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Kapitel 14

Kapitel 14

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Es ist keine Übertreibung, dass jegliches Verhalten eine Wahl einschließt. Selbst in denreizärmsten Experimentierkarnrnern kann ein Tier wählen, ob es die operante Reaktionzeigt, die Kammer erkundet, sitzt, steht, sich putzt, schläft usw. Für Tiere außerhalb desLabors sind die Wahlmöglichkeiten noch viel zahlreicher. Zu jedem Zeitpunkt kann einOrganismus wählen, mit seinem bisherigen Verhalten fortzufahren oder zu einem anderenzu wechseln. Die Konsequenzen einiger Wahlen (wie etwa ein Stück Futter mit der linkenoder rechten Tatze aufzunehmen) sind vielleicht flüchtig und unbedeutend, wohingegenandere Wahlen (zum Beispiel vor einem Gegner zu fliehen oder gegen ihn zu kämpfen)wichtige und nicht umkehrbare Konsequenzen haben können. In jedem Fall sollte jedochklar sein, dass ein Verstehen, wie Wahlen getroffen werden, für ein Verstehen des Verhal-tens selbst wesentlich ist.Seit den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts beschäftigten sich viele Experimenteauf dem Gebiet der operanten Konditionierung mit dem Wahlverhalten, wie eine rascheDurchsicht von Zeitschriften wie
Journal
of
the Experimental Analysis
of
Behavior
oder
Animal Learning and Behavior
zeigt. Auch wenn es unmöglich ist, diesem großen undweiter wachsenden Wissensgebiet gerecht zu werden, versucht dieses Kapitel, repräsenta-tive Beispiele für einige wichtige Experimente, Theorien und kontroverse Punkte in die-sem Bereich zu liefern.Eine der beeindruckendsten Eigenschaften des Verhaltens von Tieren in Wahlsituationenist seine Regelmäßigkeit und Vorhersagbarkeit. Ein großer Teil meiner eigenen For-schungsarbeiten beschäftigt sich mit Wahlverhalten, und wenn ich meine Studenten undBesucher durch meine Labors führe, fragen sie oft: ,,Können denn diese Tauben und Rat-ten wirklich die komplexen Wahlmöglichkeiten, die Sie ihnen präsentieren, verstehen undanders als nur planlos darauf reagieren?" Die Antwort ist, dass sie es ganz bestimmt kön-nen (und die Forschung auf dem Gebiet Wahlverhalten wäre nicht so gediehen, wennTiere sich nicht so regelgemäß verhielten). Vielleicht ist der Grund, warum Menschendiese Frage so oft stellen, der, dass das Verhalten von Tieren in freier Wildbahn einemzufälligen Beobachter planlos und unvorhersagbar erscheint. Wenn Sie das Verhalteneiner Taube auf einem Gehweg in der Stadt beobachten, ist es vielleicht schwierig, Ord-nung in ihrem Verhalten zu erkennen. Sie läuft beispielsweise vorwärts, dann nach links,nach rechts, hält an, dreht sich um usw., ohne klar erkennbares Muster. Vielleicht pickt sieauf einige Objekte am Boden oder bewegt sich auf eine andere Taube zu oder von ihrweg; vielleicht fliegt sie ohne erkennbaren Anlass davon. Obgleich die Verhaltensauswahlder Taube dem Zufallsprinzip zu unterliegen scheint, ist dies doch zum größten Teil aufdie Komplexität und Zufälligkeit ihrer natürlichen Umgebung zurückzuführen, dennwürde man dieselbe Taube ins Versuchslabor bringen, würde ihr Verhalten bei einer ver-einfachten Wahlsituation mit Sicherheit einige erstaunliche Regelmäßigkeiten aufweisen.Ein relativ einfacher mathematischer Ausdruck, der einige der Regelmäßigkeiten einesVerhaltens in vielen Wahlsituationen umfasst, ist das so genannte Gesetz des Matching,entwickelt von Richard Herrnstein. Die nächsten Abschnitte beschreiben das Gesetz desMatching, zeigen, wie es auf verschiedene Arten von Versuchsergebnissen Anwendungfand und erörtert einige Theorien dazu, warum das Matching-Verhalten beiAuswahlexpe-rimenten ein solch vorherrschendes Resultat ist.
 
Das Gesetz des
Matching
Herrnsteins
(1
961)
Experiment
Herrnstein benutzte eine Versuchskammer mit zwei Reaktionstasten, die einige Zentime-ter voneinander in einer Seitenwand angebracht waren: eine rote Taste links und eineweiße Taste rechts. Unten in der Mitte zwischen den beiden Tastenwareine Öffnung,durch die Futterkörner als Verstärker gegeben werden konnten. Das Experiment bestandaus einer Reihe von Situationen, in denen jede Taste von ihrem eigenen VI-Verstärkerplangesteuert wurde. Einmal wurde zum Beispiel Picken auf die linke Taste mit einem VI-135-Sekunden-Plan verstärkt und Picks auf die rechte Taste mit einem VI-270-Sekunden-Plan. (Technisch wird dieser Plan als gleichzeitig ablaufender VI- 135-Sekunden-NI-270-Sekunden-Plan bezeichnet. Im Allgemeinen bezeichnet man jede Situation, in der zweioder mehr Verstärkerpläne gleichzeitig präsentiert werden, als
gleichzeitig ablaufendeVerstärkerpläne
[engl.: concurrent schedules].) Die Pläne der beiden Tasten warenunabhängig voneinander
-
das heißt, jede Taste hatte ihren eigenen VI-Timer. Wie injedem typischen VI-Plan wurde der VI-Timer für die jeweilige Taste nach Hinterlegendes Verstärkers gestoppt, bis der Verstärker aufgenommen worden war. In dieser Situationerhielten die Vögel etwa 27 Verstärker pro Stunde über die linke Taste und 13 pro Stunde(halb so viele) über die rechte.Herrnsteins Hauptfrage war: Nachdem die Vögel so viel wie möglich über diese Wahl-situation gelernt haben
-
wie werden sie ihre Reaktionen verteilen? Er gab ihnen deshalbtagelanges Training mit denselben beiden VI-Plänen und zählte dann ihre Reaktionen.Wie bei den meisten VI-Plänen zeigten die Tiere für jeden erhaltenen Verstärker vieleReaktionen. Was jedoch interessant ist: Als etwa zwei Drittel der Verstärker über die linkeTaste kamen, pickten die Vögel auch in etwa zwei Drittel aller Fälle auf die linke Taste.Das heißt: Der Anteil an Reaktionen auf die linke Taste entsprach dem Anteil der überdiese Taste verabreichten Verstärker.In einer weiteren Situation bei diesem Experiment erhielten zwei Vögel nur etwa 15 Pro-zent ihrer Verstärker über die linke Taste, und ebenso pickten die Vögel in etwa 15 Pro-zent aller Fälle auf die linke Taste. Wiederum entsprach der Anteil der Reaktionen auf dielinke Taste dem Anteil an Verstärkern, der über diese Taste erhältlich war. Auf der Grund-lage von Resultaten wie diesen schlug Herrnstein das folgende allgemeine Prinzip vor,das nun als das
Gesetz des Matching
bekannt ist:B1 ist die Anzahl der Reaktionen vom Typ
1
(zum Beispiel Picken auf die linke Taste)
I
und B2 die Anzahl der Reaktionen vom Typ 2 (zum Beispiel Picken auf die rechte Taste).
I
In ähnlicher Weise ist R1 die Anzahl von Verstärkern, die durch Reaktion 1 erhältlich
I
sind, und R2 die Anzahl von Verstärkern, die durch Reaktion 2 erhältlich sind. Die Glei-chung 14-1 sagt: In einer Wahlsituation mit zwei Möglichkeiten sollte der Anteil an

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