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Der Feindaufklärer

Der Feindaufklärer

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Der Feindaufklärer
Von Thorsten Hinz
Armin Mohler, Gemälde von Hugo Weber 1940: Mit Kunst und Kultur, Nation und Geschichte gegendie durchrationalisierte Welt (Foto aus dem besprochenen Buch)Wen Armin Mohler überhaupt nicht mochte: die Liberalen und Lauen sowie die Schrebergärtner imtoten Unterholz – die harmlosen Rechten! Die sich an Begriffe und Tabus klammerten, welche der Gegner definierte. Viel raffinierter und gefährlicher als die Kommunisten schätzte er die Liberalenein, die – um ein Bonmot seines Freundes Robert Hepp zu variieren – 100 gläserne Türen als Tore zur Freiheit anpreisen und verschleiern, daß 99 davon verschlossen sind. Ihr totaler Sieg hat dieHeuchelei zum ubiquitären Prinzip erhoben. Menschen werden nach ihren Lippenbekenntnissen beurteilt und nicht danach, was sie tun und wofür sie einzustehen bereit sind.Mohler war – bereits sein kantiger Charakterkopf deutete darauf hin – ein „agonaler“, einkämpferischer Typ. Mit der Sensibilität des Regenpfeifers, der Witterungsumschwünge ankündigt,erspürte er die Tiefenströmungen in Politik und Gesellschaft. Er war sensibel, aber nicht sentimental.Mohler dachte und schrieb politischen Klartext, sein Wort war bewaffnet und scharf. Er war schonein moderner Konservativer oder „Neuer Rechter“, bevor die Begriffe auftauchten. 1995 nannte er sich „einen Faschisten im Sinne von José Antonio Primo de Rivera“. Er bezog sich – was nur wenigewußten – auf den jungen Falange-Gründer, einen klugen, kultivierten Mann, der 1936 von der spanischen Linken getötet und von Franco nachträglich vereinnahmt wurde.Eine Biographie dieses 2003 verstorbenen Doyens des deutschen Nachkriegskonservatismus war überfällig und Karlheinz Weißmann zur Autorenschaft berufen: als Kenner der Persönlichkeit und desWerkes, das er mit der Aktualisierung von Mohlers Standardwerk zur Konservativen Revolution imWortsinne fortgeschrieben hat.
Schicksallose Völker“ bringen Pharisäer hervor
 Mohlers früher Eigensinn entfaltete sich vor dem Hintergrund der Schweizer Grenzstadt Basel, wo er 1920 geboren wurde. Zum prägenden Lektüreerlebnis wurde ihm das 1938 erschienene Buch „DasReich und die Krankheit der europäischen Kultur“ des Kulturwissenschaftlers Christoph Steding. Für Steding hatte Deutschland bis 1933 in der Gefahr gestanden, der politischen und geistigen Neutralisierung – der „Verschweizerung des deutschen Denkens“ – zu verfallen, was den Verlust der äußeren und inneren Souveräntität und die Beschränkung auf ein eklektisches Vermittlertum bedeutethätte.Derart „schicksallose Völker“ neigten dazu, „geborene Pharisäer“ hervorzubringen. Stedingsgedankliche Nähe zu Carl Schmitt ist evident, und Schmitt ließ es sich nicht nehmen, das postumerschienene Buch des frühverstorbenen Autors persönlich zu rezensieren. Hier deuteten sich einigeder Bezüge an, die für Mohler zeitlebens wichtig werden sollten.Deutschland wurde dem jungen Mohler zur „großen Versuchung“, so daß er im Februar 1942 illegaldie Grenze überschritt, um „den Deutschen den Krieg gewinnen zu helfen“. Das Deutschland-Intermezzo dauerte allerdings nur ein knappes Jahr. Einige Monate verbrachte er als Student in Berlinund beschäftigte sich mit den Autoren der „Konservativen Revolution“, über die er später bei KarlJaspers seine berühmte Dissertation verfaßte.
Keine Wiederherstellung einer im 19. Jahrhundert wurzelnden Welt
 Er rebellierte gegen den Fortschritts- und Verstandesglauben, der die durchrationalisierte Welt für erstrebenswert und ihre Elemente für beliebig isolier- und kombinierbar hält. Dagegen wollte er dieElementarkräfte der Kunst und Kultur, der Nation, der Geschichte setzen. Diese Gegenbewegung – und das unterschied ihn von den „alten Rechten“ – zielte nicht auf die Wiederherstellung einer im 19.Jahrhundert wurzelnden Welt ab, sondern sie rechnete ausdrücklich mit den neuen Realitäten.Im „Nominalismus“-Kapitel legt Weißmann die nicht immer schlüssigen Versuche Mohlers dar, seine

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