Welcome to Scribd, the world's digital library. Read, publish, and share books and documents. See more
Download
Standard view
Full view
of .
Save to My Library
Look up keyword
Like this
3Activity
0 of .
Results for:
No results containing your search query
P. 1
Rechtsgeschichte_-_Fragenkatalog_-_Neschwara

Rechtsgeschichte_-_Fragenkatalog_-_Neschwara

Ratings: (0)|Views: 2,038 |Likes:
Published by simon_nobel

More info:

Published by: simon_nobel on Oct 28, 2011
Copyright:Attribution Non-commercial

Availability:

Read on Scribd mobile: iPhone, iPad and Android.
download as PDF, TXT or read online from Scribd
See more
See less

06/06/2013

pdf

text

original

 
Österreichische und Europäische Rechtsgeschichte Fragenkatalog Ao.Prof.Dr.Neschwara1 von 65
I. Das Heilige Römische Reich als rechtlich-politischer Rahmen für die Ausbildung der Länder imMittelalter
1. Entstehung des Deutschen Reiches
Das Heilige Römische Reich ging aus dem Fränkischen Reich hervor. Am Höhepunkt der politischen Macht der Karolinger – mit derKaiserkrönung von Karl dem Großen um 800 – erschien das Frankenreich in seiner immensen Ausdehnung als Wiedererrichtung des antikenrömischen Reiches.Nach dem Tod Karls des Großen zerfiel das Reich unter seinen Nachkommen. Es entstanden das Westfrankenreich, Ostfrankenreich, dasspätere Deutsche Reich; ein Mittelreich und Burgund und Ober- und Mittel-Italien bilden zunächst noch eigene Königreiche. Mit dem Erwerb derKaiserwürde durch den ostfränkischen König Otto I 962 stellten sie – nun unter einem gemeinsamen Oberhaupt verbunden – Nebenreiche desDeutschen Reiches dar.Dieses Römisch Deutsche Reich dominierte im Hochmittelalter als politische Macht.
2. Deutscher König
Der deutsche König wurde Rex genannt, seit dem 11. Jahrhundert führte er dauernd den Titel eines rex romanorum. Dieser Titel ist die Folge derpolitisch-rechtlichen Verbindungen des Deutschen Reiches mit Ober- und Mittelitalien und damit der Verbindung des deutschen Königtums mitdem römischen Kaisertum.Das deutsche Königtum wurzelte in weltlichen Herrschaftsideen. Daher war es auch geleitet vom Erfordernis der Mitwirkung der Beherrschten beider Auswahl des Herrschers, vor allem durch ihrer Zustimmung zur Person des Königs. Wesentliches Kriterium aus Sicht der Kirche war hierfürdie Eignung (Idoneität) des Königs für sein Amt.Der König war formal betrachtet der Inhaber der Jurisdiktion, er war aber überdies auch zur Rechtssetzung berufen.Die Aufgaben als Herrscher durfte der König nur gemeinsam mit dem Adel und höheren Geistlichen ausüben.Der König sollte ein friedliches und rechtmäßiges Zusammenleben gewährleisten, durch Gebot des sog.Königsfriedens und Verbot der Selbsthilfe (Fehde) sowie durchRechtsprechung (und Gebot von Landfrieden) die Schwachen schützen.Der König konnte Gebote und Verbote erlassen, aufgrund des sog. Königbanns auch Strafen verhängen. Der König war aufgrund seinermilitärischen Leitungsgewalt oberster Heerführer, ihm oblag daher auch die Vertretung des Reiches nach außen.Weitere Befugnisse:Reichskirchenhoheit, Verwaltung des Reichsguts, und die Verfügung über Regalien, das sind Hoheitsrechte, die dem Berechtigten einzelneSachen oder Personen seinem Schutz und damit ausschließlichen Zugriff unterstellten (Geleitrecht, Münz- und Zollregal).Der König konnte zwar Befehle erteilen und ihre Nichteinhaltung sanktionieren, es standen ihm dazu jedoch keine sachlichen Mittel zurVerfügung, diesen waren nicht durch bestimmte Herrschafts-Institutionen greifbar, sondern nur in Beziehung zu anderen Herrschaftsbeteiligten.
3. Thronfolgeprinzipien im Deutschen Reich
Die Auswahl des Königs stand allen freien Männern der Stämme zu, war aber bald nur mehr bestimmten, bevorrechteten Stammesgenossen(Adeligen) vorbehalten und den höheren Geistlichen.Die Auswahl des Königs und die Thronfolge standen im Mittelalter im Spannungsfeld vonWahlrecht des hohen Adels undGeblütsrecht einer bestimmten Dynastie (Königsheil)Versuchen der Königsdynastie, die Thronfolge erblich zu machenBemühungen der Kirche, aus dem Gesichtspunkt der Idoneität, ihren Einfluss auf die Auswahl des Königs geltend zu machen.Bis zum Ende des Hochmittelalters überwog das Geblütsrecht als Thronfolgeprinzip, danach setzte sich die Wahl durch.Kriterium der Wählbarkeit eines Königs blieb dessen Verwandtschaftsverhältnis zum ersten König zu seinen unmittelbaren Vorgängern im Amt,bis zum ersten König Heinrich I.Zum König war nur ein kleiner Kreis, dieser beschränkte sich faktisch auf die Angehörigen des hohen Adels.
4. Kurfürstenkollegium
Die Kur war die öffentliche Bekanntgabe des Gewählten, sie war die feierliche Willenserklärung der Ranghöchsten Königs-Wähler, und damit dasErgebnis der Wahlentscheidung. Hierbei war Einstimmigkeit erforderlich. Ungeachtet des Einstimmigkeitserfordernisses bei der Wahlentscheidunggab es in der Praxis häufig das Problem von Doppelwahlen und der Wahl von Gegenkönigen.Im Verlaufe der Entwicklung erfolgte eine ständige Reduktion des Kreises der Königswähler: Er beschränkte sich schließlich auf eine kleinegeschlossene Gruppe von höchsten Reichsfürsten als Kollegium der Kurfürsten.Wolf führt das Königswahlrecht darauf zurück, dass jedenfalls die vier weltlichen Kurfürsten mit dem ursprünglichen Königshaus der Ottonen –weitschichtig über Tochterstämme – verwandtschaftlich verbunden gewesen sind.Zu Mitte des 14. Jahrhunderts erfolgte durch die Goldene Bulle eine Verschriftlichung des gewohnheitsrechtlich herausgebildeten Wahlrechts,darüber hinaus wurde die seit etwa 1300 bestehende Zusammensetzung des Kurfürstenkollegs festgeschrieben und das Stimmrecht derKurfürsten mit der Herrschaft über das jeweilige Kurfürstentum verknüpft sowie zur Stabilisierung der Zusammensetzung des Kollegiums derKönigswähler die Unteilbarkeit der Kurfürstentümer verankert; dies sollte eine Vermehrung der Kurwürden durch Herrschaftsteilungen verhindern.
5. Verfahren deutscher Königswahl
Zum König wählbar war faktisch jeder freie Mann, doch beschränkte sich der Kreis der Kandidaten faktisch auf die Angehörigen des hohen Adels.Bei Verletzung seiner Herrscherpflichten hatte das Volk das Recht zum Widerstand gegen den König.Das Wahlrecht war dem hohen Adel vorbehalten, es erfolgte aber keine numerische Zählung der einzelnen Stimmen, sondern eine Gewichtungnach dem politischen Rang des jeweiligen Wählers.Bis Ende des Hochmittelalters ging dem Wahlverfahren eine Vorwahl voran, welche Verhandlungen der Wahlberechtigten untereinander und mitpotentiellen Königs-Kandidaten vorbehalten war.Die Krönung war der publizitätswirksame Abschluss. Sie erfolgte durch den Erzbischof von Köln mittels Salbung und Übergabe derReichsinsignien seit Beginn der Neuzeit ebenfalls in Frankfurt/Main.
6. Römischer Kaiser
Der deutsche König besaß als Kaiser vor anderen Königen bloß einen Rangvorzug, nicht aber auch politische Hoheit; der behauptete Universal-(Weltherrschafts-)Anspruch war faktisch nicht durchsetzbar.
 
Österreichische und Europäische Rechtsgeschichte Fragenkatalog Ao.Prof.Dr.Neschwara2 von 65
Dem Kaiser oblag aus seiner Schutzfunktion für die römische Kirche,die Pflicht zur Verteidigung der Christenheit, sie manifestierte sich in der Missionierung Ostmitteleuropas und in den Kreuzzügen.Die vom Kaiser aus seiner Schutzfunktion behaupteten,Rechte gegenüber der Kirche, wie das Recht, Päpste ein- und abzusetzen, waren nur bis zum Investiturstreit relevant.
7. translatio imperii
Aus Sicht der Kirche stellte der Krönungsakt eine translatio imperii durch den Papst an den deutschen König dar.Die Kirche, vor allem der Papst, war daher sehr darum bemüht, einen Einfluss auf die Wahl des deutschen Königs zu gewinnen. GemäßPapstgesetz war der König aus der Sicht der Kirche in imperatorem promovendus.
8. renovatio imperii
Der Rechtsanspruch des deutschen Königs auf Erwerb der römischen Kaiserwürde entstand in Verbindung mit der Vorstellung, dass mit derKaiserkrönung des ostfränkischen Königs Otto I. eine renovatio imperii erfolgt war.
9. Ottonische Kirchenpolitik
Das Reichskirchensystem beruhte auf der Vorstellung, dass dem Grundherrn, vor allem dem König, als Träger der Herrschaft über die auf seinemGrund und Boden lebenden Personen auch über die darauf bestehenden Einrichtungen der Kirche eine entsprechende Leitungsgewalt zukomme,und zwar unter einschließlich der Besetzung kirchlicher Ämter.Um den Einfluss mächtiger Stammesherzöge zurückzudrängen bzw. um der Erblichkeit von verliehenem Reichsgut und königlicher Hoheitsrechtein deren Händen entgegenzutreten, waren vor allem die Ottonen und Salier darangegangen, höhere kirchliche Würdenträger mit königlichenHoheitsrechten und Reichsgut auszustatten.. Es wurden vor allem Vertrauensleute des Königs als Amtsträger und Stützen der Reichsgewaltherangezogen. Bischöfe und Äbte wurden dadurch zu Trägern von weltlicher Herrschaft.
10. geistliche Reichsfürsten
Bis zum 11. Jh. Hatte das Papsttum keine Vorbehalte gegen dieses Vorgehen der deutschen Könige. Erst die Reformbewegung von Cluny tratdann radikal gegen diese Herrschaftspraxis auf.Eine dauerhafte Beilegung des Konflikts gelang mit dem Wormser Konkordat 1122 mit der Differenzierung der Herrschaftsrechte von GeistlicheninSpiritualia und TemporaliaDamit war zum Teil auch eine funktionelle Trennung von Reich und Kirche in die Wege geleitet, und zwar durch den Verzicht des Kaisers aufInvestitur von Geistlichen in geistliche Ämter mit kirchlichen Symbolen und die Zuerkennung freier Bischofs- und Abtswahlen. Der rechtmäßigGewählte hatte einen als ius ad rem den König zwingenden Anspruch auf die Ausstattung mit weltlicher Herrschaftsgewalt.
11. Verhältnis Staat – Kirche/MA
Nach Auffassung kirchlicher Autoritäten war es die Aufgabe des Staates das Reich Gottes schon auf Erden zu verwirklichen. Staat und Kirchebilden daher eine Einheit. Bis zu Beginn des Hochmittelalters waren weltliche und geistliche Sphäre tatsächlich eng ineinander verzahnt.Im 11. Jahrhundert brachen Konflikte auf, die im Heiligen Römischen Reich zum sog. Investiturstreit um den Bestand des sog.Reichskirchensystems führten.Die Einräumung weltlicher Herrschaft geschah durch Übergabe von weltlichen Herrschaftssymbolen. Dies wurde als Akt der Belehnungangesehen, welche bei adeligen Lehnmännern des Königs durch Übergabe von Fahnen symbolisiert wurde, und mit dem Ablegen einesTreueides schlossen. An die Investitur schloss die Weihe und Ausstattung mit der geistlichen Leitungsgewalt.Mit dem Wormser Konkordat hat der Kaiser die Personalhoheit über höhere Kirchenämter verloren. Aus geistlichen Reichsbeamten warenkönigliche Lehnmänner geworden; sie rangierten in der Lehnhierarchie noch vor den adeligen Lehnmännern des Königs.Es stellte sich aber weiterhin die Notwendigkeit einer theoretischen Abgrenzung von geistlicher und weltlicher Macht, vor allem nach dem sog.Interregnum. Der Papst hatte nämlich gestützt auf die Idee der translatio imperii für sich das Recht in Anspruch genommen, über dieRechtmäßigkeit der deutschen Königswahl zu entscheiden.
12. Stände
siehe andere Fragen
13. Feudalismus
Das Reich war als Feudalstaat organisiert, so dass der König auf die Masse der Bevölkerung nur noch mittelbar einwirken konnte, nämlich alsoberster Lehnherr im Reich über seine Lehnsmänner.Das Lehnrecht wurde im 12. Jahrhundert zur Grundlage der Herrschafts- und Verfassungsordnung. Diese Feudalisierung der Reichsverfassungwurde mit dem Wormser Konkordat 1122 forciert und war mit der Gewährung der sog. Fürstenprivilegien abgeschlossen. Seitdem waren alleHerrschaftsträger im Reich – der König und die Reichsfürsten – durch gegenseitige Rechte und Pflichten auf Grundlage des Lehnrechtsmiteinander verbunden.Sie alle standen in einer strikten Hierarchie, einer Lehnpyramide zeitgenössisch Heerschildordnung genannt. Sie war ursprünglich einemilitärische Ordnung und wandelte sich zu einer Ständeordnung.In der Hierarchie der Heerschildordnung stand derKönig an der Spitze, dann dieGeistlichen Reichsfürsten, dieWeltlichen Reichsfürsten, dieGrafen und Freiherrn sowie ihre Dienstmannen, und dieRitter auf der letzten StufeDie Heerschildordnung war eine strenge Rangordnung zu- und untereinander. Die Fähigkeit, ein Lehn annehmen zu können, bestand also nursoweit, als es die Heerschildordnung zuließ.Besonderheiten des Lehnrechts ergaben sich im Deutschen Reich zum einen deswegen, weil die Vermutung dafür sprach dass Grund und Bodenin der Hand von Lehnnehmern des Königs im Zweifel deren freies Eigen bildete, andererseits gab es keinen allgemeinen Treuvorbehalt zugunstendes Königs.Seit dem Hochmittelalter waren alle politischen Machthaber zum König mit-, und durch Weiterverlehnung auch untereinander verbunden.
14. Leihezwang
 
Österreichische und Europäische Rechtsgeschichte Fragenkatalog Ao.Prof.Dr.Neschwara3 von 65
Eine erhebliche Schwächung hatte das Erblichwerden der Lehn nach sich gezogen, weil der König nicht nur dazu verpflichtet war, die nach demTod eines weltlichen Lehnmannes erledigten Lehn dem jeweiligen Rechtsnachfolger wieder zu verleihen, sondern auch die durch das Aussterbeneiner Dynastie. Er konnte sie nicht – so wie etwa der König von Frankreich – zugunsten der Krone, und damit zur Stärkung der Königsherrschafteinziehen.Die Nachfolge bestimmte sich nach dem Erbrecht in das – frei verfügbare – Allodialvermögen (relative Leihezwang).Ein solcher Leihezwang hat den König auch in Bezug auf solche Reichslehn getroffen, welche nach Erlöschen einer Dynastie vakant wurden. Manspricht in diesem Zusammenhang auch von einem absoluten Leihezwang.Bei weltlichen Lehnnehmern des Königs hat sich ein solcher Leihezwang aber aus der Ermächtigung zur letztwilligen Bestimmung einesLehnnachfolgers im Fall von Kinderlosigkeit (ius affectandi) aufgrund besonderer Privilegierung durch den König im Einzelfall ergeben.Bei Geistlichen Lehnmännern des Königs ist aber für diesen ein solcher Leihezwang mit dem Wormser Konkordat dadurch entstanden, dass derKönig verpflichtet wurde, den gemäß kanonischer Wahl bestimmten rechtmäßigen Nachfolger im Kirchenamt, mit den weltlichenHerrschaftsbefugnissen zu belehnen, worauf der Gewählte einen Rechtsanspruch im Sinne eines ius ad rem, nämlich auf Belehnung, erworbenhatte.
15. Wormser Konkordat
siehe vorherigen Fragen
16. Lehnrecht
Dieses wurde zu einem dominierenden Element des Herrschafts- bzw. später des Staatsaufbaus:Elemente:Wirtschaftliche, politisch-verwaltungsmäßige und militärischeDie wesentliche Wirkung bestand in der wechselseitigen Treuebindung zwischen Lehnherrn und Lehnnehmer: Der Lehnnehmer hatte alles zuunterlassen, was dem Lehnherrn schadete, er war ihm zu Rat und Hilfe verpflichtet, durch die sog. Heerfahrt (Kriegsdienstleistung) und die sog.Hoffahrt.Auch der Lehnherr musste alles unterlassen, was dem Lehnmann schadete, er war ihm zu Schutz und Schirm verpflichtet, außerdem für dessenUnterhalt zu sorgen und zwar durch die Einräumung eines Lehngutes, das regelmäßig aus Grundbesitz bestand.Ein Lehnverhältnis wurde begründet durch die Unterwerfung des Lehnmannes unter die Schutzgewalt des Lehnherrn, die sog.Mannschaftsleistung und die Ablegung eines Treueides.Der Belehnungsakt schloss mit der sog. Investitur, der Einräumung der Sachherrschaft des Lehnmannes am Lehngut. Sie begründetevermögensrechtliche Beziehungen.Ein Lehnverhältnis endet durch den Tod des Lehnherrn oder Lehnnehmers, ab dem 9. Jahrhundert etablierte sich die Erblichkeit der lehn und dieErneuerung des Lehnverhältnisses durch den jeweiligen Rechtsnachfolger.Jedenfalls endete es bei Untreue (Felonie) also bei Verletzung der Lehnpflichten.
17. Landfriedenbewegung
Seit dem Hochmittelalter kam es wiederholt zu Vereinbarungen von Landfrieden; sie enthalten zumeist fehderegulierende Vorschriften.Besondere, nämlich verfassungsrechtliche Relevanz, etwa in Bezug auf die Ausübung der Regalien oder die Verhängung der Reichsacht, kamdem 1235 von Friedrich II. zu Mainz verkündeten Reichslandfrieden zu.Landfrieden wurden seit dem 11. Jahrhundert zur Beschränkung des Fehdewesens vereinbart: die gerichtliche Konfliktlösung unter Schutz desKönigs sollte die gewaltförmige Selbsthilfe ersetzen. Ein dauerhafter Erfolg der Landfriedensbewegung stellte sich erst an der Wende zur Neuzeitein.
18. Staufische Reichsreform
Der Adel hatte sich auf Basis der erblich gewordenen Grafenämter und der damit verbundenen Herrschaftsbezirke als Lehn schon inkarolingischer Zeit eine solide politische Machtbasis aufgebaut.Die weltlichen wie auch die geistlichen Fürsten bauten im Verlauf des Hochmittelalters ihre Herrschaft über bestimmte Personenverbände desReiches zur Herrschaft über räumlich abgegrenzte Gebiete aus.Die Entstehung hing mit einem Prozess zusammen, der nicht nur das Reich, sondern ganz Europa politisch umgestaltete.Durch das Wormser Konkordat wurden die Träger der Reichskirche zu unmittelbaren Amtsträgern des Königs zu Fürsten, denen die Belehnungübertragenen Hoheitsrechte auch nicht mehr willkürlich entzogen werden konnten.In gleicher Weisen wie die geistlichen wurden in der Folge auch alle weltlichen Reichsfürsten in die Reichsverfassung eingebunden.Alle Herrschaftsträger im Reich standen dadurch in lehnrechtlichen Beziehungen zum König.Das für die Reichsverfassung neue Element lag aber nicht allein im Lehnrecht als rechtlicher Grundlage zur Ausübung von Hoheitsrechten desReichs, sondern auch in der Verknüpfung der Ausübung solcher Herrschaftsbefugnissen in einem bestimmten Territorium.Am Ende blieb von den fünf Stammesherzogtümern des Reiches nur das verkleinerte Bayern übrig, alle anderen zerfielen.Zu Beginn des Spätmittelalters zeichnete sich mit dieser territorialen Umbildung die Entstehung der Länder als neue Organisationsstrukturen desReiches ab. Das ursprüngliche Organisationsprinzip der Ausübung von Herrschaft auf personaler Grundlage im Rahmen der Stammesverbändewurde durch die Herrschaft innerhalb eines räumlich relativ geschlossenen Territoriums ersetzt.Damit ist der Begriff Land verbunden, als Herrschaftsbezirk mit dem an räumlichen Kriterien orientierten Landrecht, anstelle der ursprünglichenStammesrechte mit ihrem Personalitätsprinzip als Rechtsordnung von diversen adeligen und geistlichen Herrschaftsträgern innerhalb einesbestimmten Territoriums.
19. Territorialherzogtümer
Die räumlichen Grundlagen der Herrschaftsordnungen wurden im Wesentlichen vom Fränkischen Reich übernommen, nämlich dieAmtherzogtümer Franken, Schwaben, Bayern, Sachsen und Lothringen. An der Spitze stand der Amtsherzog, der aber innerhalb seinesStammesverbandes eine königsgleiche Stellung besaß.Zur Beschränkung der politischen Macht der Stammesherzöge und als Mittel zur Stärkung der Königsgewalt wurden schon in fränkischer Zeit dieGrafschaften geschaffen. An der Spitze stand der Graf als Amtsträger des Königs. Er sorgte für die Durchsetzung der königlichen Gewaltinnerhalb der Stammesverbände, vor allem zur Friedenssicherung sowie der Handhabung der Gerichtsbarkeit und zur Führung des militärischenAufgebots und Erhaltung und Verwaltung des Königguts.Ferner bestanden Markgrafschaften als Grenzbezirke. Sie waren großräumiger als die Grafschaften, an der Spitze stand der Markgraf miterweiterten Kompetenzen.Schließlich gab es von der Grafengewalt exemte Herrschaftsbezirke,

Activity (3)

You've already reviewed this. Edit your review.
1 hundred reads
1 thousand reads
Ro liked this

You're Reading a Free Preview

Download
/*********** DO NOT ALTER ANYTHING BELOW THIS LINE ! ************/ var s_code=s.t();if(s_code)document.write(s_code)//-->