert sie. Vom Grünen-Guru JoschkaFischer hat sie gelernt: „Ge-kämpft wird bis zum letz-ten Tag.“ Kretschmannschwitzt. Ob ihm nun dochder Kittel brennt?
S
BERLINERGEFLÜSTER
Von Beate Tenfelde
Der Kittelbrennt
dpa
TEL AVIV.
Die brutalenTerroranschläge im SüdenIsraels haben den jüdischenStaat kalt erwischt. In diesemSommer drehte sich für Isra-el alles um so unnormal „nor-male“ Fragen wie zu hoheMieten, überteuerten Hüt-tenkäse oder die Kosten vonKindergärten. Höchstensnoch der Streit, ob der ge-plante Antrag der Palästinen-ser auf UN-Aufnahme Israelschaden könne, erhitzte dieGemüter.Doch alles verblasst ange-sichts der schwersten An-schläge seit drei Jahren mitacht Toten und 31 Verletztenam Donnerstag im Süden desLandes. Der ursprünglich von VerteidigungsministerEhud Barak geprägte Spruch von Israel als einer „Villa imDschungel“ unberechenba-rer und feindlicher Nachbarnmacht wieder die Runde.Die bis zu 18 Angreifer wa-ren vor zwei Tagen mit äu-ßerster Brutalität vorgegan-gen. Kurz vor dem BadeortEilat am Roten Meer warenIsraelis in Bussen und Autosunterwegs in den Urlauboder auf dem Heimweg. Fürsechs von ihnen nahm dieFahrt ein tödliches Ende: die von Ägypten aus eingesicker-ten islamischen Extremistendurchsiebten Busse mit Ma-schinenpistolen, schossenPrivatautos mit Panzerab- wehrraketen in Brand undließen auch einen Militärjeepmithilfe einer Sprengfalle indie Luft gehen. Wohl diemeisten der Angreifer entka-men dann unerkannt wiederüber die Grenze nach Ägyp-ten. „Es ist klar, dass Ägyptendie Kontrolle über den Sinai verloren hat“, sagte der Si-cherheitsexperte vom Insti-tut für Terrorismusbekämp-fung von der Universität inHerzlia, Eli Karmon. DieserProzess habe schon vor demSturz von Husni Mubarak be-gonnen, aber jetzt sei die La-ge dort gänzlich außer Kont-rolle geraten. „Die Attentätersind nicht an einer Zweistaa-tenlösung für den israelisch-palästinensischen Konfliktinteressiert, sie wollen garkeinen jüdischen Staat“, sagtKarmon. Die im Gazastreifenherrschende Hamas hinge-gen sei vorsichtiger, weil sieinternational anerkannt wer-den wolle.Die Israelis bemühen sichunterdessen, so weit wiemöglich ein normales Lebenzu führen. In den Straßenca-fés von Jaffa schlürfen dieGäste Eiscafé, während amHimmel zwei Kampfhub-schrauber Richtung Süden brummen. Dort, nur 60 Kilo-meter entfernt, liegt der Ga-zastreifen, wo die Menschengerade wieder israelischeLuftangriffe ertragen müs-sen, während die Israelis inden näher am Gazastreifengelegenen Städten wie Asch-dod, Beerscheva oder Asch-kolon vor Raketen von Extre-misten in Deckung gehen. Acht Tote im Gazastreifensind laut palästinensischen Angaben bisher zu beklagen,darunter ein drei- und ein13-jähriges Kind. Weitere 21Menschen seien durch dieBomben verletzt worden.Medienberichten zufolge wurden bei Raketenangrif-fen aus Gaza zehn Israelis inder Hafenstadt Aschdod ver- wundet. Die Spirale der Ge- walt dreht sich unaufhörlich weiter.Und die israelischen Orga-nisatoren der Sozialprotestehaben alle für das Wochenen-de geplanten Kundgebungenabgesagt. Stattdessen soll eseine Mahnwache mit Kerzengeben. Für die Terroropferund für soziale Gerechtigkeit.
 Von Anschlägen kalt erwischt
Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern eskaliert – Tote auf beiden Seiten
Von Jan-Uwe Ronneburger 
Projekt Zukunft Bilden
Lesetipp für Azubisie Hoffnung ist einmalmehr dahin. Noch imApril stellten die VereintenNationen den Palästinen-sern in Aussicht, im Sep-tember einen unabhängi-gen Staat ausrufen zu kön-nen. Im Mai folgte dann dieunverblümte Forderungvon US-Präsident Obama,Israel habe sich auf dieGrenzen von vor 1967 zu-rückzuziehen. Das klangnach Bewegung im festge-fahrenen Nahostkonflikt.Jetzt, wenige Monatespäter, lassen Israelis undPalästinenser wieder dieWaffen sprechen. ZurSchlichtung der aktuellenSpannung trägt nicht bei,dass Israels Premier Ne-tanjahu in die üblichenDrohungen verfällt, jeder,der Israel angreife, müssedafür einen hohen Preisbezahlen. Und auch die Ha-mas, die zwar die Anschlä-
D
ge begrüßt, aber nicht da-für verantwortlich sein will,kann sich ihr Triumphge-heul sparen. Das Verhaltenbeider Seiten zeigt, wassich wirklich im Konfliktgetan hat: gar nichts.Kritik hierfür gilt glei-chermaßen der Weltge-meinschaft. USA, Europaund UN scheinen die isra-elisch-palästinensischenProbleme in den letztenMonaten verdrängt zu ha-ben. Zu viel Aufmerksam-keit beanspruchen andereRegionen wie Nord- undOstafrika oder die Unruhenin Syrien. Das muss sichändern: Der Nahostkonfliktdarf über andere Krisen-herde nicht vergessen wer-den. Sollten die Palästinen-ser in Kürze mit ihren Un-abhängigkeitsplänen vorden UN durchkommen,dürfte sich der Konfliktohnehin verschärfen.
Verschärfung in Sicht
Von Franziska Holthaus
KOMMENTAR
f.holthaus@noz.de
dpa
MADRID.
Wo könnenMenschen in einer zerbrech-lichen und unruhigen Gesell-schaft überhaupt noch Be-zugspunkte finden? Auf diese brennende Frage von heutegeben junge Katholiken inMadrid eine knappe Wochelang millionenfach eine fröh-liche Antwort: im Glauben.Sie feiern zu Hunderttausen-den ihren Papst BenediktXVI., der mit Botschaftenzum Weltjugendtag in diespanische Hauptstadt gereistist: „Hungernd nach Gerech-tigkeit, barmherzig, reinenHerzens, friedliebend“, sosollen sie sein – Gläubige ineiner Welt der Gewalt unddes Konsumdenkens.Die Welle der jungen Leuteaus aller Welt, die feiern, sin-gen und ihrem „Benedetto“zujubeln, sie steht im starkenKontrast zu den anderenFernsehbildern in diesem August: brennende Häuserin Londoner Stadtteilen,nächtliche Plünderungen, vermummte junge Gestalten. „Der Glaube verbindet undhebt Grenzen auf.“ Das meintMatthias (24) aus Lastrup beiCloppenburg am Rande desriesigen Glaubensfestes zuden Krawallen, der Gewaltund der Zwietracht in Groß- britannien: „Hier in Madridsind viele Jugendliche ausLändern, denen es vielschlechter geht.“Die jungen Katholiken auf dem zentralen Cibeles-Platzfühlen sich gut. Und ihr Papstmuss dabei sein – er lädt zudem größten Treffen der ka-tholischen Kirche alle zwei bis drei Jahre ein. „Ich per-sönlich bin nicht so sehr fürden Papst-Kult“, erklärt die16-jährige Deutsche Mariakritisch, wobei die gleichalt-rige Anna-Lena kontert: „DerPapst ist schon was Besonde-res, dazu kommt die Stim-mung hier, und die Leute aus verschiedenen Kulturen.“ Si-cher, junge Katholiken kön-nen den konservativen Papstdurchaus kritisch sehen. IhrMassenfest leben sie jedochmit Stolz. Sie wollen der Weltzeigen, dass ihre Kirche lebt.Stolz, Hoffnung und Fes-tigkeit, das ist auch die Bot-schaft, die der umjubelte Jo-seph Ratzinger in dieses der-zeitige Epizentrum des ka-tholischen Glaubens trägt.Nichts deutet an, dass Bene-dikt auch nur ein Jota vomstrikten Plädoyer für das Le- ben und die traditionelle Fa-milie abrücken könnte. EinPlädoyer, das gegen Gesetzeund Politik der sozialisti-schen Regierung in Madridsteht. Ruhig erklärt er vor jungen Universitätsprofesso-ren die Hochschule zum idea-len Ort, um jenseits von Ideo-logien „die Wahrheit überden Menschen zu suchen“.Geistliche ruft der Papst zueiner radikalen Antwort auf eine „Art Gottesfinsternis“auf. „Angesichts des Relati- vismus und der Mittelmäßig-keit erhebt sich die Notwen-digkeit dieser Radikalität“,sagt Benedikt gestern vor jungen Ordensfrauen imKloster von El Escorial.
Papst: Radikale Antwortauf die Gottesfinsternis
Von Hans-Jochen Kaffsack
dpa
SUNDVOLLEN.
Nebendem Haupthaus auf der idyl-lisch gelegenen FerieninselUtøya weht noch immer dierote Flagge der Jungsozialis-ten-Jugend. Nicht auf halb-mast, denn nach demschrecklichen Massaker, beidem der Rechtsextremist An-ders Behring Breivik vorrund vier Wochen 69 Jugend-liche und Betreuer erschoss,sollte auf der Insel nichts ver-ändert werden. Jetzt kanndie Flagge auch einen Neuan-fang signalisieren: Die Fami-lien der Opfer und die überle- benden Jugendlichen kehrenzurück auf die „Höllen-In-sel“. Boot für Boot setzen andiesem verregneten Tag zu-erst die Angehörigen über. 50der 69 Familien wollen se-hen, wo ihre Lieben starben.In einem langsamen Zug,fast alle in weißen Regenja-cken, gehen sie über die Klip-pen. „Die Familien sollten alsErste herkommen – bevor ir-gendjemand außer der Poli-zei Utøya betreten hatte“,sagt Per Brekke vom Direkto-rat für Gesellschaftssicher-heit. Sie sollten Antwortenauf ihre ungestellten Fragenfinden, aber auch „verstehen, warum die Jugendlichen dieInsel so geliebt haben“. Die Angehörigen werden von derPolizei streng abgeschirmt. „Wir wollen ihnen ein Gefühlder Sicherheit geben, damitsie sich ganz auf ihre Trauerkonzentrieren können“, sagtBrekke.Die Polizei hat aufgeräumtauf Utøya, Patronenhülsen beseitigt, und auch Blut. Die69 Stellen, an denen die Lei-chen der Jugendlichen undBetreuer gefunden wurden,sind markiert. Jede Familiesoll erfahren, wo genau ihreTochter, ihr Sohn ums Lebenkam. Mitarbeiter des RotenKreuzes führen die Hinter- bliebenen über die Insel, mitdabei sind Ärzte, Psycholo-gen, christliche Priester undImame. „Konfrontieren mit dertraurigen brutalen Wirklich-keit“, nennt der Katastro-phenpsychologe Lars Wai-seth diese Trauerbewälti-gung. „Die Angehörigen hat-ten keine Chance, sich zu ver-abschieden und die letzte Eh-re zu erweisen. So finden siekeine Ruhe.“ Egal wie traurigund unfassbar die Begeg-nung auf der Insel sei, „einkonkretes Bild zu haben ist besser als quälende Unge- wissheit“. Viele Familien kä-men aus Pflichtgefühl. Laut Waiseth helfen ihnen vor al-lem die Nähe zu den Totenund die Gemeinschaft mitanderen Hinterbliebenen.Für einige Familien abersei die Fahrt zur Insel noch zufrüh. Auch ein Teil der über-lebenden Jugendlichen habeabgelehnt. „Trauer kommtimmer in Wellen“, erklärt Waiseth – „und für jeden an-ders“. Dass 50 der 69 Fami-lien zugesagt hätten, zeigeaber auch, dass die Begeg-nung nötig gewesen sei. Ge-nau wie ein Treffen am Sams-tag mit einigen der Jugendli-chen, die das Massaker auf der Insel überlebt haben. Vie-le der Jugendlichen seien vonSchuldgefühlen geplagt, sagtder Psychologe. „Sie fühlen,sie haben nicht genug gehol-fen – oder schämen sich, weilsie sich hinter jemand Größe-rem versteckt haben.“ Viele der Hinterbliebenentreffen sich nach der Fahrtauf die Insel in einem Hotelin der Nähe des Tyrifjord-Sees – dort, wo sie vor vier Wochen verzweifelt versuch-ten, ihre Angehörigen anzu-rufen und dann die Nach-richt von deren Tod beka-men. Dass sie hier und auf dem Weg zur Insel so starkabgeschirmt werden, hatauch mit den Erfahrungennach dem Attentat zu tun, alssich Dutzende Journalistenauf die Überlebenden ge-stürzt hatten. „Da werdennoch viele Fragen kommen“,sagt Brekke. Für Kritik anden Medien und am Einsatzder Polizei auf Utøya sei jetztaber nicht die Zeit. „Jetztgeht es um die Menschen undihre Trauer.“Unterdessen entschied ges-tern ein Gericht in Oslo, dassder Attentäter vier weitere Wochen in Einzelhaft bleibt.Breivik könne Beweise fäl-schen, und die Polizei könne bis jetzt nicht ausschließen,dass er Mittäter hatte, urteilteder Vorsitzende Richter. Brei- vik erklärte, die Einzelhaft sei „langweilig und monoton und wie eine Methode der sadisti-schen Tortur“.Der 22. Juli ist für vieleNorweger schon jetzt genau-so zum Stichtag geworden wie 9/11 – die Terroranschlä-ge vom 9. September 2001 –für die Amerikaner. Vor derOsloer Domkirche habenzwei Amerikaner einen Blu-menstrauß niedergelegt. „Wir verstehen EurenSchmerz“, steht darauf.
Norwegen: Angehörige der 69 Attentatsopfer besuchten Utøya – Breivig bleibt vorerst in Einzelhaft
Stille Trauer auf der Todesinsel
Von Theresa Münch
Mit einem eigens angefertigten Ponton
setzten Dutzende Angehörige der Attentatsopfer gestern auf die Fjordinsel Utøya in Norwegen über, um an den Tatorten zu trauern.
Foto: dpa
Trauer auf Utøya:
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