/  95
Hans - Dieter Leuenberger
Das ist Esoterik
Eine Einführung in esoterisches Denken und in die esoterische Sprache
Verlag Hermann Bauer Freiburg im Breisgau

Inhalt
Vorwort
Teil A
Am Anfang war das Feuer
Pan - Sohn des Hermes .
Strom durch die Jahrtausende
Hermes Trismegistos
Hellenismus
Vom Berg Sinai zum Tempel in Jerusalem
Kirche und Gnosis....
Neuplatonismus. Apollonius von Tyana
Die Kelten .
Die Templer
Die Katharer
Der Gral
Renaissance
Paracelsus .
Die Rosenkreuzer
Das 18. Jahrhundert
Das Jahr 1875
Der Orden »The Golden Dawn«
Aleister Crowley
Gurdjew und seine Schule .
Teil B
Vorbemerkung
Astrologie .
Alchemie .
Magie
Kabbala
Tarot
Theosophie und Anthroposophie
Reinkarnation und Karma
Symbolik
Schamanismus
Hexen
Esoterische Medizin
Esoterik des Ostens

I Ging

Esoterische Belletristik
Zeitschriften .
Wie anfangen?
Register

Vorwort

Das Interesse an Esoterik und der esoterischen Literatur ist in den letzten Jahren ständig
gestiegen. Was früher als kleine Naturschutzecke für Spinner und sonstwie etwas verdrehte
Menschen betrachtet wurde, ist seit ca. 1975 fast sprunghaft für immer mehr, namentlich junge
Menschen interessant geworden. Gleichzeitig stieg die Nachfrage nach esoterischer Literatur (an
der internationalen Buchmesse in Frankfurt 1982 war die Esoterik das einzige Fachgebiet, das
einen Zuwachs aufweisen konnte), und nach und nach entstanden sogar ausgesprochene
Fachbuchhandlungen. Das Angebot an einschlägigen Büchern steigt und steigt, und wer zum
erstenmal damit konfrontiert wird, verliert leicht den Überblick und kann sich im Dschungel
dessen, was unter dem Begriff Esoterik angeboten wird, leicht verirren; und wenn er wieder
herausfindet, ist er in recht vielen Fällen genauso klug wie zuvor.
Was ist Esoterik? ist die Frage, die mir in der letzten Zeit am häufigsten gestellt wurde. Der Titel
des vorliegenden Buches ist als Versuch einer Antwort zu verstehen und nicht etwa als
dogmatische Umgrenzung des Begriffs Esoterik. Dabei darf freilich nicht übersehen werden, daß
der Boom der letzten Jahre auch diesen Begriff nicht unbedingt hat transparenter werden lassen.
Es ist mir ein Anliegen zu zeigen, daß Esoterik nicht einfach ein anderes Wort für alternativ,
grün, versponnen oder gar verschwommen ist, sondern daß mit Esoterik eine jahrtausendealte
geistige Tradition der Menschheit bezeichnet wird, zu der wir, wenigstens im Westen, im Verlauf
der letzten Jahrhunderte mehr und mehr den Kontakt verloren haben, die aber nach meiner und
auch anderer Meinung die einzige Chance bietet, die Herausforderungen der kommenden Epoche
zu bestehen.
Der Weg zur Esoterik ist ein Weg, den jeder einzeln für sich allein gehen muß, selbst wenn er
sich mit Gleichgesinnten verbindet. Der esoterische Weg ist der Weg des Individuums in einer
Zeit der Vermassung. Das bedeutet Entscheidung. Dieses Buch will Fingerzeige geben und
daraufhinweisen, wo etwas zu finden ist, wenn man danach sucht. Aber das Gefundene aufheben
und bearbeiten muß jeder für sich selbst nach seiner eigenen Verantwortung. Somit bildet dieses
Buch in etwa die Ansammlung einzelner Mosaiksteinchen, die jeder selbst zum fertigen Bild
gestalten muß. Das Buch kann also nur Ansatzpunkte zeigen, wo und wie möglicherweise in das
überaus komplexe Thema eingestiegen werden kann.
In ihrem tiefsten Sinn kann Esoterik weder gelehrt noch gelernt, sondern nur erlebt und - das ist
das Wichtigste - gelebt werden.
Die in diesem Buch enthaltenen Informationen sind nach bestem Wissen und Können
zusammengetragen worden. Keine ganz leichte Sache, da, besonders was Daten und
Orthographie betrifft, auf diesem Gebiet die verschiedensten Varianten gebräuchlich und
überliefert sind.
Mein besonderer - Dank gilt Beatrice Groeflin, die alles gründlich überprüft und das Manuskript
revidiert hat.
Frauenkappelen bei Bern,
Jaggisbachau, im Juli 1985

Teil A
Am Anfang war das Feuer

Furchteinflößende, gespenstische Laute schreien durch das Dunkel. Ein ohrenbetäubender Lärm
von einer Vielfalt von Summen, deren einzelne Töne kaum mehr bestimmt werden können.
Langsam hebt sich aus dem Dunkel der Nacht ein schwacher Schein ab. Zögernd wird das Feuer
größer. Sein Licht fällt auf das barbarische Gesicht eines Menschen, der in einer scheinbar
stumpfsinnigen Geborgenheit, kaum Anteilnahme zeigend, diesem Lärm lauscht. Die Szene wird
erweitert durch glühende Augenpaare, die, scheinbar körperlos im Dunkel, beutegierig in den
Lichtkreis starren. Kommt eines zu nahe, ergreift der Mensch einen Stab, schwingt ihn in die
Richtung des drohenden Wesens, das sich mit einem Aufjaulen in die Sicherheit des Dunkels
zurückflüchtet.
Was sich in dieser Schilderung anhört wie ein magisches Beschwörungsritual, ist die
Eingangsszene des Filmes Am Anfang war das Feuer. Ein Mensch hütet mit Licht und Wärme
sein Leben vor den herandrängenden Schrecken der ihn umgebenden Natur: 80000 Jahre vor uns.
Wir befinden uns mitten in der letzten Eiszeit. Ich weiß nicht, ob der Regisseur diese Szene
bewußt so gestaltet hat, doch könnte ich mir keine bessere Darstellung der Situation des
Menschen in seiner Frühzeit vorstellen. Damals brach er auf, um in der ihm von allen Seiten her
feindlich gesonnenen Umwelt nicht nur zu überleben und seine Existenz zu behaupten, sondern
auch, um zu leben und auf die Dauer das zu gewinnen, was wir heute Lebensqualität nennen. Der
erwähnte Film erscheint mir in verschiedener Hinsicht bemerkenswert und hervorragend dazu
geeignet, uns heutigen Menschen zu zeigen, wie alles eigentlich gekommen ist und mit welcher
Hilfe der Mensch es wirklich bewältigte, sich aus seiner ihn allseits bedrohenden Situation zu
erheben und in einen Zustand zu gelangen, den wir heute mit den Begriffen Kultur und
Zivilisation bezeichnen. Auch wenn wir nicht rundum mit allem einverstanden sein können, was
mit diesen beiden Ausdrücken verbunden ist.
Wer sich mit der Esoterik als Ausdruck des überlieferten Wissens der Menschheit näher
beschäftigen will, findet in diesem Film ein ausgezeichnetes Mittel. Ja, die Auseinandersetzung
damit empfehle ich sehr, um so mehr, als der Film heute in Videotheken leicht zugänglich ist.
Freilich mag dieser Film für zartbesaitete Gemüter keine leichtverdauliche Kost sein, denn er
zeigt ungeschminkt und ehrlich Szenen der Gewalt, Vergewaltigung und Roheit, wie sie in jenen
fernen Zeiten an der Tagesordnung waren. Aber gerade dies ist, wie wir noch sehen werden,
vielleicht das große Thema, das die Menschheit in ihrem Streben nach Höherem und nach dem
Licht immer wieder von neuem beschäftigt.
Der Film enthält vier Szenen, die für mich gewissermaßen Schlüsselszenen sind. Sie zeigen in
Ansätzen, mit welchen Aufgaben und Problemen die Menschheit zur Zeit ihres Aufbruchs
konfrontiert war. Die erste ist die bereits erwähnte in der nächtlichen Höhle, wo dem Menschen
vor der Überwältigung der Natur nur dieses seltsame Feuer Schutz bot. Dieses war in mehrfacher
Hinsicht ein nicht faßbarer und nur unter Gefahren zu handhabender »Stoff«, der den archaischen
Menschen buchstäblich nur als Geschenk der Götter zukam, als Blitz oder als glühende
Lavamasse aus dem Innern der Erde. Ging dieses merkwürdige, so notwendige wie
schreckerregende Feuer einmal durch Unachtsamkeit, unglückliche Umstände oder gewaltsamen
Raub verloren, dann blieb nichts anderes übrig, als sich hinauszuwagen in die schreckliche
Umwelt — und dies ist der Inhalt des Filmes - , um das Verlorene wieder zugewinnen; wiederum
durch Raub und Gewalt oder in der verzweifelten Hoffnung auf eine aus einer anderen Sphäre
kommende Macht, wie Blitzschlag oder Vulkanausbruch, die der damalige Mensch

Share & Embed

More from this user

Add a Comment

Characters: ...