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Psyihofarmakologie 10-15

Psyihofarmakologie 10-15

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11 Depressive Erkrankungen, Antidepressiva,Manie und Lithium
Affektive Störungen sind sehr verbreitet, fast jeder Fünfte leidet irgend-wann in seinem Leben unter einer depressiven Episode. Bei gut der Hälftedieses Personenkreises wird die depressive Störung so schwer, daß eine Be-handlung erforderlich wird. Vor allem bei zyklisch, also wiederholt in Ab-
standen auftretenden depressiven Phasen stellen antidepressive Medikamente
die Behandlung erster Wahl dar. Um Wirkungen und Einsatz antidepressi-ver Medikamente überlegt beurteilen zu können, muß man sich vor Augenhalten, welche Störung bzw. welche Symptomatik behandelt werden soll.Daher wird zunächst ein Überblick über das Krankheitsbild affektiver Stö-rungen gegeben, wobei die Zielgruppe für die Behandlung mit antidepressi-ven Medikamenten im Vordergrund steht. Es schließt sich ein Überblicküber die wichtigsten Hypothesen zur Genese depressiver Störungen an. Vordiesem Hintergrund werden dann die hauptsächlichen Gruppen antidepressi-ver Medikamente, ihre klinischen Wirkungen und Nebenwirkungen vorge-stellt. Eine wichtige neurophysiologische Hypothese zur Genese depressiverStörungen ist die sogenannte ‘Monoamin-Hypothese’, die Veränderungen in
zentralnervösen catecholaminergen Systemen als Ausgangspunkt depressiver
Erkrankungen beschreibt. Diese Hypothese wird anhand der Wirkungen an-tidepressiver Medikamente an catecholaminergen Rezeptoren erörtert. Ab-schließend wird die medikamentöse Behandlung bipolarer Depressionen undder Manie mit Lithiumsalzen vorgestellt und diskutiert.
Symptome depressiver Störungen
Depressive Verstimmungen sind uns allen aus eigener Erfahrung bekannt. Mandenke beispielsweise an den Tod eines Freundes. Aber auch Enttäuschungen,persönliche Zurücksetzungen, etwa nach Versagen in einer Prüfung oder beiVerlust der Stellung, knicken unser Selbstbewußtsein und können traurig ma-chen, für Stunden oder auch für Tage und häufig auch wiederkehrend. Man
 
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Kapitel 11
fühlt sich während dieser Zeit lustlos, hilflos, passiv. Das Interesse an vielenalltäglichen Dingen geht ,verloren, man zieht sich von Freunden und sozialenAktivitäten zurück. Nicht nur emotionale, sondern auch kognitive Prozessesind in dieser Zeit verändert, es fehlt die Freude an der Arbeit und die Fähig-keit sich zu konzentrieren. Nach gravierenderen Ereignissen wird selbst eineerwachsene Person weinen. Phylogenetisch betrachtet sollten solche Verhal-tensweisen eigentlich die soziale Reintegration fördern. Wer etwa würde sicheinem weinenden Kind nicht zuwenden? In unserer modernen Gesellschaftkann aber der soziale Rückzug genau das Gegenteil bewirken, daß nämlich dietrauernde Person von ihrer sozialen Umgebung gar nicht entdeckt wird und soauch keine Hilfe von anderen erfahren kann.Handelt es sich bei Depression im klinischen Sinne um die extremste Formeines Gefühlszustandes, den wir alle kennen? Gibt es ein Kontinuum, das von
‘normaler’,
‘alltäglicher’ Trauer und Verstimmung hin zur Monate dauerndenDepression führt, aus der der Betroffene keinen Ausweg mehr findet und er-hofft? Wir wissen die Antwort nicht. Sicher aber ist, daß selbst wenn es solchein Kontinuum gibt, eine klinische Depression etwas anderes ist als die unsallen aus eigener Erfahrung bekannte Traurigkeit und Lustlosigkeit, daß diegeschilderten emotionalen, kognitiven und behavioralen Veränderungen nichtnur besonders intensiv sind, sondern eine andere Qualität bekommen.
Depressionen äußern sich in Störungen in nahezu allen Bereichen:
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Stimmung:
Der Depressive fühlt sich niedergeschlagen, traurig, mutlos, gedrückt, verzwei-felt, hoffnungslos, lustlos, ängstlich, schuldig, wertlos und nutzlos, kann nichts genießen; dieStimmungslage wird oft als ‘dysphorisch’ bezeichnet.
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Aktivität:
Der Depressive kann sich zu nichts aufraffen, ist lethargisch, apathisch, müde,leidet unter Energieverlust und mangelnder Motivation. Seine Bewegungen sind verlangsamt.Er zieht sich aus allen sozialen Aktivitäten zurück, zeigt kein Interesse an Hobbies, Menschen,alltäglichen Aufgaben.
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Kognitive Prozesse:
Der Depressive leidet unter Konzentrations- und Gedächtnisstörun-gen. verlangsamten Denkprozessen, negativen Vorstellungen über die Zukunft, unrealistischenund negativen Einstellungen zur eigenen Person, unter zwanghaften, ängstigenden Gedankenan Tod und Selbstmord. Er ist unentschlossen, selbstunsicher, neigt zu Selbstvorwürfen undGefühlen der Unfähigkeit; seine Leistungsfähigkeit ist reduziert.
l
Körperliche Prozesse
begleiten die Depression: Appetitverlust, Müdigkeit, Schlafstörun-gen, Libidoverlust, Gewichtsabnahme oder auch Gewichtszunahme, Schmerzen.
 
Depression
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Verhalten:
Der soziale Rückzug fällt oft deutlich auf, daneben beobachtet man verlangsam-te motorische Reaktionen, blasses Aussehen, gebeugte, schlaffe Haltung, reduzierte Mimikund Gestik, leises Sprechen, Vernachlässigung der Hygiene.
Fast spiegelbildlich entgegengesetzte Symptome treten bei der
Manie
oderwährend manischer Phasen auf (letzter Abschnitt dieses Kapitels), also bei-spielsweise erhöhte Aktivität, gesteigertes Selbstwertgefühl, gehobene Stim-mung, reduziertes Schlafbedürfnis, gesteigerte Libido, Reizbarkeit. Eine mani-sche Person ist voller Energie, Schwung und Optimismus. Im Zustand hoherErregung vermindert sich das Urteilsvermögen und das Verhalten wirdexzentrisch. Dies kann zu sexueller Promiskuität, zu übermäßiger Geschwät-zigkeit und zum Entwerfen grandioser Pläne führen. Der extreme Manikerspringt nach nur zwei oder drei Stunden Schlaf voller Energie und mit Ideenzu neuen Projekten aus dem Bett, besitzt aber nicht die Konzentration und dasVermögen, diese auszuführen. Im weniger exzessiven, hypomanischen Zustandkönnen diese Personen aber sehr wohl erfolgreich arbeiten. Patienten mit
bi-polarer Depression
leiden sowohl unter manischen als auch depressivenPhasen, die ‘zyklisch’, also im Wechsel auftreten, wobei jede Phase einigeWochen bis Monate anhalten kann und die Phasen im Abstand von einigenWochen bis Monaten aufeinander folgen bzw. ineinander übergehen.Affektive Störungen machen sich auf allen Verhaltensebenen, der emotionalen,kognitiven, physiologischen und motorischen Ebene, bemerkbar und beein-flussen alle Lebensbereiche, den sozialen Bereich sowie den Leistungsbereich.
Klassifikation depressiver Störungen
Die Vielfalt depressiver Symptome hat seit Beginn systematischer Forschungzu diesem Störungsbild das Bedürfnis nach Zuordnungen, nach Klassifikatio-nen gefördert. Emil Kraepelin beschrieb als erster das Syndrom der ‘manisch-depressiven Psychose’ und betonte bereits mit dieser Bezeichnung einen Zu-
sammenhang zwischen manischen und depressiven Episoden. Insgesamt führten
aber die Vielfalt der Syndrome, bei denen depressive Symptome dominieren,und die Unklarheit über zugrundeliegende Ursachen zu einer Vielfalt vonKlassifikationen. Man nimmt heute eher Abstand von lange gebräuchlichenEinteilungen in ‘somatogene’,‘endogene’ und ‘reaktiv/neurotische’ Depressio-nen, in ‘major’ und ‘minor’, in ‘psychotische’ und ‘situative’ Depressionen,

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