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Kollaps Europa Die Verlorene Arbeitslose Jugend

Kollaps Europa Die Verlorene Arbeitslose Jugend

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08/29/2011

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Kollaps Europa: Die verlorene, arbeitsloseJugend – Demografische Krise und sinkenderWohlstand, Interview mit Prof. Dr. Adrian,Teil II
Eva Herman
Europa steht finanziell, wirtschaftlich und sozialpolitisch am Abgrund. DieJugendarbeitslosigkeit beträgt in manchen Ländern bis zu fünfzig Prozent. Über die Gründe,über jahrelange falsche Konzepte lesen Sie hier den zweiten Teil des Interviews mit demDemografie- und Volkswirtschaftsexperten Prof. Dr. Adrian von der Universität Mainz. Hiererläutert der Physiker unter anderem, was die niedrige Geburtenrate Deutschlands, Japans,Italiens und Spaniens mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun haben. Adrian zeigt an, welcheBevölkerungsgruppe derzeit zulasten heutiger Familien lebt. Und er rechnet vor, was ein Kindheute kostet und was es der Gesellschaft an Nutzen und Gewinn bringt. Der Wissenschaftlerräumt mit dem Ammenmärchen auf, Kinder machten arm. Das Gegenteil ist richtig, wie derForscher beweist.
 
 Eva Herman
: Nach dem zweiten Weltkrieg wurden in fast allen hochentwickelten Ländern vieleKinder geboren. In Deutschland betrug die Geburtenrate zwischen 1952 und 1969 über 2,1 Kinder  je Frau. Das ist die nötige Anzahl, um die Gesellschaft zu stabilisieren. Doch zwischen 1965 bis1973 sank die Geburtenrate um 44 Prozent auf 1,4 Kinder je Frau und pendelt seitdem um dieseGröße. Was geschah zwischen 1965 und 1973, was hat die gewohnte Lebensweise derartigveränderte?
 
 Prof. Hermann Adrian
:
Die seit den frühen 1970er-Jahrenniedrige Geburtenrate hat verschiedene Gründe. So ist auffallend,dass unter den hoch entwickelten Ländern niedrige Fertilitätenvor allem in Deutschland, Japan, Italien und Spanien beobachtetwerden. Dies sind die ehemals faschistischen Länder undVerlierer des 2. Weltkriegs. In diesen Ländern ist Patriotismus auf einen Party-Patriotismus anlässlich von Sportgroßereignissenreduziert. Die Gewinner des 2. Weltkriegs, die USA,Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion (solange sieexistierte) verfügen weiterhin über einen ungebrochenenPatriotismus und eine Fertilität auf Reproduktionsniveau. Für dasfranzösische Volk ist es eine Selbstverständlichkeit, dass eineWelt ohne ein starkes Frankreich, ohne die Grande Nation alsTrägerin der Kultur, undenkbar ist. Deshalb gibt es in Frankreicheinen gesellschaftlichen Konsens, alles zu tun, um die Fertilitätnahe dem Reproduktionsniveau zu halten. Zum Ansehen einer inder Öffentlichkeit stehenden Person trägt in Frankreich eine Familie mit mindestens zwei, besser drei oder vier Kindern wesentlich bei.In Deutschland dagegen gelten Menschen mit mehreren Kindern fast schon als einfältig, so alshätten sie offenbar nichts besseres mit ihrem Leben anzufangen gewusst, als es im Wesentlichen für das Aufziehen von Kindern zu verwenden. Wer ein abwechslungsreiches, luxuriöses Leben führenwill, bindet sich doch nicht an Kinder und verschwendet sein Einkommen und seine Zeit an sie. Nein, der/die macht Karriere und verlässt sich fürs eigene Alter darauf, dass andere schon Kinder aufziehen werden. Überproportional viele führende Persönlichkeiten in Deutschland sind kinderlosoder haben nur ein Kind. Im Bundeskabinett sind sieben von 16 Mitgliedern kinderlos, darunter dieKanzlerin. Von den 16 Richterinnen und Richtern am Bundesverfassungsgericht sind sechskinderlos, von den acht vor Oktober 2007 berufenen ist nur einer kinderlos, von den acht abOktober 2007 berufenen sind fünf kinderlos, darunter sowohl Präsident als auch Vizepräsident. Vonden 622 Abgeordneten im deutschen Bundestag sind 221 kinderlos und weitere 92 haben nur einKind; d. h., 313 oder 50,3 Prozent aller Abgeordneten haben kein oder nur ein Kind. Darüber hinausgibt es natürlich auch noch ökonomische Gründe, sich gegen Kinder zu entscheiden. 
 Eva Herman
: Seit 40 Jahren werden also nur zwei Drittel der Kinder geboren, die für eineBestandserhaltung der Bevölkerung in Deutschland benötigt würden. Dieses fehlende Drittel hatwiederum keine Nachkommen, wodurch immer weniger Kinder geboren werden. Was bedeutet dasmittel- und langfristig für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands?
 Prof. Hermann Adrian
:
Tatsächlich hat Deutschland wegen seines nun schon seit 40 Jahrenanhaltenden Geburtendefizits mit 8,2 Geburten pro 1000 Einwohner die niedrigste »allgemeineGeburtenziffer« aller 208 Länder der Erde. Das bedeutet natürlich, dass Deutschland seinegegenwärtige Stellung als größte Volkswirtschaft Europas nicht halten kann und auch im Wohlstandgegenüber Ländern mit bestandserhaltender Fertilität weiter zurückfallen wird. In Frankreich (63Millionen Einwohner) werden seit 1999, in Großbritannien (62 Millionen Einwohner) seit 2004mehr Kinder geboren als in Deutschland bei 82 Millionen Einwohnern. Von 1999 bis 2010 wurdenin Frankreich 1,3 Millionen Kinder mehr geboren als in Deutschland, seit 2004 in Großbritannien0,6 Millionen mehr als in Deutschland. Da die Geburtenzahlen in Frankreich und Großbritannienannähernd konstant bleiben, in Deutschland aufgrund der Fertilität von 1,4 Kindern je Frau aber imMittel um 1,2 Prozent pro Jahr weiter sinken werden, geht die Schere immer weiter auseinander. ImJahr 2009 wurden in Frankreich bereits 180.000 und in Großbritannien 140.000 Kinder mehr geboren als in Deutschland.
 
 Spätestens in 20 Jahren wird Frankreich Deutschland als größte Wirtschaftsmacht Europasüberholen, in 30 Jahren Großbritannien als zweitgrößte. Außerdem werden die ErwerbsgenerationenFrankreichs und Großbritanniens im Durchschnitt etwa fünf Jahre jünger sein und durch deutlichweniger Alte belastet werden als in Deutschland. Demzufolge werden diese Länder deutlich mehr Wohlstand (= BIP pro Kopf) erwirtschaften als Deutschland. Dazu trägt insbesondere bei, dassaufgrund der geringeren Belastung durch Alte, mehr Kapital für Investitionen und damit für Produktivitätssteigerungen aufgewendet werden kann. Frankreich und Großbritannien habengesamtstaatliche Netto-Investitionsquoten von jeweils acht Prozent BIP, Deutschland nur von vier Prozent BIP. Bereits heute ist das BIP pro Kopf in Frankreich (1,948 Billionen Euro/63 Millionen =30.921 Euro pro Kopf) größer als in Deutschland (2,499 Billionen Euro/81,5 Millionen = 30.663Euro/Kopf), obwohl in Frankreich die relative Zahl der Kinder um ein Drittel höher ist. (Quelle:EUROSTAT PM 60/2011). 
 Eva Herman
: Woran liegt es, dass Deutschland in Sachen Geburtenrate das Schlusslicht in Europadarstellt? Gibt es dafür auch ökonomische Gründe?
 Prof. Hermann Adrian
:
Tatsächlich gibt es aufgrund der deutschen Steuer- und Sozialgesetzemassive ökonomische Gründe, sich gegen das Aufziehen von Kindern zu entscheiden. Das kannman schon alleine daran erkennen, dass man als Kinderloser eine bessere Altersversorgung vonnachwachsenden fremden Kindern erhält als die Eltern dieser Kinder. Das liegt daran, dass dieAltersversorgung fast ausschließlich an die Beitragszahlungen gekoppelt ist und ein Elternpaar inder Regel auf weniger Beitragsjahre kommt als ein kinderloses Paar. Dies ist absurd, da es ja ohneKinder überhaupt keine Altersversorgung gäbe. Die Absurdität entsteht dadurch, dass dieumlagefinanzierten Sozialsysteme, die ausschließlich durch die Wirtschaftskraft der nachwachsenden Kinder gedeckt sind, so behandelt werden, als wären sie durch die gezahltenBeiträge kapitalgedeckt, obwohl dieses Kapital zwischenzeitlich längst von den Eltern der Beitragszahler verkonsumiert wurde. Die Rentenbeiträge stellen die Rückzahlung der Schulden der erwachsenen Kinder an ihre Eltern dar, weil diese für sie die Kosten ihrer Kindheit und Jugendgetragen haben. Es ist ja unmittelbar einsichtig, dass jeder wirtschaftlich leistungsfähige Mensch ineiner Lebensbilanz die Kosten seines gesamten Lebens, von der Geburt bis zum Tod, selbst tragenmuss. Wer seine Kosten nicht selbst trägt, lebt auf Kosten von anderen. Die gezahlten Beiträgekönnen deshalb keine Ansprüche an die nachfolgende Generation begründen, sondern nur dasAufziehen eigener Kinder.Berechnet man die von den Steuer- und Sozialgesetzen erzeugten sogenannten externenökonomischen Effekte der Kindererziehung, so ergibt sich, dass durch die heute gültigen Gesetzeeiner Familie mit zwei Kindern im Laufe des Lebens 200.000 Euro geraubt werden, während einkinderloses Paar 400.000 Euro geschenkt bekommt. Kinderlosigkeit wird also durch den Staat mit600.000 Euro pro Paar bzw. 300.000 Euro pro Person belohnt. Dies ist eine unabweisbare Tatsache.In Anbetracht dieses riesigen »moral hazards« ist es geradezu erstaunlich, dass sich noch so viele junge Menschen für Kinder entscheiden. Unsere Steuer- und Sozialgesetze haben also eine massivantinatalistische Wirkung und unterdrücken damit den natürlichen Wunsch nach Kindern. In demAufsatz »Das ethische Programm der Marktwirtschaft« des Münchner Wirtschaftsethikers KarlHomann habe ich den Satz gefunden: »Keine Ethik darf davon ausgehen, dass sich die Menschenauf Dauer gegen ihren ökonomischen Vorteil entscheiden.« Das bedeutet: Wenn der Staat durchseine Gesetze Kinderlosigkeit ökonomisch mit 300.000 Euro pro Person belohnt, dann bekommeneben viele Menschen keine Kinder. 
 Eva Herman
: Es ist immer wieder zu hören, je weniger Kinder geboren würden, desto weniger Arbeitslose hätte das Land. Wie schätzen Sie das ein?

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