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Die wahre Geschichte von Adam & Eva

Die wahre Geschichte von Adam & Eva

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Published by Christof Wahner
eine zivilisationskritische, ketzerische Satire
eine zivilisationskritische, ketzerische Satire

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Published by: Christof Wahner on Sep 08, 2011
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03/06/2014

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Die wahre Geschichte von Adam & Eva
© Christof Wahner 2011Es waren einmal vor ganz ganz ganz ganz langer Zeit imGarten Edenzwei hohe Tiere von einer undselbiger Spezies. Das Männchen hörte auf den Namen Adam, und das Weibchen auf den Namen Eva.
Weil Gott in der Go-Live-Phase seines Weltenschöpfungsprojekts
mit den Aufräumarbeitennoch nicht ganz fertig geworden war, lagen da immer noch so einige seiner Konstruktionspläne in der Gegend herum. Gutgläubig wie er nun leider war, hatte Gott wieder einmal gar nicht an Patentrechte,Copyright und Kennwortschutz gedacht. So kam es dann eines Tages, dass er schließlich einmal reinzufällig Adam und Eva erwischte, wie sie aus purer Neugier eifrig damit beschäftigt waren, einen Stapelan Konstruktionsplänen zu entziffern. Sie waren dabei in ihre Forschungsaktivitäten dermaßen vertieft,dass sie gar nicht bemerkten, als der Projektleiter (also Gott) vor ihnen stand und sich über sie beugte.
 
Als er nun aus nächster Nähe dem kühnen Frevel gewahr wurde, rationalisierte er sie beide ohne An-gabe von Gründen, mit sofortiger Wirkung und unwiderruflich aus dem Garten Eden weg. Geradezuhochkant schmiss er sie aus seinem Paradies mit all dem Geraffel, das sie momentan bei sich hatten:die Konstruktionspläne, Adam einen Apfel und Eva eine durch die mittägliche Sonne leicht angerösteteSchlange, und einige Feigenblätter, mit denen sie sich zudecken konnten, wenn es einmal kühl wurdeoder sich damit gegenseitig zufächelten, wenn es im Garten Eden wieder einmal heiß und schwül war.Gott hätte bei einer differenzierten Vernehmung von Adam und Eva durchaus erkennen müssen, dasssie ihn lediglich bei seinen Projektaktivitäten unterstützen wollten. Aber nach diesem unsanften undunlogischen, weil kontraproduktivenOutplacement mussten sie sich nun eben zuerst einmal eine neue berufliche Grundlage schaffen. Sie entschieden sich einfach dort anzusetzen, wo Gott aufgehört hatte.Zuerst hatten sie überlegt, ob sie ihr eigenes Anschlussprojekt vielleicht
GENESIS 2.0 
nennen sollen.Dann aber fühlten sie sich zu eigenständig, um irgendeinen ausgetretenen Trampelpfad zu benutzen.Sie mussten einfach nur alle Konstruktionspläne vom Projekt
GENESIS 
richtig falsch herum halten;und schon hatten sie ihr eigenes Projekt, dem sie den lieblichen Kosenamen
gaben.
Adam und Eva waren innerlich so überschwänglich miteinander verbunden, dass sie die bedingungslose
und lebenslängliche Treueerfanden. Mit der Zeit kamen sie dermaßen auf den Hund, dass ihre Körper  immer mehr Sexual- und Glückshormone produzierten, so dass Adam und Eva richtig treudoof wurden.Aber dennoch mussten sie Vorsorge treffen für den unvorstellbar grauenhaften Fall, dass jemand vonihnen beiden irgendwie verschütt gehen sollte und sich dann zwangsläufig mit irgendeinem anderenSäugetier begnügen bzw. vergnügen müsste. Aber aus rein moralischen Gründen lehnten sie jederleiGeschlechtsverkehr mit Pflanzen, Pilzen, Quallen, Insekten, Fischen und Reptilien kategorisch ab.So grübelten sie, mit welchen Säugetieren sie so viele Gemeinsamkeiten haben, um sich gut mit ihnenidentifizieren zu können. Damit war nun das projektive Verfahren namensFamilie in Tierengeboren.Eva hatte gerade ihre lange, prächtige Mähne zu einem Pferdeschwanz hochgebunden und tänzelteleichtfüßig in der Gegend herum. Außerdem rackerte sie sich häufig ab und ließ sich am Feierabendgerne von Adam reiten. So kam Adam auf die Idee, dass Eva eigentlich auch einPferdsein könnte.
 
Adam hingegen wollte mal wieder nur das Eine, und zwar schon zum dreißigsten Mal an diesem Tag.Er hatte eine plumpe Figur und trottelte schwerfällig durch die Gegend. Er grunzte laut und anstößig,während er alles mögliche wahllos in sich hinein fraß. Und als wäre dies alles noch gar nicht genug,verzapfte er mit seinen kurzen Stoppelhaaren und seinen kurzen Beinen die abenteuerlichsten Lügen,ohne auch nur mit einer einzigen Wimper zu zucken. Oft legte er sich gemütlich auf seine faule Haut,gaukelte Eva mehrere Krankheiten vor und ließ sie sämtliche Arbeiten für ihn erledigen. Sein überauserschreckender Mangel an Selbstbeherrschung, Eleganz, Taktgefühl, Differenziertheit, Ehrlichkeit undArbeitseifer brachte nun Eva auf die sensationelle Idee, dass Adam eigentlich einSchweinist.Beide aber gaben sich mit der jeweiligen Fremdeinschätzung zufrieden und waren sogar stolz darauf,so dass sie ihre jeweiligen Talente weiter entwickelten. Auf diese Weise war eine solide Grundlage für die Etablierung und Legitimation vonKlischeesentstanden. Erst durch den Rausschmiss aus demGarten Eden waren Adam und Eva auf die Idee gekommen, dass die ganze Welt eigentlich nur auf Unterschieden beruht. Was eben falsch war, konnte nicht gleichzeitig richtig sein. Was männlich war,konnte nicht gleichzeitig weiblich sein. Was oben war, konnte nicht gleichzeitig unten sein.So übernahm Adam die undankbare Rolle des Managers, während Eva hauptberuflich seine modischrundum durchgestylte Assistentin war und sich zum Ausgleich der schöngeistigen Schriftstellerei sowieder Philosophie widmete. Bereits nach einem Jahr hatte Adam den erstenPersonal Digital Assistant entwickelt und nannte diese seine virtuelle Geliebte
Pidiäi 
, während Eva wegen ihrer reduzierten Aus-lastung ihren erstenLiebesromanverfasste, dem sie den romantischen Titel "I ♥ U" (
 Ailaviu
) verlieh.Adam und Eva sahen, dass sie eine umfassende und ausgeklügelte Arbeitsteilung entwickelt hatten, um sich gegenseitig möglichst nicht in die Quere zu kommen.
Adam war für seine sagenumwobene Manneskraft berühmt und Eva für ihre zierliche Schönheit, aber sie beide protzten in keiner Hinsicht mit ihren Qualitäten, sondern übten sich stets in Bescheidenheit.

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