Welcome to Scribd, the world's digital library. Read, publish, and share books and documents. See more
Download
Standard view
Full view
of .
Look up keyword
Like this
3Activity
0 of .
Results for:
No results containing your search query
P. 1
47. Zeichenkonzeptionen in Der Religion Der Griechischen Und Roe Misc Hen Antike

47. Zeichenkonzeptionen in Der Religion Der Griechischen Und Roe Misc Hen Antike

Ratings: (0)|Views: 52 |Likes:
Published by boschdvd8122

More info:

Published by: boschdvd8122 on Dec 03, 2011
Copyright:Attribution Non-commercial

Availability:

Read on Scribd mobile: iPhone, iPad and Android.
download as PDF, TXT or read online from Scribd
See more
See less

02/20/2013

pdf

text

original

 
939
47. Zeichenkonzeptionen in der ReligionManetti, Giovanni (1988a), “Perception, Encyclo-pedia, and Language among the Stoics”. In: G.Manetti (ed.),
Signs of Antiquity / Antiquity of Signs
Versus 50/51
: 123
44.Manetti, Giovanni (ed.) (1988b),
Signs of Antiq-uity/ Antiquity of Signs
Versus 50/51
: 1
223.Martin, Jean (1979), “Les phe´nome`nes d’Aratos”. In: G. Aujac and J. Soubiran (eds.),
L’astronomiedans l’antiquite´ classique
. Paris: 91
104.Repellini, Ferruccio F. (1985), “Cielo e terra”. In:M. Vegetti (ed.),
Il sapere degli antichi.
Turin:126
62.
47. Zeichenkonzeptionen in der Religionder griechischen und römischen Antike
1. Einleitung1.1. Zeitrahmen1.2. Eigenarten antiker Religion1.3. Religion und Zeichen2. Zeichen des Sakralen2.1. Der Ort2.2. Die Person3. Das Götterbild3.1. Allgemeines3.2. Das Kultbild im Ritual3.3. Bilderkritik4. Ritual als Zeichen4.1. Das Opfer4.2. Gestik4.3. Andere Riten5. Das Wort als verbales Ritual5.1. Götternamen5.2. Gebete und Kultrufe6. Divination6.1. Orakel, Traum6.2. Zeichen7. Der Aufstieg des Christentums7.1. Die historische Entwicklung7.2. Das Bilderproblem8. Literatur (in Auswahl)8.1. Quellen8.2. Sekundärliteratur
1. Einleitung
1.1. ZeitrahmenDer vorliegende Überblick über die Zeichen-konzeptionen in der griechischen und römi-schen Religion setzt seine zeitlichen Grenzenrückwärts mit dem Beginn der dichterischen(Homer, Hesiod) und künstlerischen (geome-trische Kunst) Äußerungen des 8. Jahrhun-derts v.Chr., nach vorne mit der Christiani-
Rist, J. M. (1972),
Epicurus
:
An Introduction
. Cam-bridge, England.Sassi, Maria M. (1988),
La scienza dell’uomo nellaGrecia antica.
Turin.Sorabji, Richard (1983),
Times
,
Creation and theContinuum.
London.Vegetti, Mario (ed.) (1985),
Il sapere degli antichi.
Turin.
Giovanni Manetti, Siena (Italy)
sierung, deren äußerliches Signal das Verbotpaganer Kulte durch Theodosius I. im Jahre395 n.Chr. war. Ausgespart bleibt nach vorneder ganze Bereich der Rezeption paganerVorstellungen im Christentum (vgl. dazuArt. 58 § 5. und Art. 60 § 3.2.2. und § 6.7.),nach hinten die Religion der griechischenBronzezeit („minoische“ Religion vor allemKretas, „mykenische“ Religion; vgl. Art. 32§ 4.): sie stellt ihre eigenen Probleme, da sienur bedingt durch schriftliche Äußerungenerfaßbar ist (überliefert und lesbar sind bloßdie sogenannten „Linear B-Texte“, zufälligerhaltene Verwaltungsnotizen lokaler Palä-ste), Architektur und Ikonographie teils ei-genständig, teils von den Hochkulturen desVorderen Orients mitgeprägt sind und dieFrage der religiösen Kontinuität durch dieradikalen politischen, sozialen und kulturel-len Brüche am Ende der Bronzezeit nochnicht zufriedenstellend gelöst ist (Burkert1977, 48
98; Marinatos 1992).1.2. Eigenarten antiker ReligionDie griechische und römische Religion ist re-solut anthropomorph: die tter habenMenschengestalt und sind nach Menschenartreagierend gedacht; Mythos, Ikonographieder Kultbilder und indigenes Verständnis desKultes richten sich danach. Zentrale Aus-drucksform ist der Mythos, der auch wei-testgehend die Ikonographie bestimmt; auchin Rom folgt der Mythos wesentlich griechi-schen Modellen. Zwar sind die Götter einGegenbild der Menschen, indem sie alterslosund unsterblich sind, Kraft zum wunderba-
 
940
VII. Griechische und Römische Antike
ren Eingreifen und Befähigung zum sorgenlo-sen, „leichten Leben“ (Homer) haben. Dochdrückt sich dies nicht (wie etwa in Ägyptenoder Indien) in nichtmenschlichem Aussehen,Denken und Fühlen aus; vielmehr wird auf die Gottheit eine von menschlichen Defizien-zen gereinigte Idealgestalt des Menschen pro- jiziert. Auch bei den Sozialstrukturen derGötterwelt ist die elementarste Struktur wiebeim Menschen die Familie (die allerdings beiden Olympiern, vor allem den männlichen,von den Zwängen monogamer Ehebindungbefreit ist). Die politische Struktur aber über-nimmt auch nach der Transformation der ar-chaischen Adelsstaaten in Demokratien niedie demokratischen Strukturen der Men-schenwelt, der Olymp bleibt ein Königreichunter König Zeus; diese Asymmetrie spiegeltsich im Kult, wo auch in demokratischer Zeitin Athen ein „Beamter König“ („A´rcho¯n Ba-sileu´s“), in Rom ein „Rex Sacrorum“ in ritu-eller Funktion erhalten bleiben. Der religiöseSymbolismus des hellenistischen Königtumsund des mischen Kaisertums konntenleicht wieder hier anknüpfen.Gleichzeitig zeigt die kosmo- und theogo-nische Mythologie seit Hesiods
Werken und Tagen
(Anfang des 7. Jahrhunderts v.Chr.)den Menschen in einer ambivalenten hierar-chischen Stellung den Göttern gegenüber.Zwar wird die jetzige Ordnung der Weltdurch die Funktionen definiert, die die Gene-ration der jetzt herrschenden Götter im Pro-zeß der Götter- und Weltwerdung erworbenhat, doch ist kein Gott für die Schöpfungdes Menschen verantwortlich, gibt es keinenbedeutenden Menschenschöpfungsmythos;wenn in antik eher marginalen und spätenMythen etwa Prometheus auch Menschen-schöpfer ist, ist er eine göttliche Gestalt einerfrüheren Generation ohne bedeutenden Kult:der Mensch ist also nicht Geschöpf der Göt-ter (wenigstens nicht derer, die die jetzigeWeltordnung determinieren), anders als in Is-rael und im Alten Orient, wo der Mensch ein-deutig Kreatur und Untergebener der Götterder Jetztzeit ist, geschaffen zum Dienst an ih-nen, um ihnen harte Arbeit abzunehmen, wiemesopotamische Mythen formulieren. Ent-sprechend sind auch im rituellen Verkehr vonGott und Mensch die Hierarchien ambiva-lent: in der Ideologie von Opfer und Weihge-schenk mischen sich Vorstellungen von derreziproken Gabe zwischen sozial Gleichge-stellten, welche Bindungen schafft, mit sol-chen vom Geschenk des sozial Tieferstehen-den an den Höherstehenden und sogar desFütterns eines sozial Abhängigen; in der ko-mischen Brechung der aristophanischen
Vö- gel 
können die Vögel, angestiftet von ihrenmenschlichen Führern, gar die Nahrungszu-fuhr zwischen irdischen Opferstätten undhimmlischer Götterwohnung abschneidenund die Götter erpressen.Die fast ausschließlich anzutreffende Reli-gionsform Griechenlands und Italiens im er-sten Jahrtausend v.Chr. ist die der Polisreli-gion, d.h. ein System, das grundsätzlich auf den Raum eines einzigen Stadtstaates ausge-richtet ist und nur sekundär (und weit stärkerin der Ideologie als in der religiösen Praxis,wo dies nur punktuell geschieht) sich mit an-deren Polissystemen zu überlokalen, garüberregionalen Systemen vernetzt; streng ge-nommen ist eine Einheit „griechischer Reli-gion“ Postulat, nicht Realität. Immerhin gehtwenigstens in Griechenland der kosmogoni-sche und genealogische Mythos schon frühweit über den Polisrahmen hinaus zur Kon-struktion einer panhellenischen Einheit: be-reits in den nachhesiodeischen
Ehoien
(Mittedes 6. Jahrhunderts v.Chr.?) wird eine Genea-logie gesamtgriechischer heroischer Ahnenaufgestellt.Die Stadt Rom ihrerseits ist bis in spätre-publikanische Zeit eine Polis am Rande dergriechischen Welt, zwar außerhalb des helle-nischen Gemeinsamkeitsgefühls, das sich in-stitutionell in panhellenischen Festen und Ri-ten äußerte, doch soweit innerhalb ihrer, daßeine kulturelle und religiöse Durchdringungebenso faßbar ist wie die Inanspruchnahmeüberlokaler griechischer Heiligtümer (Delphi;Delos; Epidauros) durch individuelle Römerund den römischen Staat. Spezifische Eigen-heiten Roms liegen nicht völlig, aber weitge-hend in der Spannweite der Unterschiede un-ter den lokalen Religionen der griechischenPoleis; größte Einschränkung ist, daß in Romkeine umfassenden kosmogonischen Mythenwichtig sind, sondern Entstehungsmythen dereigenen Stadt. Die grundsätzliche Einheit derbeiden Religionen erlaubt also nicht, im hierbetrachteten Zeitraum von rund zwölf Jahr-hunderten zwischen griechischer und römi-scher Religion grundsätzlich zu trennen; undseit der frühen Kaiserzeit verschmelzen diebeiden Kulturen jedenfalls in sehr großemMaß.1.3. Religion und ZeichenReligion kann verstanden werden als ein Mit-teilungssystem, das sich symbolischer Aussa-
 
941
47. Zeichenkonzeptionen in der Religion
gen bedient; zumeist wird dabei die konno-tative Ebene der verwendeten Zeichen ausge-nützt und privilegiert. Angesichts der domi-nanten Form der Polisreligion kann es ineiner Übersicht nur darum gehen, Gemein-samkeiten und gegebenfalls signifikante Be-sonderheiten aufzuzeigen (zur Verwendungder griechischen Wörter für Zeichen vgl.Art. 39).Die antiken Religionen Griechenlands undRoms sind polytheistische Systeme; derRaum des Religiösen wird durch eine Viel-zahl von aufeinander bezogenen übernatürli-chen, personell gedachten Akteuren (Göt-tern, „daı´mones“, Heroen, in einer im Lauf der Zeit sich festigenden und verkomplizie-renden Hierarchie) bestimmt. Grundsätzlichkann man dementsprechend unterscheidenzwischen (a) Zeichen für die Götter usw. undden ihnen zugehörigen sakralen Bereich, alsoZeichen, mit denen die Menschen das Göttli-che und seinen Bereich kennzeichnen (sieheunten § 2.
5.), und (b) Zeichen von den Göt-tern usw. her, also Zeichen, welche die Men-schen als von den Göttern gesandt deuten(siehe unten § 6.): das Erkennen und Deutendieser Zeichen von den Göttern her ist Auf-gabe der Wahrsage- und Zeichendeutungs-kunst, Divination. Im ersten, umfassendenund hier vornehmlich behandelten Bereichder Zeichen für das Göttliche sind Zeichen(1) materielle Objekte
natürliche Ge-genstände, Bauten, rituelle Paraphernalia,Kleidungsstücke; privilegiert sind dabei dieGötterbilder nicht zuletzt deswegen, weil sichan sie seit dem späten 6. Jahrhundert v.Chr.eine ausführliche und verästelte Reflexionüber die Funktion des Bildes in der Religionanschließt, die auch nach dem Ende der pa-ganen Religion nicht zur Ruhe kommt;(2) rituelle Handlungen, einschließlich Ge-sten und Gebärden, deren spezifisch religiöseFunktion noch ungenügend erforscht ist;(3) sprachliche Zeichen, Götternamenebenso wie verbale Riten (Gebete, Flüche,Zaubersprüche, Hymnen, Ausrufe); an dieNamen schloß sich wie an die Bilder eine in-tensive antike Reflexion an.Im zweiten Bereich, den Zeichen von denGöttern her, die Objekt der Deutung („divi-natio“) sind, unterscheidet die griechisch-rö-mische Theorie nach der Art der Deutungzwischen kunstmäßiger Divination („artifi-cialis“), wo die Deutung einem ausgebildetenSpezialisten obliegt (Eingeweideschau, Augu-ralwesen, Astrologie, Losorakel, Wunderzei-chen und Blitze), und natürlicher („natura-lis“), wo keine kunstmäßige Deutung zwin-gend ist (Traum, Ekstase) (zur Klassifikationder religiösen Zeichen im Christentum vgl.Art. 58 § 3.).
2. Zeichen des Sakralen
2.1. Der OrtReligion ist an Orte gebunden. Kult findetim sakralen Raum, an bestimmten sakralenObjekten statt (vgl. Abb. 47.1). Solche Ob- jekte sind entweder natürliche, gewachsene(Bäume, Quellen, Grotten) oder vom Men-schen gesetzte Gegenstände (Steine, Stein-haufen) oder aber Artefakte (Pfeiler, Altäre,Tempel, Statuen).Die Heiligkeit der natürlichen Gegen-stände wird durch rituelle Aktionen (Begie-ßen mit Öl, Wein und anderen Flüssigkeiten,Opfer) punktuell, durch besondere Auszeich-nung (Aufhängen von Kränzen, ndernoder Votivbildern; Versenken von Opferga-ben wie Münzen; Einsalben mit Öl) mehroder minder permanent markiert: dadurchwird der Zeichencharakter des Verweises auf eine Gottheit eindeutig gemacht (vgl. Abb.47.2). Fehlen solche Attribute, so bleibt derVerweis jedoch auch möglich (Seneca,
Epistu-lae morales
41,3). Wichtiger ist der ausge-grenzte sakrale Raum (gr.
te´menos
, lat.
tem- plum
,
fanum
,
delubrum
): eine Quelle kannTeil eines solchen größeren sakralen Raumssein (Clitumnus: Plinius,
Epistulae
8, 8; vgl.auch Art. 36 § 4.3. und § 5.4.). Grenzsteinemarkieren seine Peripherie, Altäre, Weihge-schenke, Statuen, Tempel seinen Binnen-raum. Verschiedene Bereiche des sakralenRaums werden durch verschiedene Zugäng-lichkeit differenziert: es gibt im Temenos Be-reiche, wo Gläubige bloß nach Vollzug be-sonderer Rituale (Opfer vor dem Eintritt inden Schlafsaal in Inkubationsheiligtümern)oder wo allein Priester zugelassen waren(Adyta, „Allerheiligste“ in verschiedenenTempeln); im Extremfall ist der durch Grenz-steine markierte Raum leer und für den Men-schen unbetretbar (gr.
a´baton
als ‘Ort desBlitzeinschlags’).Zentral ist der Altar als Ort des Opfers(Homer,
Ilias
8, 48; Ovid,
Metamorphosen
6,325f); die griechische Dichotomie von auf-gemauertem, durch Stufen hervorgehobenemBrandaltar und ebenerdiger Eschara bzw.Opfergrube übernimmt die Dichotomie vonhimmlischen und unterirdischen Opferemp-

You're Reading a Free Preview

Download
scribd
/*********** DO NOT ALTER ANYTHING BELOW THIS LINE ! ************/ var s_code=s.t();if(s_code)document.write(s_code)//-->