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Spiegel: Letzte Ausfahrt Eisenach

Spiegel: Letzte Ausfahrt Eisenach

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Mehrere Neonazis gehen in den Untergrund und bleiben fast 14 Jahre lang verschwunden. Sie rauben Banken aus, erschießen eine Polizistin und ermorden Einwanderer. Die Terroristen hinterlassen ein Geständnis auf DVD, das eine ungekannte Dimension rechten Terrors offenbart.
Mehrere Neonazis gehen in den Untergrund und bleiben fast 14 Jahre lang verschwunden. Sie rauben Banken aus, erschießen eine Polizistin und ermorden Einwanderer. Die Terroristen hinterlassen ein Geständnis auf DVD, das eine ungekannte Dimension rechten Terrors offenbart.

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11/09/2012

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�  46/2011
66
   P   O   L   I   Z   E   I   D   I   R   E   K   T   I   O   N   S   U   E   D   W   E   S   T   S   A   C   H   S   E   N   S   E   B   A   S   T   I   A   N   W   I   L   L   N   O   W    /   D   A   P   D
Rechtsextremisten Mundlos, Zschäpe, Böhnhardt, zerstörtes Wohnhaus in Zwickau:
Dramatische Funde im Schuttberg
Letzte Ausfahrt Eisenach
Mehrere Neonazis gehen in den Untergrund und bleiben fast 14 Jahre lang verschwunden. Sierauben Banken aus, erschießen eine Polizistin und ermorden Einwanderer. Die Terroristenhinterlassen ein Geständnis auf DVD, das eine ungekannte Dimension rechten Terrors offenbart.
 
Z
wickau, da, wo es an besseres Leip-zig oder Dresden erinnert: An derFrühlingsstraße im Viertel Weißen-born liegen renovierte Altbauvillen, dasGrün der Vorgärten akkurat gestutzt, dieBürgersteige besenrein. Eine scheinbarheile Wohnwelt, sähe es bei der Haus-nummer 26 nicht so aus, als wäre hier ge-rade eine Bombe eingeschlagen.Und es sieht nicht nur so aus. Die Fens-ter geborsten, ein Teil der Fassade aufden Rasen gestürzt, das Obergeschossrechts nur noch ein schwarzes Loch eswar tatsächlich eine Brandbombe, diehier vor gut einer Woche explodiert ist.Was aber für eine Bombe hier wirklichgeplatzt ist, steht erst seit vergangenemFreitag fest. Eine, die nun nicht nur dieNachbarhäuser in der Frühlingsstraße er-schüttert hat, sondern die ganze Repu-blik.Kurz bevor am 4. November um 15.05Uhr die Flammen aus den leeren Fenster-löchern schlugen, hatte Beate Zschäpe,die Bewohnerin, das Haus verlassen. IhreKatzen gab sie noch bei den Nachbarnab, dann tat sie das, was sie seit fast 14Jahren immer wieder gemacht hatte: Sieverschwand.Drei Stunden vorher war auch im 180Kilometer entfernten Eisenach ein Brandgelegt worden, in einem geparkten Wohn-mobil. Die beiden Männer darin, UweMundlos und Uwe Böhnhardt, hatten ge-rade eine Bank überfallen, hier in Eise-nach endete ihre Flucht, die genauso lan-ge gedauert hatte, 14 Jahre. Bevor einePolizeistreife das brennende Auto erreich-te, erschossen sie sich.Die Ermittler brauchten nicht lange,um den Zusammenhang zu erkennen.Seitdem trugen sie den Schuttberg in derFrühlingsstraße Schicht um Schicht ab,auf der Suche nach Spuren. Und je tiefersie gruben, umso unfassbarer die Funde,umso monströser der Befund.Oberste Schicht: nur eine Gang vonBankräubern, die ihren Unterschlupf indie Luft gejagt hat? Tiefer.Ein Neonazi-Trio, das Ende der neun-ziger Jahre in Thüringen Rohrbomben ge-baut hat und hier untergetaucht war?Noch tiefer.Kaltblütige Mörder, die vor vier Jahrendie Polizistin Michèle Kiesewetter in Heil-bronn erschossen haben? KiesewettersHeckler & Koch P 2000 und die ihresschwerverletzten Kollegen hatten dieFahnder schließlich im ausgebranntenWohnmobil gefunden; die mutmaßlicheTatwaffe lag im Schutt von Zwickau. Abernein, das war immer noch nicht alles.Also was noch? Eine rechtsextremeTerrorgruppe, die seit dem Jahr 2000 inganz Deutschland wahllos neun Männererschossen hat, acht aus der Türkei undeinen aus Griechenland? So tief reichtseit Ende vergangener Woche der Befund.Denn da fand die Polizei in dem Trüm-merberg eine Waffe, die zum Synonymfür die wohl längste, brutalste und gleich-zeitig rätselhafteste Mordserie des Landesgeworden ist. Ceska, Modell 83, Kaliber7,65 Millimeter Browning.Noch hatten die Ermittler die Untersu-chung der Pistole am vergangenen Freitagnicht abgeschlossen, aber für sie steht sogut wie sicher fest: Es ist die Ceska, mitder von 2000 bis 2006 die Döner-Mordebegangen wurden, so genannt, weil zweider Opfer Döner verkauften. Neben derWaffe fand die Polizei im kohleschwarzenChaos von Zwickau vier DVDs, die be-reits in Briefumschläge verpackt waren.Auf die Scheiben gebrannt war ein 15-mi-nütiger Film eines „Nationalsozialisti-schen Untergrunds“ (NSU). Man sei ein„nationales Netzwerk von Kameradenmit dem Grundsatz Taten statt Worte“,heißt es in dem Film, der dem SPIEGELvorliegt. „Solange sich keine grundlegen-den Änderungen in der Politik, Presseund Meinungsfreiheit vollziehen, werdendie Aktivitäten weitergeführt.In einem makaberen Comic-Stil führendie Autoren mit der ZeichentrickfigurPaulchen Panther durch eine „Deutsch-land-Tour“, die die Tatorte der neunDöner-Morde abschreitet. Sie filmen dasTürschild des Blumenhändlers Enver S.ab, des ersten Döner-Opfers, zeigen seineLeiche und ein Bild, das offensichtlichvon den Neonazis selbst am Tatort auf-genommen wurde, versehen mit der Auf-schrift „Original“. Der Streifen, unterlegtmit der Musik des rosaroten Panthers, isteine Mischung aus ebenso infantiler wiefaschistischer Ästhetik, und er strahlt Ei-seskälte aus.Auf einem anderen Bild werden dieFahndungsaufrufe der Polizei verhöhnt,dazu die Zeile: „NSU: Heute Aktion Dö-nerspieß“. Ergänzt wird die zynische Lei-chenschau durch einen Pressespiegel mitZeitungsartikeln zu den Attentaten undden Bildern von mehreren erschossenenTürken.In dem Selbstbezichtigungsvideo rüh-men sich die Neonazis auch, 2004 einenBombenanschlag in Köln begangen zuhaben, bei dem 22 Menschen verletztwurden, fast ausschließlich Türken. Zusehen ist die mutmaßliche Bombe vor derDetonation, ein Koffer auf einem Fahr-rad, gefüllt mit silberglänzenden Nägelnund einer Gasflasche. Der Film endet miteinem Bild des Polizistenmordes vonHeilbronn und der Präsentation der mut-maßlichen Polizeiwaffe.
Die Agitprop-Videos waren an mehrereMedien und islamische Kulturzentren adres-siert, sie sollten nach 13 Jahren stillen Ter-rors offenbar die nächste Stufe zünden: ei-nen Propagandafeldzug. Die Neonazis fühl-ten sich anscheinend stark genug, es jetztmit der ganzen Gesellschaft aufzunehmen.Die Ceska und die DVDs sind damit dieentscheidenden Puzzlestücke in einem Fall,
Titel
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   S   T   E   F   A   N   H   I   P   P   E   L   /   N    Ü   R   N   B   E   R   G   E   R   N   A   C   H   R   I   C   H   T   E   N   (   L .   )   ;   N   O   R   B   E   R   T   F    Ö   R   S   T   E   R   L   I   N   G   /   D   P   A   (   R .   )
Tatort nach Anschlag auf einen Imbissbesitzer in Nürnberg 2005, Trauerzug für erschossene Polizistin 2007:
Mordserie mit eiskalter Präzision
 
wie es ihn in der Geschichte der Republiknoch nicht gegeben hat. Eine Mordserie,begangen von einem braunen Killerkom-mando, das offenbar in glühendem Hassauf Ausländer anlegte, und doch mit so eis-kalter Präzision, dass ihm die Ermittler einJahrzehnt lang nicht auf die Spur kamen.
Im Gegenteil: Noch kürzlich mutmaß-ten die Fahnder, dass die Döner-Mordeauf das Konto der türkischen Mafia gin-gen und mit Schutzgelderpressung zu tunhätten. Oder die Täter im Dickicht natio-nalistischer Splittergruppen vom Bospo-rus zu suchen wären. Oder sonstwo, aberziemlich sicher nicht unter Rechtsextre-misten (SPIEGEL 34/2011). Die, so dieHoffnung, kannte man doch, hatte manim Griff. Eine Fehleinschätzung, wie sichnun zeigt.Erst recht, weil es offenbar Mitver-schwörer gab. Wie aus der thüringischen
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