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antifaschistische nachrichten 2010 #18

antifaschistische nachrichten 2010 #18

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10/26/2011

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:antifaschistische
N
r.18
nachrichten
www.antifaschistische-nachrichten.de
g 3336 9.9.2010 26. jahrg./issn 0945-3946 1,50 ¤
Aus dem Inhalt:
Extremismus der Mitte:Sarrazin stoppen! . . . . . . . . . . . . 5Hunderttausend protestierengegen Roma-Abschiebungen. . . 12
Der Aufmarsch „autonomer Na-tionalisten“ am 4. September wur-de für die Naziszene zum Fiasko.Zwar hatte das Bundesverfassungsgerichtin letzter Minute ihre Kundgebung zuge-lassen,sie blieb aber auf eine „Stand-kundgebung“ auf einem abseits gelegenParkplatz beschränkt. Statt der 2000 er-warteten waren nur knapp 500 Nazis ge-kommen. Zugleich demonstrierten überdie ganze Stadt verteilt rund 15.000 Men-schen gegen den braunen Spuk. Linke undauch „bürgerliche“ Beobachter kritisier-ten unverhältnismäßig gewalttätige Ein-sätze der Polizei gegen Antifaschisten.Erst zwei Tage vor dem Naziaufmarschhatte Dortmunds Polizeipräsident HansSchulze eine Verbotsverfügung ausge-sprochen. Anlass war das Auffinden meh-rerer manipulierter Böller,die offen-bar mit Glasscherben umwickeltwaren,bei einem 19-jährigen Naziaus Aachen,der über enge Kontaktezu Dortmunder Nazikameradschaf-ten verfügt. Der Jugendliche soll inder Woche zuvor auch an einemÜberfall auf die von Linken fre-quentierte Kneipe „Hirsch-Q“ betei-ligt gewesen sein. Als Gewalttäterwar er bereits am 1. Mai aufgefallen,als er bei einer Nazidemo in Berlinebenfalls selbstgebastelte Spreng-sätze mit sich geführt hatte. Mittler-weile sitzt er in U-Haft.Das Verbot wurde vom Verwaltungsge-richt zunächst bestätigt,dem Bundesver-fassungsgericht war die Gefahrenprogno-se aber nicht präzise genug. Weil es keineHinweise gebe,dass Sprengsätze nachDortmund gelangt seien,hob es das Ver-bot am Samstag Vormittag auf.Die Proteste gegen das Nazitreffen ver-liefen in diesem Jahr zweigleisig:Es gab,über die ganze Stadt verteilt,Dutzendevon Kundgebungen,und es gab zudemden größtenteils gelungenen Versuch,erstmals durch Blockaden die Anreise derNazis zu verhindern oder jedenfalls zu er-schweren.Die „etablierte“ Politik hatte sich eherabseits gehalten. Dutzende von Gegen-kundgebungen standen den Nazis zwarnicht direkt im Weg,machten aber auf 
Kampf gegen Nazis selbstin die Hand genommen
Dortmund hat sich quergestellt: Nazi-Aufmarsch blieb stecken
von Ulla Jelpke 
ihre Weise deutlich,dass die Nazis inDortmund nicht willkommen sind. Auf ei-ner gutbesuchten Kundgebung am Nord-markt sprachen unter anderem die Grü-nen-Bundesvorsitzende Claudia Roth,Vertreter des DGB und NRW-Integrati-onsminister Guntram Schneider (SPD).Letzterer führte aus:„Wir lassen denbraunen Spuk nicht zu. Wir wehren uns,wir wollen,dass diese Stadt bunt ist.“Die aktive Gegenwehr blieb allerdingsdem „Bündnis Dortmund stellt sich quer“überlassen. Dessen Aktionskonsens fürdie Blockaden verdeutlichte zweierlei:Man war sich bewusst,dass Blockadenauch gegen die Polizei durchgesetzt wer-den müssen,aber auch,dass von seitender Blockierer keinerlei Eskalation ausge-hen werde. Um das Überraschungsmo-ment zu nutzen,wurde auf eine Bekannt-gabe von Blockadepunkten bis zuletzt ge-wartet und darauf gesetzt,dass die Antifa-schisten spontan und flexibel reagierenwerden.Für eine derartige Premiere war dasauch recht erfolgreich:Der DortmunderHauptbahnhof war rund eineinhalb Stun-den lang fest in der Hand der Antifa. Hun-derte von Menschen saßen auf den Bahn-steigen,um zu verhindern,dass Nazis perZug anreisen können. Die Polizei führtedie Demonstranten dann nach und nachab.In der Nähe des Nazi-Aufmarsches hat-ten sich ebenfalls rund 1000 Menschenversammelt und einen Punkt auf der mut-maßlichen Nazi-Strecke besetzt. DerFraktionschef der LINKEN im Landtag,Wolfgang Zimmermann,meldete dortschließlich eine spontane Kundgebung an.Auf der geduldeten Nazi-Demo warennach Polizeiangaben exakt 466 Teilneh-mer. Zwischen 400 und 500 weitere woll-ten Polizeikontrollen und Antifa-Blocka-den umgehen:Sie sprangen bei einem S-Bahnhof überraschend aus dem Zug undformierten sich zum Marsch in die Innen-stadt,wurden aber bald von der Polizeiangehalten und in Zügen aus der Stadt he-raus befördert.In einem„ersten Fazit“erklärte dasBündnis „Dort-mund stellt sichquer“,die Blo-ckadestrategiesei aufgegan-gen:Nicht nur,weil die Anreiseder Nazis er-heblich verzö-gert worden ist.Ebenso wichtig ist auch:Diejenigen,diees zu ihrer Kundgebung schafften,stan-den sich dort gelangweilt die Beine in denBauch. Die Masse der Nazis war schongegangen,bevor ihre Kundgebung offi-ziell beendet wurde.Es spricht von daher vieles dafür,dassdie Anziehungskraft dieses,nach dem„Trauermarsch“ in Dresden bundesweitgrößten Nazispektakels gebrochen ist.Strategisch bedeutsam ist außerdem,dass nach den antifaschistischen Blocka-den gegen den Pro-Islamisierungskon-gress in Köln,den Dresdner und BerlinerNazidemos in diesem Frühjahr nun auchin Dortmund diese Aktionsform erfolg-reich getestet wurde. Allen Kriminalisie-rungsversuchen zum Trotz! „Für uns sindBlockaden gegen Neonazis selbstver-ständlich“,erklärte stellvertretend für vie-le der NRW-LINKE Wolfgang Zimmer-mann.Das Vorgehen der Polizei an diesemTag war zwiespältig. Zwar ist sie gegenden Versuch von 500 Nazis,einen Marschin die Innenstadt anzutreten,entschlossenvorgegangen.
weiter Seite 3
Dortmund 4.9. Foto: Karin Richert
 
:antifaschistische nachrichten 18-2010
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:meldungen, aktionen
„Pro NRW“-Demonstrationangekündigt
Mönchengladbach.
Nachdem dieNPD und die extrem rechte „Bürgerbe-wegung pro NRW“ bereits mit Mahnwa-chen und Kundgebungen gegen eine ge-plante Salafisten-Moschee im Mönchen-gladbacher Stadtteil Eicken demonstrierthatten,will „Pro NRW“ nun am Samstag,den 9. Oktober,eine „Großdemonstrati-on“ in Mönchengladbach durchführen.Unter dem Motto „Grundgesetz stattScharia! Radikalislamische Koranschulein Mönchengladbach-Eicken verhin-dern!“ will „Pro NRW“ gemeinsam miteiner Abordnung der so genannten „Re-publikaner“ von 11 bis 16 Uhr durch denStadtteil marschieren. Dabei will „ProNRW“ auch an dem geplanten Standortder Moschee auf der Eickener Straße vor-beiziehen.
hma
Forum der „AUF“-Partei inBerlin
Berlin.
Am gleichen Tag,an dem der„Bundesverband Lebensrecht“ seinen all- jährlichen „Marsch für das Leben“ inBerlin durchführen will,veranstaltet die„AUF“-Partei,eine Abspaltung der „Par-tei Bibeltreuer Christen“,ihr „Christli-ches Politik-Forum“ auf dem „C Cam-pus“ in Berlin-Tegel. Unter dem Motto„Gemeinsam Zeichen für das Leben set-zen“ werden neben führenden „AUF“-Aktivisten die umstrittene Ex-Tages-schausprecherin Eva Herman und die„Lebensschützerin“ Christa Meves alsReferenten angekündigt. Eingeladen sindferner Maria Steuer,Vorsitzende des kon-servativen „Familiennetzwerks“,undWalter Schrader,ehemals Geschäftsfüh-rer der „Lebensschützer“-Organisation„KALEB“ und heute Vorsitzender eines„AUF“-Arbeitskreises.
hma
„re:conquista“ in Gründung
Vechta.
Der extrem rechte Webblog„Gesamtrechts“ will mit der Bildung„überparteilicher,außerparlamentari-scher Rechts-Zellen“ in das Tagesgesche-hen eingreifen. Über 100 Personen ausdem Bundesgebiet hätten sich mittlerwei-le dort anonym registriert und suchtenGleichgesinnte in ihrer Umgebung,mel-dete der Webblog Ende August. Eine ers-te lokale „Aktionszelle“ habe sich bereitsgegründet. Das neue Gruppenprojekt(Motto:„Jung – Aktivistisch – Entschlos-sen – Antiislamisch – Antisozialistisch –Freiheitlich“) soll ein Logo und ein Kon-zept erhalten und in Anlehnung an diespanischen Eroberer den Namen „re:con-quista“ tragen. Orientieren will man sichdabei an der extrem rechten französi-schen Gruppierung „Bloc Identitaire“,die „mit spektakulären anti-islamischenAktionen für Aufsehen sorgt“. Ein„re:conquista“-Gruppe in Vechta suchtaktuell Mitstreiter aus dem Raum Bre-men-Osnabrück. Geplant sind Aktionenmit Transparenten,Flugblättern,Plakatenund Papierschnipseln sowie ein regelmä-ßiger Stammtisch. Auch „Besuche vonParteiveranstaltungen u. ä.“ seien ge-plant.
hma
In Bayern nicht zugelassen
Bayern.
Das Kultusministerium vonBayern hat ein Schulbuch wegen eineskritischen Textes über evangelikaleChristen nicht zugelassen. Im März hat-ten sich zwei Lehrer über das Buch be-schwert. Das Englisch-Lehrbuch „Con-text 21“ des Schulbuchverlags Cornelsenfür die Oberschule enthält einen Text derSchriftstellerin Susan Jacoby zum Thema„Fundamentalismus in Amerika“,in demunter anderem von einem unbestreitba-ren,starken Zusammenhang zwischen re-ligiösem Fundamentalismus und einerfehlenden Bildung die Rede ist. Einesolch pauschale Bewertung stimme nichtmit dem Artikel 131 der Bayerischen Ver-fassung überein,in dem u.a. die „Ach-tung vor religiöser Überzeugung“ festge-legt ist,urteilte das Kultusministerium.
hma
Verbot des Vereins Heimat-treue Deutsche Jugendrechtmäßig
Das Bundesverwaltungsgericht in Leip-zig,das in erster und letzter Instanz fürnach dem Vereinsgesetz erlassene Verbo-te des Bundesministeriums des Innern zu-ständig ist,hat die Klage des Vereins Hei-mattreue Deutsche Jugend – Bund fürUmwelt,Mitwelt und Heimat e.V. (HDJ)gegen das von dem Bundesministeriumerlassene Vereinsverbot abgewiesen.Das Verbot der in Plön (Schleswig-Holstein) ansässigen,jedoch in nahezuallen Bundesländern vertretenen HDJ,die Jugendlager,Jugendfahrten,Sport-und sog. Bildungsveranstaltungen durch-führt und eine Vereinszeitschrift heraus-gibt,ist zu Recht ergangen. Die HDJ rich-tet sich gegen die verfassungsmäßigeOrdnung und erfüllt damit einen vereins-rechtlichen Verbotsgrund.Das Bundesministerium des Innern hatdie in der Vereinssatzung enthaltenen Be-kenntnisse zu gemeinnütziger Jugendar-beit und zum Grundgesetz der Bundesre-publik Deutschland zu Recht als bloßeFassade bewertet. Tatsächlich weist dieHDJ eine Wesensverwandtschaft mit demNationalsozialismus,insbesondere mitder früheren Hitlerjugend auf. Dies ergibtsich aus beschlagnahmten Materialien fürvon der HDJ durchgeführte Veranstaltun-gen,schriftlichen Äußerungen und Akti-vitäten von Mitgliedern mit herausgeho-benen Funktionen sowie Artikeln,die inder Vereinszeitschrift erschienen sind.Die HDJ propagiert danach eine Vor-bildfunktion des Nationalsozialismus,be-kennt sich zu maßgeblichen Repräsentan-ten des nationalsozialistischen Regimesund verwendet nationalsozialistisch ge-prägte Begriffe. Sie ist der Blut-und-Bo-den-Ideologie und der Rassenlehre derNationalsozialisten verhaftet und verbrei-tet antisemitische Thesen. Sie diffamiertdie freiheitlich-demokratische Grundord-nung des Grundgesetzes und nimmt die-ser gegenüber insgesamt eine kämpfe-risch-aggressive Haltung ein.
 BVerwG 6 A 4.09 - Urteil vom 1. Septem-ber 2010,http://www.bundesverwaltungs-gericht.de/enid/9fa4db1056269dc4d855274f359c5325,87901a617a092d094256657277472036204120342e3039093a095f7472636964092d093133323734/Spezial-seiten/Verwandte_Dokumente_ax.html
HDJ-Verbot ist zu begrüßen
„Die Bestätigung des Verbots der HDJ istunbedingt zu begrüßen“,erklärt die in-nenpolitische Sprecherin der FraktionDIE LINKE,Ulla Jelpke,nachdem dasBundesverwaltungsgericht am 1.9. dieVerbotsverfügung des Bundesinnenmi-nisteriums bestätigt hat. Jelpke weiter:„Ein Verein weniger,der Kinder undJugendliche ideologisch kontaminiertund sie zu Feinden jeglicher demokrati-scher Ideale verzieht – das ist ein Erfolg.Er zeigt zugleich,dass das notwendigeVerbot der NPD ebenfalls möglich wäre,wenn der Staat nur den Willen dazu hätte.Das Bundesverwaltungsgericht weistin seiner Begründung darauf hin,die HDJhabe die Blut-und-Boden-Ideologie so-wie Rassenlehre vertreten.Was das angeht,muss man allerdingsauf Folgendes hinweisen:Unterricht in„Rassenkunde“ und angeblichen geneti-schen Unterschieden zwischen Deut-schen,Ausländern und Juden hat uns inden letzten Tagen auch der unsäglicheThilo Sarrazin erteilen wollen. Das zeigt:Rassismus gibt es nicht nur bei der „ex-tremen Rechten“,sondern auch in derMitte der Gesellschaft.“
Ulla Jelpke,MdB Innenpolitische SprecherinFraktion DIE LINKE.
Nachtrag zu AN Nr. 17/2010
Das Statement zu den Vorbereitungen derProteste in Dortmund für den 4. September,das wir im letzten Heft auf Seite 5 veröf-fentlichten, war von Ulrich Sander, VVN-BdA NRW. Leider fehlte der Autorenname,so dass der Kommentar nicht ohne weiteresverständlich ist. Wir bitten um Entschuldi-gung. Die Redaktion
 
:antifaschistische nachrichten18-2010
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Fortsetzung Seite 1, Dortmund hat sich quer-gestellt
Inakzeptabel ist aber,dass sie mit einerVielzahl von Straßensperrungen,Ver-sammlungsverboten,Einkesselungen,Platzverweisen und Festnahmen immerwieder gegen Antifaschisten vorgegangenist,die ihren Protest in Hör- und Sicht-weite der Nazis ausdrücken wollten. 131Linke wurden festgenommen. Dabei gingdie Polizei leider wie häufig sehr brutalvor,was nicht nur Linken auffiel. ImWAZ-Portal „Der Westen“ hieß es:„Hierund da besonnen die Polizei. An andererStelle wieder gingen die Beamten mit un-verhältnismäßiger Gewalt zur Sache,vorallem gegen linke Demonstranten. Dawurden schmerzhafte Nasen- und Ohren-griffe angewandt. In krassem Gegensatzdazu scherzten und feixten Polizisten mitden eingeschlossenen Nazis in Wambel.Und dafür bringt nun kein einziger Bür-ger Verständnis auf.“Unterm Strich kann aber festgehaltenwerden:Die angemeldeten Protestkundgebun-gen sowie die Blockaden haben den Na-zis die Stadt Dortmund als Aufmarsch-gebiet erfolgreich streitig gemacht. Sichauf die offiziellen Behörden zu verlassen,das reicht nicht – angesichts des viel zuspät,viel zu wacklig und letztlich aufge-hobenen Verbotes der Nazidemo müssenwir die Dinge „selbst in die Hand neh-men“,wie das Dortmund-stellt-sich-Quer“-Bündnis festhielt. Und das ist ge-lungen.
Ulla Jelpke ist innenpolitischeSprecherin der Fraktion DIE LINKE im Bundestag und engagiert sich im Bünd-nis „Dortmund stellt sich quer 
.“
Mahnwache an der Stein-wache
Eine besondere Aktion war der VVN-BdA durch plötzliche Ereignisse quasiaufgezwungen worden. Als bekannt wur-de,dass die Polizei den Nazis genehmigthatte,sich in der Nähe der Auslandsge-sellschaft nebst Steinwache,das heißt ander Gedenkstätte „Widerstand und Verfol-gung 1933 – 1945“ zu formieren,da rie-fen VVN-BdA,Förderverein Steinwacheund Internationales Rombergparkkomiteemit Unterstützung der Föderation des In-ternationalen Widerstandes FIR zu einerganztägigen Mahnwache an der Gedenk-stätte auf.Hunderte besonders junge Menschenhaben sich für kurz oder lang daran betei-ligt. Die Mahnwache veranlasste die Poli-zei,zu vermeiden,dass auch nur einRechter in die Nähe der Gedenkstättekam.
Ulrich Sander 
„Bombenstimmung“ beiAachener Kameradschaft
Das Verbot des sogenannten„Nationalen Antikriegstages“am 4. September in Dortmund,das vom Bundesverfassungsgerichtdann wieder teilweise aufgehobenwurde, war in diesem Jahr mit einemEreignis von besonderer Brisanz be-gründet worden. Es bestehe die Ge-fahr, dass bei den zu erwartendenAktionen von Rechts aus der Ver-sammlung heraus gegen möglicheBlockaden von Antifaschisten (sogar)Sprengsätze eingesetzt werdenkönnten. Was war geschehen?
Der Aachener Neonazi Falko Wolf waram 1. Mai 2010 in Berlin im Rahmen ei-ner Demonstration mit mehreren selbstgebastelteten Sprengsätzen aufgefallen,die zum Teil mit Scherben versetzt wa-ren. Ende August war die Wohnung vonFalko Wolf durchsucht worden,er selbstwurde in Haft genommen. Wolf habesich,so der Dortmunder PolizeipräsidentSchulze im Vorfeld des Dortmundes Auf-marsches,in der Ruhrgebietsstadt aufge-halten und habe Kontakte zur dortigenSzene gepflegt. Daher bestehe die Ge-fahr,dass es am 4. September ebenfallszum Einsatz von Sprengsätzen aus Eigen-produktion kommen könne.Neben der Wohnung von Falko Wolf,der schon seit geraumer Zeit mit seinenKAL-Kameraden handfesten physischenund psychischen Terror gegenüber Bür-gern und (echten oder vermeintlichen)„politischen Gegnern“ im Kreis Aachenund Düren ausübt und dessen Kameradenvorgeworfen wird,sie hätten sich an der jüngsten Schändung des jüdischen Fried-hofes in Aachen beteiligt,wurden auchzwei weitere Objekte im Zusammenhangmit den Ermittlungen zu den Sprengstoff-Vorwürfen durchsucht:Dabei handelt essich um die Wohnung der Brüder R. inRadevormwald,bei denen ebenfalls pyro-technische Materialien,die,wie sich einPolizeibeamter ausdrückte,„für Spreng-stoffanschläge geeignet“ seien,sicherge-stellt wurden. Während Tobias R.,der für„pro NRW“ im Radevormwalder Stadtratsitzt,am 1. Mai auf einer Kundgebung inSolingen war,hatte sich sein jüngererBruder Jonas R.,der vorübergehend vonder Polizei festgenommen wurde,offen-bar zusammen mit Falko Wolf in Berlinaufgehalten. Jonas R. war aber auchschon desöfteren bei „pro“-Aktionen ge-sichtet worden. Von der „pro“-Bewe-gung,die sich und ihre Akteure bekann-termaßen stets als „seriöse Alternativevon rechts“ darzustellen sucht,lag biszum Redaktionsschluss noch keine Stel-lungnahme dazu vor.Die Vorgänge werfen einige Fragenauf:Macht hier ein Teil der Neonaziszeneden Schritt von gewalttätigen Angriffengegen Personen,Institutionen und Ge-bäuden zum Rechtsterrorismus im enge-ren Wortsinn? Zu berücksichtigen isthierbei allerdings,dass es pyrotechnische„Bastler“ von rechtsaußen in NRW in derVergangenheit immer wieder gegebenhat,ohne dass daraus ein Rechtsterroris-mus entstanden wäre. Vollkommen un-klar ist zudem,wie sich etwaige,über denBruder von Tobias R. hinausweisende,Verbindungen zu den Rechtspopulistenvon „pro NRW“ gestalten. Das Vorgehender Polizei ist in diesem Zusammenhangebenfalls undurchsichtig:Der späte Zeit-punkt der Hausdurchsuchungen bleibthierbei den Beobachtern ebenso rätsel-haft wie das Ausbleiben eines behördli-chen Schlages gegen die aktivistischeund radikale Dortmunder Neofaschisten-szene.
Phillip Becher 
 Neonazis bei der Kundgebung in Dortmund Foto:Karin Richert 

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