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Meister Eckhart - Reines Nichts

Meister Eckhart - Reines Nichts

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Published by Werner Krebber
Versuch einer Annäherung
Versuch einer Annäherung

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12/20/2013

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Ein reines Nichts
Versuch einer Annäherung an Meister Eckhart 
von Werner Krebber
„Meister Eckhart (1260–1328). Mönch und Prior im Predigerkloster,bedeutender Vertreter der deutschen Mystik“. Kurz und schnörkellos ist derHinweis auf ihn. Er liest ihn in einer Broschüre der ErfurterTouristeninformation. Viele hundert Jahre später. Was fanden die Menschendenn eigentlich so beeindruckend an ihm, dem Lesemeister, dem Magister?Was haben sie in seinen Schriften und Predigten gefunden, wenn es ihm selbstum den Seelengrund, den Seelenfunken ging? Dabei hatte er es den Menschenimmer wieder gesagt:
„Wer weiter nichts als die Kreaturen erkennte, der brauchte an keine Predigt zu denken, denn jegliche Kreatur ist Gottes voll und ist ein Buch.“ 
Eckhart begibt sich auf Spurensuche nach seiner Wirkung.
Ruhigen Schrittes bewegt sich Eckhart vom Altar aus auf die Tür der ErfurterPredigerkirche zu. Die Tür steht offen. Er tritt heraus und dreht sich nach rechts in diePredigerstraße. „Das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nichterreicht.” Nach einer Predigt von ihm ist die Tür gestaltet, die zu seiner Erinnerung inBronze gegossen wurde. Als man vor ein paar Jahren mal wieder an ihn gedachthatte. Nicht Stolz sondern eher Sorge ist es, die ihn bewegt, wenn er an solchesErinnern denkt. Und es steigen Bilder von Verzweiflung und Hoffnung in ihm auf.Er „wollte mehr wissen, als nötig war“. So hatte es Papst Johannes XXII. ihm 1329 indie Verdammung von 28 Sätzen geschrieben, die ihn auch nach seinem Todmundtot machen sollte. Denn erlebt hat er diese Verurteilung nicht mehr, war er dochbereits ein Jahr zuvor verstorben – wahrscheinlich auf dem Weg zum Papst nachAvignon, um sich zu rechtfertigen und seine Lehren zu verteidigen. Und hätten nichtein paar Mutige seine Lehren übernommen, ohne ihn zu nennen – wäre er dannüberhaupt im Gedächtnis geblieben? Doch was war falsch daran, wenn er zumBeispiel sagte:
„Jede Unterschiedenheit ist Gott fremd, sowohl in der Natur wie in den Personen...“ 
 Schon zu Lebzeiten hatte es allerdings auch diesen Spottvers über ihn gegeben:„Der weise Mystiker Eckhart, will uns vom Nichtse sagen. Doch wer ihn nichtversteht, der mag es Gotte klagen.“Dabei hatte er doch einiges hinter sich. 1260 geboren, kam er jung zu den ErfurterDominikanern, den Mönchen des Predigerordens. Nach Studien in Paris und Kölnhaben sie ihn dann in Erfurt zum Prior ernannt, wieder und wieder predigt er in Köln,in Straßburg und Paris vor Dominikanerinnen und den Beginen. Er predigte in derSprache des Volkes, fern vom Kirchenlatein der Universität. Und er predigte um derWahrheit willen. Das Schicksal von Marguerite Porete, jener Begine, die mit ihrem„Spiegel der einfachen Seelen“ den kirchlichen Zorn auf sich zog, verurteilt undschließlich als Ketzerin verbrannt wurde, blieb ihm allerdings erspart. Dabei hatte siesich doch auch auf ihn bezogen. Und viel gelernt hatte er von Albertus Magnus,
 
seinem großen Lehrer. Und es entfernte ihn von Thomas von Aquin. Doch letztlichhelfen konnte es ihm letztlich nicht.Denn waren es nicht ausgerechnet zwei Mitbrüder von ihm gewesen, die ihn beimKölner Erzbischof denunziert hatten? War es erst eine Liste mit 49 Sätzen, erreichteihn kurze Zeit später eine noch umfangreichere Liste mit 59 Sätzen aus seinenPredigten und Schriften, die beanstandet wurden.Na, er hatte ja immerhin widerrufen – und damit seinen Kopf erst mal aus derSchlinge gezogen. Doch es tat ihm weh, zu sagen
: "Ich, Meister Eckhart, Doktor der heiligen Theologie, erkläre, Gott zum Zeugen anrufend, vor allem, dass ich jeglichen Irrtum im Glauben und jede Abirrung im Lebenswandel immer, so viel es mir möglich war, verabscheut habe, da Irrtümer dieser Art meinem akademischen Status und Mönchsstand widerstritten hätten und noch widerstreiten. Aus diesem Grunde widerrufe ich, sofern sich in dieser Hinsicht etwas Irrtümliches finden sollte, was ich geschrieben, gesprochen oder gepredigt hätte, privat oder öffentlich, wo und wann auch immer, unmittelbar oder mittelbar, sei es aus schlechter Einsicht oder verkehrten Sinnes: das widerrufe ich hier öffentlich und vor Euch allen und jeglichem,die gegenwärtig hier versammelt sind, weil ich dieses von nun an als nicht gesagt oder geschrieben betrachtet haben will, besonders aber auch, weil ich vernehme,dass man mich übel verstanden hat: so, als hätte ich gepredigt, mein kleiner Finger habe alles geschaffen.
“ Es schmerzte ihn, so reden zu müssen. Und eigentlich dochzu wissen, dass er so falsch nicht lag mit seinem Denken. Meister Eckhart weint. Esist der Schmerz, der aus der Wahrheit geboren ist, durchlitten in einem Umfeld, dasdurch und durch andere Werte für sich anerkennt:
„Ich weise darauf hin, meine Reden und Werke sind allein guten und vollkommenen Menschen gewidmet. Die sollen erfahren, dass das Allerbeste und Alleredelste, wozu man in diesem Leben kommen kann, das ist, dass du schweigest und Gott allda wirken und sprechen lässest. Wo alle Kräfte von allen ihren Werken und Bildern abgezogen sind, da wird dies Wort gesprochen.“ 
Hatte er das nicht immer wieder gesagt?Doch die Verurteilung war eingeschlagen wie eine Bombe, hatte tiefe Narbenhinterlassen in der Theologie des Predigerordens. Für lange Zeit.Bevor er die Predigerkirche verlassen hatte, kam er an einer Stelle vorbei, die durchAbsperrband getrennt war. Die Kirche bröckelte. Welch ein Symbol. Es bröckelt invielen Kirchen, Tempeln, Moscheen, Synagogen – bis heute. Das Dogma hat dieHerrschaft über den Geist übernommen. Aus der Perspektive des Dogmas kann mannichts anfangen mit Sätzen wie:
„Wenn ich in den Grund, in den Boden, in den Strom und in die Quelle der Gottheit komme, so fragt mich niemand, woher ich komme oder wo ich gewesen sei. Dort hat mich niemand vermisst, so entwird Gott.“ 
 Gedacht hätte ich es nicht, dass hunderte Jahre später Erich Fromm in „Haben oderSein“ auf mich kommt oder dass Daisetz Taitoro Suziki in „Der westliche und derÖstliche Weg“ gar Brücken zum Zen-Buddhismus schlägt. Und dass ausgerechnetein deutscher Anarchist wie Gustav Landauer zusammen mit dem jüdischenPhilosophen Martin Buber an seine Mystischen Schriften geht. Im Rückblick nahezuunglaublich. So wie Landauer sagt: ein kühner Erschütterer der Hirne wie der

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