Österreichische und Europäische Rechtsgeschichte Fragenkatalog Ao.Prof.Dr.Neschwara2 von 65
Dem Kaiser oblag aus seiner Schutzfunktion für die römische Kirche,die Pflicht zur Verteidigung der Christenheit, sie manifestierte sich in der Missionierung Ostmitteleuropas und in den Kreuzzügen.Die vom Kaiser aus seiner Schutzfunktion behaupteten,Rechte gegenüber der Kirche, wie das Recht, Päpste ein- und abzusetzen, waren nur bis zum Investiturstreit relevant.
7. translatio imperii
Aus Sicht der Kirche stellte der Krönungsakt eine translatio imperii durch den Papst an den deutschen König dar.Die Kirche, vor allem der Papst, war daher sehr darum bemüht, einen Einfluss auf die Wahl des deutschen Königs zu gewinnen. GemäßPapstgesetz war der König aus der Sicht der Kirche in imperatorem promovendus.
8. renovatio imperii
Der Rechtsanspruch des deutschen Königs auf Erwerb der römischen Kaiserwürde entstand in Verbindung mit der Vorstellung, dass mit derKaiserkrönung des ostfränkischen Königs Otto I. eine renovatio imperii erfolgt war.
9. Ottonische Kirchenpolitik
Das Reichskirchensystem beruhte auf der Vorstellung, dass dem Grundherrn, vor allem dem König, als Träger der Herrschaft über die auf seinemGrund und Boden lebenden Personen auch über die darauf bestehenden Einrichtungen der Kirche eine entsprechende Leitungsgewalt zukomme,und zwar unter einschließlich der Besetzung kirchlicher Ämter.Um den Einfluss mächtiger Stammesherzöge zurückzudrängen bzw. um der Erblichkeit von verliehenem Reichsgut und königlicher Hoheitsrechtein deren Händen entgegenzutreten, waren vor allem die Ottonen und Salier darangegangen, höhere kirchliche Würdenträger mit königlichenHoheitsrechten und Reichsgut auszustatten.. Es wurden vor allem Vertrauensleute des Königs als Amtsträger und Stützen der Reichsgewaltherangezogen. Bischöfe und Äbte wurden dadurch zu Trägern von weltlicher Herrschaft.
10. geistliche Reichsfürsten
Bis zum 11. Jh. Hatte das Papsttum keine Vorbehalte gegen dieses Vorgehen der deutschen Könige. Erst die Reformbewegung von Cluny tratdann radikal gegen diese Herrschaftspraxis auf.Eine dauerhafte Beilegung des Konflikts gelang mit dem Wormser Konkordat 1122 mit der Differenzierung der Herrschaftsrechte von GeistlicheninSpiritualia und TemporaliaDamit war zum Teil auch eine funktionelle Trennung von Reich und Kirche in die Wege geleitet, und zwar durch den Verzicht des Kaisers aufInvestitur von Geistlichen in geistliche Ämter mit kirchlichen Symbolen und die Zuerkennung freier Bischofs- und Abtswahlen. Der rechtmäßigGewählte hatte einen als ius ad rem den König zwingenden Anspruch auf die Ausstattung mit weltlicher Herrschaftsgewalt.
11. Verhältnis Staat – Kirche/MA
Nach Auffassung kirchlicher Autoritäten war es die Aufgabe des Staates das Reich Gottes schon auf Erden zu verwirklichen. Staat und Kirchebilden daher eine Einheit. Bis zu Beginn des Hochmittelalters waren weltliche und geistliche Sphäre tatsächlich eng ineinander verzahnt.Im 11. Jahrhundert brachen Konflikte auf, die im Heiligen Römischen Reich zum sog. Investiturstreit um den Bestand des sog.Reichskirchensystems führten.Die Einräumung weltlicher Herrschaft geschah durch Übergabe von weltlichen Herrschaftssymbolen. Dies wurde als Akt der Belehnungangesehen, welche bei adeligen Lehnmännern des Königs durch Übergabe von Fahnen symbolisiert wurde, und mit dem Ablegen einesTreueides schlossen. An die Investitur schloss die Weihe und Ausstattung mit der geistlichen Leitungsgewalt.Mit dem Wormser Konkordat hat der Kaiser die Personalhoheit über höhere Kirchenämter verloren. Aus geistlichen Reichsbeamten warenkönigliche Lehnmänner geworden; sie rangierten in der Lehnhierarchie noch vor den adeligen Lehnmännern des Königs.Es stellte sich aber weiterhin die Notwendigkeit einer theoretischen Abgrenzung von geistlicher und weltlicher Macht, vor allem nach dem sog.Interregnum. Der Papst hatte nämlich gestützt auf die Idee der translatio imperii für sich das Recht in Anspruch genommen, über dieRechtmäßigkeit der deutschen Königswahl zu entscheiden.
12. Stände
siehe andere Fragen
13. Feudalismus
Das Reich war als Feudalstaat organisiert, so dass der König auf die Masse der Bevölkerung nur noch mittelbar einwirken konnte, nämlich alsoberster Lehnherr im Reich über seine Lehnsmänner.Das Lehnrecht wurde im 12. Jahrhundert zur Grundlage der Herrschafts- und Verfassungsordnung. Diese Feudalisierung der Reichsverfassungwurde mit dem Wormser Konkordat 1122 forciert und war mit der Gewährung der sog. Fürstenprivilegien abgeschlossen. Seitdem waren alleHerrschaftsträger im Reich – der König und die Reichsfürsten – durch gegenseitige Rechte und Pflichten auf Grundlage des Lehnrechtsmiteinander verbunden.Sie alle standen in einer strikten Hierarchie, einer Lehnpyramide zeitgenössisch Heerschildordnung genannt. Sie war ursprünglich einemilitärische Ordnung und wandelte sich zu einer Ständeordnung.In der Hierarchie der Heerschildordnung stand derKönig an der Spitze, dann dieGeistlichen Reichsfürsten, dieWeltlichen Reichsfürsten, dieGrafen und Freiherrn sowie ihre Dienstmannen, und dieRitter auf der letzten StufeDie Heerschildordnung war eine strenge Rangordnung zu- und untereinander. Die Fähigkeit, ein Lehn annehmen zu können, bestand also nursoweit, als es die Heerschildordnung zuließ.Besonderheiten des Lehnrechts ergaben sich im Deutschen Reich zum einen deswegen, weil die Vermutung dafür sprach dass Grund und Bodenin der Hand von Lehnnehmern des Königs im Zweifel deren freies Eigen bildete, andererseits gab es keinen allgemeinen Treuvorbehalt zugunstendes Königs.Seit dem Hochmittelalter waren alle politischen Machthaber zum König mit-, und durch Weiterverlehnung auch untereinander verbunden.
14. Leihezwang