2 Friedemann Horn
von Gott; und ein jeglicher Geist, der Jesus nicht bekennt, der ist nicht von Gott. Und das ist derGeist des Antichrist« (4,2f.).Die Kirche hat später als Maßstab zur Prüfung der Echtheit oder Unechtheit dessen, was sichals Offenbarung ausgab, ihre eigene Dogmatik genommen, von der sie freilich behauptete, sieberuhe auf der Heiligen Schrift.Muß man wohl im ersten Falle sagen, das Kriterium sei doch wohl zu vage und zu weit, so imzweiten, es sei allzu eng. Es lassen sich sehr viele Offenbarungen denken, die dem Maßstab des Johannes genügen und doch höchst zweifelhaft bleiben, andererseits scheint erwiesen, daßOffenbarungen, die im Widerspruch zur (einen oder anderen) kirchlichen Lehre stehen, denStempel der Echtheit tragen.Es muß also wohl noch ein anderes Kriterium geben. Wir glauben, es sei folgendes: Die Über-einstimmung, oder doch wenigstens Vereinbarkeit mit der bekannten, von allen Gläubigen als —mindestens im Kern — echt anerkannten oft insbesondere mit der Offenbarung in und durch Jesus Christus, wie sie uns in den Evangelien und in der Offenbarung des Johannes, in denApostelbriefen hingegen nur sehr bedingt, vorliegt. Es ist schlechterdings undenkbar, daß Gottsich selbst widerspricht, daß er heute dies und morgen etwas ganz anderes offenbart. Denkbar, ja sogar im höchsten Maße wahrscheinlich ist hingegen, daß er heute dies und morgen jenes,daß er heute ein wenig und morgen ein wenig mehr offenbart — der wachsenden Reife seinerMenschenkinder entsprechend. Denkbar ist auch, daß ältere Offenbarungen im Licht der neue-ren gewisse Mängel zeigen, oder doch ihre Ausrichtung auf eine überwundene bzw. nicht mehrallgemein gültige Situation im Verhältnis zwischen Gott und Menschheit.Nicht nur denkbar, sondern geradezu selbstverständlich ist, daß Gottes Offenbarung völlig un- verständlich bleiben müßte, wenn sie keine Rücksicht nähme auf ihre Werkzeuge, die Prophe-ten und Seher, wie auf die Menschen, denen sie gilt. Offenbarung, anders ausgedrückt, mußangepaßt, muß Wesen in Zeit und Raum verständlich sein. Ist sie das nicht, so verfehlt sie ihrenZweck. Das heißt natürlich nicht, daß sie nur jeweils für den einen geschichtlichen Augenblickgilt, in dem sie gegeben wird; denn dann gäbe es beispielsweise auch keine Prophetie. Aber dieOffenbarung muß immer anknüpfen bei den Vorstellungen und Denk-Möglichkeiten der Men-schen, durch die und für die sie erfolgt.Undenkbar aber ist, das sei nochmals betont, daß neue Offenbarung alte widerlegt, außer Kraftsetzt
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. Mit großem Nachdruck erklärt Jesus, von dem es heißt, er sei das fleischgewordene»Wort« Gottes, also die Offenbarung schlechthin, er sei »nicht gekommen, aufzulösen, sondernzu erfüllen«. Und er fügte noch hinzu. »Denn wahrlich, ich sage euch, bis daß Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis daßes alles geschehe« (Matth. 5,17f.).
fenbarungen« der sogen. »Geistigen Loge« in Zürich zu disqualifizieren, denen zufolge Christus ledig-lich das höchste Geistwesen ist.
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Dieser Fall soll freilich nach Ansicht der neuapostolischen Gemeinde vor einer Reihe von Jahrentatsächlich eingetreten sein. Ihr Stammapostel namens Bischof hatte nämlich behauptet, vom Herrneiner besonderen Offenbarung gewürdigt worden zu sein, des Inhalts, daß er nicht sterben werde,sondern bei der Wiederkunft des Herrn »entrückt« werden solle. Nun, er starb trotzdem, woraufhindie neue Leitung erklärte, nicht der verstorbene Stammapostel habe sich geirrt, vielmehr habe derHerr seinen Plan geändert. Schon der Apostel Paulus meinte, eine entsprechende Zusage des Herrnerhalten zu haben (»Kindlein, ich sage euch ein Geheimnis: wir werden nicht alle entschlafen, alleaber verwandelt werden. Im Nu, im Augenblick, bei der letzten Posaune; denn die Posaune wird er-schallen und die Toten werden auferweckt werden unverweslich, und wir werden verwandelt wer-den«, 1.Kor.15,51). Freilich hatten die Nachfolger des Paulus nicht die Stirn, den Herrn so direkt derSinnesänderung zu beschuldigen, wie dies die neuapostolischen Nachfolger Bischofs taten.